"Hm" machte Marius nur, er wollte nicht weiter drauf rumreiten. Gewusst hatte er es ohnehin schon, sonst wäre er heute nicht hier erschienen mit Hörnchen und Marmelade als Friedensangebot anstatt Taube und Ölzweig.
"Probier die Marmelade und sag mir, wie sie dir schmeckt. Dann kann ich meiner Mutter das nächste Mal erzählen, das es noch andere außer mir gibt, die sie gut finden." lenkte er dann ab und lächelte, nahm seine Tasse und trank einen Schluck.
"Okay." Daniel zeigte ein etwas offeneres Lächeln und griff nach der Marmelade . Er schraubte den Deckel ab und gab sich etwas Marmelade auf den Teller. Als er den Löffel abschleckte, trat ein verträumter sinnlicher Ausdruck in die Augen. "Mhm. Geil." sagte er nur und nahm sich gleich noch einen Löffel Marmelade. Pur schmeckte sie fantastisch. Fruchtig. Selbstgemacht eben.
Marius hatte zum Glück seine Kaffeetasse abgesetzt, ansonsten hätte er entweder gesabbert oder sich verschluckt. Gott, wie konnte man nur so einen Löffel ablecken? Und das, wo der Bänker doch schon seit zwei Wochen keinen Sex mehr gehabt hatte, außer mit seiner eigenen Hand. Das war ja schon verboten erotisch und er spürte, das seine Jeans eng wurde. Zum Glück saß Marius ja am Tisch und keiner sah es.
"Freut mich, das sie dir schmeckt. Meine Mutter wird begeistert sein, wenn ich ihr das erzähle." meinte er dann und versuchte, seiner Stimme einen normalen Klang zu geben.
Leider sah Daniel es nicht, denn es hätte ihm doch eine gewisse Genugtuung verschafft. Und ihn natürlich auch erfreut. Und wenn Marius nicht so ein Arschloch wäre, dann hätte er ihm eventuell auch einen geblasen. Aber nein, er sah es nicht.
"Erzähl ihr lieber nichts von mir." erwiderte Daniel trocken und gab sich ein paar Löffel Marmelade auf seinen Teller und begann damit sein Hörnchen zu bestreichen.
"Och doch. Ich denke, ich werde ihr von dir erzählen." Marius lächelte leicht und widmete sich nun seinem eigenen Hörnchen. Er aß es pur, ohne irgendwas, trank nur seinen Milchkaffee dazu. "Warum auch nicht? Schließlich bist du eine Erwähnung wert." Er sah auf und Daniel an. "Zumindest finde ich das."
Daniel knabberte an seinem Hörnchen und sah dann unter seinen langen Wimpern zu Marius. "Weil ich ein Arschloch bin." gab er zu. "Und seiner Mutter sollte man nur von Freunden, Freundinnen ... Kumpels erzählen." gab er seelenruhig zurück.
Marius musste leise lachen. "Das ist allerdings eine Argumentation, der ich mich nur schwer entziehen kann." gab er zu. "Ich werde dir jetzt nicht zustimmen, aber ich werde es mir überlegen, meiner Mutter von dir zu berichten. Und ganz ehrlich gesagt, Daniel...wer ist denn schon kein Arschloch? Um weiter zu kommen musst du eins sein, ansonsten wirst du überrollt." Der Bänker nahm seine Tasse, trank sie leer und goss sich nochmal ein. "Freundinnen hab ich keine, Freunde nur einige wenige....und Kumpels gar nicht. Da bleibt nicht viel, was ich ihr erzählen kann."
"Tu es trotzdem nicht." erwiderte Daniel ruhig. "Mütter fragen. Und fragen. Und fragen weiter. Und wie willst Du ihr es dann erklären?" Er würde das niemals erzählen was zwischen ihm und Marius passiert war. Schon gar nicht seiner Mutter. Irgendwo gab es schon Grenzen.
"Wahrscheinlich hast du recht. Na, vorerst komme ich so oder so nicht in die Verlegenheit, ihr etwas zu erzählen. Sie wird verreisen." Der Bänker lächelte leicht und nahm erneut einen Bissen von seinem Hörnchen.
