"Na dann komm doch zum nächsten Spieltag wieder her." bot Lennart deswegen auch gleich an. Für morgen hatte er sich schon mit ein paar Jungs in der Kneipe verabredet. Das wurde dann sicher lustig. Und am Dienstag konnte er nicht gucken. Da hatte er einen Termin am Abend. Aber dann guckte er sich einfach später die Zusammenfassungen an. "So. Jetzt mach ich dir mal ein Bettchen." Es war ja schon spät. Und sie mussten morgen beide früh raus.
"Sehr gern." Friedrich nickte und gähnte dann urplötzlich. "Entschuldigung, das Bier macht wohl müde." lächelte er und erhob sich. "Ich ruf dich aber vorher an und frage, was ich mitbringen kann. Wir könnten ja wieder grillen, wenn das Wetter passt."
"Jo." Lennart lachte. "Und es treibt auch. -- Entschuldige bitte." Der Blondschopf verschwand eilig auf die Toilette um sich zu erleichtern. Dann wusch er sich natürlich die Hände und kam wieder zurück zu Friedrich. "So, hoch mit dir." Lennart schob den Tisch zur Seite und öffnete dann mit ein paar Handgriffen das Sofa. Gleich darauf war es zu einer großen, geräumigen Liegefläche umgebaut. "So wo hab ich jetzt die Bettwäsche?" Lennart grübelte. "Ich komm gleich wieder." Gemeinsam mit Amos verließ Lennart die Mühle und ging rüber ins Nebengebäude. Von dort holte er eine zweite Decke. Die hatte er gleich frisch bezogen und dazu auch noch einen Polster. "So. Das sollte reichen." Lennart machte ein Bett und warf dann sein eigenes Bettzeug dazu. Das Sofa war groß genug, dass sie beide drauf Platz hatten und sich nicht behindern würden.
Friedrich wartete bis Lennart wiederkam, dann verschwand auch er im Bad. Dort pinkelte er und wusch sich die Hände, zog sich auch gleich bis auf die Shorts aus. So kam er zurück zu Lennart und wuschelte sich durch die Haare. "Danke. Und sollte ich dir auf die Pelle rücken, schubs mich einfach weg." Friedrich grinste und kroch unter die vorbereitete Decke, ruckelte sich zurecht und gähnte erneut.
Lennart lachte nur und nickte. "Okay." Er verschwand noch einmal im Badezimmer um sich die Zähne zu putzen. Zurück im Wohnbereich drehte er den Geschirrspüler ab, rief Amos rein und sperrte dann die Eingangstür ab. Einen Wecker musste er sich schon stellen. Sonst würde er ja verschlafen. Allerdings stellte er den Wecker in den Küchenbereicht. So verhinderte er, dass er einfach draufschlug und weiterschlief.
Lennart zog sich unbefangen aus, legte seine Klamotten auf den Polstersessel und kroch dann ebenfalls unter die Decke. Unter seine Decke. "So. Dann gute Nacht und schlaf gut, Friedrich."
Friedrich musterte Lennart ungeniert als dieser zurückkam und drehte sich dann auf die Seite. "Gute Nacht, Lennart. Dir auch nen guten Schlaf und süße Träume." Er schloß die Augen und wickelte sich in seine Decke. Kurz darauf schlief er auch schon tief und fest.
Im Laufe der Nacht kroch Friedrich zu Lennart - magisch angezogen von dessen Körperwärme. Es kam halt so gut wie nie vor, dass er jemanden im Bett hatte und er war ein Kuschler, wenn man ihn ließ. Das Weckerklingeln überhörte er geflissentlich. Er brummelte nur und machte so gar keine Anstalten aufzuwachen.
