In Christians Ohren dröhnten noch die Worte, die Raoul soeben gewispert hatte, bevor er die Augen schloss und seinen Mund öffnete, um die Zunge des Dunkelhaarigen einzulassen. Seine Gedanken, die im Kreis liefen, verbannte er einfach in die hinterste Ecke seines Hirnstübchens. Er erwiderte den Kuss innig, drängte die Zunge Raouls nach einer Weile sanft zurück, um seinerseits dessen Mundhöhle zu erobern.

Raoul griff nach Christian’s Kopf und hielt ihn fest, während er den Kuss intensivierte und sich fallen ließ. Christian schmeckte so gut, dass er da gleich seine Kopfschmerzen vergaß. Oder das Sprudelwasser half. Alles war möglich. Schließlich brach er den Kuss, behielt Christian’s Kopf aber in seinen Händen. „Und weil ich vielleicht auch schwul bin?“ fragte er atemlos.

Christian schlug die Augen nur sehr langsam wieder auf, wollte das geile Gefühl, das dieser Kuss in ihm ausgelöst hatte, festhalten, in sich verschließen. So sah er Raoul erst etwas verständnislos an, als dieser sprach...sein Hirn brauchte eine Weile, bis es diese Information verarbeitet hatte. „Du....bist....schwul? Das glaub ich nicht...“ flüsterte er.

„Probiers aus.“ gab er zurück und zog Christian wieder zu sich. Wieder eroberte er den Mund des Blondschopfs und ließ dabei nun auch seine Hände auf Wanderschaft gehen. Aufreizend schoben sie sich unter Christian’s Shirt und begannen seinen Oberkörper zu erkunden und zu streicheln.

Christian wusste gar nicht, wie ihm geschah.....nur das sich Raouls Hände auf seiner Haut geil anfühlten und ein wohlbekanntes Kribbeln seinen Unterleib durchzuckte. Er erwiderte den Kuss wild, ließ seine Hände über den Rücken des Mulatten wandern....das dieser kein Hemd trug, kam ihm dabei sehr gelegen. Schließlich löste der Blonde sich und sah Raoul in die Augen, sein Atem ging schwer und er strich sich eine Strähne aus der Stirn. „Vielleicht bist du doch schwul...“ murmelte er verlegen.

„Ich bin schwul, Chris.“ keuchte Raoul. Er war ein wenig außer Atem gekommen. „Immer schon. Genauso wie Du.“ Er war nicht im geringsten verlegen.



„Aha.....“ Christian wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Das er es nicht geahnt hatte, sprach dafür, das der Mulatte es genauso geschickt zu verbergen wusste wie er selbst. Ansehen konnte man es ja sowieso niemandem.....außer, jemand war wirklich so richtig tuntig und schwuchtelig. Raoul war der Inbegriff dessen, was sich Chris unter einem Mann vorstellte....und wäre deswegen auch niemals auf diese Idee gekommen. /Wieder was gelernt/ dachte der Blonde bei sich. „Und nun?“ fragte er dann.

„Ich weiß nicht ...“ gestand Raoul. Die Situation war erregend und doch auch ... eigenartig. Er wusste nicht wie er jetzt damit umgehen sollte. Seine Hände glitten weiter über Christian’s Brust.

Christian strich geistesabwesend über Raouls Rücken. „Ich auch nicht....es ist ne total ungewohnte Situation für mich. Wir sind Freunde...und Kollegen und auf einmal stellt sich heraus, das wir beide zudem auch noch schwul sind. Ich habe echt keine Ahnung, wohin das führen soll. Ich weiß nur, das es mir Spaß macht, dich zu küssen.“ Der Blonde lächelte den Mulatten offen an.

Raoul erwiderte das Lächeln. „Du schmeckst gut. Deswegen wollte ich es wiederholen. Ich hatte doch keine Ahnung, dass du .. auch schwul bist.“ Raoul grinste verschmitzt.

„Nun, so wie ich. Als Detektive wären wir beide wohl denkbar ungeeignet.“ Christian brach in Gelächter aus, die ganze Situation war auch zum Schreien komisch. Da war er nun drei Jahre an diesem Internat, kannte Raoul und hatte absolut keine Ahnung gehabt. Hieß es nicht immer, Schwule erkennen sich gegenseitig. Dann musste er wirklich betriebsblind gewesen sein. „Was für ein herber Verlust für Frau Müller...“ neckte er dann weiter, als er sich wieder einigermaßen beruhigt hatte.

