Jakob überwand die kurze Distanz zu Leonhard und presste seinen Mund auf Leonhards warme Lippen. Dabei glitt seine Hand nach hinten in Leo’s Nacken, den er sanft umfasste.

Es war nicht wirklich vorherzusehen gewesen, dass Jakob das tun würde. Oder doch? Es war ja nicht so, dass Leonhard gehemmt war. Aber so spontan wie Jakob war er nun auch wieder nicht. Doch sein Körper wusste was zu tun war und der Blondschopf erwiderte den Kuss. Genau genommen machte er erst einen richtigen Kuss daraus, denn Leo öffnete seine Lippen und stubbste mit der Zunge gegen Jakobs Mund.

Und der ließ sich nicht lange bitten. Leonhard im Nacken kraulend und mit seinen blonden, feinen Haaren spielend, kam er ihm entgegen. Ganz leicht nur berührten sich ihre Zungenspitzen. Umschmeichelten und liebkosten sich ohne Hast. Jakob quittierte Leonhards Hand auf seinem Knie mit einem kehligen Stöhnen und er intensivierte den Kuss.

Es war doch nur eine natürliche Reaktion den anderen bei so einem sinnlichen Kuss auch berühren zu wollen. Und Jakob küsste auch sehr gut. Leonhard ließ ihm die Führung, doch dann drängte er Jakob zurück und erforschte – fast ein wenig fordernd – Jakobs Mund. Dabei streichelte er ihm übers Knie und seine Fingerspitzen tasteten sich auch über die Innenseite des Oberschenkels.

Sie konnten beide ziemlich fordernd sein und als sie den Kuss schliesslich brachen, war Jakob ausser Atem. Mit einem blöden Grinsen sah er Leonhard an und dachte gar nicht daran die Hand von ihm zu nehmen. Und er schob auch Leos Hand nicht weg, die in zwischen an seinem Oberschenkel weiter nach oben geglitten war.

Tatsächlich berührte Leonhard mit seinen Fingerspitzen Jakobs Schritt und er konnte eine leichte Erregung fühlen. „Ich würde Dich ja nach oben bitten.“ gab der Blondschopf blinzelnd zu. „Aber dann gibt es wohl morgen kein Date. Oder?“

„Was?“ Jakob sah Leonhard an und lachte. „Doch. Es würde trotzdem ein Date geben. – Ausser Du gibst mir einen Korb.“ Prompt warf er Leonhard einen sehr treuherzigen Blick aus seinen brauen Augen zu. Dem sollte er doch wirklich nicht widerstehen können.

Konnte Leo auch nicht und er lachte ebenfalls. „Nein ich geb Dir für morgen keinen Korb.“ Oder heute. Es war ja schon Samstag. Und er hatte etwas Schlaf nötig.

Gut, keine Einladung nach oben. Aber darüber war Jakob jetzt nicht so traurig. Er, nein sie, hatten ja Zeit. Und Leonhard schien niemand zu sein, der sich Hals über Kopf in ein Abenteuer stürzte. Aber das hatte natürlich den Vorteil, dass man sich keine Abfuhren holte. Zumindest keine, die wirklich schmerzten. „In Ordnung. Wann darf ich Dich abholen?“ Es machte Jakob nichts aus mit dem Auto zu fahren. Irgendwie musste er ja auch wieder nach Hause.

Schade, dass Jakob nicht ein wenig fordernder und dreister war. Denn Leonhard hätte ihm vermutlich nachgegeben. Aber halt nicht gleich. „Ähm.“ Er war ein wenig überrascht. Jakob wollte ihn abholen? „Mhm.“ Der Blondschopf sah auf seine Uhr und kniff ein wenig die Augen zusammen. Es war ja ziemlich dunkel. „Sagen wir acht Uhr?“ Das war doch keine schlechte Zeit, oder? „Dann können wir noch immer überlegen was wir machen und wohin wir fahren.“

Ja, das eine sehr gute Zeit. „Ja in Ordnung. Und nicht, dass ich dann vor verschlossener Tür steh.“ feixte Jakob und drückte Leonhard noch einen Kuss auf den Mund. „Sonst läute ich Sturm und nerve die Nachbarn.“

Scherzkeks. Leonhard blinzelte wieder und schüttelte den Kopf. „Nein. Ich lass Dich schon nicht im Regen stehen.“ Hatte er schön formuliert, denn im Augenblick nieselte es etwas. Und wenn man dem Wetterbereicht Glauben schenken durfte, dann würde sich das wohl so weiterziehen. „Also dann bis morgen. Und danke für den schönen Abend.“ Der Blondschopf sah seiner Begleitung in die Augen und ergriff dann seinerseits die Initiative. Wieder trafen sich ihre Münder zu einem wenig keuschen Kuss.

Jakob ließ sich auf den Kuss ein und züngelte verspielt mit Leonhard, der ihm wirklich ziemlich auf die Pelle rückte und dessen Hand ihn kundig geil machte. Aber Jakob ließ sich lieber nicht fallen. Sonst fiel es ihm später schwer vernünftig zu sein und nach Hause zu fahren.

Natürlich wollte Leo Jakob ein wenig reizen. Ganz so langweilig wie er aussah war er ja nun auch wieder nicht. Seine Hand bewegte sich immer wieder über den Oberschenkel und den Schritt von Jakob. Doch schliesslich brach der Kuss und nahm auch seine Hand von Jakob. „Dann bis morgen, Jakob.“ wiederholte er sich und stieg rasch aus dem Auto aus.

„Tschüss.“ gelang es Jakob noch zu rufen, da hatte Leonhard auch schon die Tür zugeworfen. Jakob sah Leonhard noch nach, winkte ihm und fuhr erst los, als Leonhard durch das Haustor verschwunden war.

Auf dem Weg nach Hause musste er sich mit lauter Musik wach halten. Sonst wäre er wirklich eingeschlafen. Zu Hause – auf dem Bauernhof – war es noch ganz still und ruhig als er schliesslich ankam. Nicht einmal bei den Großeltern brannte Licht. Und die waren ja bekannt dafür, dass sie noch vor den Hühnern aufstanden.

Durch den seperaten Aufgang kam er in seine Wohnung. Es war etwas kühl. Kein Wunder. Es war ja seit Stunden nicht mehr geheizt worden. Doch jetzt lohnte es sich auch nicht mehr. Rasch zog er sich aus und verschwand in seinem Bett.

Aus dem kam Jakob auch erst am späten Vormittag. Grau in grau war die Welt als er einen ersten Blick nach draussen warf, ehe er sich in der Küche Kaffee zustellte und dann unter der Dusche verschwand. Er roch ein wenig nach Leonhards After Shave. Doch nach der Dusche war das weg. Allerdings haftete noch ein leichter Geruch an seiner Kleidung.

Mit einem Kaffee, klemmte sich der Dunkelhaarige hinter seinen Laptop und arbeitete noch ein wenig. Doch dann jagte ihn der Hunger runter zu den Großeltern. Da wurde immer was gekocht. Und es war auch immer etwas da. Allerdings musste er sich das ’Futter’ heute mit Nikolaus teilen. Der war froh wieder einmal etwas anderes als die Kasernenkost zu bekommen. Von Klara war nichts zu sehen. Aber die war über das Wochenende auch in Innsbruck auf einem Seminar.

Den Rest des Tages verbrachte Jakob trödelnd. Auf Arbeit konnte er sich nicht so recht konzentrieren. Stattdessen räumte er ein wenig auf und erledigte seine Wäsche. Das machte er schon seit er von zu Hause ausgezogen war. Ausserdem war das seiner Großmutter auch nicht zuzumuten. Und Klara hätte ihm sowieso eher einen Tritt in den Hintern gegeben.

Der Architekt konnte nicht abstreiten, dass er dann doch ein wenig aufgeregt war. Gründlich hatte er sich seiner Körperhygiene gewidmet. Rasiert – und das nicht nur im Gesicht. Man wusste ja nie. Und die Hoffnung starb ja zuletzt. Als er schliesslich vor Leonhards Wohnhaus einparkte, war es ein wenig zu früh. Hoffentlich machte das nichts.

Ach, da erwischte man Leonhard einfach am falschen Fuss. Irgendwie hatte er heute völlig verschlafen und den Tag nicht wirklich auf die Reihe gebracht. Sicher – diese Wochenenden waren rar und er wollte sich auch ausnutzen. Trotzdem war er noch einmal durch das Loft gefegt und hatte aufgeräumt. Darüber hatte er auch gleich die Zeit vergessen.

