Leise summend und mit einem Lächeln auf den Lippen hatte sich Andi daran gemacht, die Pflanzen zu gießen und war grad dabei, wieder etwas welke Blätter abzureißen und aufzusammeln, wo sie schon abgefallen waren, als er die Tür vom Lager hörte. Kurz drehte er seinen Kopf und sah Oliver über die Schulter hinweg an.
„Könntest du bitte noch ein paar Gerbera, Margeriten, Chrysanthemen und Rosen holen? Ich muss die Behälter hier noch auffüllen.“ Damit zeigte er auf die aufgezählten Blumen und sah Oliver bittend an, bevor er sich über einen Kaktus lehnte und vorsichtig ein paar welke Blüten abzupfte, die so gar nicht mehr schön aussahen.
Oliver blieb in der Lagertür stehen und sah Andi an, nickte dann und verschwand erneut nach hinten, um dem Braunhaarigen das Gewünschte zu holen.
Mit einem Lächeln stand er wenige Minuten später hinter Andi: „Hier bitte... brauchst du sonst noch irgendwas?"
Andi hatte die restlichen Pflanzen auf ihr Aussehen kontrolliert und sah zu Oliver auf, schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, mehr ist nicht zu tun. Tu die Blumen bitte zu den anderen, ich wisch nur noch mal schnell durch“, antwortete er auf die Frage und erhob sich, um erst die welken Blätter und Blüten wegzuschmeißen und sich dann Wischmopp und Eimer zu holen.
Gerade um diese Jahreszeit, wenn es viel regnete und, noch schlimmer, Schnee lag, wurde der Boden im Laden immer schnell dreckig und schließlich sollte kein Kunde am nächsten Morgen in einen verdreckten Laden kommen. Aber diesmal machte er es nicht allzu gründlich, sondern wischte nur das gröbste weg. Sich endlich umzuziehen und mit Oliver noch irgendwo was trinken zu gehen, trieb ihn etwas zur Eile an.
„Okay..." Oliver stellte die Blumen sortenrein und sorgfältig ins Wasser, ging dann etwas zur Seite, um Andi beim Wischen nicht im Weg zu stehen. „Hast ja jeden Abend ganz schön was zu tun, hm?" fragte er leise, während er ihn beobachtete.
„Tja, das gehört eben zum Job dazu... aber es ist auch nicht oft, dass ich ganz allein im Laden bin... meine Eltern sind zurzeit nur auf einer Messe, wo sie ein paar von unseren gezüchteten Pflanzen präsentierte und deswegen bin ich allein hier. Ansonsten teilen wir uns die Arbeit“, erklärte Andi, wischte schnell noch um den Tresen, als er auch schon fertig war und den Mopp und den Wassereimer wegstellte, nachdem er das Wasser ins Waschbecken im Lager entsorgt hatte.
„So, genug für heute, mag selber nicht mehr“, grinste er leicht und löschte das Deckenlicht im Laden und im Lager, bevor er zur Hintertür ging, die ins Treppenhaus des Hauses führte.
Oliver nickte verstehend und folgte Andi dann nach hinten. Er staunte, als er sah, dass dieser ins Treppenhaus ging. „Du wohnst über dem Laden? Das ist ja praktisch... das wäre was für mich Langschläfer... könnte ich morgens länger im Bett rumlümmeln..." schmunzelte der Dunkelblonde dann.
„Na ja, also direkt drüber wohne ich nicht. Ich wohne im dritten Stock, meine Eltern wohnen genau über dem Laden. Und die restlichen Wohnungen vermieten wir, das Haus ist ein altes Familieerbstück, genau wie der Laden“, lächelte Andi und stieg langsam die Stufen hoch. Vor seiner Wohnungstür angekommen, nahm er den Schlüssel aus seiner Hosentasche und schüttelte über sich selbst den Kopf, da er noch die Schürze um hatte. Doch dann zuckte er nur mit den Schultern, öffnete die Tür und warf als erstes die Schürze von sich, musste er eben morgen dran denken, sie mit runter zu nehmen.
„Kannst dich ruhig umsehen, wenn du was trinken willst oder so, musst im Kühlschrank nachsehen. Ich zieh mich schnell um“, meinte er noch, bevor er in seiner Zweizimmerwohnung durch den Flur und in sein Schlafzimmer wuselte, um sich was passendes rauszusuchen, damit Oliver neben ihm auch keine Komplexe bekam. Der Gedanke ließ ihn leise kichern.
Oliver blieb im Flur stehen und sah sich um... Andi hatte es wirklich gemütlich hier. „Okay..." rief er ihm noch nach und ging dann weiter, betrat das Wohnzimmer und sah sich auch dort um.
Durst hatte er keinen, also setzte er sich auf das gemütlich aussehende Sofa und wartete, bis der Braunhaarige zurückkam.
Sich leicht die Haare raufend, stand Andi vor seinem Kleiderschrank. Wenn es mal schnell gehen musste, konnte er sich nie entscheiden, was er anziehen sollte, schließlich wollte er Oliver nicht so lange warten lassen. Doch dann zerrte er sich eine einfache Jeans aus einem der unteren Fächer, die auch schon mal mehr Farbe besessen hatte und ein einfaches, dunkelgrünes Shirt und neue Unterwäsche.
