Irgendwann mitten in der Nacht schlug Marian seine Augen auf. Er war etwas verwirrt weil er alleine im Bett lag. Wo war Rodney? Er blinzelte müde und richtete sich auf, schaute neben sich aufs Kissen.
Leicht stutzend und die Stirn runzelnd griff er nach dem Zettel und las die wenigen Zeilen durch.
Nur wenige Sekunden später wurde sein Gesicht noch blasse als sonst und er ließ das unheilverkündete Stückchen Papier einfach auf die Matratze fallen. /Nein!/ Dieses kleine Wörtchen ran wie eiskaltes Wasser durch sein gelähmtes Hirn.
Was hatte sich Rodney nur dabei gedacht? Panisch sprang er aus dem Bett, blickte sich gehetzt um, in der Hoffnung, dass es nur ein schlechter Scherz war. Aber noch immer fehlte von Rodney jede Spur.
/Er ist tatsächlich weg/ Völlig fertig mit den Nerven ließ er sich aufs Bett sinken, vergrub verzweifelt sein Gesicht in den Händen.
Vielleicht war es auch besser so. Rod hatte doch recht. Marian wollte nur Sex. Jedenfalls hatte Marian noch Gestern so gedacht. Aber wieso zum Teufel schmerzte jetzt sein Herz so unerträglich, als hätte es ihm jemand mit der bloßen Hand aus seiner Brust gerissen? Er wollte doch mit Rodney reden. Er wollte diesen Mann nicht verlieren!
/Scheiße/ Es war egal nach wie vielen Ausreden er noch suchen würde, er wusste doch schon längst das er Rodney wollte, das sein ganze Herz, sein ganzer Körper nur nach diesem Mann verlangen.
Wieso hatte er sich das nur nicht früher eingestehen wollen? Jetzt war es vielleicht schon zu spät. Nein es durfte nicht zu spät sein, er brauchte Rodney! Entschlossen stand er wieder auf, zog sich schnell ein paar Klamotten über und schnappte sich seine Autoschlüssel. Rodney konnte noch nicht weg sein, bestimmt packte er noch. Das war seine Chance!
/Vermassle sie nicht du Idiot, es wird deine letzte sein!/
Rodney hatte sich vom Taxi zum Bahnhof bringen lassen, dort den ersten Zug nach Hause genommen.....die ganze Strecke Taxi konnte er sich nicht leisten. Es war schon beinahe Morgen, als der Rothaarige völlig übermüdet und unglücklich vor seiner Wohnungstür stand, sie öffnete und hinter sich ins Schloß fallen ließ. Sein Gepäck ließ er achtlos auf den Boden fallen, er schleppte sich ins sein Wohnzimmer und schmiss sich auf die Couch, starrte an die Decke.
Noch immer konnte Rod Marian fühlen....in jeder Faser seines Körpers und das machte es nicht einfacher. "Verdammte Scheiße..." fluchte er leise und musste schon wieder heulen.
Marian war ein schneller Fahrer aber diesmal übertraf er sich bei weitem. Sein Wagen flog nur so über dem Asphalt. Und ständig dachte er nur /Bitte lass mich keinen Unfall bauen, bitte lass keinen Unfall bauen/ Aber nicht weil er sich um sich selbst sorgen machte, sondern weil er Angst hatte, dann nie die Chance zu kriegen mit Rodney reden können.
Nach Stunden hielt sein Wagen schlitternd vor Rodneys Wohnung an. Blitzschnell sprang er aus dem Auto, rannte zur Eingangstür und drückte wie wild auf den Summer.
/Bitte sein da!/ Auch wenn Rodneys Bike noch immer vor dem Haus stand, war er sich dessen trotzdem nicht ganz sicher und hatte Panik das er schon längst weg war.
Rodney schrak zusammen, als der Summer losging...wer wollte etwas von ihm morgens um sechs? ganz kurz nur regte sich die Hoffnung, das es Marian sein konnte....aber die Strecke in der zeit zu schaffen....das glaubte er nicht. Und warum sollte sein Chef auch zu ihm kommen.