Zwar war er schon geduscht und angezogen, als plötzlich sein Handy klingelte, aber fertig war er noch lange nicht. „Hi. Komm rauf.“ sagte er deswegen auch gleich ins Handy, als er abgehoben hatte. „Ich bin noch nicht fertig. – Einfach mit dem Lift ganz nach oben. Tür ist offen.“

Jakob lachte in sich hinein und stieg dann aus dem Wagen aus. Sorgfältig versperrte er ihn und lief dann über die Strasse. Das Haustor war offen und kurz orientierte er sich. Dann fand er den Aufgang und auch den Lift. Mit diesem fuhr er wie aufgetragen ganz hoch. Hier gab es tatsächlich nur eine Tür und der Dunkelhaarige ging auf sie zu. Die Wohnungstür war offen, davor lag eine Matte, auf der er sich die Schuhe abstreifte. Da Kinderschuhe, Sportschuhe und Männerschuhe vor der Wohnung herumstanden, zog auch Jakob seine braunen Clarks aus. Er wollte Leonhard ja keinen Dreck in die Wohnung schleppen. „Hallo?“

„Hi.“ Jakob kam aus dem Badezimmer raus, das gleich im Eingangsbereich installiert war. „Komm doch rein. Sorry, ich hab getrödelt.“ gab er dann auch gleich zu. „Leg ab.“ Der Blondschopf deutete auf eine Garderobe, wo Jacken, Mützen und Schals hingen.

„Entschuldige bitte. Ich bin zu früh dran.“ Jakob grinste und musterte Leonhard ungeniert. Der bot schon einen hübschen Anblick.

Leo trug im Moment eine dunkelgraue Feincordhose, dazu ein rauchblaues, leicht schimmerndes Hemd. Hey, er war schwul. Er durfte so etwas tragen. Seine blonden Haare waren noch etwas feucht und er war noch nicht rasiert. Schande. Ausserdem lief er noch mit nackten Füssen über den Parkettboden. „Naja das macht ja nix. – Möchtest Du was trinken?“ Er lächelte gewinnend und sah Jakob ebenfalls an. Musternd.

Der trug eine einfache Jeans und einen dunkelroten Rollkragenpullover. „Ähm. Einen Tee?“ Es war ziemlich kalt geworden. Aber hier in der Wohnung war es kuschelig und Jakob schnüffelte.

„Das ist eine Duftkerze.“ Leo lachte und deutete in die Wohnung hinein. „Komm mit.“ Der Blondschopf führte seinen Gast in einen sehr großen Raum. Das war sein Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer in Union. „Dort drüben ist mein Büro – sozusagen.“ Leonhard deutete auf einen mit Milchglas abgetrennten Bereich, der allerdings dunkel war. „Und dort sind die Kinderzimmer.“ Die lagen auf der anderen Seite des Lofts.

Dieses war mit Parkettboden ausgelegt. Damit es aber nicht so kalt war, lagen überall große Teppiche im Tibetstil herum. Sie waren in warmen Erdfarben gehalten. Die große Eckcouch war mit einem terracottafarbenen Cordstoff überzogen. Das Bettzeug hatte er sicherheitshalber in Tims Zimmer gegeben.

Jakob sah sich natürlich interessiert um. Als Architekt suchte er sich immer neue Anregungen. „Schön hier.“ stellte er lächelnd fest und zog sich seinen Parka aus. Diesen legte er auf einen großen Korbsessel, der an einem Fenster stand. Da es hier ja kaum Wände gab, an denen man Schränke aufstellen konnte, hatte Leonhard eine gute Lösung gefunden und niedrige Käste – eindeutig von Ikea – entlang der Fensterfront aufgestellt. Sehr clever.

„Danke.“ Leo erwiderte das Lächeln und ging in den Küchenbereich. Auch hier war Ikea vertreten. Neben der hellen Küche, standen hier auch noch eine Eckbank, ein Tisch und zwei Stühle. Es gab keine Hängeschränke – wo auch? Es war sicher eine ungewöhnliche Lösung, aber Leonhard mochte es. Auf den Schränken hingen überall Bilder von den Kindern und auch sonst sah man der Wohnung an, dass hier mindestens ein Kind wohnte. „Inzwischen ist sie halt ziemlich verwildert.“ gab er lachend zu und füllte Wasser in den Wasserkocher.

„Naja. Man merkt einfach, dass hier Kinder wohnen.“ Jakob zuckte leicht mit den Schultern und bewunderte die geschmackvolle Einrichtung. Er selbst war nicht so toll eingerichtet. Aber dafür hatte auch nicht das Geld gelangt. Erst hatte der Bauernhof renoviert werden müssen. Und seine Küche war vom Flohmarkt. Ja, wirklich. Es hatte gelangt. „Du hast eine Hand für Pflanzen?“ Jakob deutete auf die Blumenampeln, aus denen üppig die Pflanzen herauswucherten.

Diese dienten irgendwie als Begrenzung zwischen Küche und Wohnzimmer. Leonhard nickte leicht. „Ja. Ich mag sie. Leider hab ich keine Terrasse oder Garten.“ Für die Kids wäre es toll. Aber man konnte nicht alles haben. „Also ich hab Marille, Hagebutten oder Malve.“ zählte er dann auf. „Ach – und eine Weihnachtsmischung.“ Die hatte Emma unbedingt kaufen müssen. Er war ja nicht so begeistert von dem intensiven Aroma.

„Marille.“ Die schmeckte nicht so intensiv. Mit einem schmalen Lächeln betrachtete Jakob die Bilder, die auf der halbhohen Begrenzungsmauer zwischen Wohn- und Essbereich standen. „Deine Schwester war sehr hübsch.“ sagte er plötzlich. Agnes war auch so blond und schlank wie ihr Bruder gewesen. Auf einem Foto sah man sie mit den Zwillingen – wohl kurz nach der Geburt.

Leonhard hatte eben zwei Becher aus einer Vitrine geholt und sein Blick fiel auf das Bild. „Ja.“ Es tat noch immer weh. Sie hatten sich eben sehr nah gestanden. „Sie war unglaublich. Richtig tapfer.“ Aber das allein hatte nichts genützt. In den letzten Tagen hatten die Kinder wieder mehr von ihr gesprochen. Vielleicht lag das ja auch an dem bevorstehenden Weihnachtsfest. Emma hatte vorgeschlagen einfach wegzufahren. Fast so, als wollte sie nicht feiern. Aber Tim hingegen wollte feiern. Und er hatte auch schon nach dem Weihnachtsschmuck gefragt. Es gab Dinge, die hatte Leonhard einfach behalten müssen. Und das hatte dazugehört.

Jakob spürte Leonhard neben sich und er drehte seinen Kopf zu dem Blondschopf. Gleichzeitig griff er nach ihm und legte seinen Arm um Leonhards Taille. „Was ….?“

Er zuckte vor der Berührung nicht zurück. Im Gegenteil. Leonhard lehnte sich leicht gegen Jakob, der ihm – obwohl etwas kleiner und auch schlanker –in diesem Augenblick viel stärker erschien. „Sie hatte Blutkrebs. Leukämie.“ Bei Erwachsenen verlief die Krankheit meist tödlich. „Ich vermisse sie sehr.“ Seine Stimme war etwas leiser geworden und noch immer hielt Leonhard die Becher in der Hand. „Nicht nur wegen den Kindern, oder wegen der Firma. Wegen mir selbst.“ Ohne sie fühlte er sich allein und verlassen. Ja, fast wie ein Ehemann der seine Frau verloren hatte. Ganz sicher klang das für Jakob völlig bescheuert.

Dabei tat es das gar nicht. Er selbst hatte zu seiner älteren Schwester ja auch ein sehr enges Verhältnis. Vielleicht jetzt nicht mehr so stark, aber trotzdem saßen sie oft zusammen und erzählte sich von ihrem Tag. Von ihren Plänen und Ideen. „Verstehe.“ Jakob sah Leo weiter an und reckte dann seinen Hals um den Grösseren leicht auf die Wange zu küssen. „Sie hat jetzt keine Schmerzen mehr.“ Er schluckte hart. „Irgendwann wird es nicht mehr so wehtun.“ Jakob wusste selbst was es bedeutete etwas oder jemand zu verlieren. „Und ich finde, dass Du das echt toll machst. Also mit den Kindern und so.“

Ob Jakob auch schon jemand verloren hatte, der ihm wichtig war? Sein Tonfall klang danach. Aber auch gleichzeitig so, als wolle er nichts erzählen. Das respektierte Leonhard und er lächelte flüchtig, ehe er sich von Jakob löste. Das Teewasser war fertig. „Ich hoffe es.“ Zum Glück hatte er sich ja schon viel um die Kinder gekümmert, als Agnes das erste Mal krank gewesen war. „Ich hoffe auch, dass mein Adoptionsantrag jetzt dann endlich durch ist.“ Solange er nur das Sorgerecht hatte, war ja trotzdem alles irgendwie ungewiss. Und das machte ihm gelegentlich schon zu schaffen. Er liebte Emma und Tim doch sehr.

„Naja wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, dann kann das doch nicht mehr so lange dauern.“ erwiderte Jakob und nahm dann den Becher mit dem Tee dankend entgegen.

„Ja schon. Aber wir sind eben in Österreich.“ Das dauerte. Leo hatte sich selbst auch einen Tee gemacht und nahm noch eine Kaffeetasse mit. Da konnte sie dann die Teebeutel drauf legen. „Brauchst Du Zucker oder so?“ wollte er wissen, während er mit Jakob in den Wohnbereich zum Sofa ging.

Jakob schüttelte den Kopf und setzte sich. „Nein. Geht auch ohne.“ Fruchttee trank er meist ohne Zucker. Achja. Das Sofa war herrlich und er lehnte sich auch gleich zurück. Das Sofa war wirklich gross und es lagen ein paar – passend zum Bezug – Polster herum. Ausserdem noch zwei weiche Kuscheldecken.

