Um Sieben Uhr morgens war Alexander dann allerdings schon wieder wach. Er hatte ein flaues Gefühl im Magen und konnte nicht beschreiben, woher das kam. War er aufgeregt, weil er für einen Haufen kranker Kinder den Nikolaus spielen sollte? Das konnte doch nicht sein, er war nie nervös. Niemals.
Entschieden schlug der Polizist die Bettdecke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. Erst einmal duschen und anziehen.
Alex gönnte sich ein ausgiebiges Frühstück, von dem er die Hälfte allerdings stehen ließ. Dafür hatte er drei Tassen Kaffee intus und war dementsprechend aufgedreht, als er sich pünktlich auf den Weg in die Klinik machte.

Die Schwester am Empfang lächelte ihn für seinen Geschmack viel zu wissend an. Hatte es schon die Runde gemacht, dass er das Objekt der Begierde Frederiks war? Und sich diesem zuliebe zum Affen machte- oder machen würde?
Alex schüttelte den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Das grenzte ja schon an Paranoia.
Als er allerdings ins Zimmer seiner Nichte kam, war er versucht, an eine Verschwörung zu glauben. Daniela grinste ihm fröhlich entgegen und die Schwester, die Leo grade Fieber maß, schenkte ihm ebenfalls ein wissendes Lächeln.
“Morgen.” grummelte der Polizist in seinen nicht vorhandenen Bart. “Was hast du denn für eine Laune, Brüderchen?” Dani kam ihm auf die mütterliche Tour.
“Nix.” kam es deshalb etwas unwirsch zurück. Alex hasste das und Daniela wusste es ganz genau.

Nach einem kurzen Klopfen schwang die Tür des Zimmers auf und ein fröhlich lächelnder Frederik erschien. “Wunderschönen guten Morgen.” flötete er geradezu und Alex zuckte unwillkürlich zusammen. Wenn der morgens immer so drauf war, dann würde es nach einer gemeinsamen Nacht sicherlich Mord und Totschlag geben. Er konnte das morgens so ganz und gar nicht ab.
Warum dachte er eigentlich an gemeinsame Nächte? Alex kam gar nicht dazu, weiter über den Gedanken nachzusinnen, denn Frederik stand vor ihm und griff nach seiner Hand. “Kommst du dann gleich mal mit?” fragte er und wartete keine Antwort ab, sondern zog den Polizisten hinter sich her, raus aus dem Zimmer.

“Schön, dass du da bist.” Frederik sah kurz nach rechts und links und küsste Alex dann kurzerhand flüchtig auf die Lippen. “Die Kinder sind schon aufgeregt.”

Alexander kam überhaupt nicht dazu, zu reagieren und wenn er ehrlich war, so langsam resignierte er. Frederik schien willens, ihn unbedingt zu erobern und warum zum Teufel wehrte er sich eigentlich dagegen? Eine gemeinsame Nacht, oder vielleicht zwei und irgendwann würde es dem guten Doktor schon reichen. Ihre Schichtpläne, ihre knapp bemessene Freizeit würde so oder so keine Beziehung aushalten.
Auch wenn er sich jetzt sicher war, dass ihn der Arzt ebenfalls anzog, war Alex doch Realist.

“Wo kann ich mich umziehen?” fragte er deshalb nur. Frederik hob eine Augenbraue und betrachtete Alex forschend. So gar kein Protest und kein Geheule von wegen ich bin nicht schwul und der Doktor kapiert das nicht? Was war denn jetzt los?
Nicht weiter drüber nachdenken. Frederik deutete Alex, ihm zu folgen und führte ihn ins Schwesternzimmer. Dort hing schon das Kostüm, sorgfältig vor den Blicken eventuell ins Zimmer platzender Kinder verborgen.

“Okay.” Alexander zog seine Jacke aus, desgleichen den Pullover und hielt inne, als hinter ihm ein kleines Seufzen erklang.

“Du weißt schon, was du mir antust, ja?” fragte Frederik mit belegter Stimme. Man sah sofort, dass Alex sportlich war und nicht nur die Muskeln machten den Arzt an, es war auch die Haut. Leicht getönt und so absolut glatt, dass er sich fragte, ob sie sich unter seinen Fingern wohl so seidig anfühlen würde, wie sie aussah.
Gleich darauf streckte er die Hand aus, er musste es einfach testen. Vorsichtig strich er mit den Fingerspitzen über Alexanders Schulterblätter und wartete. Jedoch erhielt er keinen Stoß oder Schlag, der Polizist verhielt sich vollkommen ruhig.
Alexander hatte die Augen geschlossen und eine Gänsehaut zierte seinen Körper. Die flüchtige Berührung wühlte alles mögliche in ihm auf und er biss sich auf die Lippen, um nicht zu stöhnen. Wahnsinn. So was hatte er noch nie erlebt, bei keinem zuvor. Und langsam fragte er sich, was das eigentlich zu bedeuten hatte.