Lennart schlief gut und tief. Erst als Friedrich so angekrochen kam, wurde sein Schlaf etwas flacher. Es war zu warm um zu kuscheln. Allerdings war er auch zu faul Friedrich weg zu schieben. Als der Wecker klingelte, war Lennart bereits wach. Gähnend schob er Friedrichs Arm von sich und stand dann auf. Völlig verwuschelt und verknautscht tapste er zum Wecker um ihn abzustellen. Dann ließ er Amos raus und kam zurück - nackt. Irgendwann in der Nacht hatte er sich seine Short ausgezogen. Er schlief eben nie mit.
Friedrich brummelte nur und drehte sich. Er sah sich seines Kuschelobjektes beraubt und sein verstand schlief noch zu 90 Prozent. Verschlafen öffnete er die Augen und blinzelte. Sah sich einem nackten Lennart gegenüber. "Morgen." Friedrichs Stimme war noch etwas rauh und er räusperte sich. "Schon aufstehen?"
Lennart war natürlich nicht nur nackt, sondern hatte auch eine leichte Morgenlatte. "Morgen." Er grinste verschmitzt zu Friedrich runter. "Ja. Aber bleib noch liegen. Ich mach Kaffee." bot der Blondschopf an und ging weiter zur Küchenzeile. Dort schaltete er seine Espressomaschine ein und füllte frisches Wasser in den Tank. Das war eigentlich sein einziger Luxus in der Küche. Aber Lennart stand eben auf frisch gebrühten Kaffee. "Und wie hast du geschlafen?"
Friedrich ächzte und legte sich auf den Rücken, schloß die Augen. Das war besser für sein Seelenheil, denn der nackte Lennart bot schon einen erregenden Anblick und er selbst blieb davon auch nicht unberührt.
"Sehr gut, tief und fest." beantwortete er dann Lennarts Frage und wuschelte sich durch die Haare. "Und du? War ich arg lästig in der Nacht?"
Dass er Friedrich so 'aufregte' war Lennart gar nicht bewusst. Nach einem Glas Wasser wurde er auch schon munter. Das half immer. "Nein. Du warst nicht lästig." log Lennart lachend. Er konnte seinem Gast ja nicht sagen, dass er ihn ziemlich belagert hatte. "Willst du was frühstücken? Ich leg dir dann oben im Badezimmer Handtücher raus." Dann konnte Friedrich sich duschen - wenn er wollte.
Es war nett, dass Lennart nichts sagte. Friedrich kannte sich doch, er wusste, wie anhänglich er sein konnte. "Mir reicht ein Kaffee." sagte er und schlug die Decke zurück, setzte sich auf. Das man dabei die Ausbuchtung in seiner Shorts sehen konnte, ließ sich leider nicht ändern. "Cornflakes wirst du ja sicher nicht dahaben, oder?"
Ach, der Ständer störte Lennart nicht. Er starrte auch nicht besonders lang drauf. "Also ich habe verschiedene Frühstücksflocken." erklärte der Blondschopf und holte ein paar Tupperbehälter aus einem Hängeschrank. "Und Milch hab ich auch." Auch diese holte Lennart aus dem Kühlschrank. Dann kam er hinter der Küchenzeile wieder hervor. "Bis gleich." Damit lief er auch schon die Treppe hoch ins Obergeschoß. Badezimmer war ja dort.
"Bis gleich." Friedrich stand auf und inspizierte erst einmal die Tupperbehälter. Eine Sorte war ihm genehm, also stellte er die Dose auf den Tisch und nahm sich dann erst mal einen Kaffee. Das brauchte er um einigermaßen wach zu werden.
Unterdessen stand Lennart unter der Dusche und machte einen Menschen aus sich. Nachdem er sich abgetrocknet und die Zähne geputzt hatte, zog er sich eine Short an und legte frische Handtücher für Friedrich bereit.
Dann ging er gut gelaunt hinunter in den Wohnraum. "Hey." Sehr gut. Friedrich hatte sich schon Kaffee genommen. "Gästezahnbürste hab ich aber keine." bedauerte er und machte sich nun selbst einen Kaffee. Dazu gab es einen Schuß Milch und ein Stück Süßstoff.