"Sie wird auf die Kanaren fliegen, mit ihrer Freundin. Um die Zeit des Jahres ist es besser, wenn sie nicht zu Hause ist. Mein Vater ist im Frühjahr verstorben." erklärte er dann.
Ob seine Mutter es so schwer nehmen würde, wenn sein Vater nicht mehr war? Daniel wusste, dass seine Eltern keine perfekte Ehe führten. Dazu waren sie zu unterschiedlich und der Altersunterschied auch zu groß. Vielleicht begründete sich auch darin eine gewisse Bindungsangst bei ihm. "Kanaren war ich noch nie." gab Daniel zu und angelte sich ein weiteres Hörnchen. "Ich finds toll, dass sie was unternimmt. Und sich nicht gehen lässt." Viele brachen nach dem Tod des geliebten Menschen ja zusammen.
"Ich auch. Und ich finde es auch gut, das sie ihre beste Freundin aus der Schulzeit behalten hat. Ohne Traudl hätte sie es bestimmt nicht so gut gepackt." Marius kaute auf seinem Hörnchen herum. "Mein Vater war ihre Jugendliebe. Und sie hingen sehr aneinander. Und es kam eben auch ziemlich überraschend. Er ist aufgestanden, hat gefrühstückt und wollte zur Arbeit, da ist er nie angekommen. Er hat einen Herzinfarkt erlitten auf dem Weg dorthin."
Bah, was erzählte er eigentlich so viel? Marius hatte schon lange nicht mehr von seinem Vater gesprochen.
"Aber es ist schon lange her. Und Zeit hilft einem drüber hinweg. Nur eben an bestimmten Tagen, da kommt die Erinnerung wohl wieder hoch."
Nachdenklich, aber aufmerksam hörte Daniel zu. Inzwischen hatte er schon fast das halbe Glas Marmelade geplündert. Bah. Aber sie war halt so lecker. Er konnte nichts dagegen tun. Er liebte Marius' Mutter, auch wenn er ihn hasste. Na ja. Hass war wohl ein wenig zu krass ausgedrückt.
"Das glaub ich gern." erwiderte Daniel leise. "Aber es gibt doch auch irgendwie Hoffnung." Dani grinste schief und er sah Marius kurz in die Augen. "Dass es Liebe tatsächlich gibt." Und die auch beständig war. Na ja. Heteros halt. Alte Schule. Andere Generation.
Marius lächelte offen und nickte. "Ja, diese Hoffnung besteht. Zumindest bei meinen Eltern war es so." Er sah dem Blonden in die Augen. "Meine Mutter fragt ja auch immer, wie es mir so geht und ob ich endlich jemanden habe, mit dem ich mehr teilen will als nur ein paar schöne Stunden. geht es dir nicht auch so? Fragt dein Vater nicht auch manchmal nach?"
"Doch." gab Daniel zu. Ein warmer Ausdruck erschien in seinen Augen, als er wieder an seinen Vater dachte. "Aber er kennt mir. Und er akzeptiert es wie es ist. Meine Mutter ist da ... anders. Sie kann nur schwer damit umgehen. Überhaupt. Ich bin nicht oft zu Hause." Daniel zuckte mit den Schultern. Er war eben ein Papakind. Immer schon gewesen.
"In der Hinsicht sind Eltern wohl alle gleich." Marius spielte mit seiner Tasse und überlegte. "Aber mittlerweile fragt sie nicht jedes Mal, wenn ich komme. Wahrscheinlich denkt sie sich, das ich es ihr schon erzählen würde, wenn es in meinem Leben etwas ändert."
Der Bänker aß den letzten Bissen von seinem Hörnchen und nahm sich dann nochmal ein Neues. Würde er eben nachher ein wenig Radfahren müssen. "Leben deine Eltern nicht zusammen?"
"Ja. Doch." Da war wohl was falsch rübergekommen. "Sie haben ein kleines Haus am Stadtrand. Der Traum meiner Mutter. Mein Vater hat ein Geschäft in der Innenstadt. Aber ... na ja ... Sie sind halt sehr unterschiedlich. Mein Vater ist sehr kunstsinnig. Sehr introvertiert. Geht gern ins Theater und liest viel. Meine Mutter liebt ihren Garten und laute Vergnügungen. Das passt halt nicht so ganz zusammen."