“Du solltest das nicht tun.” Alexander flüsterte, weil er befürchtete, seine Stimme würde versagen.

“Warum?” Frederik strich erneut über die Schulterblätter, seine Finger glitten zum Hals hinauf und kraulten den Polizist im Nacken.

“Weil es sich nicht gut macht, wenn der Nikolaus seine Rute allzu deutlich in der Hose trägt.” kam es trocken von Alex und Frederik musste lachen.

“macht es dich an?” fragte er etwas scheinheilig und hob den Kopf, um Alex ins Gesicht sehen zu können.

“Saublöde Frage.” knurrte dieser. “Ich bin nur ein Mann, schon vergessen? Und ich reagiere auf mechanische Reize.”

“Schade.” Frederik zog seine Finger zurück und trat einen Schritt beiseite. “Ich dachte, du reagierst auf mich.”

“Das sowieso.” murmelte Alex und griff nach dem Kostüm. “Ich würde mich gern anziehen. Hast du nix zu tun?”

Frederik hatte Alex trotz der Murmelei verstanden und ein zugebenermaßen ziemlich blödes grinsen erschien in seinem Gesicht. “Nein. Ich muss doch aufpassen, dass der Nikolaus in sein Kostüm kommt.” Er lehnte sich gegen die geschlossene Tür und schien nicht gewillt, das Zimmer zu verlassen.

Alexander seufzte ergeben und zog dann einfach seine Hose aus. Er war sich der Blicke von Frederik durchaus bewusst und machte extra langsam. Wenn der Arzt schon glotzen musste, dann sollte sich das auch wenigstens lohnen.

Schließlich stand er fix und fertig angezogen und ausgepolstert vor Frederik und ließ sich von diesem mit dem Bart, Mütze und Haaren helfen.

“Du siehst wirklich zum Anbeißen aus.” lächelte dieser und begutachtete Alex von allen Seiten.

“Aha. Du stehst also auf fette Männer mit Bart und in roter Kleidung. Gut zu wissen. Dann kann ja aus uns auch niemals was werden.” Alexander schnappte seine Sack und begann sein Spiel als Nikolaus.

Eine Stunde später und mit leeren Sack kam er zurück ins Schwesternzimmer und lehnte sich aufatmend gegen die Tür.

Schnell war die Jacke aufgeknöpft, es war verdammt heiß unter dem Kostüm und Alexander hatte schon Schweißperlen auf der Stirn.

“Du warst einfach nur klasse.” Alexander zuckte zusammen, als er die Stimme hörte und hielt inne.

Frederik erhob sich von seinem Sessel, er hatte gar nicht gesehen, dass der Arzt dort gesessen hatte.
Langsam kam dieser auf ihn zu und nahm ihm die Mütze ab. “Die Kinder waren völlig begeistert und die Eltern, die da waren, auch. Du hast etwas gut bei mir.”

Ein Lächeln erschien in Frederiks Gesicht und Alexander interpretierte es als ziemlich zärtlich. Und prompt hatte er ein Kribbeln im Magen und es verstärkte sich, als der Arzt ihm auch noch die falschen Haare und den Bart abnahm.

Ganz nahe waren sich ihre Gesichter und Alexander konnte gar nicht anders, er überbrückte die Distanz und küsste Frederik. Zögernd zuerst, aber der Arzt machte keine Anstalten, sich zurückzuziehen. Nein, er vertiefte den Kuss sogar und sie lösten sich erst wieder von einander, als sie dringend Luft holen mussten.

“Wir sollten das nicht machen- ich sollte das nicht machen.” sagte Alexander leise, als er wieder sprechen konnte und seine weichen Knie im Griff hatte.

“Warum? Das du nicht interessiert bist, kannst du mir nicht erzählen. Und wenn du auch nicht schwul bist, dann bist du zumindest bi. Du bist solo und ich auch. Wir tun niemandem weh.” Frederik trat einen Schritt zurück und blickte forschend in Alex’ Gesicht.