Auf dem niedrigen Holztisch lagen ein paar Untersetzer herum. Leonhard stellte seine Tasse auf einen darauf ab. So richtig pingelig war er eigentlich nicht. Aber die Kinder hatten die blöde Angewohnheit mit ihren Gläsern Ränder zu hinterlassen. Und das störte ihn dann schon irgendwie. „Und was sagt der Herr Architekt?“ wollte er dann wissen, nachdem er sich ebenfalls gesetzt hatte. Leonhard ließ einen kleinen Abstand zwischen sich und Jakob. Aber den könnte man leicht überwinden – wenn man wollte.

„Na bisher hab ich ja noch nicht so viel gesehen.“ gab der schlagfertig zurück und lachte. Jakob zog sich ebenfalls einen Untersetzer heran und stellte den Becher ab. Ein paar Mal tauchte er den Teebeutel in das heisse Wasser, zog ihn dann wieder raus und legte ihn schliesslich auf die mitgebrachte Untertasse. „Aber vielleicht seh ich dann ja noch mehr.“ Der Dunkelhaarige lehnte sich wieder zurück und drehte gleichzeitig seinen Oberkörper zu Leonhard.

„Naja. Ich kann Dir Emmas Prinzessinnenzimmer zeigen.“ Leonhard lachte und zog seine Beine hoch. Ohne Socken war es ihm auf dem Parkett zu kalt.

Jakob lachte ebenfalls. „Soso. Eine kleine Prinzessin also. Und was hat Tim dann? Ein Ritterzimmer?“ Lag doch irgendwie nahe, oder? Nicht, dass er von kleinen Kindern soviel Ahnung hatte.

Prompt schüttelte Leonhard den Kopf. „Aber nein. Der steht nur auf Autos und so.“ Gutmütig wie Leonhard war, hatte er dem Neffen sogar ein sehr großes Plakat des Films ’Cars’ für sein Zimmer besorgt. „Bei Emma stolpert man immer nur über Barbiepuppen und so einen Kram. Bei Tim wird’s dann gefährlich, dass man nicht auf einem der Autos ausrutscht.“ War ihm auch schon mal passiert. Und das hatte dann Ärger gegeben.

„Verstehe.“ Er war als Kind auch so gewesen; hatte sich nur für Autos und andere Fahrzeuge interessiert. „Und Onkels Zimmer?“ fragte er dreist und sah Leonhard in die Augen.

Wollte Jakob ihn verlegen machen? Nun, das gelang nicht ganz. Leonhard hatte eben einen Schluck Tee getrunken und stellte den Becher grinsend weg. „Du sitzt auf Onkels Bett.“ erklärte er scheinheilig und erwiderte den Blick. Sein Schlafzimmer hatte er ja jetzt für die Kinder geräumt. Eine Trennwand eingezogen und daraus zwei Zimmer machen lassen. So war das eben. Null Privatsphäre.

Ach. Jakob erinnerte sich dunkel. Und er war auch weit davon entfernt verlegen zu werden. „Verstehe.“ Er griff ebenfalls wieder nach seinem Tee und nippte daran. Um ihn richtig zu trinken war er ja zu heiß. „Und was machst Du, wenn Du mal ungestört sein willst?“

Leonhard zuckte mit den Schultern und nickte dann zu der Trennwand aus Milchglas hinüber. „Dann geh ich eben in mein Büro. – Also wenn ich einfach kein Kind hören und sehen kann.“ Aber das war natürlich mit einem gemütlichen Schlafzimmer nicht zu vergleichen. „Und man kann es auch mit sich selbst ganz schön haben, wenn man am Morgen unter der Dusche steht.“ fügte er dann noch etwas trocken hinzu und grinste wieder verschmitzt.

Jakob lachte. Leonhard hatte es auf den Punkt gebracht. Da Leonhard ja kaum wegging, dann brachte er wohl auch niemand mit in die Wohnung. Und sicher schon gar nicht, wenn die Kinder hier waren. „Was sagen eigentlich die Kinder dazu? Also, dass es keine Tante im herkömmlichen Sinn gibt oder geben wird.“ Leonhard hatte ja gesagt, dass er Single war. Und das mit der Partnersuche sich schwierig erwies.

„Nicht viel.“ Wieder ein Schulterzucken. Leonhard schlang seine Arme um die Knie und beugte sich etwas nach vor. „Sie wissen, dass ich Männer mag. Gesehen haben sie mich jetzt noch nicht. Also knutschend oder was auch immer. Aber meine Schwester hat ihnen das schon lange erklärt. Da waren sie noch klein.“ Und es war auch keine Rede davon gewesen, dass Agnes krank war.

„Und sie nehmen das so hin? Oder fragen sie auch nach.“ Jakob fand das schon sehr ungewöhnlich. Mit dem Alter – in dem die Zwillinge jetzt waren – hatte er nun wirklich keine Ahnung gehabt, dass ein Mann auch mit einem Mann intim werden konnte.

Leonhard beugte sich etwas nach vor und griff nach seinem Tee, von dem er ein paar Schlucke machte. „Mhm. Ja eigentlich schon. Es wundert mich selbst.“ gab der Blondschopf zu. „Aber ich gehe schon davon aus, dass es daran liegt dass sie mich eben noch nie mit einem Mann intimer gesehen haben. Und ich stelle mir das hier auch sehr problematisch vor.“ Leonhard machte eine unbestimmte Handbewegung und sah sich um. „Ich finde die Vorstellung es mit jemanden hier auf dem Sofa zu treiben nicht so prickelnd. Also während die Kids in ihren Betten pennen und durch die angelehnten Türen alles hören könnten.“ Allein die Vorstellung ließ ihn erröten.

Also das fand Jakob schon irgendwie süss. Und nein – der Dunkelhaarige konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Also mit ein wenig Geschick könnte man es ja auch noch hier anders gestalten.“ meinte er dann und stand auf.

„Wie?“ Neugierig sah Leonhard Jakob nach und rappelte sich dann auch wieder auf. Während er die ’Verfolgung’ des Architekten aufnahm, rubbelte er sich mit beiden Händen durch die Haare. Jetzt waren sie trocken.

„Ach, da seh ich schon ein paar Möglichkeiten.“ Jakob schlenderte umher. „Dort bei den Säulen. Man könnte zumindest eine optische Abtrennung aus dem Milchglas machen. Mit einer Schiebetür.“

Die Idee war gut, aber nicht neu. Leo schüttelte den Kopf. „Das hab ich auch überlegt. Aber das würde nicht das Lärmproblem erledigen.“

Jakob lachte und sah über seine Schulter, denn Leonhard war schräg hinter ihn getreten. „Ja dann darfst Du beim Sex eben nicht so laut sein.“ erklärte er lachend und mit aufblitzenden Augen. „Es wäre ja auch nur als Sichtschutz gedacht. – Aber wenn Du noch einen Raum machen willst, dann ist das vermutlich eine Großbaustelle.“ Und das Loft sah so ja wirklich toll aus. Jakob legte den Kopf in den Nacken und sah hoch.

Und genau das wollte Leonhard ja nicht. Inzwischen hatte es sich durch die Kinder sowieso schon sehr verändert. Viel zu sehr für seinen Geschmack. „Ich weiß. Aber ich will mir das nicht leisten.“ Schließlich gehörte das Loft ja nicht ihm. Das hatte er nur gemietet. Und irgendwann – natürlich hoffte er dass es nicht so bald sein würde –musste er ja auch wieder ausziehen. Andererseits bezahlte er immer pünktlich seine Miete und hatte auch keine Probleme mit den anderen Mietern. „Außerdem bin ich ja eh nicht so oft unterwegs. Und bring noch weniger jemand mit.“

Nun, das hatte Leonhard ja schon angedeutet. „Und dann hast Du sturmfreie Bude.“ Jakob grinste wissend und drehte sich zu dem Größeren um.

„Stimmt.“ Leonhard verzog seinen Mund zu einem blöden Grinsen und kam Jakob automatisch näher. „Gehen wir noch wohin?“ Die Frage klang nicht nach einem Rauswurf. Im Gegenteil. Leonhard hob eine Hand und berührte Jakob mit den Fingerspitzen an der Seite. Frech schoben sie sich unter den weichen Pulli, doch ertasteten keine Haut Jakob trug offenbar noch ein Shirt darunter. Leo lachte kehlig. „Ist Dir so kalt?“ fragte er dreist und zupfte an dem Shirt herum.

Scheinbar hatte Leonhard das jetzt als Aufforderung genommen. Aber Jakob störte sich nicht daran. Schließlich hatte er es ja auch provoziert. „Jetzt nicht mehr.“ Hier in der Wohnung war es ja auch kuschelig warm. „Aber draußen ist es wirklich sehr, sehr kalt.“ versicherte er Leonhard höchst glaubhaft. Jakob trat noch einen Schritt näher und ihre Körper berührten sich. „Also da Du ja nicht so oft unters Volk kommst, überlasse ich Dir die Wahl.“ Jakobs Augen blitzten auf. „Wir könnten es aber auch auf Dein nächstes freies Wochenende verschieben.