"Dann macht quasi jeder sein eigenes Ding?" Marius nickte verstehend. "Jeder läst jedem seine Freiheiten und seine Hobbies, wobei ich mit Freiheiten jetzt nicht das sexuelle meine." schwächte er dann gleich ab. "Aber das ist es, was ich mir sage...wenn jeder der Partner seine eigenen Interessen hat, diese auslebt und auch dem andere seine lässt, dann kann man auch gut zusammen leben...wenn man auch noch ein paar Gemeinsamkeiten hat. Oder denkst du nicht?"
Marius hatte eine sehr direkte, klare Art die Dinge zu analysieren. Auch wenn es dabei um seine Eltern ging, imponierte es ihm. "Ich glaube ja - ehrlichgesagt - dass sexuell da nichts mehr läuft." meinte Daniel flüchtig lächelnd. Hörnchen hatte er nun genug gegessen. Dafür zog er sich einfach das Glas her und begann es langsam und genießend auszulöffeln. "Mein Vater liebt meine Mutter sehr. Sie ist ja 17 Jahre jünger als er. Und natürlich viel vitaler. Das gefällt ihm. Die einzige Leidenschaft, die sie teilen, ist das Tanzen." Wieder wurde sein Lächeln warm. "Sie sind tolle Tänzer. Als Kind hab ich sie immer bewundert." Sehr sogar.
Das war natürlich ein gewaltiger Altersunterschied. Marius war erstaunt, zeigte es aber nicht. "Da bestätigte meine Theorie" meinte er schmunzelt. "Sie haben eine gemeinsame Leidenschaft, das Tanzen. Und du hast bestimmt einiges davon geerbt. So wie du dich auf der Tanzfläche bewegst. " Marius gestattete sich einen längeren Blick auf die Loffelableckerei und konnte ein kleines Seufzen grade noch so unterdrücken. "Ich bin mit diesem Talent nun leider gar nicht gesegnet."
"Ich weiß." gab Daniel frech zurück - nuschelnd. Schließlich hatte er grade den Löffel im Mund. Langsam zog er ihn raus und sein Grinsen wurde breiter. "Dafür scheinst Du mit Geld umgehen zu können." Daniel zuckte leicht mit den Schultern. "Ich nicht." Er war nicht im minus, aber er besaß nur ein biederes Sparbuch, das bestimmt nicht besonders viele Zinsen abwarf. Sein Vater kümmerte sich drum.
Marius besaß den Anstand, leicht zu erröten. Er war ein miserabler Tänzer, das war schon klar. "Na ja, das sind Dinge, die du beigebracht kriegst. Und ich bin verdammt ehrgeizig, bilde mich weiter und versuche, das Beste rauszuholen. Ich will leben und ich will gut leben. Im Moment hab ich mich dafür entschieden, das Auto zu kaufen und zu verhalten. Irgendwann möchte ich mir vielleicht ne Wohnung kaufen. Aber das hat noch Zeit. Dazu muss ich erst ein wenig ansparen und vielleicht krieg ich ja den Posten als Filialleiter, wenn der Alte in 7, 8 Jahren in Rente geht. Dann kann ich mir das leisten."
Er sah Daniel an. "Wenn du mal einen Tipp braucht, dann frag ruhig. Ich helf dir gern."
Daniel lachte heiser auf. "Das passt irgendwie zu Dir." Und irgendwie klang es eben wie ein Kompliment. "Ich bin nicht sehr ehrgeizig." gab er zu und stellte das Marmeladeglas weg. Oh Gott. Hatte er das jetzt zusammengefressen? "Ähm." Er sah wieder zu Marius. "Ich mein, ich bin jetzt keiner der so aufs Geld schaut. Mein Vater erledigt das für mich." War ja schon ein wenig peinlich. Jetzt war er Mitte zwanzig und sein alter Herr erledigte das. "Aber danke für das Angebot. Ich wär sicher ein entsetzlicher Kunde."