Friedrich nippte an seinem Kaffee und sah gedankenverloren zum Fenster hinaus. "Hey." lächelte er und stellte die Tasse beiseite. "Dann kann ich mich ja jetzt sanieren. Zahnbürste ist nicht so schlimm, ich hab nen Kaugummi im Auto. Das sollte fürs erste helfen. Und ich fahr ja eh noch zu Hause vorbei, bevor ich in die Redaktion gehe." Er setzte sich in Bewegung, ging nach oben und verschwand unetr der Dusche.
Nach kurzer Zeit erschien er wieder, mit nassen Haaren und zog sich rasch an. "Und jetzt ein paar Flakes." grinste er und setzte sich an den Tisch.
Den Flakes konnte Lennart heute nicht sehr viel abgewinnen. Er saß schon am Esstisch und las in der Zeitung des Vortages. Ausserdem hatte er sich eine Scheibe Brot mit einer dicken Scheibe Schinken und etwas Paprika zurecht gemacht. Inzwischen trug er ein hellgrünes Achselshirt und der Radio dudelte leise vor sich hin. "Na dann hau rein. Du kannst dann aber auch noch was anderes haben." Von den Flakes wurde man doch nicht satt.
"Nein danke. Mir reichen die Flakes, ich frühstücke normalerweise nicht mehr." Friedrich nahm sich Flakes und Milch und begann, genüßlich zu essen. Wenn man zu zweit beim Frühstück saß, war das doch viel gemütlicher als allein. Zu Hause hätte er lediglich eine Tasse Kaffee getrunken, zwischen Tür und Angel. Sie schwiegen die meiste Zeit, aber das Schweigen war nicht unangenehm. Friedrich war eh nicht der Typ, der morgens schon soviel quasseln konnte.
"Wann musst du denn los?" fragte er nach einer Weile.
Ach, ein ordentliches Frühstück gehörte für Lennart schon dazu. Schon allein deswegen, weil er ja auch körperlich arbeitete. Sie schwiegen ja auch, weil sie mit dem Frühstück beschäftigt waren. "Ich hab um neun Uhr den ersten Termin." meinte Lennart nach einen Blick auf die Wand neben dem Kühlschrank. Dort hing ein großer Kalender mit vielen Eintragungen. "Ich muss ein Stück in den Norden hoch. In einen Springreitstall." Dort war wieder einiges zu machen. Vermutlich würde er erst am Nachmittag nach Hause kommen.
"Ich frage nur damit ich weiß, wann ich verschwinden muß um dich nicht in deiner morgentlichen Routine zu stören." Friedrich grinste leicht. Er musste so oder so früher weg. Er sollte spätestens halb neun in der Redaktion sein. Er würde da heute wohl auch erst gegen fünf rauskommen und hatte sich vorgenommen danach noch ein wenig in Schleswigs Innenstadt rumzubummeln. Ein wenig Sightseeing konnte nicht schaden. Damit man wusste wie das Städtchen, in dem man lebte, beschaffen war.
"Ich kann dich ja gegen Abend anrufen. Aber wenn du lieber deine Ruhe willst, dann kannst du es auch sagen."
Ach, so schnell konnte man Lennart nicht aus der Ruhe bringen. "Nö. Du störst nicht." gab er deswegen mit einem Lächeln zurück. "Aber du kannst mich gern am Abend anrufen." Wieso auch nicht? War ja nichts dabei? "Kriegst du deine Aufträge immer gleich am gleichen Tag, oder schon im vorhinein?"
"Ist unterschiedlich. Mal so, mal so." Friedrich lauschte dem Krachen der Flakes zwischen seinen Zähnen und grinste. "Manchmal kommt ne Sensationsmeldung rein- so wie die Ufosichtung. Da wird dann spontan einer hingeschickt. Und diesmal hats mich getroffen."
