Aymery nestelte am Radio des Cabrios rum, während er mit der anderen Hand versuchte zu lenken.
Als schließlich ein Oldie aus dem Radio erklang, lehnte er sich zufrieden in den leder gepolsterten Sitz zurück.
„Ich liebe Oldies, das war das Beste was die Menschheit je hervorgebracht hat.“
Er stimmte in das Lied mit ein und genoss den Wind der durch seine Haare wehte.
Es war ein wundervoller Tag um mit dem Wagen in eine andere Stadt zu fahre. Keine Sonne, leichter Wind und gute Musik. Aymery grinste, sodass seine spitzen Eckzähne gefährlich aufblinzelten.
"Oldies? Für einen, der Johan Sebastian Bach noch persönlich gekannt hat, ist das ein sehr konträres Wort" bemerkte Anatol mit einem kleinen Grinsen. Der Schwarzhaarige hatte es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht und rückte seine Sonnenbrille auf der Nase zurecht, ohne die er tagsüber das Haus nicht verließ. "Aber schlecht ist die Musik nicht, das muss ich zugeben."
"Ich finde 'unpassend' ist das zutreffende Wort.", war alles, was vom Beifahrersitz aus erwidert wurde. "Wir sitzen in einem schwarzen Cabrio, schwarz wie die Nacht, und hören Oldies, das ich das noch erleben darf. Komm schon, hast du nicht coolere Musik auf Lager?" Adriano saß entspannt auf seinem Sitz und ließ Luft an sein schönes Gesicht. Er war selten der Meinung seiner Gefährten.
Nach kurzem Schweigen begab er sich im Fach vor sich auf die Suche nach anderen Songs - ohne Rücksichtnahme auf den Protest seiner Mitfahrer.
„Pfoten weg! Die Musik bleibt an“, Aymery knurrte gespielt böse.
Er zog Adrianos Hand von der Musikanlage weg, als dieser gerade versuchte eine CD einzulegen und hauchte noch einen sachten Kuss auf den Handrücken, bevor er sie wieder losließ.
„Nein Tolja, das ist Klassik“, lachte er.
"Alt ist alt....." Anatol grinste und schob einen Finger durch die Nackenstütze, kraulte Aymerys selbigen und lehnte sich dann wieder entspannt zurück.
"Du hast auch immer was zu mäkeln, Dino...geht dir das nicht schon selbst auf den Nerv?" fragte er dann den anderen Vampir neckend.
Aymery schnurrte als sein Nacken gekrault wurde, fauchte gleich darauf protestierend, weil Anatol sich wieder zurückgezogen hatte.
„Klassik und Oldies sind ein himmelweiter unterschied Baby. Und kannst du bitte mit deinen Liebkosungen fortfahren“, fügte er noch frech hinzu.
“Was soll das denn heißen? Und um deine Frage zu beantworten: Nein, es geht mir nicht auf den Nerv.“, entgegnete Adriano schlagfertig. “Könntet ihr mich vielleicht mal in eure netten kleinen Spielchen mit einbeziehen? Ich bin schließlich auch noch da!“, nachdem Dino dies seinen Mitfahrern an den Kopf geworfen hatte, zog er einen schmollenden Gesichtsausdruck, der ein bisschen an den eines Kleinkindes erinnerte.
Tatsächlich fühlte Adriano sich ein bisschen ausgegrenzt, aber ihm fiel da schon eine Möglichkeit ein, wie seine Gefährten es wieder gut machen könnten.
"Hm...mein Schatz...nicht schmollen. Ich liebe dich auch...." Anatol beugte sich wieder vor und kraulte Aymery und Adriano den Nacken, zog sich nach einer Weile aber wieder zurück und lehnte sich an. "So.....den Rest verschieben wir auf später..." bestimmte er und hielt die Nase in den Fahrtwind.
„Bei dem passenden Zeitpunkt komm ich noch mal darauf zurück Baby“, Aymery zwinkerte Anatol im Rückspiegel zu.
Dann streichelte er zärtlich Adrianos Schenkel. „Und bei dir Süßer finden wir bestimmt auch noch eine Möglichkeit um dich wieder milde zu stimmen.“
Aymery liebte seine beiden Gefährten über alles, auch wenn er sie ab und an ein bisschen neckte. Nie würde er sie aber absichtlich verletzen oder kränken und schon gar nicht würde er es zulassen, dass andere ihnen Leid zufügten.