Marius schmunzelte, als er das leere Glas sah und nahm noch einen Schluck Kaffee. Er hatte das jetzt als Kompliment aufgefasst, Ehrgeiz war sein zweiter Vorname. Schon in der Schule hatte er regelmäßig Wutanfälle gekriegt, wenn etwas nicht so geklappt hatte, wie er das wollte.
"Für Leute, für Kunden wie dich sind wir da. Das ist unser Job und glaube mir, es gibt schlimmere Kunden als dich. Du sagst wenigstens ehrlich, das dir das nicht liegt." Der Bänker zwinkerte Daniel zu. "Aber ich finde es auch in Ordnung, wenn dein Vater das für dich regelt. Ich regel auch alles für meine Mutter und auch für ihre Freundin."
Wieder zuckte Daniel mit den Schultern und grinste schief. "Aus mir wird eben nie was werden." Und diese Worte stammten von seiner Mutter. Oh, wie recht sie doch hatte. Er schaffte es ja nicht einmal seine Wohnung zu renovieren. Wie sein Vater hing er an alten und liebgewonnen Dingen. "Magst noch einen O-Saft?" Es war so ungewohnt einen Gast hier zu haben. Einen Gast, der nicht mit ihm verwandt war.
"Ach was. Du bist doch schon was...du hast ne schöne Wohnung, die gemütlich eingerichtet ist, du arbeitest...und kannst dir deinen Lebensunterhalt verdienen. Das ist mehr, als andere von sich behaupten können" sagte Marius nachdenklich. "Nicht jeder kann Doktor oder Direktor oder was auch immer werden. " Er zuckte mit den Schultern. "Ich bin ein lausiger Tänzer, tu mich schwer mit Fremdsprachen und Ordnung. Und das wird sich auch nicht mehr ändern, egal wie viel ich daran arbeite."
Auch das passte zu Marius. Ordnung schien für ihn wirklich ein Fremdwort zu sein. Zumindest hatte er diesen Eindruck in dessen kleiner Wohnung gewonnen. "Na ja. Sie dachte halt, ich würde irgendwas Aufregendes studieren." meinte er. "Oder was, was viel Geld bringt." Sie, das war seine Mutter. Sie hatte ehrgeizige Pläne mit ihm gehabt, aber Daniel hatte sich für was ganz anderes entschieden. Er war wirklich eine Enttäuschung für sie.
Da Marius ganz offensichtlich keinen O-Saft mehr wollte, griff Daniel nach der Kaffeekanne und schenkte sich erneut ein. Ein wenig Milch dazu und er trank einen Schluck.
Marius nickte. "Mein Vater hätte auch gern gesehen, das ich studiere. Aber nach dem Abi hat mich erst einmal der Staat kassiert und ich hab meinen Wehrdienst abgeleistet. Und in dem Jahr, indem ich fertig war, ist er dann gestorben." ER spielte mit seiner Kaffeetasse und sah nachdenklich auf den Tisch. "Ich hab dann lieber etwas getan, was ich gut kann, Studieren, das hätte mir nicht wirklich gelegen. Ich fand schon die Schule eine Qual."
"Ich hab verweigert." gab Daniel offen zu und sah Marius ebenso offen an. "Ich hab gesagt, dass ich schwul bin und dann haben sich mich gleich und gern ausgemustert." Er war damals schon so unverfroren und direkt gewesen.
"Verweigern wollt ich nicht. Ich wollte nicht auf irgendeiner Zivi Stelle Hilfsarbeiten machen, also hab ich den Dienst an der Waffe gewählt."
Marius lächelte leicht. "Ich fand das gar nicht so schlimm."
"Ich fand das dafür nicht so schlimm." gab Daniel schulterzuckend zurück. "So im Dreck rumrobben ist nicht so mein Ding." Körperlich hätte er den Dienst in der Bundeswehr schon geschafft. Sportlich genug war er ja. Aber er hatte einfach nicht gewollt. Und auch wenn er oft ein unerträgliches Temperament hatte, so war er im Grunde seines Herzens ein Pazifist.