Naja so schnell würde man hier kein Ufo sichten. Lennart grinste spöttisch. "Das heisst, dass sie dich dann auch unvermutet wirklich irgendwo ins Dorf schicken können." Stellte er sich dann auch nicht so toll vor. Der Blondschopf lachte plötzlich. "Vielleicht solltest du dir dann wirklich ein Navi zulegen."
Friedrich grinste breit. "Wird wahrscheinlich wirklich umumgänglich sein. Ansonsten lande ich weiß Gott wo und sitze fest, weil niemand meine Sprache spricht." Er war ein orientierungsloses Etwas, das stand stand fest. "Unverhofft ins Dorf - ich sollte deinen Ratschlag mit den Gummistiefel unbedingt berücksichtigen."
"Die Dänen sprechen auch Englisch." gab Lennart liebenswürdig zurück und belegte sich ein zweites Brot mit Fleisch und Paprika. Leider neigte sich der Kaffee dem Ende zu. "Willst du auch noch einen Kaffee?" Lennart stand auf und dackelte zur Kaffeemaschine um sich noch einen zweite Kaffee runterzulassen. Während die Maschine brummte, holte er eine Dose Hundefutter aus dem Schrank. Amos hatte ja auch noch nichts gehabt. Und der guckte schon so gierig.
Friedrich lachte leise. "Gut zu wissen. Ansonsten hätte ich echt ein Problem. Mein Englisch ist recht gut, aber damit hat es sich dann auch. Französisch und andere Sprachen haben nie den Weg zu mir gefunden." Er sah in seine Tasse und nickte. "Einen nehm ich auch noch und dann werd ich mich auf den Weg machen."
Natürlich wusch Lennart sich dann gleich die Hände und warf die Dose weg. Sein Kaffee war durch. Also stellte er Friedrichs Tasse darunter und steckte eine frische Kapsel rein. "Ich hab nur Englisch gelernt." Er war ja auch nur auf der Realschule gewesen. "Aber ich spreche auch Dänisch. Durch meinen Vater." Und seine dänischen Großeltern beherrschten die deutsche Sprache auch nicht.
"Ich bin nicht sonderlich sprachbegabt. Wir hatten mal ein englisches Aupair, durch die ich viel gelernt habe. Und dann halt in der Schule. Ich wollt mal ein Jahr ins Ausland, das hat aber nicht so geklappt. Vielleicht hol ich es mal nach." Friedrich bedankte sich für den Kaffee und lehnte sich zurück, nippte an der Tasse. "Muss toll sein, wenn man noch ne zweite Muttersprache hat. Du könntest also auch problemlos in Dänemark leben und arbeiten, ja?"
"Naja." Lennart zuckte mit den Schultern. "Mein Vater hat nur Dänisch mit uns gesprochen und unsere Mutter Deutsch." Da lernte man das ganz automatisch. Der Blonde brachte die zwei Tassen Kaffee zurück zum Tisch und setzte sich wieder. "Und unsere Großeltern in Dänemark sprechen kein Deutsch. Genausowenig wie die anderen Verwandten." Da wären es etwas langweilige Ferien geworden. "Wieso bist du dann nicht ins Ausland?"
"Mir haben die Mittel gefehlt." Friedrich lächelte etwas schief. "Nachdem ich nicht die Studienrichtung eingeschlagen habe, die meine Eltern sich vorgestellt hatten, waren sie nicht bereit, meine Auslandspläne zu unterstützen. Von meinem Großvater wollte ich nichts annehmen und außerdem war ich zu der Zeit grade so sehr verknallt, dass ich eigentlich auch gar nicht gehen wollte. Sicher, ich hätte jobben können- ich hab das ja auch während des Studiums gemacht. Aber irgendwie hab ich nicht die Kurve gekriegt."