Leo lachte wieder. „Ja?“ Endlich hatte das Shirt ein Stück aus der Hose gezogen und sofort glitt seine Hand darunter. Unter den Schichten ertastete er die warme Haut unter der sich feine Bauchmuskelstränge verbargen. „Und was machen wir dann heute?“ Ein wenig Skepsis lag in seinem Blick, während er in Jakobs braune Augen sah.

Automatisch spannte Jakob seine Bauchmuskeln an. Er konnte ja zeigen was er hatte. „Du hast doch schon einen Weg gefunden um mich zu unterhalten.“ gab er auch gleich schlagfertig zurück und reckte seinen Kopf. Gleichzeitig griff er nach Leonhards Nacken und zog ihn zu sich runter. Weich prallten ihre Münder aufeinander und Jakobs Zunge verschaffte sich auch gleich Zutritt in Leonhards Mund.

Der stöhnte leise auf und kam Jakob entgegen. Sie verloren sich in einem sinnlichen Kuss und drängten sich gegeneinander. Zu ausgehungert war er nach einem willigen Körper, als dass Leonhard sich ausgerechnet jetzt in moralischen Gedanken verlor. Ausserdem legte Jakob es doch auch wirklich an. Leo spürt dessen Hand auf seinem Hintern und auch Nacken. Trotz seiner Grösse hatte Jakob einen doch festen Griff.

Schliesslich brachen sie etwas atemlos den Kuss und Jakob sah Leonhard in die Augen. „Krieg ich noch ein Date, wenn wir das heute vorziehen?“ Seine Hände waren nach vor gewandert und knöpften bereits Leonhards Hemd auf. Das war ganz weich und schimmernd. Fühlte sich so ähnlich wie Seide an. Vermutlich ein Mischgewebe.

Wieder kam ein kehliges Lachen über Leonhards Mund. „Ja wenn Du mich dann noch einmal fragst.“ Auch seine Hände wanderten weiter über Jakob. Geschickt zog er ihm Pulli und Shirt auf einmal über den Kopf. „Wow.“ Jakob hatte einen Waschbrett- und keinen Waschbärbauch. Das gefiel ihm.

Jakob blinzelte mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. „Ich hab gute Gene.“ gab er sich bescheiden. Gleichzeitig streifte er das Hemd über Leonhards Schultern. Der Blondschopf war ein wenig grösser und auch muskulöser. Es gefiel ihm. „Kriegt man die vom Eishockey?“ Jakob lachte und griff in Leonhards feste Oberarme.

„Klar. Und vom Hallenhockey.“ erklärte Leonhard auch gleich. „Komm doch mal mit.“ Von seinem Vorschlag war der Blonde selbst überrascht und küsste Jakob gleich wieder. Gleichzeitig erkundeten seine Hände Jakobs Oberkörper. Streichelnd glitten sie über dessen Schultern, Rücken und Brust. Jakob roch so gut. Gutes Duschgel. Oder auch Deo. Egal.

Der Dunkelhaarige war nicht minder überrascht. Doch Leonhard gab ihm ja gar keine Gelegenheit zu antworten. Doch es würde sich bestimmt noch ergeben. Leonhard zurück küssend drängte Jakob ihn wieder zum Sofa und sie ließen sich drauf fallen. Das Ding war wirklich stabil, denn es gab unter ihrem Gewicht nicht nach. Und immerhin fielen sie doch mit etwas Schwung drauf. Sofort schob Jakob sich halb auf Leonhard drauf und ein Bein zwischen dessen Beine.

So hatte Leonhard das gewiss nicht geplant. Aber er war auch nicht in der Lage es zu beenden. Dafür fühlte es sich zu gut an. Und er griff nach Jakob; streichelte und liebkoste ihn. Selbst wenn es nur für eine Nacht war, dann würde er zufrieden sein. Auf Versprechungen gab er nicht mehr viel. Zu oft war er da schon auf die Nase gefallen. Schon allein die Knutscherei und Fummelei erregte ihn und Leonhard stöhnte auf, als er Jakobs Hand in seiner Hose fühlte.

Wieso aufhalten? Sie würden genug Zeit haben um zu reden. Leonhards Bedürfnisse waren da jetzt offensichtlicher, denn dessen Geschlecht war schon deutlich angewachsen als Jakob seine Hand in Leos Unterhose schob. „Na hey.“ Der Dunkelhaarige lachte keuchend auf. Angesichts der Tatsache, dass Leo nun wirklich wenige Möglichkeiten zu einem Date oder mehr hatte, verkniff er sich eine freche Bemerkung.

Leonhard biß sich auf die Unterlippe und hatte die Augen geschlossen. Sein Atem ging schwerer und er bewegte sich etwas unruhig unter Jakob. „Es ist halt schon eine Weile her.“ gab er schwer zu. Es war ja auch nicht jeder Ausflug in Wiens Nachtleben von Erfolg gekrönt. Einen gewissen Anspruch hatte doch jeder.

„Macht nichts.“ nuschelte Jakob. Gemächlich bewegte er seine Hand weiter an dem harten Schaft auf und ab. Gleichzeitig hinterließ sein Mund eine feuchte Spur auf Leonhards Hals. Sie zog sich runter über dessen Brust und Bach. Schließlich entzog er sich ihm und stand auf.

Irritiert schlug Leonhard die Augen auf. Doch gleich erschien ein Grinsen in seinem Gesicht und er sah zu wie Jakob sich die Jeans und Strümpfe auszog. Der Architekt war wirklich ein sehr leckerer Anblick. „Wieso ist ein Kerl wie Du allein?“ fragte er heiser und nestelte an seiner Jeans herum. Geöffnet war sie ja schon.

Ach, da half Jakob doch gern und mit vereinten Kräften befreite er Leonhard von seinen übrigen Klamotten. „Weil ich nicht auf der Suche bin. Sondern ich lass mich überraschen.“ Und irgendwie war Leonhard schon eine kleine Überraschung. Er war nicht nur sehr umgänglich und humorvoll, sondern er sah auch gut aus. Die Kinder empfand Jakob nun nicht als Makel. Er mochte Kinder. Und er war seinen Neffen von klein auf gewöhnt. Vielleicht schreckte ihn deswegen der Gedanke auch nicht.

„Aha.“ Das klang wenig intelligent. Leonhard war ja auch nicht auf den Kopf gefallen und räkelte sich leicht auf dem Sofa. Doch dann setzte er sich auf. „Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt unromantisch wirke, aber ich muss noch was holen.“ Selbstverständlich hatte er keine Kondome und Gel unter dem Kissen deponiert. Das war in einem Haushalt mit Kindern auch einfach unmöglich.

Jakob lachte. „Okay. So lange Du wiederkommst, darfst Du unromantisch sein.“ Grinsend sah er Leonhard nach wie der im Badezimmer verschwand und überlegte dann wie man aus dem Sofa ein Schlafbett machen konnte. So ganz war ihm das noch nicht klar geworden.

Dabei war es doch ganz einfach. Leonhard hatte seine Lebensversicherung im Badezimmer deponiert. Und kurz musterte er sich prüfend im Spiegel. Doch einen Rückzieher würde er jetzt nicht mehr machen. Stattdessen ging er zurück ins Wohnzimmer und grinste dann. „Ich zeigs Dir, Herr Architekt.“ Leonhard drückte Jakob Gel und einen Streifen Kondome in die Hand, ehe er Hand am Sofa anlegte. Vorher musste er aber noch den kleinen Tisch samt Teppich zur Seite schieben. Das war schon ein tägliches Ärgernis.

Jakobs Grinsen war aber noch breiter als er Leonhard zusah. Ob Leo klar war wie er sich präsentierte – vor allem seinen Hintern – als er aus dem Sofa ein Bett machte. „Darf ich Dich ficken?“ fragte er ein wenig heiser.

„Was?“ Leonhard richtete sich auf und sein Blick fiel auf Jakobs Schwanz. Der zeigte lustigerweise schon auf ihn und der Blonde musste lachen. „Scheint nicht so, als hätte ich eine andere Wahl.“ gab er belustigt zurück. Geschickt verwandelte er aus der Liegefläche nun ein Bett und Leonhard setzte sich breitbeinig auf die Kante. Gleichzeitig zog er Jakob an der Hüfte wieder zur sich. Dessen Geschlecht war nun direkt vor seiner Nase und Leo leckte leicht darüber, ehe er nach einem Kondom griff und es sorgfältig verpackte.

Ein Schauer lief über seinen Rücken. Und Jakob widerstand der Versuchung in Leonhards Mund zu stossen. So verführerisch der Gedanke auch war. Es genießend streichelte und wühlte er sich durch Leonhards Haar und schlug erst die Augen auf als dieser wieder von ihm abließ.

„Na? Hat es Dir jetzt die Sprache verschlagen?“ wollte der Blondschopf belustigt wissen. Leonhard rutschte jetzt tiefer in das Sofa zurück und machte sich wieder lang.

Jakob lachte und legte sich dann neben Leonhard. Den Gelspender deponierte er auf der anderen Seite von Leonhard. „Nein. Eigentlich nicht. Ich war nur ein wenig überrascht.“ gab er zu und stützte sich auf einen Arm auf. Mit der anderen Hand streichelte er wieder über Leonhards Oberkörper. Verspielt, aber doch sanft zwirbelte er die kleinen Brustwarzen die sich natürlich prompt verhärteten.