„Sie weiß Bescheid.“ erwiderte Raoul trocken. „Deswegen kommen wir auch so gut aus.“ Und die ältere Lehrerin war auch sehr schnell darauf gekommen. Sie hatte ihm seine Abfuhr damals auch nicht übel genommen. Es war nun mal so wie es war. Außerdem waren sie hier ja auch keine katholische Institution. Also gab es für ihn auch nie Probleme. Allerdings hatte er Edith Müller gebeten es für sich zu behalten.

„Oh...“ Christian sah Raoul mit großen Augen an. „Das hätte ich nicht gedacht. Glaubst du, sie würde mich weniger verabscheuen, wenn ich ihr sagte, das ich auch schwul bin? Ich kann doch nun wirklich nichts dafür, das sich die älteren Schülerinnen und ein paar unserer Lehrerinnen für mich interessieren. Ich forciere das nicht...aber sie nimmt es mir trotzdem übel.“ Der Blonde seufzte leise.

Der Dunkelhaarige zuckte mit den Schultern. „Gut möglich. Edith ist eine komplexe Persönlichkeit. Die versteht man nicht so leicht. Aber vielleicht würde es helfen ...“ Raoul blinzelte und beugte sich wieder über Christian. Seine Lippen wanderten federleicht über dessen Hals. „Soll ich mal eine Bemerkung fallen lassen?“

„Ich weiß nicht...“ meinte Christian leise und schloss für einen kurzen Moment genießend die Augen. „Wenn du meinst, es hilft, dann tu es....ich hab es satt von ihr immer die unangenehmen Dinge aufgebrummt zu kriegen, nur weil sie mich mal wieder in einer Ecke lachend mit Martina erwischt hat.“ Martina Frederiks war Kunstlehrerin...blond, hübsch und intelligent. Und sie mochte Opern und Musicals genauso wie Chris....daher unterhielten sie sich häufig.

„Ein Versuch kann nicht schaden.“ Raoul blinzelte und sah dann wieder zu Christian. „Bist Du eigentlich richtig schwul oder bi?“ Ihm war es ja auch nicht entgangen, dass Chris sich gut mit Martina verstand. Und er hätte da sogar ein wenig mehr dahinter vermutet.

„Schwul....ich kann mit Frauen sexuell nichts anfangen. Martina ist ne gute Freundin, mehr aber auch nicht. Klar ist sie hübsch....das gebe ich gern zu. Aber eben eine Frau.. und kein Mann.“ Christian lächelte etwas schief. „Zum Glücklichsein fehlt ihr dann doch das gewisse Etwas.“

„Verstehe.“ Raoul blinzelte abermals. „Trotzdem ist die Frage noch immer nicht geklärt, was nun weiter passieren soll ....“ Denn da sie von einander angezogen waren, stand doch außer Frage.

„Hm...was erwartest du von mir?“ fragte Christian und sah Raoul in die Augen. „Ich muss erst mal verarbeiten, das du schwul bist.....und das ich das all die Zeit nicht bemerkt habe. Das wir uns gut verstehen und eine gewisse Anziehung da ist, leugne ich nicht. Aber wohin führt das? Ein Techtelmechtel während des Schuljahres?“ Die Hand des Blonden strich leicht über die Schulter des Mulatten. „Ich hab dich gern, Raoul....das leugne ich nicht.“

„Mir geht es genauso. Vielleicht ... lassen wir es jetzt mal einfach gut sein ... und finden uns mit den Tatsachen ab.“ meinte Raoul und grinste schief. Seine letzte wirklich Beziehung war schon eine Weile her und Raoul gab seinem Job die Schuld dafür. Die Distanz hatte es einfach ausgemacht. „Ich finde Dich toll, Chris. Und ich .... ich würde Dich gerne näher kennenlernen.“

Christian wurde rot...wann hatte er das letzte Mal so ein ehrliches Kompliment bekommen? Er konnte sich nicht erinnern. „Danke.....ich finde dich auch klasse, Raoul...und das schon vom ersten Moment an. Lernen wir uns kennen....und fürs erste frühstücken wir zusammen. Ich hab nämlich mächtig Kohldampf mittlerweile.“ Der Blonde grinste vergnügt.