"Ich steh drauf, im Dreck zu toben" erwiderte Marius mit einem Grinsen und nahm sich noch einen Schluck Kaffee aus der Kanne. "Nein, ehrlich, ich fand es ganz angenehm. Und wenn du nicht öffentlich damit hausieren gehst, das du schwul bist, dann hast du auch ein lockeres Leben. Nicht, das ich es verschwiegen hab...wenn man mich gefragt hat, hab ich es gesagt. Aber wer nicht fragt, kriegt auch keine Antwort." Marius war wirklich bei der Sache gewesen...er war bei den Kampffliegern gewesen und durfte sogar einmal mit rauf....und das war ein Erlebnis, an das er immer noch gern zurückdachte.
"Dreckspatz." Daniel lachte ein wenig spöttisch auf und stand auf. Der Kaffee war sicher schon aus und ein Griff nach der Kanne bestätigte das.
Daniel ging zum Spülbecken, wusch die Kanne aus und stellte dann frischen Kaffee zu. "Also ich hätte das nicht gebraucht. Außerdem sind die Uniform uncool." Daniel hatte Marius den Rücken zugedreht und brachte die Kaffeemaschine wieder in Gang.
"Ich hatte einen sehr humanen Vorgesetzten. Normalerweise hätte ich nie in einem von den Dingern mitfliegen dürfen, aber mit zwei zugedrückten Augen ging das schon." Marius betrachtete sehnsüchtig Daniels Hinterteil und konnte nur sehr schwer seinen Blick abwenden.
Der Blondschopf machte ihn einfach an, selbst wenn er nur da stand und nichts tat. "Und Dreckspatz trifft es wohl schon, ich mags gern versaut." murmelte der Bänker dann zweideutig.
"Du bist in einem Jet mit geflogen?" Staunend drehte Daniel sich halb zu Marius und warf ihm einen fragenden Blick zu. "Das war aber kein legales Ding, oder?" Konnte er sich irgendwie gar nicht vorstellen. Aber andererseits .. Bei Marius wunderte ihn gar nichts mehr. Auch sein letzter Satz nicht. "Drecksstück." murmelte er ihm grinsend zu. "Hoffentlich meinst Du nur verdrecktes Geschirr, Badezimmer und sonstigen Alltagskram, aber keine Körperflüssigkeiten."
Marius blinzelte Daniel zu. "Es war nicht legal, aber der Vorgesetzte mochte mich. " gestand er dann und grinste breit. "Und was die Körperflüssigkeiten betrifft, also ich mags versaut, aber so versaut dann auch wieder nicht. Und ein versautes Badezimmer stell ich mir mit der richtigen Person sehr geil vor." Der Bänker zog ein Bein auf den Stuhl und schlug es unter, trotz seiner Körpergröße konnte er sich recht klein machen, wenn er wollte.
Auflachend drehte Daniel sich jetzt ganz um und lehnte sich wieder gegen die Arbeitsplatte. "Dein Bad ist schon für eine Person zu klein." stellte er amüsiert fest. Er hatte sich ja in der ganzen Wohnung wie in einem Laborkäfig gefühlt. "Was hast Du dafür getan?" lenkte er wieder ab. "Also wegen dem Jet?" Der Vorgesetzte mochte mich. "Nein. Du hast ihm doch keinen geblasen oder?" Der Gedanken drängte sich ihm irgendwie auf.
Da kamen ja Dinge ans Tageslicht. Daniel fand seine Wohnung also zu klein. Na ja, wenn Marius sich hier umsah, konnte er das auch irgendwie verstehen. Allein die hohen Decken in der Altbauwohnung vermittelten ein Gefühl von Weite. "Aber nicht doch...beim Bund gibt es doch keine Schwulen.." tönte der Bänker dann übertrieben tuntig und klimperte mit den Wimpern. "Nur echte Kerle mit viel zu viel Langeweile, zeitweise."
Die Frage beantwortete er nicht, er hatte seinem Vorgesetzten damals keinen geblasen, allerdings seinen Dienst übernommen.