Leonhard stöhnte leise und griff nach seinen Schwanz, den er mit ein paar Strichen wieder in Form brachte. „Wieso? Du glaubst doch nicht, dass ich ein Heiliger bin. Oder?“ Grinsend verzog sich sein Mund, ehe er wieder stöhnte.

„Nein. Für einen Heiligen halte ich Dich nicht.“ entgegnete Jakob schlagfertig und seine Hand verdrängte die von Leonhard. „Lass mich.“ bat er leise und kroch dann zwischen dessen Beine. Sein Kopf verschwand in Leonhards Schritt und dessen Geschlecht in seinen Mund. Geschickt reizte er es und bereitete Leonhard auch gleichzeitig mit dem Gel vor. Immer wieder verteilte er es an dem Eingang und begann ihn dann zu dehnen.

Jakob brachte ihn immer wieder an den Punkt, an dem es kein Zurück gab. Doch dann machte er ja doch wieder einen Rückzieher. Es war einerseits ein wenig frustrierend, aber auch sehr lustvoll. „Jakob.“ stöhnte Leonhard dunkel auf und hob seine Hüften an. „Mach schon.“ Seine Stimme vibrierte ungeduldig.

Und Jakob lachte. Noch einmal saugte an dem harten Glied, dann richtete er sich auf und versorgte sich selbst mit Gel. „Dreh Dich um.“ sagte er dann mit sanfter, verführerischer Stimme – aber auch ein wenig bestimmt.

Devot war Leonhard eigentlich nicht, aber er vertraute Jakob. Wieso auch immer. „Okay.“ Der Blondschopf drehte sich auf den Bauch und drückte seinen Hintern dann auch gleich hoch. Sein Gewicht fing Leonhard mit den Knien und Unterarmen ab.

Wie sexy. Während er sich weiter mit dem Gel versorgte, streichelte Jakob dem Blondschopf über den Po und wieder glitt ein Finger in ihn. Doch diesen ersetzte er dann sehr schnell durch seine Männlichkeit.

Jakob war sehr sanft und Leonhard stöhnte lustvoll auf. Kurz war es unangenehm –wie jedes Mal, wenn er passiv war. Doch da Jakob still hielt, verging das Gefühl auch rasch wieder und Leonhards Atem wurde schwerer. Vorsichtig bewegte er sich gegen Jakob.

„Alles in Ordnung?“ wollte dieser wissen und griff mit beiden Händen nach Leonhards Taille. Jakob hielt ganz ruhig und sah an sich runter. Es war ein geiler Anblick und er unterstützte Leonhard in seinen Bewegungen.

„Ja.“ Leo ächzte. „Komm schon.“

Mehr Ansporn brauchte Jakob dann auch gar nicht mehr. Er drückte Leonhard etwas tiefer in das Polstermöbel und begann sich dann langsam zu bewegen. Immer wieder drang er tief in Leonhard ein und zog sich auch fast vollständig aus ihm wieder zurück. Das war anstrengend und schnell bildete sich ein dünner Schweissfilm auf seiner Haut.

Genauso verschwitzt war auch Leonhard, während er sich Jakob im wahrsten Sinn des Wortes hingab. Es war guter Sex. Ohja. Und er konnte sich ganz auf Jakob einlassen. Auch als der dann schneller wurde und ihn etwas härter und leidenschaftlicher eroberte. Aber das gefiel Leonhard.

Das war nicht zu überhören. Jakob grinste breit und murmelte Leonhard ein paar Schweinereien ins Ohr, während er nach dessen Härte griff um sie zu reiben.

Das gab Leonhard den Rest. Mit einem lauten Stöhnen verkrampfte er sich plötzlich und ohne Vorwarnung kam er zum Orgasmus. Leonhard bäumte sich leicht auf und kam heftig in Jakobs Hand.

Das kam tatsächlich ein wenig überraschend und die plötzliche Enge ließ auch ihn aufstöhnen. Noch ein paar Mal stieß er in Leonhard und kam dann selbst mit einem tiefen Stöhnen zur Erfüllung. Keuchend sackte Jakob auf dem Größeren zusammen. Dabei murmelte er irgendwas Sinnloses; streichelte ihm über die feuchte Brust und behielt das erschlaffende Geschlecht in der Hand.

Leonhard sackte zusammen und räkelte sich wohlig unter Jakobs Gewicht. Okay, so schwer war er ja nun nicht. „Das war gut.“ murmelte er mit einem blöden Grinsen im Gesicht und drehte seinen Kopf etwas zur Seite. So, dass er Jakob ansehen konnte.

Dieser kam Leonhard etwas entgegen und küsste ihn mit spitzen Lippen auf den Mund. „Fand ich auch.“ keuchte er grinsend. Jakob stützte sich auf seinen Händen ab und zog sich aus Leo zurück. Der Dunkelhaarige wurde das Kondom los und warf es dann nachlässig auf den Parkettboden.

Er fühlte sich gut. Kaputt, aber gut. Ächzend drehte Leonhard sich um und blieb auf dem Rücken liegen. Dabei sah er hoch zu Jakob und zog ihn dann wieder zu sich runter. Allerdings war sein Griff nicht besonders fest. Vielleicht wollte Jakob jetzt ja auch wieder gehen. Ein wenig Unsicherheit schlich sich in Leonhards blaue Augen.

Und diese entging Jakob auch nicht. Trotzdem kuschelte er sich an Leonhard und zog die Decke, die zu ihren Füssen zusammengeknüllt lag, über sie. „Soll ich schon gehen?“ fragte er leise und küsste Leo über die empfindliche Haut am Hals. Schmeckte salzig. Jakob machte sich einen Spaß und leckte mit der Zungenspitze leicht darüber.

„Nein.“ erwiderte Leonhard ebenso leise – fast als traute er seiner Stimme nicht. „Bleib.“ Die Augen schließend zog Leonhard Jakobs Hand nach über seinen Bauch. Mehr gab es nichts zu sagen. Denn mehr könnte mehr zerstören, denn helfen.

Das fand Jakob ja nicht, aber er drängte Leonhard kein Gespräch auf. Wenigstens warf ihn der Blonde nicht gleich aus der Bude. Auch er schloß die Augen. Doch dann löste er sich noch einmal kurz von Leonhard. Der war eingeschlafen. Jakob löschte das Licht. Kurz überlegte er. Doch dann krabbelte er wieder zur Leo unter die Decke. Es war nicht sein Stil einfach mitten in der Nacht abzuhauen. Er war doch kein räudiger Hund.

Leo war einfach so müde gewesen, dass er wirklich einfach eingeschlafen war. Und er wachte am nächsten Morgen auch vor Jakob auf. Sehr leichtsinnig war er gewesen. Und das schockierte den Blondschopf ein wenig. Trotzdem blieb er bei Jakob liegen und betrachtete ihn im Licht, das von draußen hereinkam.

Der Schlafende fühlte sich nicht beobachtet. Aber irgendwann spürte er Finger an ihm herumzupfen. Und das weckte ihn dann auf. Jakob schlug seine Augen auf. Die waren noch etwas trüb. Aber er erkannte Leo sofort. „Morgen.“ murmelte er mit rauer Stimme, aber einem leichten Grinsen.

Jakob schien eine Frohnatur zu sein. „Guten Morgen.“ Leonhard klang deutlich wacher. Ganz automatisch erwiderte das Lächeln. Inzwischen war er geduscht und hatte auch Kaffee gekocht. Ausserdem ein wenig gelüftet, die Klamotten zusammengesucht und das gebrauchte Kondom entsorgt. „Und? Wie wär es mit Kaffee?“

„Mhm.“ Jakob schnüffelte. Erst an Leonhard und dann so. „Ja. – Du riechst gewaschen. Warst Du schon unter der Dusche?“ fragte er dreist nach und rollte sich plötzlich halb auf Leonhard drauf.

„Ja.“ Leo lachte und schlang seine Arme um Jakob. „Ich habs mir erlaubt. Und Du hast noch geschlafen. Da wollte ich Dich nicht wecken.“

„Sehr fürsorglich.“ lobte Jakob mit aufblitzenden Augen. „Aber auch schade. Ich wollte doch noch das Badezimmer sehen und mit Dir erkunden.“ Ein verschmitzter, jungenhafter Ausdruck erschien in seinem Gesicht.

Der Blick ließ Leo ein wenig erröten. Und er grinste albern. „Naja. Wenn Du Lust hast, dann könnten wir das ja noch nachholen.“ gab er zurück und bewegte sich etwas gegen Jakob.

Der lachte wieder leise und küsste Leo auf den Mund. „Gut. Denn ich hab ja noch viel Zeit.“ Außer Leo wollte ihn loswerden. Aber so wie er ihn hielt, so schien das kaum der Fall zu sein.

Nein, daran dachte Leo auch gar nicht. „Schön.“ Ach, wieso es nicht einfach mal auskosten und ein wenig genießen. Jakob war ein ausdauernder Liebhaber. Das hatte ihm schon gefallen und schon allein der Gedanke daran ließ ihn steif werden.

Das spürte auch Jakob. „Hundert Euro für Deinen Gedanken.“ meinte er dreist.