Der Rothaarige erhob sich, vielleicht war es Phil....ein wenig Schmeichelei würde ihm guttun....und vielleicht konnte er so Marians Geschmack verdrängen...also drückte er auf den Türöffner und öffnete seine Wohnungstür einen Spalt weit, bevor er wieder ins Wohnzimmer ging.
Marians Herz machte einen gigantischen Hüpfer als er reingelassen wurde. /Er war noch da/ Erleichtert stieg er die Treppen hoch, nahm immer mehrere Stufen auf einmal, blieb schließlich vor Rodneys Wohnung stehen.
Er wollte gerade anklopfen als er sah, dass die Tür offen war. Irgendwas stimmt da nicht. Leise trat er ein. „Rodney?“
Rod saß auf dem Sessel, die Beine hochzogen und die Arme um die Knie geschlungen und schrak zusammen, als er die Stimme erkannte. Ungläubig drehte er den Kopf. /Marian? Aber das kann doch nicht.../
Der Rothaarige wollte aufstehen, aber irgendwie konnte er sich nicht richtig entknoten vor lauter Hast und fiel erst einmal laut polternd vom Sessel. "Verdammt...." fluchte er leise und rieb sich das Knie.
"Hier..." kam es dann etwas kläglicher.
Sofort eilte Marian dem anderen zu Hilfe.
„Alles klar?“, besorgt schaute er ihn an und half ihm gleichzeitig auf. „Setz dich lieber“, in seiner Stimme klang viel Fürsorge mit.
"Ja...schon alles klar..." Rodney stand und sah Marian an, dann gleich wieder weg.....ihm direkt in die Augen zu sehen, war ein wenig zuviel für seine Gemütsverfassung. "Was willst du denn hier?" fragte er leise, während er zum Fenster hinaus sah, wo es allmählich hell wurde.
Marian strich sich hilflos über die Haare. Das erste Mal in seinem Leben, verlor er seine ganze Selbstsicherheit und seine kalte Gelassenheit. Er hatte sich überhaupt keinen Text zurechtgelegt, scheiße. Wo war nur seine ganze Coolness?
/Vermassle es bloß nicht/ war der letzte Beitrag seines Verstandes, bevor er sich von ihm verabschiedete.
„Was ich will? Was ich will bist du Rodney“, unsicher trat er näher an den anderen ran.
„Ich will dich sehen, jeden Tag, von Morgens bis Abends, von Früh bis Spät. Will, dass du immer bei mir bist, an meiner Seite. Ich möchte dich küssen können, deinen Duft ständig um mich rum haben. Will mit dir einschlafen und wieder aufwachen. Ich will das du der Mensch bist, den ich als letztes sehe, wenn ich mich ins Bett lege und als erstes, wenn ich wieder wach werde.“
Kurz hielt er an. Woher kamen diese kitschigen Worte, es war doch sonst nicht seine Art. Er las nicht mal so einen Mist, woher also? Aber irgendwie brauchte er Rodney nur anzusehen und schon strömten diese liebevollen Worte aus seinem Mund, ohne das er sich dagegen wehren konnte.
„Und ich will mit dir schlafen, will dabei in dein wunderschönes Gesicht sehen, deiner schönen Stimme lauschen, hören wie sie meinen Namen stöhnt . Ich möchte deine Haut liebkosen. Und um die Wahrheit zu sagen ist das alles nur ein Bruchteil dessen was ich von dir möchte.
Aber vor allem will ich nicht, dass dich jemals wieder ein anderer Mann anrührt.“ Diesmal wurde seine Stimme heftiger.
„Schon alleine bei der Vorstellung, dass dieser Phil mit dir geschlafen hat, dreh ich durch und will ihm am liebsten den Hals umdrehen“, knurrte er wütend, wurde aber sofort wieder sanft als er in Rodneys Augen blickte.
„Und ich will dir immer in die Augen sehen können“, wie ein Hauch wehte dieser Satz aus seinem Mund.
Impulsiv kniete er sich vor Rodney hin umschlang in verzweifelt mit den Armen. Nein er würde es nicht überleben, wenn Rodney einfach so ging, ihn verließ.