“Ja. Aber ich bin Polizist.” sagte Alexander leise. “Es ist alles nicht so einfach, wie du dir das denkst.”

“Glaubst du, ich lebe in einer Glücksbärchiwelt? Ich weiß sehr gut, was Sache ist. Du vergisst, dass mit neulich eine Glatze beinahe die Nase gebrochen hätte.” Frederik war enttäuscht und das merkte man ihm auch an. “Aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Wenn ich mich ständig verstecke, dann kann ich mich gleich umbringen. Ich bin, wie ich bin.”

“Ja, du bist, wie du bist. Aber ich bin anders.” Alexander zog das Kostüm aus, und hängte es auf, schlüpfte wieder in seine Kleidung.
“Ich kann das nicht so einfach. Keiner in meiner Familie, von meinen Kollegen käme je auf die Idee, dass ich auch Männer geil finde. Sogar geiler als jede Frau, die ich bisher hatte. Es verkompliziert nur alles.”

Frederik verschränkte die Arme vor der Brust. “Warum lässt du es nicht einfach auf dich zukommen? Du machst dir Gedanken über ungelegte Eier. Aber ich will dich natürlich zu nichts zwingen, Alexander. Entscheiden, was und wie viel du zulassen willst, musst du.” Und ohne ein weiteres Wort verschwand Frederik aus dem Zimmer.

Alexander seufzte leise und verschwand klammheimlich aus dem Krankenhaus. Wahrscheinlich war es besser so. Ein Ende- bevor es überhaupt angefangen hatte.

Am Nachmittag, den er zum größten Teil vor dem Fernseher verbracht hatte, ohne überhaupt zu sehen, was lief, rief seine Schwester an. Leonora war wieder zu Hause und sie bestand darauf, dass ihr Onkel sie besuchte.

Ohne viel Lust, aber leider auch ohne Möglichkeit, abzusagen, fuhr Alexander zu Daniela und Leo. Nachdem er eine Weile mit seiner Nichte gespielt hatte, nahm ihn seine Schwester zu sich in die Küche und rauchte sich eine Zigarette an.

“Was ist los?” Daniela hielt nichts davon, um den heißen Brei herumzureden. Sie sah ihrem Bruder an, dass er etwas hatte. Und auch Dr. Humbolt war merkwürdig gewesen. Erst hatte er sie ausgefragt, nach de Vorlieben ihres Bruders, nach seiner Adresse und nach dem Nikolausspektakel hatte er sich kaum von ihr verabschiedet.

“Nichts.” Alexander setzte sein trotziges Gesicht auf.

“Ja, sicher. Und morgen fliegt ein Schwein an meinem Fenster vorbei.” Daniela schüttelte den Kopf.
“Hat es etwas mit Dr. Humbolt zu tun? Der war auch so merkwürdig.”

Alexander zuckte bei Erwähnung des Namens ungewollt zusammen und Dani nickte zufrieden. Treffer. “Also doch. Du magst ihn, hab ich Recht?”

“Und selbst wenn?” Alexander sah auf und Dani an, sein Gesicht war ernst. “Es kann nichts werden. Ich bin Bulle. Was glaubst du, was los ist, wenn bekannt wird, dass ich was mit neu Kerl habe? Von Mutter ganz zu schweigen.”

“Mutter wird die höchstens mit einem Vortrag über Aids kommen. Du bist ihr Liebling. Du könntest jede Nacht in einem Frauenfummel tanzen gehen, dass würde nichts an ihrer Liebe zu dir ändern.” Daniela sah das nüchtern. Sie wusste, dass Alex immer an erster Stelle kam, aber sie liebte ihn ebenfalls viel zu sehr, um ihm das nachzutragen.

“Vielleicht. Aber meine Kollegen würden das sicher nicht so sehen.” Alexander griff nach der Tasse Kaffee, die sie ihm hingestellt hatte.

“Und deswegen ziehst du lieber den Schwanz ein und lässt dir so ein Schnuckelchen entgehen? Alex, du bist blöd.” Daniela drückte ihre Zigarette aus, ein bisschen heftiger als sonst. “Frederik ist interessiert an dir, sehr sogar.”

“Kann sein. Aber Interesse und Beziehung sind zwei paar Stiefel. Wahrscheinlich will er nur austesten, ob er mich ins Bett zerren kann und dann fröhlich seiner Wege ziehen.” Alexander trank einen Schluck. Er tat Frederik Unrecht, aber so fiel es ihm leichter, das Ende hinzunehmen.