Das war auch der Grund warum sie jetzt unterwegs in ein anderes Land waren. Vampire wie sie konnten es sich einfach nicht leisten zulange an ein und demselben Ort zu verweilen. Wesen der Ewigkeit waren einfach nicht dazu geschaffen ihr Revier mit anderen zu teilen und andere ihrer Art gab es schließlich überall. Deshalb mussten sie sich damit begnügen nur so lange an einem Ort zu bleiben, bis fremde Vampire auf sie aufmerksam wurden.
Sie waren zwar alt, aber es gab ältere. Natürlich konnten sie gemeinsam auch mit solchen fertig werden aber nicht gegen ganze Horden. Warum noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, wenn so ein ruhiges Leben doch viel angenehmer war.
Sie hielten sich nie für Verlierer, nein sie waren die Könige der Nacht, die Ewigkeit war ihr dunkles Erbe.
Sie hielten sich an keine Regeln, denn sie waren die wahren Götter auf Erden.
"Und welche Möglichkeit meinst du, Aymery?", konnte Adriano nicht aufhören, seine Gefährten zu necken. Er konnte es nach der langen Fahrt nicht mehr erwarten, die Zärtlichkeit von Aymery und Anatol zu spüren. Dabei wurde ihm bewusst, wie sehr er an beide gewöhnt war und schlagartig wurde er mit der Frage konfrontiert, was wäre, wenn er ohne sie auf der Erde verweilen müsste. Er konnte die Gedanken daran nicht ertragen.
Anatol lümmelte sich bequem auf dem Rücksitz und betrachete seine Gefährten, grinste leicht. Mit den beiden zusammen zu sein, war das Beste, was er sich für sich vorstellen konnte. Allein wäre dieses ewige Leben kaum zu ertragen...so machte es viel mehr Spaß.
"Hm...ich glaube, gemeinsam fällt uns bestimmt was ein, Dino......da bin ich mir sicher, tesoro mio."
„Das verrate ich noch nicht, ist mein kleines Geheimnis“, Aymery grinste seinen Beifahrer frech an.
Musste aber gleich darauf, aufgrund Anatols Kommentar lachen. „Ich würde ja eher sagen, zwei Dumme ein Gedanke. Bist du dir also sicher das uns was einfällt?“
"Und wann gedenkt ihr eure kleine Wiedergutmachung in die Tat umzusetzen? Wir sind schon so lange unterwegs, wäre es nicht mal Zeit für eine kurze Pause?", konnte Adriano nicht wiederstehen zu fragen. Zwar liebte er es, alle Zeit mit seinen Gefährten in diesem Auto zu verbringen, trotzdem hätte er keine Einwände die Gegend unsicher zu machen.
"Ich bin sicher, das uns etwas einfällt, mein Hübscher..." Anatol lachte leise und beugte sich vor. "Und du, Dino......tesoro mio......du hast einfach kein Sitzfleisch." hauchte der Schwarzhaarige in das Ohr des italienischen Vampirs.
„Okay, okay machen wir nen kurzen Zwischenstop.“
Aymery musste sich eingestehen, dass auch sein Hintern schon langsam wund wurde.
/Und das bei einem unsterblichen und unverwundbaren Wessen/ konnte er sich den sarkastischen Gedanken nicht verkneifen.
„Tolja, guck mal nach ob es hier irgendwo eine Imbissbude oder ne Tanke gibt.“
Aymery hatte nämlich nicht sonderlich viel Lust, Mitten im bäuerlichem Kaff, umringt von Kühen, Pferden und nicht gerade angenehm riechendem Mist, besonders bei seiner empfindlichen Nase, halt zu machen.
"Ich muss mir unbedingt mal die Beine vetreten." Nicht das ich mich beschweren will, aber meine Knochen sind shon ganz steif.", Dino konnte nicht widerstehen. Während er dies sagte, schenkte er seinen beiden Gefährten ein verschmitztes Lächeln. Die Bezeichnung "steif" gefiel ihm. Vorallem weil er sie noch mit einer anderen Sache in Verbindung bringen konnte, einer Sache, die er nach der langen Fahrt mal wieder gebrauchen könnte.
"Eine Tanke..." antwortete Anatol trocken und rümpfte die Nase, er hielt von dererlei Ortschaften nicht viel und bedauerte es zutiefst, das der Wagen ja auch sowas wie Benzin brauchte. Und das Wort Imbissbude jagte ihm einen Schauer den Rücken hinunter...allerdings nicht vor Wonne. "Wie wäre es mit einem Restaurant im gehobenen Stil? Wenn schon Imbiss dann bitte nicht gerade irgendwelche Lastwagenfahrer, die nach Bier und Schweiß riechen." Angeekelt schüttelte sich Anatol bei der Vorstellung und kramte nach der Karte, die neben ihm lag, um nachzusehen, wo sie in der Nähe Halt machen konnten.