Schnell war er im Bad verschwunden, wo er sich erstmal gründlich die Hände wusch und sich dann seine etwas verdreckten Klamotten vom Leib riss. Nach einem kurzen Check, dass er sich auch mal wieder rasieren konnte und das ausnahmsweise mal nicht im Gesicht, hatte er sich in den Tanga, er liebte diese Teile einfach und die Jeans geworfen, bevor er sich auch das Shirt überzog und dann schnell seine Haare in Ordnung brachte, die wie von einer Steckdose geformt aussahen. Noch ein abschließender Blick in den Spiegel und die erneute Frage, was der Blonde überhaupt an ihm fand und er trat fertig umgezogen wieder aus dem Bad.
Schnell sah er in der Küche nach, die gleich gegenüber lag, aber dort fand er den Lehrer nicht und so ging er zum Wohnzimmer und lächelte wieder, als er ihn friedlich auf dem Sofa sitzend vorfand. „Und, nimmst mich so mit oder bekommst doch Komplexe, dass ich hübscher bin?“ fragte er grinsend. Man, was war er heute nur mal wieder von sich selbst überzeugt...
Oliver hatte die Pflanzen bewundert, die neben ihm auf dem Beistelltischchen standen und sah hoch, als Andi den Raum betrat. Er musterte ihn anerkennend und seufzte dann.
„Ich werde neben dir verblassen... du siehst verdammt gut aus..." lächelte der Dunkelblonde und erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung. „Dann lass uns mal gehen..."
Nur gut, dass er ein dunkelgrünes Shirt anhatte, das rote hätte sich aber auch zu sehr mit seinem wieder einmal errötenden Gesicht gestochen. „So gut seh ich nun auch wieder nicht aus“, murmelte er leise und sah an sich runter. Er hatte noch ganz andere Teile im Schrank hängen, dagegen waren das hier schon richtige Lumpen.
Doch dann sah er lächelnd wieder auf und nickte leicht. „Gern.“ Damit ging er in den Flur und zog sich Schuhe und Wintermantel an, bevor er sich Schlüssel und Geldbörse einsteckte und mit Oliver zusammen wie Wohnung verließ.
„Mir gefällt das... ich fühl mich mit Jeans und Hemd oder Pulli am wohlsten..." sagte Oliver und folgte Andreas in den Flur, wartete, bis dieser soweit war und lief dann mit ihm die Treppen hinunter.
„Die Straße lang ums Eck ist nen kleines Café... sollen wir dahin? Da spielt keine allzu laute Musik und wir können uns in Ruhe unterhalten." Der Lehrer sah Andi fragend an.
Draußen vor der Tür atmete Andi erstmal tief die frische Luft ein, in der ein Hauch von Tannengrün mitschwebte oder aber, er bildete sich das nur ein. Auf Olivers Frage nickte er leicht. „Wenn ich ehrlich bin, ich war noch nie in dem Café. Wenn ich mal mit meinen Freunden weggehe, dann nicht in diesem Stadtteil“, meinte er etwas verlegen, wo das Café doch schon um die Ecke war.
„Aber wir können gern hingehen“, stimmte er zu und setzte sich in Bewegung, nachdem er seinen Mantel zugeknöpft hatte.
„Hm? Wo geht ihr denn dann immer hin?" Oliver sah Andi neugierig an. „Ich weiß, ich bin neugierig... ich hab das Café auch nur durch Zufall auf einer meiner Einkaufstouren entdeckt... so wie deinen Blumenladen..."
Der Dunkelblonde grinste. „Ich bin eh einer, der nicht unbedingt so großartig ausgeht... ich lad die Leute lieber zu mir ein."
Andi lachte leise über die neugierige Frage. „Du kannst ruhig neugierig sein, ich werd dir schon sagen, wenn’s mich stört. Die anderen wohnen auf der anderen Seite der Stadt und weil es einfach blöd ist, wenn zehn Mann zu mir rennen, haben wir uns so entschieden, dass ich immer zu ihnen komme. Wenn es zu spät wird, finde ich da auch immer einen Schlafplatz, da ist das ganz praktisch“, antwortete er lächelnd.
„Aber meistens gehen wir auch nur in eine Kneipe, um was zu trinken oder hocken dann bei einem zu Hause und machen uns da nen schönen Abend. Wie schon gesagt, bin nicht so der Partymensch und in die Clubs, in die ich gehen würde, würden die anderen nicht mitkommen“, grinste er leicht.
„Na ja... genau wie bei mir. Es ist schwierig, wenn man nur hetero Freunde hat", grinste Oliver. „Meine Freunde in einem Schwulenclub... die würden durchdrehen..." Er lachte leise auf.
„Na, ich lad sie meistens ein und koche was bei mir... das tu ich gerne und ich finde es gemütlich so."