Bei gelegentlichen Ansagen kam ja dann doch der verwöhnte Fratz raus. Lennart hatte nach der Realschule seine Lehre begonnen und von diesem Tag an gearbeitet. Es wäre ihm gar nicht in den Sinn gekommen auf Kosten anderer zu leben. Sicher - seine Großeltern hatten ihn unterstützt. Genauso wie sein Vater. Aber ohne eine gewisse Knausrigekeit und selbstauferlegte Askese hätte er sich diese Mühle hier nicht leisten können. "Ich war in der Realschulzeit für ein halbes Jahr oben in Dänemark." Das war schon praktisch gewesen bei seinem Vater zu leben. So hatte der Austausch keine zusätzlichen Kosten verursacht. "Und voriges Jahr war ich ein paar Wochen mit einem Springreitteam in Europa unterwegs." Der Job war gut bezahlt worden. Das hatte sich echt gelohnt.
Friedrich hatte während der gesamten Studienzeit bei MC Donalds gejobbt, daher hatte er jetzt eine ausgesprochene Abneigung gegen FastFood. So etwas prägte nachhaltig, zumal sie umsonst hatten essen können. Allerdings hatte ihn sein Opa ja auch finanziell unterstützt, damit er sich die Miete leisten und sich sogar noch sein Auto hatte finanzieren können. Friedrich war Opas Liebling, daran hatte sich auch nach seinem Outing nichts geändert.
"Na, mal sehen. Ich würde ja gern mal ein Jahr in London leben. Aber im Moment muss ich erst mal meine Lorbeeren verdienen."
Wieder so eine Großstadt. Lennart lachte. "Da würde ich nur übers Wochenende hinfahren." Dann hätte er schon wieder genug vom Lärm, Gestank und Verkehr. "Aber vielleicht klappt es ja noch." Er würde es Friedrich wirklich gönnen. Lennart aß sein Brot auf und stand dann wieder auf. "So jetzt muss ich mich aber anziehen und meine Sachen in den Wagen laden." Friedrich hatte hoffentlich Verständnis, wenn er ihn jetzt rauswarf.
London wäre bestimmt geil. Aber Friedrich schätzte seine Chancen, in den nächsten Jahren dort hinzukommen, nicht sehr hoch ein. Berlin würde ihm ja auch schon reichen.
"Okay." Er trank rasch seinen Kaffee aus und erhob sich, räumte sein Geschirr in die Spüle. "Dann mach ich mich auch auf den Weg. Ich danke dir herzlich fürs Obdach. Es war wirklich ein schöner Abend." Friedrich grinste und suchte seine Sachen zusammen, damit er sie dann ins Auto laden konnte.
"Na bitte gern." Lennart lächelte offen und begleitete Friedrich hinaus auf den Hof. "Dann komm gut nach Hause." wünschte er Fritz und schüttelte seine Hand. "Und verfahr dich nicht wieder." Unverschämt lachte Lennart.
"Ich hoffe nicht." Friedrich stimmte in das Lachen ein und räumte dann seinen Kram ins Auto. Dann wuschelte er Amos nochmal über den Kopf und stieg ein, ließ den Motor an und fuhr vom Hof - Lennart nochmal zuwinkend.
Friedrich war den ganzen Tag beschäftigt und am Abend rief er dann, wie versprochen, Lennart kurz an. Dann hörten sie sich allerdings eine ganze Weile nicht. Den nächsten Fußballabend mit Deutschland musste Friedrich sausen lassen. Er war unterwegs im Land, auf einer Reportage.
Erst nach gut zwei Wochen kam er wieder dazu, Lennart anzurufen. Und das tat er am Abend auch gleich.