„Kannst Du das nicht erfühlen?“ fragte Leo zurück und rieb sich an dem Kleineren. „Ich hab noch den ganzen Tag Zeit. Und Du?“

„Auf mich wartet niemand.“ rief Jakob Leo in Erinnerung und streichelte ihm mit einer zarten Geste eine blonde Strähne aus der Stirn. Und soweit er wusste kamen die Kinder ja erst morgen wieder nach Hause.

Die Berührung rührte Leonhard an. Es berührte ihn. Leonhard sah Jakob in die Augen. Die blickten nun klar, aber nicht ohne Schalk. „Auch mich auch nicht.“ Leo berührte Jakob an der Wange und zog ihn dann wieder zu sich runter. Sie küssten sich. Richtig. Und es störte ihn nicht, dass Jakob sich noch nicht die Zähne geputzt hatte.

Zur Körperpflege blieb auch noch später Zeit. Jetzt galt es erstmal ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. Und die waren körperlicher und nicht ästhetischer Natur. Und doch landeten sie nach einer gemeinsamen Duschen und einem Frühstück, das dann doch eher ein Brunch geworden war, wieder zusammen unter der Decke. Immer wieder berührten sie sich. Und seltsamerweise reichte es ihnen aus.

Sicher, sie hatten sich während des Frühstücks unterhalten. Über das Leben, ihre Arbeit und auch über Dinge wie Politik und Sport. Kultur spielte in ihren Leben eine untergeordnete Rolle. Aber meist sahen sie sich einfach nur in die Augen. Und irgendwie schien es ihnen beiden, dass sie nicht das aussprachen was ihnen eigentlich auf der Zunge lag.

„Wann sehen wir uns wieder?“ Da Leonhard nicht gefragt hatte, tat es eben Jakob.

Leo hatte aus einem guten Grund nicht gefragt. Er wollte sich keine Abfuhr holen. Ganz einfach. Er fand Jakob süss. Absolut süss. Aber war das eine Grundlage? Etwas worauf man aufbauen konnte? „Ich weiss nicht.“ Er lächelte schwach. „Ab morgen Mittag bin ich wieder der brave Familienvater.“

Dabei war die Anziehung doch gegenseitig. Jakob hängte sich selten so rein um einen Kerl rumzukriegen. Und die Mühe hatte sich schon gelohnt. „Verstehe.“ Jakob vor Leonhard. Draußen wurde es schon wieder dunkel. Kein Wunder. Die Tage wurden eben immer kürzer. Und jetzt war es noch nicht mal fünf Uhr. „Willst Du mich denn wieder sehen?“ Es war zwar schon sehr ungewöhnlich mit jemand einen Abend und dann auch noch den ganzen Tag zu verbringen, aber das musste ja nichts bedeuten. Auch wenn sie unzählige Male miteinander Sex gehabt hatten. Leo hatte eben einen Notstand, den er abbauen musste. Und er selbst war ja nicht unwillig gewesen.

Sein Griff um Jakob wurde automatisch fester und Leonhard küsste den Kleineren in den Nacken. „Ja. Das würde ich gern.“ gab er leise zu, ohne sich jedoch große Hoffnungen zu machen. „Ich würde Dich gern näher kennen lernen. Aber ich weiß nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Ich hab am Abend einfach keine Zeit.“ Irgendwann musste er arbeiten und er konnte sich nicht dauernd einen Babysitter leisten.

Na das war doch schon ein Anfang und Jakob kuschelte sich nach hinten. „Wir können uns auch so sehen.“ Jakob lächelte leicht. „Ich bin auch ein Freischaffender.“ Es war doch nicht so schwer die Termine zu koordinieren. „Ich könnte am Mittwoch zu Hause sein. Wenn die Kids ihre Therapie haben.“ Das war zwar nicht lange, aber sie konnten sich zumindest sehen.

Der Vorschlag hörte sich für Leonhard aber nach einer Fick-Beziehung an. Aber vielleicht tat er Jakob auch unrecht. „Das ist etwas wenig. Eine knappe Stunde, einmal in der Woche.“ Und der Rest war dann Schweigen? Wie sollten sie sich da nur kennen lernen?

„Ich weiß.“ Jakob dachte nach. „Ich könnte aber auch am Abend zu Dir kommen. Die Kinder werden doch irgendwann schlafen gehen.“

Der Vorschlag gefiel ihm schon etwas besser. „Aber dann können wir keinen Radau wie heute machen.“ gab der Blondschopf zu bedenken und musste lachen.

Der warme Atem kitzelte und Jakob zuckte leicht zusammen. Dann lachte er auch. Kurz. „Ich weiß, Leo.“ Die Abkürzung gefiel ihm schon. „Aber ich --- Du glaubst aber nicht, dass ich nur wegen dem Sex komm, oder? Ich mein – es war schon geil.“ Ein blödes Grinsen zuckte um seinen Mund. „Auch natürlich.“

Kaum hatte Jakob das ausgesprochen, tat sein Herz einen kleinen Hüpfer. Es wurde ihm ganz warm und Leonhard wusste im ersten Moment gar nicht was er sagen soll. Doch es fühlte sich auch irgendwie gut an. „Gut.“ Ja, es beruhigte ihn schon. „Dann lockt Dich sicher meine gute Küche an.“

Jakob lachte herzlich und es schüttelte ihn leicht durch. „Klar. Ich komm nur wegen Sex und einer Pizza zu Dir.“ Auch wenn das Frühstück schon sehr lecker gewesen war, so hatte es keine Aufschlüsse auf Leonhards Kochkünste gegeben.

„Na dann lohnt es sich ja, wenn ich koche.“ Die Kleinen aßen gelegentlich ja wirklich wie die Spatzen. Und dann blieb die Hälfte übrig. Damit verpflegte Leonhard dann meistens seine Mitarbeiter. Irgendwem nötigte er das Essen schon auf. Aber würde das wirklich so leicht gehen? Auch wenn die Kinder Bescheid wussten, dann hatte er keine Ahnung wie er ihnen Jakobs Gegenwart verkaufen sollte. „Und was sagen wir den Kindern?“ fragte er plötzlich. „Ich meine …. Ich mag Dich wirklich gern, Jakob. Aber ich trage auch Verantwortung. Wenn es dann doch nichts wird, dann würde sie das sicher nur wieder verstören.“

Leonhard war fast ein wenig zu vorsichtig. Jakob drehte sich nun in der Umarmung um und schlang ein Bein um Leonhards Hüften. „Ich weiß schon was Du meinst.“ Und er nahm es ihm auch gar nicht übel. „Sie müssen es doch nicht wissen.“ meinte er dann nachdenklich. „Erst wenn …. wenn wir selbst uns sicher sind.“ Vielleicht entdeckten sie ja auch Marotten aneinander, mit denen sie so gar nicht zurecht kamen.

Die Erleichterung stand Leo ins Gesicht geschrieben und er schämte sich fast ein wenig dafür. „Danke.“ Zart küsste er Jakob auf den Mund. „Ich weiß das sehr zu schätzen. Früher hätte ich mir darüber keine Gedanken gemacht.“ Früher, ja da war vieles einfacher gewesen. Und doch würde er seine zwei kleinen Teufelchen nicht mehr hergeben.

„Das spricht nur für Dich.“ Jakob lächelte sanft und kuschelte sich wieder an Leonhard. Damit war ja nun alles gesagt, oder? Die ’Marschrichtung’ war klar.

Ja sie war klar und Leonhard war überrascht wie leicht es sich eigentlich durchführen ließ. Und obwohl es wirklich nicht leicht war, diese sich anbahnende Beziehung zu verheimlichen, trafen sie sich eigentlich sehr oft. Manchmal trafen sie sich auch am Vormittag irgendwo in der Stadt. Einfach nur um einen Kaffee zu trinken. Oder Jakob kam spät abends zu ihm in die Wohnung. Einmal hätte sie schon fast Emma überrascht, doch zum Glück war das Sofa vom Kinderzimmer aus nicht einsehbar.

Auch wenn sie sich so mehr oder weniger ungestört kennen lernen konnten, so belastete es sie. Diese verstohlenen Treffen reichten Jakob nicht mehr. Und er sagte es Leonhard auch. Doch dann kam auch schon Emma von ihrer Therapie zurück in den Wintergarten und das Gespräch war automatisch abgewürgt.

Auch Leonhard reichte es nicht mehr. Aber es machte ihn glücklich, dass Jakob es ebenso empfand. Und als sie sich an diesem Nachmittag von Jakob und den Therapeutinnen verabschiedeten, tat Leonhard das mit der Bemerkung dass sie sich ja bald wieder sehen würden.

Jakob versteckte sein Grinsen dabei. Es war nicht die Rede von seinem Besuch am Abend, sondern von dem Adventsmarkt, der am kommenden Wochenende hier am Bauernhof stattfinden sollte. Der fand nun schon das dritte Mal hier statt. Immer am ersten Adventwochenende. Hier im Vierkanthof war das Flair natürlich besonders schön und die Geschwister gaben sich auch immer besonders viel Mühe. In dem Arkardengang gab es Stände, an denen Gebasteltes, Gebackenes und Getränke angeboten wurde. Im Hof gab es eine große Feuerstelle und überall waren Feuerschalen aufgebaut. So wurde den Besuchern nicht kalt.