Auch Andi grinste breit, wenn er sich vorstellte, wie sich seine Freunde aufführen würden. „Meine Freunde hätten vielleicht nicht so viel dagegen, mal in so nen Club mitzukommen... ihre Frauen da schon eher... die haben nämlich Angst, dass ihnen ihre süßen Kerle weggeschnappt werden und da muss ich beipflichten... meine Freunde sind wirklich sehr ansehnlich“, lachte er leise. Aber es stimmte ja, wenn sie schwul und es nicht ihrer Freundschaft schaden würde, hätte er schon glatt den einen oder anderen in sein Bett gezerrt... aber da sie ja nun mal schon ewig Freunde waren, konnte er sich das auch nicht wirklich vorstellen.
„Stimmt, so ein Abend entspannt zu Hause mit seinen Freunden verbringen zu können, hat auch was... zum Glück werd ich immer von ihnen eingeladen, denn weder würde meine Wohnung dazu reichen, noch kann ich richtig kochen. Reicht gerade, um mich über Wasser zu halten und nicht nur von Fertignahrung zu leben... und meine Mutter hat es schon lange aufgegeben, das ändern zu wollen“, gab er zu, aber schließlich konnte man auch nicht alles können.
„Hm... dann kommst du mal bei mir vorbei und ich koche für dich... ich liebe so was... planen, einkaufen und dann mehrere Gänge machen..." Oliver kam ins Schwärmen.
„Aber nicht, dass ich jetzt so ausgefallene Sachen machen würde... also Hummer und so was wirst du bei mir nicht finden... aber eben immer Vorspeise und Nachtisch..."
Andi sah den Älteren für einen Moment mit großen Augen von der Seite an und hatte schon eine ablehnende Antwort auf der Zunge liegen, die er aber schnell runter schluckte, als er sah, wie begeistert der andere von der Idee war. Und es war ja nichts dabei, Oliver würde dann für ihn wie für seine Freunde kochen, mehr nicht.
Lächelnd wand der Braunhaarige seinen Blick wieder nach vorn. „Also mit Hummer könntest du mich sowieso jagen. Außer Hering esse ich nichts, was mit Fisch zu tun hat... und ansonsten mag ich es sowieso eher nach alter Hausfrauenart... so exotisch muss es bei mir nicht sein...“ Der Gedanke, vielleicht wirklich einen neuen Freund dazu gewonnen zu haben, machte Andi irgendwie ganz froh und so vergrub er seine Hände in den Manteltaschen, während sie um die Ecke bogen und das Café schon vor ihnen lag.
Oliver warf Andreas einen kurzen Seitenblick zu. „Ich will dich wirklich nur zum Essen einladen... nichts weiter, okay? Ich unterhalte mich gern mit dir... und ich koche gern. Und beim Essen lässt es sich einfach klasse reden..."
Er hielt Andi die Tür auf und folgte ihm dann in das Café.
Über Olivers Erklärung konnte der Braunhaarige nur lächeln und betrat das Café, bevor er sich auch schon nach einem schönen Platz umsah. Etwas in einer kleinen Nische versteckt, fand er auch noch einen freien Tisch und deutete dem anderen dahin, bevor er vorging und sich währenddessen seinen Mantel auszog, um ihn über die Stuhllehne zu hängen, bevor er sich setzte. Als auch der Blonde saß, sah Andi ihn lächelnd an.
„Ich hab gar nichts anderes erwartet, wozu du mich einladen willst... ich würde mich freuen, denn auch, wenn ich nicht gut kochen kann, ich esse gern“, zwinkerte er leicht. Er hatte ja gar nicht vor, vor der Einladung zu kneifen und wenn es ihm zu brenzlig wurde, konnte er Oliver immer noch abhaken.
„Okay... ich meinte nur..." sagte Oliver, nachdem er sich gesetzt und den Worten von Andi gelauscht hatte.
„Du hast am Anfang so erschreckt ausgesehen, als ich dich das erste Mal zu einem Kaffee einladen wollte. Ich will nur nicht, dass du denkst, ich hätte irgendwelche Hintergedanken."
Andi lächelte etwas verlegen, als er sich an ihre erste Begegnung erinnerte. Das musste aber auch zu dämlich ausgesehen haben, wie er so gleich auf Abwehr gegangen war und das nur auf so eine harmlose Einladung. „Das denke ich nicht... tut mir leid, dass ich da so übertrieben reagiert hab...“ murmelte er leise und sah Oliver Entschuldigung heischend an.
Aber zum Glück kam in diesem Moment der Kellner an den Tisch und fragte nach ihren Wünschen, worauf sich Andi nur einen einfachen Kaffee bestellte. Er wusste selber nicht mehr, warum er so reagiert hatte und hoffte, der Blonde würde das Thema einfach wechseln.
„Du musst dich bei mir nicht entschuldigen..." sagte Oliver schlicht und bestellte dann für sich einen Cappuccino.
Er sah dem Kellner nach und dann Andi wieder an. „So... und jetzt werde ich dich ausquetschen..." grinste der Dunkelblonde vergnügt. „Erzähl mir mal, was du am liebsten in deiner Freizeit machst..."