Nicht nur Friedrich hatte viel zu tun. Auch Lennart war viel unterwegs gewesen. Aber wichtiger war ihm die Mühle gewesen. Inzwischen hatte er auch schon sein Schlafzimmer und den restlichen Krempel in die Mühle übersiedeln können. Jetzt war es schon richtig gemütlich und heimelig. Lennart hatte es bedauert nichts von Friedrich zu hören. Aber davon ging die Welt nicht unter. Der Blondschopf hatte sich die Spiele - soweit möglich - angesehen. Teilweise zu Hause, teilweise in der Kneipe.
Samstag Abend läutete plötzlich sein Handy. Lennart faulenzte auf der Galerie und ließ sich noch ein wenig Sonne auf den Bauch scheinen. Später spielten dann Holland gegen Russland. Darauf war er schon gespannt. Beide Mannschaften waren ja sehr gut gewesen. "Ja?" Lennart hatte nicht geguckt, wer dran war.
"Hi." Friedrich lag auf seinem Sofa, vor sich ein Glas Bier und zappte durch die Kanäle. "Hier ist Friedrich." Nur für den Fall, dass Lennart ihn nicht gleich erkannt hatte. "Ich bin mal wieder im Lande und dachte, ich melde mich bei dir."
"Oh. Hallo Friedrich." Lennart grinste leicht und zog an seiner Zigarette. "Schön, dass du dich wieder mal meldest." Aber nein. Da war kein Vorwurf in seiner Stimme. Stand ihm auch gar nicht zu. "Wie geht es dir? Und schon ein wenig eingelebt in der Provinz?" fragte der Blondschopf in das Telefon lachend.
"Ich hatte viel um die Ohren. Tut mir leid." Friedrich stellte den Fernseher leiser und lachte dann. "Was die Dörfer rund um Schleswig angeht, bin ich jetzt im Bilde. Ich war auf einer Reoportage unterwegs, die Pensionen in den Dörfern besuchen und meine Meinung darüber schreiben. Ich kenn jetzt jedes Bett und jeden Hausbesitzer beim Vornamen." Er lachte wieder und fragte dann: "Und du? Was hast du so getrieben?"
Mit einem breiten Grinsen hörte Lennart zu. "Also bist du jetzt wirklich im Bilde." Der Blondschopf lachte. Zum Glück hatte Friedrich nicht gefragt, mit wem er es getrieben hatte. Da war im Moment nämlich eher Flaute. Aber nach der EM würde Lennart wieder mal nach Kiel fahren. "Viel Arbeit. Ich habe jetzt drei neue Aufträge rein bekommen. Aber es geht gut voran. Ausserdem hab ich jetzt das obere Stockwerk fertig gemacht." Jetzt schlief er auch schon oben in seinem Bett. "Hast du eh an die Gummistiefel gedacht?"
"Oh, das muss ich mir dann unbedingt alles ansehen. Zum Endspiel vielleicht?" Friedrich hatte im Moment auch Flaute. Er war mit der Reportage beschäftigt gewesen und auf den Dörfern traf man keinen Schwulen, der mal kurz für eine One Night bereit war. Zudem hatte er ja auch nicht danach gesucht. Aber Sex wäre schon mal wieder schön.
"Oder hast du da schon was vor? An die Gummistiefel hab ich gedacht, danke für den Tip. Die waren wirklich nötig gewesen."
"Nö. Da hab ich noch nix vor." gab Lennart gut gelaunt zurück und sah auf die Uhr. "Also ich würd mich freuen, wenn du wieder zum Grillen kommst." Das war doch wirklich nett gewesen. "Hast du heute schon was vor?" Wieder sah er auf die Uhr. Es war kurz vor 18.00 Uhr. Lennart würde dann mit Amos noch einmal zum Strand runter gehen und eine Runde schwimmen. Und dann fing ja kurz vor neun Uhr das letzte Viertelfinalspiel an.
"Okay. Ich bring dann wieder ein paar Salate mit." Friedrich freute sich, allein zu gucken hätte nur halb soviel Spaß gemacht. "Heute? Eigentlich nichts. Ich lieg nur faul auf dem Sofa rum. Wieso fragst du? Soll ich dich auf einen Absacker besuchen kommen?"