„Naja ... ich bleibe lieber bei meinem Kaffe.“ Raoul löste sich von Chris und grinste. „Mir ist zwar nicht schlecht, aber ich glaube nicht, dass ich was Essbares runterbringe. Aber worauf hast Du denn Lust? Im Kühlschrank findet sich sicher was und frisches Toastbrot ist auch da.“

„Am liebsten Käse...“ sagte Chris. „Ich brauch was im Magen sonst dreht er sich mir wieder um. Das hat er heute Nacht schon ein paar Mal getan..“ setzte er erläuternd hinzu. Dann goss er sich aus der Thermoskanne auf dem Tisch noch mal Kaffee ein.

Raoul stand auf und kramte dann im Kühlschrank herum. Er zog ein paar Päckchen Käse heraus und legte die dann, nachdem er drei Scheiben Toast eingeworfen hatte, auf einen Teller. Dazu noch Besteck und ein Päckchen Butter. „Na ich halte mich jetzt mal eine Zeitlang vom Alkohol fern. Ich glaube der vierte Punsch hat mir dann den Rest gegeben.“

„Hm...das sowieso....nachdem mich die Bäume schon angesprungen haben...“ lachte Chris vergnügt. „Aber ein Gutes hatte es ja......du weißt, wie ich schmecke.“ Er sah den Dunkelhaarigen an und zwinkerte ihm zu.

Er verlor sich kurz in Christian’s Augen. Doch dann machte es „klick“ und der Toast sprang heraus. Raoul räusperte sich, grinste und legte den Toast in ein Körbchen. „Hier bitte ... und wohl bekomms.“

„Danke.....wenn nicht, wirst du es ziemlich schnell merken, nämlich dann, wenn ich aufspringe und mit fliegenden Fahnen ins Bad wetze, um mir alles noch mal durch den Kopf gehen zu lassen.“ Christian griff nach dem Toast und belegte ihn mit Käse. „Ein freier Tag ist was feines...“ meinte er glücklich kauend. „Hast du heute schon was vor?“

„Eigentlich nicht.“ Raoul schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen seinen Kühlschrank. „Auf den Adventmarkt wirst Du mich aber nicht noch einmal bringen, wenn Dir das in den Sinn kommt.“ Fast angewidert verzog er das Gesicht und nahm einen Schluck Kaffee.

„Schade...“ sagte Christian und sah Raoul bedauernd an. „Ich hatte nämlich vor, dich auf eben selbigen zu entführen.......dort gebrannte Mandeln und Zuckerwatte zu kaufen und dann auf der künstlich angelegten Eisbahn Schlittschuh zu laufen. Aber wenn du nicht magst, dann frag ich Martina..“

„Igitt.“ Raoul schüttelte bedauernd den Kopf. „Sorry. Ich glaube das ist heute nichts für mich. Außerdem muss ich noch Test von zwei Klassen korrigieren. Ich hab’s gestern verschoben ... auf heute.“

„Okay...war nur ne Frage..“ Christian zuckte die Schultern und lächelte, allerdings war es nicht mehr so strahlend wie vorher. So ähnlich hatte er sich das schon gedacht. Ob schwul oder nicht...der Blonde fragte, ob Raoul wohl ebenso reagiert hätte, wenn der gestrige Abend nicht passiert wäre. Zudem war er sowieso in vorweihnachtlicher Stimmung und empfindlicher als sonst. „Dann sehen wir uns beim Abendessen...“ meinte Chris und schob seinen letzten Bissen Toast in den Mund, spülte ihn mit Kaffee runter.

„Das hat nichts mit Dir zu tun.“ Entschuldigte Raoul sich schon fast. „Aber mir ist heute eher nach Wärme und ein Beruhigungstee für die Nerven.“ Außerdem konnte er Zuckerwatte und gebrannte Mandeln nicht ausstehen.

„Hey...versteh ich doch...“ Christian erhob sich und trug sein Geschirr in die Küche. Gar nichts verstand er.....nur soviel, das Raoul nicht mit ihm mitgehen wollte. „Ich wünsch dir viel Spaß und erhol dich gut. Ich muss mich einfach bewegen....sonst explodiere ich.“ Er lächelte leicht und winkte dem andern zu, bevor er sich auf den Weg ins sein Zimmer machte.

Raoul sah seinem Kollegen hilflos nach. „Bis später.“ meinte er lahm und starrte dann die Wohnungstür an. Hey das war nicht fair. Chris behandelte ihn wie einen Schwerverbrecher. Raoul hatte ja Augen im Kopf. Naja ... wer nicht wollte, der hatte schon. Ausgeträumt.