“Dir ist nicht zu helfen.” Daniela schüttelte den Kopf und setzte einen Topf mit Wasser auf. Wenn sie wütend war, musste sie kochen und das tat sie. Spaghetti würde es geben, Leo hatte es sich gewünscht und sie konnte ihren Bruder gleich dazu nötigen, mitzuessen. Kochen würde er sich eh nichts.

Das Thema Frederik kam nicht mehr zur Sprache und nachdem Alexander heimgefahren war, hörte er als erstes den Anrufbeantworter ab.
Nur wieder seine Mutter. Enttäuschung machte sich breit und gleich darauf Wut. Frederik versuchte ja nicht mal, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Von wegen, er würde nicht aufgeben. Nur leeres Gewäsch, er hatte es ja gewusst.

Die nächsten zwei Wochen hörte Alex nichts von Frederik. Er war enttäuscht und lustlos. Das fiel auf, aber er teilte sich nicht mit. Alex war keiner, der anderen seine Sorgen mitteilen konnte.

Seine Arbeit machte er korrekt, aber mit wesentlich weniger Begeisterung als vorher. Zum Glück hatten sie genug zu tun, also kam er nicht dazu, allzu viel über Frederik nachzudenken.
Ab und an erwischte sich Alex dabei, wie er sich umsah, vor allem, wenn sie über den Weihnachtsmarkt gingen. Aber nie traf er den Arzt an.

Freitag Abend kam er nach Hause und leerte seinen Briefkasten. Mit der Post ihm Arm ging er nach oben, in seine Wohnung. Schuhe von den Füßen treten und den Anrufbeantworter betrachten waren die ersten Reaktionen, die Alex ohne nachzudenken machte. Kein Anruf.

Lustlos sah er seine Post durch, während er Wasser für einen Tee aufsetzte. Rechnungen, Bettelbriefe- einer jedoch erregte seine Aufmerksamkeit. Ein kleiner Nikolaus zierte den Umschlag.
Alexander öffnete und eine Karte fiel heraus. Weihnachtliches Motiv, Nikolaus mit Rentier- augenscheinlich Rudolf, was man an der roten Nase erkennen konnte.

Sei Morgen Abend um 18.45 Uhr pünktlich am Taxistand des Rathausplatzes. Festliche Kleidung wäre angebracht. Es wartet eine Überraschung.

Mehr stand dort nicht und Alexander drehte die Karte in den Händen. Kein Absender, nichts. Neugierde war Alex zweiter Vorname und es traf sich gut, dass er ein freies Wochenende hatte. Natürlich würde er hingehen. Es war kurz vor Weihnachten. Vielleicht hatte sich Dani oder seine Mutter etwas einfallen lassen. Auf das naheliegenste kam er nicht, Frederik würde ja wohl auch kaum wissen, wie seine Schichtpläne waren.

Samstag Abend stand Alexander etwas nervös am besagten Taxistand. Er hatte sich in seinen dunkelbraunen Anzug geschmissen, dazu trug er einen beigen warmen Mantel und hatte einen braunen Schal lässig um den Hals geschlungen.

Selten machte er sich so schick und so zupfte er auch immer wieder nervös an seiner Kleidung herum.
Pünktlich um 18.45 hielt ein dunkler Mercedes am Taxistand. Ein Mann stieg aus, lief um den Wagen herum und musterte Alex. “Herr Merz?” fragte er und als dieser nickte, öffnete er die hintere Tür. “Bitte steigen sie ein.”

Alexander war etwas verwundert, aber er stieg ein. Der Wagen fuhr los und brachte ihn vor das Stadttheater. Dort angekommen, drückte der Chauffeur Alexander einen Umschlag in die Hand. “Ihre Karte” sagte er nur und wartete, bis Alex ausgestiegen war, bevor er weiterfuhr.

Alexander stand etwas perplex vor dem großen Gebäude. Hier wurden das Musical “Die drei Musketiere” aufgeführt. Er öffnete den Umschlag und entnahm ihm eine Karte für diese Veranstaltung. Loge, so wie es aussah. Wow. Er liebte Musicals und hatte die ganze zeit schon hin und her überlegt, wie er es wohl bewerkstelligen würde, dort mal hinzugehen. Immerhin war es nicht grade billig und Alex nicht unbedingt mit Reichtümern gesegnet.