Lennart zuckte mit den Schultern. Aber das konnte Fritz ja nicht sehen. "Nur so." Er grinste verschmitzt. "Du könntest ja zwei Pizzen besorgen und raus aufs Land kommen." schlug er Friedrich vor. "Was hältst du davon? Es gibt auch jede Menge Bier."
"Bier ist ein sehr zugkräftiges Argument." Friedrich lachte und kratzte sich überlegend am Kopf. "Dann musst du mich aber wieder beherbergen, denn sonst kann ich nichts trinken. Und du musst mir auch sagen, was für ne Pizza du haben willst." Er richtete sich auf und schaltete den Fernseher aus.
Lennart lachte erfreut und setzte sich auf. Seine Zigarette war eh schon ausgeraucht und er legte den Stummel in den Aschenbecher. "Also ich hätte gern eine Spinatpizza mit Ei und Speck." bestellte er sich auch gleich. "Und ja." Er lachte wieder. "Du hast ganz sicher einen Schlafplatz sicher." Und er selbst hatte jetzt ja auch wieder sein Bett zur Verfügung.
"Gut. Dann mache ich mich jetzt salonfähig, sprich, ich zieh mir wieder eine Hose an und bestell die Pizzen. Und dann schlage ich in ungefähr einer halben Stunde bei dir auf." Friedrich sah auf die Uhr, das müsste sich ausgehen. "Mit Pizza und guter Laune, in vorfreudiger Erregung auf ein kaltes Bier." Er lachte und erhob sich.
In einer halben Stunde wollte Friedrich schon da sein? Da musste er aber fliegen. "Also das Bier ist schon eingekühlt." bestätigte Lennart. "Und in der Mühle ist es heute auch richtig angenehm." Es war zwar noch warm, aber die alten Gemäuer hielten die Hitze einfach ab. "Ich geh jetzt noch schwimmen. Aber ich bin pünktlich zurück."
Friedrich würde fahren wie ein Henker. Immerhin kannte er auf der Strecke mittlerweile jeden stationären Blitzer. Und die anderen- nun, das war eben Risiko. "Gut. Dann viel Spaß und sauf mir nicht ab." Friedrich lachte und legte dann auf, dann wählte er die Nummer von der Pizzeria. Er bestellte zwei Pizzen. Für Lennart die Spinat- und für sich eine Salampizza. Ihm war heute einfach danach. Dann ging er ins Bad und duschte noch rasch, bevor er sich anzog und zur Pizzeria fuhr.
Dort musste Friedrich allerdings noch etwas warten, also dauerte es doch etwas über eine Stunde bis er vor der Mühle parkte. "Pizzaservice." rief er gutgelaunt, als er ausgestiegen war.
Ha. Hatte er es doch gewusst. Friedrich wurde allerdings von Amos begrüsst. Der Beagle raste kläffend aus der Mühle und sprang an dem jungen Mann hoch. Lennart folgte seinem Hund. Er trug nur eine Hose, die ihm etwas über die Knie ging. Obenrum war er nackt. Es war ja warm genug. Seine blonden Haare waren noch feucht vom Bad im Meer. "Hey. Schön, dass du da bist." Er grinste leicht. "Ich dachte, du wollte schon vor einer halben Stunde hier sein." zog er Fritz auf und schüttelte dessen Hand.
Friedrich balancierte mit einer Hand die Pizzakartons und streichelte mit der anderen Amos. Irgendwie ging das sogar ohne dass ein größeres Unglück passierte.
"Die in der Pizzeria haben geschlafen und ich bin ausnahmsweise einmal anständig gefahren." erklärte er mit einem Grinsen und drückte Lennarts Hand. "Und wenn du nicht willst, dass die Pizza auf dem Boden landet, dann solltest du mir sie abnehmen damit ich deinen Hund ordentlich begrüßen kann."