Klara und Jakob selbst hatten davon keinen finanziellen Nutzen. Sie stellten das Anwesen einem Verein zur Verfügung, der sich für den Erhalt des Brauchtums einsetzte. Deswegen gab es hier auch keine kitschigen Gegenstände zu erwerben. Und wer Fastfood konsumieren wollte, wie er es vom Rummel kannte, der war hier auch falsch.

Natürlich war es schon dunkel als Leonhard und die Kinder ankamen. Es war der erste Dezember – Beginn des Advents. Das Auto hatte er ein Stück vom Hof abgestellt. Es waren schon so viele Besucher, dass die Parkplätze längst nicht mehr ausreichten. Und so mussten sie halt ein Stück gehen. Die Kinder waren schon aufgeregt und liefen voraus. Dick in ihre Winterkleidung eingepackt, denn es hatte empfindlich abgekühlt.

Es war sehr schön den Weg entlang zu laufen. In den Bäumen hingen LED-Lampen. Blau und weiss. Das sah schon toll aus. Da hatte man sich echt Mühe gegeben. Vor dem Hoftor holte Leonhard die Kinder dann doch wieder ein und griff nach ihren Händen. „Und ihr bleibt bitte bei mir, ja? Ich will euch dann nicht suchen müssen.“ Diese Adventmärkte waren eigentlich nicht so seine Sache. Aber er war überrascht als sie in den Hof den Vierkanters traten. Beim Wintergarten stand eine Tanne, die mit LED-Lampen und Schmuck aufgeputzt war. Ein paar Männer in Jägergewandung standen in einer Ecke und spielten auf Blechblasinstrumenten Weihnachtslieder.

Jakob kam eben aus seiner Wohnung runter. Das Fest wurde ja jetzt nicht direkt von ihm organisiert. Wenn was gebraucht wurde, dann half er natürlich mit. Aber er war hier nur der Gastgeber. Vor ein paar Minuten hatte er von Leonhard eine SMS bekommen.

„Hallo.“ begrüßte er die kleine Familie, als er sie entdeckt hatte. Das war in dem Gewusel gar nicht so einfach. Der Hof war nämlich wirklich voll.

„Auch hallo.“ Leonhard lächelte und nahm schnell den Arm nach unten. Fast hätte er Jakob umarmt. „Ihr habt hier ja echt was aufgebaut. Unglaublich.“

Jakob nickte und lachte. „Ja. Das wird jedes Jahr mehr.“ gab er zu. „Langsam verlier ich den Überblick. Aber eigentlich ist das ja Klaras Sache. Ich kümmere mich nur darum, wenn irgendwo der Strom ausfällt. „Hallo Emma, Tim.“ begrüßte er dann auch gleich die Kleinen, die ihm artig die Hand gaben. „Möchtet ihr was trinken?“

Sie wollten und Leonhard ging mit den Kindern und Jakob zu einem Stand wo es Tee, Glühwein und Punsch gab. Jeder bekam was zu trinken. Auch für Jakob erwarb Leonhard einen Becher Punsch. „Und wie lange macht ihr das schon? –Prost.“ Leo grinste und sah Jakob in die Augen, ehe er einen Schluck machte. Mhm. Der war lecker. Aber stark.

Ja er war stark, aber Jakob trank ohne mit der Wimper zu zucken. Außerdem musste er ja heute nicht mehr mit dem Auto fahren. „Zum dritten Mal.“ antwortete er dann Leonhard. „Der Obmann des Vereins ist ein Freund der Familie. Oder besser gesagt, sein Vater war ein Freund von meinen Großeltern.“ So war er Kontakt zustande gekommen. „Wir verlangen nichts für die Nutzung. Nur einen Unkostenbeitrag für den Strom. Aufräumen tun die dann auch selbst.“ Gut, er und Klara konnten das auch nicht machen. Nicht allein.

Die Kinder wurden ein wenig unruhig. So spannend war das Gespräch der Erwachsenen nun auch nicht. Auch wenn Tim Jakob und Leonhard immer wieder beobachtete. „Können wir uns umsehen?“ fragte Emma.

„Ähm. Leonhard sah zu Emma und Tim runter. „Naja ich möchte nicht, dass ihr verloren geht. Ihr seht doch wie viele Leute hier sind.“

Da mischte Jakob sich ein. „Ich mach euch einen Vorschlag. Wir drehen eine Runde gemeinsam und dann könntet ihr ja in die Bastelwerkstatt gehen. Also wenn ihr möchtet.“ Als er Leonhards fragenden Blick sah, wurde Jakob genauer. „Drinnen gibt es eine Bastelwerkstatt für die Kinder. Ingrid und Lea sind drinnen und basteln. – Der Ergoraum ist aber auch offen.“ Da konnten die Kinder spielen und waren doch beaufsichtigt.

„Wow. Das ist aber klasse.“ Leonhard lächelte Jakob wieder an und sah dann fragend zu Emma. „Wollt ihr das machen?“ Hier war es wirklich kalt und Tim eh ein wenig erkältet. Nachdem die Kinder zugestimmt hatten, machten sie also eine Runde. Leo konnte Emmas Betteln nicht widerstehen und kaufte ihr dann Tüte heiße Maroni. Tim mochte die nicht und gab sich mit einem Lebkuchenherz zufrieden.

„Soll ich Dir auch eins kaufen.“ raunte Jakob Leonhard zu, als die Kinder grad nicht hersahen und grinste verschmitzt, als Leonhard rot wurde.

„Depp.“ murmelte der ein wenig verschämt. Aber seine Augen blickten Jakob ganz warm an und wieder berührten sie sich leicht an den Händen. „Vielleicht später.“ lenkte er jedoch dann gleich ein.

Sie suchten sich einen Platz an einer der Feuerschalen. Dort konnten die Kinder ihre Beute verzehren. Dann jedoch gingen sie alle ins Haus hinein. „Boah. Ist es hier warm.“ stellte Leo fest und öffnete seine Jacke.

„Hallo.“ Klara kam ihnen eben entgegen und lächelte offen. „Schön, dass Sie gekommen sind.“ Sie schüttelte Leo die Hand und begrüßte die Kinder dann herzlich. „Lea und Ingrid sind hinten. Gebt mir eure Jacken.“ Klara sammelte die Kleidung von den Kindern ein und trug ihnen noch auf die Schuhe auszuziehen.

„Es ist wirklich sehr schön.“ Leonhard winkte den Zwillingen nach, ehe er wieder zu Klara sah. „Ist sicher viel Arbeit.“

Die nickte. „Ja. Aber wir machen es gern. Und es gehört einfach dazu. Ausserdem ist es auch eine gute Gelegenheit für Eltern von unseren Therapiekindern sich so zu treffen.“ Da war schon so manche Freundschaft entstanden.

Nunja. Danach suchte Leonhard ja nicht. Er hatte ja schon jemand gefunden mit dem er sich austauschen konnte. Aber das wusste Klara ja nicht. „Verstehe.“

„So ich muss wieder nachsehen, dass sich keiner was tut.“ Grinsend nickte sie zum Ergozimmer, von wo Gejohle und Lachen zu hören war.

„Okay. Ich hol die Kinder dann wieder ab.“ versprach Leonhard und sah der Therapeutin kurz nach. „Und jetzt?“ Hier – so öffentlich – wagte er es wirklich nicht Jakob zu berühren.

„Ich hol uns noch einen Punsch und dann gehen wir zu mir rüber.“ schlug Jakob vor. „Dann können wir reden.“

Reden? „In Ordnung. Dann wart ich hier.“ Während Jakob nach draussen eilte, blieb Leonhard im Gang stehen und sah sich die Bilder an der Wand an. Worüber wollte Jakob denn reden?

„So wieder da.“ Der Dunkelhaarige nickte den Gang hinunter – in die entgegen gesetzte Richtung. Dort, wo sein Büro lag. „Dort sind wir ungestört.“ meinte er nur und ging schon mal vor.

Das Büro war natürlich abgeschlossen und Leonhard nahm Jakob die Becher ab, während dieser aufsperrte. „Ich find das mit dem Kachelofen total gemütlich.“ gab er zu, als sie eingetreten waren und die Tür geschlossen hatten.

„Ist auch sehr günstig. Wir haben ja einen Wald. Dort holen wir das Holz, das wir eben brauchen.“ Jakob legte ab und setzte sich dann mit Leonhard auf das Sofa, das in der Nähe des Kachelofens stand. „Ich hab oben ja auch einen Kamin setzen lassen.“

„Ich weiss.“ Leo schlug ein Bein über das andere und nippte an seinem Punsch. „Boah. Ich darf dann keinen mehr trinken. Sonst bin ich sturzbesoffen.“ erklärte er lachend und stellte den Becher ab.

Jakob stellte den Becher ebenfalls weg und lehnte sich auch gleich gegen Leonhard. „Und das wäre so schlimm?“

„Dann kann ich nicht mehr nach Hause fahren.“ klärte Leonhard sanft auf. Den Führerschein brauchte er unbedingt.