Der Blondschopf fasste es allerdings als ein 'Ja' auf und schüttelte den Kopf. "Du bist doch wirklich ein versautes Stück." konnte er sich nicht verkneifen. Hinter ihm qualmte und röchelte die Kaffeemaschine vor sich hin und der Dampf setzte sich an seinem nackten Oberkörper ab. "Und mach nicht auf Tunte. Das steht Dir nicht." fügte Daniel trocken zu und begann die Teller abzuräumen. Die brauchten sie ja nicht mehr. Auch die leere Glasflasche von dem O-Saft wanderte in die Spüle. Hier wurde noch mit Hand gespült. Vielleicht wäre eine neue Küche wirklich eine Überlegung wert. Aber Daniel verwarf den Gedanken gleich wieder. Für eine Person brauchte er das ja wirklich nicht.
Marius lachte vergnügt und schüttelte den Kopf. "Ich muss da was richtig stellen. Ich hab ihm keinen geblasen. Der Mann war entschieden zu hetero für meinen Geschmack." Er musterte Daniel, der immer noch nur mit Short bekleidet vor ihm rumlief. Das war schon fast zuviel für einen schwulen Mann in der Blüte seiner Jahre und seit Tagen ohne Sex. Aber Marius riss sich am Riemen, er war gekommen, um mit Dani zu frühstücken...so was wie einen Waffenstillstand hinzubiegen. Denn an Freundschaft....oder vielleicht sogar an zweites oder gar drittes mal Sex mit dem Blonden wagte der Bänker ja nicht zu denken.
Skeptisch sah Daniel zu Marius. "Ehrlich gesagt: Dir trau ich alles zu." Der Blondschopf grinste verschlagen. "Selbst den Vorgesetzten mit Oralsex zu beglücken und danach ein krummes Ding abzuziehen." Daniel streckte sich leicht durch und gähnte, ehe er sich wieder auf seinen Sessel setzte. Der Kaffee war eh noch nicht durch und in seinem Becher war ja noch welcher. Auch wenn der schon etwas ausgekühlt war. "Außerdem. Was hast Du denn gegen Heteros?" fragte er grinsend.
"Vielen Dank" Marius schmunzelte und sah Daniel in die Augen. "Da vergeben wir uns beide wohl nichts. Das du deine Reize zweckbringend einsetzt, glaub ich auch unbesehen."
Der Bänker spielte mit seiner Tasse, drei, vier Tassen Kaffee waren bei ihm keine Seltenheit, dafür trank er viel zu wenig Wasser und andere Sachen. "Ich habe nichts gegen Heteros, nur passen sie nicht in mein Beuteschema. Und wenn einer ständig von seiner geilen Freundin schwärmt, hör ich nur zu und nickte zustimmend."
Ungeniert erwiderte Daniel den Blick und lehnte sich zurück. Er zog ein Bein hoch und stellte den Fuß auf der Sitzfläche ab. "Dafür hege und pflege ich meinen Luxuskörper auch." spottete er zu Marius. Daniel warf einen Blick über die Schulter und schaukelte mit dem Stuhl ein wenig zurück. Sich streckend angelte er nach einer Mineralwasserflasche. "Willst Du auch?" Bevor er direkt aus der Flasche trank, fragte er Marius lieber ob er welches wollte.
"Oh, das kann ich mir denken." Marius ließ seinen Blick ungeniert wandern. "Und du machst das gut." Er schüttelte den Kopf, als Daniel wegen dem Wasser fragte. Im Moment reichte ihm der Kaffee, so wie sonst auch. "Deine helle Haut finde ich am geilsten an dir." gab der Bänker dann zu.
"Ach." Der Blondschopf zog ein erstauntes Gesicht und sah an sich runter. "Naja. Das ist wohl Geschmackssache. Mir wäre ein wenig Farbe lieber." gab er zu und öffnete die Flasche. Mit langen Zügen trank er daraus und setzte sie wieder ab. Nur mühsam unterdrückte er ein Rülpsen. Das gehörte sich einfach nicht.
"Im Sommer krieg ich ein klein wenig Farbe. Aber im Winter schau ich aus, wie ein Käse." Ihm gefiel es wirklich nicht besonders, aber er konnte ja auch kaum was dagegen tun. Sonnenbank fand er doof.