„Ich liebe dich Rodney, das weiß ich jetzt. Und ich bereue es so sehr, dass ich es dir nicht schon früher gesagt habe. Aber ich war einfach nur ein verdammter Feigling. Ich liebe dich“, wiederholte er leise.
„Und diese Worte werde ich nur dir sagen. Du wirst der einzige Mensch sein, der diese drei Wörter von mir zu hören bekommt.“
Er schaute nach oben in Rodneys Gesicht.
„Ich bitte dich, ich flehe dich an, verschwinde nicht aus meinem Leben, eher du mir nicht die Chance gegeben hast, dir zu beweisen, dass ich doch kein so großes Arschloch bin.“
/Marian du bist so erbärmlich. Wie kannst du dich nur so armselig benehmen? So einen Schwächling wird Rodney niemals wollen/ Jetzt stieg seine Angst ins unermessliche.
Rodney konnte einmal mehr so gar nicht fassen, was er da hörte. Wahrscheinlich hatte er sich beim Sturz aus dem Sessel irgend etwas in seinem Hirn verkantet und er war im Deliruim. "Marian...." der Rothaarige unterbrach sich, ihm war warm, aber er war nicht rot und eine seltsame Ruhe hatte sich seiner bemächtigt. Der Rothaarige ließ sich auf die Knie nieder, um mit Marian auf gleicher Augenhöhe zu sein.
"Marian.....ich sage dir jetzt, warum ich gegangen bin." Rod räusperte sich und sprach weiter. "Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, ein Abenteuer gewesen zu sein, weil ich dich liebe....und das schon eine ganze Weile. " Er lächelte und küsste ihn auf die Lippen. "Und du bist kein Arschloch.....zumindest nicht immer..." fügte Rodney dann an, suchte den Blick seines Chefs. "Und es dir wirklich ernst? Du verarscht mich nicht....du willst mich wirklich bei dir haben....und du liebst mich?"
„Ja doch,… ja“, Marian umarmte den anderen heftig, wollte ihn gar nicht mehr loslassen.
„Ich liebe dich, ich liebe dich so sehr“, flüsterte er immer wieder. „Himmel, ich liebe dich so sehr.“
Er konnte es selbst kaum glauben, dass ein einziger Mensch es tatsächlich geschafft hat, sich in so kurzer Zeit, so tief in sein nicht vorhandenes Herz einzunisten.
Rodney vergrub das gesicht an Marians Schulter und begann zu zittern....er weinte leise und konnte es so gar nicht fassen. Nach einem kurzen Moment löste der Rothaarige sich etwas von seinem Chef. "Ich liebe dich auch....so sehr..." flüsterte er in das Ohr des Schwarzhaarigen., lächelte leicht. Plötzlich wurde er wieder ernst. "Was ist mit Konny? Wird er nicht fürchterlich traurig sein?" Forschend sah Rod Marian an.
„Konny werde ich gleich anrufen und ihm alles sagen“, Marian lächelte sanft, strich Rodney liebevoll die Tränen weg.
„Er liebt mich nicht, also wird es ihm auch nicht das Herz brechen.“
Rodney war einfach unglaublich. Sorgte er sich doch, in so einer Situation, tatsächlich auch noch um andere Menschen.
„Aber ehrlich gesagt interessiert mich Konny nicht sonderlich. Jetzt kann ich nur noch an dich denken“, hauchte er Rodney zärtlich ins Ohr.
Nun wurde Rodney doch noch rot. "Du machst mich verlegen, das sind Worte, auf die ich nie zu hoffen gewagt hätte." murmelte der Rothaarige leise und strahlte dann. "Ich kann es gar nicht fassen.....ich liebe dich.."
Plötzlich breitet sich auf Marians Lippen ein verwegenes Grinsen aus. „Hei, außerdem hast du mir noch ein Rennen versprochen.“
Seine Augen funkelten amüsiert, dabei umschlangen seine Arme Rodney noch fester und insgeheim schwor er sich, diesen wundervollen Mann nie wieder herzugeben.
ENDE