„Dann bleib doch hier.“ Jakob sah Leo in die Augen. Gleichzeitig legte er seinen Arm auf die Rückenlehne und begann mit Leonhards Haaren zu spielen. „Ich will nicht mehr verstecken.“ sagte er plötzlich. Und Leo wollte doch auch mehr. Oder nicht. Seine Blicke gingen ihm doch immer durch Mark und Bein.

Leo schluckte hart und erwiderte den Blick. „Ja ich – ich auch nicht mehr.“ Aber er wusste noch immer nicht wie er es den Kindern verkaufen sollte. „Vorhin hätt ich Dich schon fast geküsst.“ Er grinste und beugte sich zu Jakob. Die Distanz war ja nicht groß und sie küssten sich gefühlvoll. „Hilf mir.“ bat er leise. „Ich weiß nicht wie die Kinder drauf reagieren. Ich mein, sie mögen Dich ja.“ Und Jakob konnte auch gut mit ihnen. Aber sie sahen sich halt nicht sehr oft.

Jakob lächelte glücklich. Ja, glücklich. „Okay. Aber wie. Als der neue Onkel kann ich mich ja auch nicht vorstellen. Oder?“ Es wäre vielleicht ratsam jemand hinzuzuziehen, der sich da auskannte. „Du verdrehst mir den Kopf.“ sagte er plötzlich. „Ich muss immer an Dich denken, Leo.“

Plötzlich schlug Leonhards Herz schneller und sie küssten sich wieder. Intensiver als zuvor, aber nicht weniger gefühlvoll. „Ja. Ich auch.“ Leo keuchte und lachte. „Also ich denk an Dich.“ korrigierte er sich auch gleich. „Ich – ich hab mich in Dich verliebt.“ Das war gewiss keine große Neuigkeit, aber nicht ausgesprochen.

Manchmal konnten auch erwachsene Männer große Deppen sein. „Ich mich in Dich auch.“ Jakob strahlte Leo an. „Und ich will dass es aufhört. Also diese heimlichen Treffen. Sie müssen sich einfach daran gewöhnen, Leo. Sie sind keine Babies mehr. Aber Du kannst nicht Dein Leben auf Sparflamme leben. Und – und wo blieben dann wir?“

Ach, es wäre doch so schön, wenn es ein ’wir’ geben würde. „Okay. Ich sags ihnen morgen.“ versprach er mit einem schwachen Lächeln. Das würde er wirklich tun. Es würde keine leere Phrase sein.

Und Jakob wollte es Leo auch glauben. Er rutschte noch etwas näher und kam in seine Arme um ihn erneut zu küssen. Prompt ging in diesem Moment die Tür auf. Ohne zu klopfen.

Leo erschrak sich zu Tode und fuhr zurück. Genauso wie Jakob. „Ähm.“ Klara stand in der Tür und starrte die zwei jungen Männer an. Vielleicht ein wenig fassungslos. Vor ihr standen Emma und Tim. Beide kicherten und Tim sagte was, das sich verdächtig nach ’ich habs Dir ja gesagt’ anhörte.

„Ach Gott.“ murmelte Leonhard. Er konnte richtig spüren, wie er etwas rot wurde.

Jakob lachte blöd und versuchte es mit Humor zu nehmen. „Ich kann das erklären.“

„Ja?“ Klara musste grinsen. „Also mir müsst ihr ja nichts erklären.“

Tim kam näher und musterte Leo und Jakob nun etwas intensiver. „Ich hab euch gesehen.“ sagte er plötzlich und grinste wie ein Lausbub. „Als Du am Montag in der Früh gegangen bist.“ Das war an Jakob gerichtet.

Der verstand sofort und rutschte etwas tiefer in das Sofa. „Stimmt.“ Er grinste schwach. Da war er etwas zu spät dran gewesen. „Und ist das jetzt schlimm?“

Leo griff nach Tim und zog ihn auf seinen Schoß. Und Emma auch. Auf seinen Knien war Platz für beide Flöhe. „Hättet ihr was dagegen, wenn Jakob öfters bei uns ist?“

Emma sah ihren Onkel mit ihren blauen Augen an. „Ich bin böse.“ sagte sie plötzlich.

Ohje. Das war nicht gut. Mit dem Blick sah sie aus wie ihre Mutter. „Magst Du Jakob nicht?“ Das war schlecht. Ganz schlecht. Leo sah seine Nichte an und hörte nicht, wie die Tür wieder zuging.

„Doch.“ Emma riskierte einen Blick zu Jakob. „Er ist nett.“ Dann sah sie wieder zu Leonhard. „Aber Du hast nix gesagt.“ Der Blick war äußerst anklagend.

„Ich habs doch gesagt.“ Tim lachte unverschämt und sah zwischen seiner Schwester und Leonhard hin und her. „Ich habs gesagt, dass Onkel Leo verknallt ist.“

Ach Gott. Woher hatten die Kids denn diese Ausdrucksweise. Vermutlich aus der Glotze. „Und woher weißt Du das?“ Leo warf Jakob – der sich neben ihm vor Lachen wegschmiss – einen längeren Blick zu.

Tim grinste über das ganze Gesicht. „Du guckst ihn immer so an. Und Du hast ihn geküsst. Am Montag.“ Ein Glitzern erschien in seinen Augen. „So wie jetzt.“ erklärte er seiner Schwester brühwarm. „So mit Zunge und so.“

Leonhard wurde knallrot und murmelte was von der Ausgeburt der Hölle.

Das belustigte Jakob nur noch mehr und er konnte nicht mehr. Soviel zu Leonhards schönen Plan. Doch die Fragen waren nun noch immer nicht beantwortet. „Und ist das jetzt schlimm?“ wiederholte er seine Frage von vorhin.

Tim schüttelte den Kopf. „Nein. – Bist Du auch in Onkel Leo verliebt?“ fragte er dreist nach.

Seine Schwester schien wie mit Schweigen geschlagen zu sein. Und Leonhard wunderte sich wirklich, dass es ausgerechnet Tim war der solche neugierigen Fragen stellte. Trotzdem interessierte ihn die Antwort auch. „Na sag schon. Kinder lassen sich ja ganz offensichtlich nicht anschwindeln.“

Jakob nickte ergeben und berührte Leo leicht im Nacken. „Ja. Ich bin in euren Onkel verliebt und ich würde gern mehr Zeit mit ihm verbringen.“

„Und was ist mit uns?“ Nein, Emma hatte ihre Sprache nicht verloren. Aber sie sah nun ihre Felle davonschwimmen. „Wir waren zuerst da.“ Prompt schlang sie ihre Arme um Leonhard.

„Na mit euch doch auch, Emma.“ Jakob lächelte wieder. „Ich will Dir Deinen Onkel nicht wegnehmen. Ganz bestimmt nicht. Aber ich würde auch gern eine Rolle in seinem Leben spielen. So wie ihr.“

Das Mädchen guckte ein wenig skeptisch. „Gehst Du dann mit uns auch zum Eislaufen?“ fragte sie plötzlich. „Oder schwimmen?“ Wenn, dann konnte man doch gleich was rausschlagen.

So ein durchtriebenes Gör. „Ja.“ Jakob lachte wieder und sein und Leonhards Blicke trafen sich. „Ich würde gern dazugehören, Emma.“ Zwar sagte er es dem Mädchen, aber es war genauso an Leonhard gerichtet.

Tim hatte jetzt geschwiegen und entwand sich Leonhards Griff. „Komm Emma. Wir stören.“ erklärte das kleine Balg mit theatralischem Blick. Tim griff nach Emma und zog sie von Leonhards Knie. „Die gucken schon wieder so, als würden sie sich gleich küssen.“ Der Junge seufzte.

Widerwillig ließ sich Emma wegziehen, blieb jedoch an der Tür stehen und beobachtet Jakob ihren Onkel wieder küsste. Und dann grinste sie. Vielleicht war es doch ganz schön, wenn man zwei Papas hatte. Oder Onkel. Oder was auch immer. „Ich komm schon.“ rief sie ihrem Bruder zu und lief ihm dann auch gleich den Gang entlang.

„Hast Du Dir das gut überlegt?“ Leo stöhnte bei Emmas Geplärr und sah Jakob wieder in die Augen. „Wenn sie mal richtig warm sind, dann sind sie manchmal wirklich unerträglich. Eine richtige Teufelsbrut.“

Jakob warf seinen Kopf in den Nacken und lachte schallend. „Klar. Ich hab mitgeholfen Nikolaus aufzuziehen. Da werde ich doch mit Deiner Teufelsbrut fertig.“ erklärte er flappsig, doch mit warmen Blick. „Ich glaub, jetzt hab ich doch noch eine Chance, dass Du heute hier bleibst. Du und die Teufelsbrut.“

Leo grinste verschmitzt und zog Jakob auf seinen Schoß. „Na dann überzeug mich, Jakob.“ antwortete er heiser. „Überzeug mich einfach, dann bleiben wir bei Dir.“

Jakob schlang seine Arme um Leonhard und küsste ihn hungrig, aber mit Gefühl. Er würde Leonhard ganz sicher überzeugen, dass es in der kleinen Familie auch für ihn Platz gab. Und wenn er ihn sich mit Eis laufen, schwimmen und sonstigen Aktivitäten erkaufen musste.