Alexander betrat das Theater, gab an der Garderobe seinen Mantel ab und ließ sich den Weg zu seinem Platz erklären. Dort angekommen, sah er sich um. Keiner da, nur zwei Plätze und ein wundervoller Blick auf die Bühne.

Er setzte sich etwas irritiert und wartete, beobachtete die Leute unter sich.
Plötzlich schrak er zusammen, als er im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Alex sah ein Sektglas, die Hand die es hielt und drehte sich leicht.

“Frederik.” Verblüfft sah er den Arzt an, der charmant lächelte. “Ich hatte dir doch gesagt, ich lasse mir etwas besonderes einfallen. Als Dankeschön.”
Frederik drückte Alex das Glas in die Hand und setzte sich neben ihn.

“Woher?” setzte Alex an, schwieg dann aber wieder. Sicher hatte das Dani seine Hände im Spiel.

“Ich informiere mich eben gut, wenn mir was an jemandem liegt.” sagte Fred und stieß mit seinem Glas leicht gegen das von Alex. “Auf einen schönen Abend.”

“Auf einen schönen Abend.” Alexander lächelte strahlend, das erste Mal seit Wochen. Er nippte an seinem Sekt und wollte noch etwas sagen, da begann das Stück.
Augenblicklich war er gefangen in der Handlung und in der Musik und als nach eineinhalb Stunde Pause war, blinzelte Alex wie ein Maulwurf ins Licht und kehrte nur sehr langsam in die Wirklichkeit zurück.

“Es ist einfach nur phantastisch.” strahlte er Frederik an. “Ja, finde ich auch. Vor allem die vielen Kerle in Leder sind schon sehr schnuckelig.” Frederik grinste frech und lachte leise über Alex empörtes Gesicht.
“Ich finde es auch gut. Magst du raus oder bleiben wir hier?” Alex wollte bleiben. Sie tranken noch ein Glas Sekt und unterhielten sich, bis der zweite Teil des Musicals begann.

Der zweite Akt war sehr emotional und Alexander griff nach Frederiks Hand, drückte sie, ohne es recht zu merken.

Am Ende stand Alex von seinem Platz auf und zollte den Darstellern frenetisch Beifall. Dann fiel er, spontan und ohne zu überlegen, Frederik um den Hals.
“Danke. Es war einfach nur herrlich.” Seine Augen strahlten den Arzt an und dieser konnte nicht anders, er küsste ihn. Allerdings keusch und der Umgebung angemessen.

Alexander ließ es zu, er schwebte ohnehin auf Wolke sieben.
“Magst du noch etwas trinken gehen?” Frederik suchte Alex Blick und schluckte seine Enttäuschung herunter, als dieser verneinte.

“Nein. Lass uns bei mir etwas trinken. Ich habe noch einen guten Rotwein stehen.” sagte Alexander kurz entschlossen. Dem Arzt schien wirklich was an ihm zu liegen, umsonst gab man sich keine solche Mühe. Außerdem fand er, dass dieser sich das verdient hatte.

Frederik sah etwas ungläubig drein, dann begann sein Gesicht zu strahlen. “Gern. Allerdings werden wir mit meinem Käfer fahren müssen, der Mercedes war nur für die Hinfahrt. Mein Bruder braucht ihn wieder.”

Auf dem Rückweg erklärte Fred, dass sein Bruder die Karten besorgt und den Mercedes verliehen hatte. Wenn Frederik sich schon mal solche Mühe gab, um einen Kerl zu beeindrucken, dann wollte er sich das nicht entgehen lassen.

Alexander lachte leise bei der Bemerkung und schüttelte den Kopf. “Du bist doch hartnäckig.” erklärte er.

“Habe ich gesagt. Ich habe nur nicht gesagt, wie lange ich mir zwischendrin zeit lasse.” Frederik parkte vor dem Haus, in dem Alex wohnte und sah ihn an. “Wirklich?” fragte er leise.

“Wirklich” sagte Alex und stieg aus. “Komm, es ist kalt.” Er lief voraus und öffnete die Haustüre, auch, um seine plötzlich aufkommende Verlegenheit zu überspielen.

“Leg ab.” Alex schloss seine Wohnungtüre hinter ihnen und hängte seinen Mantel auf, trat die Schuhe von den Füßen. Strümpfig lief er in di Küche, um den Wein und zwei Gläser zu holen.