Marius lächelte verlegen. "Ich mag helle Haut, ich finde das erotisch." meinte er dann leise. "Ich selber bin dunkel, vielleicht liegt es auch daran. Es gefällt einem ja meistens das, was man selber nicht ist oder nicht haben kann." Ein kleines Grinsen zeigte sich auf Marius Mundwinkeln. "Der einzige Vorteil ist, das ich im Sommer nicht verbrenne."
"Man will immer das haben, was man nicht haben kann." orakelte Daniel zweideutig und trank abermals von dem Wasser. Das war ein Reflex. Er ging den ganzen Tag an der Flasche. Allerdings nur am Mineralwasser. "Ich verbrenn auch nicht." meinte er dann grinsend und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. "Weil ich nur unter dem Sonnenschirm hock." Also im Urlaub. In Köln kam er ja kaum in ein Freibad. Auch das war ihm zu blöd.
In dem ganz speziellen Fall ahnte Daniel gar nicht, wie recht er hatte. Und Marius würde sich hüten, ihm das zu sagen.
"Ich bin viel draußen...mit dem Rad, So bald das Wetter besser ist. Ich muss etwas tun, wenn ich den ganzen tag nur in den klimatisierten Räumen hock." Der Bänker sah Daniel an. "Fährst du in Urlaub? Also so richtig weg, mehr als ein paar Tage? "
"Ich geh auch im Winter laufen. Außer es ist einfach wirklich zu kalt." Mit dem Rad fuhr er nicht so gern. Verursachte ja angeblich Hodenkrebs. Na das brauchte er noch. Danke auch. "Vielleicht flieg ich ein, zwei Wochen weg." Dani zuckte mit den Schultern. "Das hängt davon ab, ob ich kurz vor dem Sommer noch ein Projekt anfange. Aber wenn nicht, dann sicher nach Ibiza oder Sardinien." Daniel glaubte sich zu erinnern, dass er das Marius schon mal gesagt hatte.
"Ja, das hattest du erwähnt. Also das du da gern Urlaub machst." Marius konnte sich vage erinnern. Sie hatten schon so viel gesprochen, mehr, als der Bänker in den letzten Jahren mit manchen Freunden geredet hatte.
"Ich werde dieses Jahr wohl meinen Urlaub in Köln verbringen. Vielleicht fahr ich ein paar Tage runter nach Frankreich, ich weiß es noch nicht."
Er zuckte die Schultern. "Mal sehen, was sich so ergibt und wie ich Lust habe."
Daniel warf Marius einen längeren Blick zu, wippte ein paar Mal vor und zurück. "Südfrankreich?" fragte er schließlich. "Wo fährst Du da hin?" Wieder sah er sich über die Schulter und kam in eine aufrechte Position zurück. Kaffee war fertig.
Daniel stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf und holte die Kaffeekanne zum Tisch. Mit einem flüchtigen Lächeln stellte er sie vor Marius und setzte sich dann wieder.
"Danke" Marius lächelte offen und goß sich eine neue Tasse Kaffee ein.
"Cote azur" meinte er dann auf Daniels Frage, während er sich Milch in die Tasse schüttete. "Nizza und dann weiter. Und wo es mir gefällt, bleib ich ein wenig. Ich mag Südfrankreich sehr....überhaupt Frankreich und Spanien." erklärte er dann.
"Mhm. Das heißt, Du fährst einfach drauf los? Ohne Hotel buchen und so?" Zumindest hörte sich das für ihn so an. Und ihm wäre das wohl nicht so angenehm. Unter der Brücke oder am Strand wollte er ganz sicher nicht schlafen. Da war er halt nicht sonderlich abenteuerlich eingestellt.
"Ja, immer. Wenn ich nach Frankreich fahre, dann sind keine Ferien und demzufolge kriegt man beinahe überall noch was Schönes. Ich hatte bisher noch nie Pech. Und ich steige so oder so meistens nie unter drei Sternen ab. Wenn schon denn schon." Marius lächelte und trank einen großen Schluck von seinem Kaffee. Lecker, wie auch schon die ersten beiden Tassen. "Das klingt vielleicht snobistisch, ist aber ganz einfach zu begründen. Erstens sind die Hotels leerer, weil sich das nicht jeder leisten will. Zweitens sind die Betten sauber und der Service gut. Und drittens mag ich es einfach." Er grinste und sah Daniel an. Das..komm doch einfach mal mit...verkniff er sich.