"Klar doch." Lennart lachte und griff nach den Kartons. "Strafzettel und Unfall hätte sich nicht gelohnt." Grinsend trat er zurück und dann in die Mühle. "Komm doch mit. Oben auf der Galerie lässt es sich gut aushalten." Dort hatte er auch gesessen, bevor Friedrich gekommen war. Lennart griff sich aus dem Kühlschrank noch zwei Flaschen Bier und ging dann vor. "Bis zum Anpfiff haben wir ja noch ein wenig Zeit."
"Die stationären Blitzer kenn ich ja schon, aber zur Zeit stehen sie immer mal wieder hinter den Büschen." Friedrich ging in die Knie und wuschelte Amos erst einmal ausgiebig durchs Fell, bevor er Lennart folgte. "Ist richtig schön geworden." bemerkte er, während er sich umsah. "Du warst verdammt fleißig."
Sie gingen hoch in den ersten Stock und dann auch gleich raus auf die Galerie. "Danke." Er lächelte und setzte sich in den Korb. "Ich finds auch toll. Ich dachte auch nicht, dass es so schnell gehen würde." In zwei Wochen hatte er den ersten Stock bewohnbar gemacht und war auch mit seinem restlichen Zeugs umgezogen. "Jetzt geb ich mal über den Sommer Ruhe, dann kommt das nächste Geschoß dran." Allerdings wusste Lennart noch nicht, was er da dann machen sollte. Also wofür er die Räume nutzen sollte.
Friedrich ließ sich neben Lennart fallen und seufzte zufrieden. "Du hast dir hier echt ein kleiens Paradies geschaffen." erkannte er neidlos an. War schön zum Urlaub machen, aber er konnte sich wirklich nicht vorstellen immer hier zu leben. Auf dem platten Land. "Weißt du schon was du aus den anderen Räumen machen willst?"
Inzwischen hatte Lennart schon seine Pizza gefunden. Und netterweise war sie auch schon in handliche Stücke geschnitten. "Mhm? Ne keine Ahnung." gab er grinsend zu. "Aber ich will mir hier oben auch ein Arbeitszimmer machen." Dann stand der Rechner nicht unten herum und seine Unterlagen landeten nicht aus versehen im Kaminofen. "Ausserdem ist diese Ebene ja nicht mehr so groß wie das Erdgeschoß." Aber für sich allein und seine Tiere hatte er genug Platz.
"Arbeitszimmer kommt bestimmt gut hier oben." Friedrich griff nach der übrig gebliebenden Schachtel und öffnete sie. Prompt knurrte sein Magen. Er hatte über den Tag verteilt recht wenig gegessen, dafür mehr Kaffee getrunken. "Oh, ich hab Hunger," gab er zu und nahm sich ein Stück. "Wenn du mich nicht eingeladen hättest, hätte ich bestimmt nichts mehr gegessen." Friedrich biss in sein Stück und leckte sich anschließend über die Lippen. "Zu faul, mir was zu holen oder was zu machen."
Lennart nickte. "Vor allem viel Licht." Er hatte zwei Fenster ausgetauscht. Jetzt war der Lichteinfall viel besser. "Es ist ja auch schön, weil man direkt auf die Galerie raus kommt." Und in der Mühle selbst wurde nichts geraucht. "Dann danke für die Pizza." Die roch total verführerisch. "Ich hätte mir vermutlich noch einen Toast gemacht. Oder Würstchen." Richtig gekocht hätte Lennart auch nichts mehr.
"Nichts zu danken. Immerhin musst du ja auch mich und mein Geseufze und Gestöhne ertragen, wenn Deutschland allzuschlecht spielt." Friedrich lachte leise biss erneut in seine Pizza. "Lass es dir schmecken. Die Pizzeria ist bei mir um die Ecke und ich finde die Pizzen richtig gut."