Frederik hängte seinen Mantel auf und sah sich um.
“Willkommen in meinem kleinen Reich.” Alex stand hinter ihm und wies ihm den Weg ins Wohnzimmer und auf die Couch.

“Gemütlich hast du es hier.” Frederik kam der Aufforderung nach und setzte sich auf die Couch, zog die Beine hoch.
Alexander öffnete die Flasche, schenkte ihnen ein und ließ sich neben dem Arzt nieder.
Nach dem ersten Schluck sahen sie sich in die Augen und begannen zu reden- erst über das Musical, dann über persönliche Themen. Je mehr sie tranken, desto gesprächiger wurde Alexander, schilderte seine Ängste und Bedenken.

Frederik hörte sich alles ruhig an, streichelte Alexander leicht über den Arm und nickte. “Ich verstehe dich ja, aber es tut mir leid, Alex- du hast mir den Kopf verdreht.” Das kam so sachlich, dass Alex überrascht aufsah und dann rot wurde.

“Mir geht es doch auch so” murmelte er leise und suchte erneut den Blick des Arztes. Dieser überbrückte die kurze Distanz und verwickelte ihn in einen innigen Kuss, der im Laufe der Zeit immer hitziger wurde.
Und so war es ganz selbstverständlich, dass Alexander Frederik bat, zu bleiben.

Zum Glück war er bestens ausgerüstet, Gleitcreme und Kondome im Haus- auch wenn er das alles gar nicht geplant hatte.

Sie schliefen miteinander, zuerst ungezügelt und will, später wesentlich ruhiger und zärtlicher. Alexander kuschelte sich an Frederik und hatte das aberwitzige Gefühl, endlich gefunden zu haben, was er suchte.
Mit diesem Gefühl schlief er ein und er hatte es auch noch, als er am nächsten Morgen erwachte und Frederiks ungezügelte gute Laune ertragen musste.

Nach einer ausgiebigen Dusche, bei der sie die Finger nicht voneinander lassen konnten und Frühstück fuhr Frederik zu sich nach Hause, um sich umzuziehen. Dann tauchte er erneut bei Alex auf. Dieser hatte gekocht und sie verbrachten den restlichen Tag miteinander.
Frederik schlief erneut bei Alex und erst, als sie wieder zum Dienst mussten, trennten sie sich.

Alexander hatte Frederik gebeten, ihr Verhältnis für sich zu behalten. Er wollte sehen, wie es sich entwickelte und hoffte, es würde nicht nach ein paar Tagen vorbei sein.

Sie sahen sich, wann immer es ihre Zeit erlaubte und Alex musste zugeben, dass er sich verliebt hatte- und das heftigste. Aber den Mut, es öffentlich zu machen, hatte er nicht.

Kurz vor Weihnachten lagen sie erneut zusammen im Bett, diesmal bei Frederik. Sie hatten miteinander geschlafen und hielten sich einfach nur fest, als der Arzt plötzlich sprach.
“Alexander, so geht das nicht weiter.”

Alex versteifte sich in dessen Armen, drehte den Kopf und sah ihn an. Jetzt kommts, dachte er sich. Jetzt schmeißt er dich raus, weil er genug von dir und deinen Heimlichkeiten hat.
“Ich will das nicht mehr.” Frederik war ernst und strich Alex durch die Haare. “Ich will diese Heimlichtuerei nicht mehr. Ich möchte dich meiner Familie vorstellen, ich will dich vom Dienst abholen und ich will dich in der Öffentlichkeit küssen. Steh zu mir- ich bitte dich.”

Alexander überlegte einen Moment. “Du willst es offiziell machen? Was hast du denn vor?” fragte er, versuchte dem Ganzen, den Ernst zu nehmen.

“Ich will mit dir zusammen leben.” Frederik sagte das ruhig und mit einem Lächeln. “Ich hab mich in dich verliebt, du Bulle. Ich will dich so oft es geht in Griffweite haben.”

Alex war sprachlos. Dann begann er, leise zu lachen. “Okay. Okay. Fangen wir bei meinen Eltern an. Immer eines nach dem anderen.”

Glücklich umarmte er den Arzt und rollte sich auf ihn, küsste ihn hitzig. “Für dich werd ich mit allem fertig.” sagte er etwas atemlos, als er den Kuss gebrochen hatte.
Und das war auch Alex ernst. Es würde nicht einfach werden, aber Frederik war es wert, dass er endlich zu sich stand.