Dafür verkniff Daniel es sich, Marius einen Snob zu nennen. Zumindest laut. Auch wenn er sich seiner Argumentation nicht entziehen konnte. "Naja. Ich bin ja auch nicht so der Urlauber." gab er zu und zog nun beide Beine hoch. Zusammengekauert griff er wieder nach seine Flasche und trank. "Irgendwie passt Südfrankreich zu Dir." sagte er dann aber doch. "Der Porsche, der Job ... der Urlaub." Marius erfüllte wirklich alle Klischees, die er sich so im Laufe der Jahre zurechtgelegt hatte.
"Der Porsche ist nur eine Notlösung" Marius zog sein Bein wieder unter seinem Hintern hervor und setzte sich ordentlich hin, lehnte sich aber auf dem Stuhl zurück. "Einen Ferrari kann ich mir nicht leisten, würde mir auch nicht wirklich gefallen. Und den Audi, der mir gefällt, auch noch nicht. Also hab ich es erst mal mit dem Porsche probiert. Ich liebe es, schnell zu fahren, ich find das absolut geil. Eine lahme Krücke wäre nichts für mich. Und Mercedes und BMW kann ich nicht ab."
Der Bänker sah Daniel an. "Den Job mache ich, weil ich gut rechnen kann, weil ich gern gut bezahlt werde für das, was ich leiste und weil er sicher ist. Auch wenn es spießig und bieder anmutet, es ist etwas, was ich verdammt gut kann. Und Südfrankreich liebe ich einfach, weil mit die Lebensart der Leute dort gefällt."
Marius trank seine Tasse leer und nahm sich nochmal Kaffee. Dann musste er es aber gut sein lassen so wäre er den Rest des Tages völlig aufgedreht.
Notlösung. Daniel schaffte es grad so nicht aufzulachen. Ja, Marius war ein Snob. Aber trotzdem hörte er ihm zu. Es war ja auch ganz amüsant, was er so zu erzählen hatte. BMW, Ferrari, Mercedes. Oh Gott. In welcher Welt lebte der Kerl denn eigentlich? Hallo? Erde an Marius?
"Ich war noch nie dort." gab Daniel zu. "Aber vielleicht überprüf ich Deine Angaben dann." Der Blondschopf grinste jungenhaft und trank die Flasche leer. "Wenn ich einmal reich wär." sang er und schob sich vom Sessel. Viel Wasser wollte auch wieder raus. "Komm gleich wieder." sagte er nur zu Marius und verließ leichtfüssig die Küche um die Toilette aufzusuchen.
Marius war eben, wie er war. Er war ein Einzelkind, verhätschelt von den Eltern...na ja, bis er sich geoutet hatte. Dann eher von der Mutter, als vom Vater. Geld war nie ein Thema zu Hause gewesen. Klar musste Marius sich sein Taschengeld verdienen, aber es war großzügig bemessen. Sein Vater war Beamter in Bonn gewesen, beim Bund und seine Mutter hatte bis zu seiner Geburt Lehrerin gewesen.
Der Bänker nickte, als Daniel sich erhob. "Okay" sagte er nur und streckte sich durch. "Südfrankreich lohnt sich auf jeden Fall. Ich bin sicher, du würdest es mögen."
"Na, mal gucken." rief Daniel über die Schulter und beschleunigte dann seinen Schritt. Bah. Zwei Kaffee und ein Liter Mineral wollten wieder raus. Nachdem er sich erleichtert hatte, ging er ins Badezimmer um sich die Hände zu waschen. Dabei musterte er sich kurz im Spiegel. Unrasiert und fern der Heimat. Naja. Wenigstens sah man die blonden Stoppeln nicht so stark. Zum Glück war seine Gesichtsbehaarung nicht rot. Hatte er bei einem Blondschopf auch schon mal gesehen. Und es hatte ihm nicht gefallen.
Daniel strich sich mit seinen feuchten Händen durch die Haare und griff sich auf dem Rückweg ein Shirt, das er sich gleich überstreifte.