Christian ließ sich in seiner Bude auf das Sofa fallen und biss sich auf die Lippen. Irgendwie tat es weh...und er wusste nicht mal warum und wieso. Was war denn so anders? Früher waren sie auch oft getrennte Wege gegangen und es hatte ihm nichts ausgemacht, wenn er sich ne Ablehnung eingefangen hatte. Änderten ein paar Küsse und das Wörtchen schwul denn so viel? Der Blonde seufzte. Er würde heute nirgendwohin gehen....keine Lust. Höchstens ein paar Runden im Burghof drehen. Chris wusste selbst, das er zur Zeit überaus empfindlich war und interpretierte vielleicht auch zuviel hinein. Er erhob sich und ging zurück zu Raouls Zimmer, klopfte an und steckte den Kopf hinein. „Wenn du genug vom Korrigieren hast, kannst du später auf einen Tee rüberkommen. Ich bleib da..“ meinte er leise und schloss die Tür wieder, um in seine Wohnung zurückzugehen.

„Okay.“ Raoul war schon an den Tests gesessen und starrte abermals die Tür an. Chris war wirklich nicht so leicht zu durchschauen. Seufzend machte er sich wieder an die Arbeit und korrigierte die Tests der 7. und 9. Schulstufe durch. Gewissenhaft trug er dann die Benotungen in seine Bücher ein und packte die Sachen zusammen.
Ein Blick aus dem Fenster verriet ihm, dass es schon Nachmittag war. Später Nachmittag. Der Mulatte suchte sich ein T-Shirt, streifte es sich über und verließ dann seine Wohnung. Er ging die paar Schritte zu Chris und klopfte dann höflich an. „Bist Du da, Chris?“

Chris hatte erst ein wenig in seiner Bude aufgeräumt, sich auf den morgigen Tag vorbereitet und sich dann mit einem Buch auf sein Sofa zurückgezogen. Es war ein spannendes Buch und der Blonde war sich mehrmals durch seine Haare gefahren so das sie ganz verwuschelt waren und sah auch sonst ziemlich zerrupft aus. „Ja...komm rein, Raoul...“ Chris hob den Kopf, als es klopfte und rief,: „ja...bin hier...“ steckte dann aber wieder die Nase ins Buch.

Raoul trat grinsend ein. Doch das Lächeln verblasste dann ein wenig. Na das war ein Empfang. Ganz offensichtlich kam er ungelegen. Doch er ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen und trat näher. „So morgen werde ich mich wieder furchtbar unbeliebt machen.“ meinte er trocken. Chris sah einfach süß aus.... mit seinen verstrubbelten Haaren.

Christian schaute hoch und lächelte: „Das ist ja nichts Neues...“ neckte er und klappte das Buch zu, warf es zur Seite. „Tut mir leid......es war grade so spannend. Ich mach uns jetzt Tee...oder willst du lieber Kaffee?“ Er sah in Raouls Augen, verlor sich darin. Irgendwie konnte er den Blick nicht abwenden.

Das Lächeln wurde wieder intensiver und Raoul ließ sich in einen Ohrensessel fallen. „Tee klingt gut. Von zuviel Kaffee krieg ich noch mal ein Magengeschwür.“ Er streckte sich und rutschte ein wenig tiefer in den Sessel.

„Okay.....ich mach uns nen schönen Darjeeling...“ Christian erhob sich und streckte sich leicht. „Machs dir unterdessen gemütlich.“ Der Blonde lächelte und ging in die Küche, setzte Wasser auf und bereitete die Teekanne vor. Dann holte er Tassen, Zucker und Sahne und stellte alles auf ein Tablett, kam wieder zurück, als der Tee fertig war. „So....zur Entspannung..“ Chris stellte das Tablett auf den Couchtisch und ließ sich wieder auf der Couch nieder.

„Danke hab ich schon.“ Raoul sah sich um ... „Du hast es hier auch verdammt gemütlich.“ Er nahm sich eine Tasse Tee. Zucker und Sahne nahm er sich lieber nicht. Vielleicht meldete sich sein Magen ja noch. „Tut gut ...“ ächzte Raoul nachdem er einen Schluck getrunken hatte. „Genau das brauch ich heute ....“

„Danke...“ Christian gab zwei Löffel Zucker ins seinen Tee und sah Raoul an. „In der Hinsicht bin ich altmodisch....wenn ich schon nicht an Weihnachten nach Hause fahre, dann will ich meine Bude wenigstens ein wenig herrichten....Tannengrün und so. Weckt schöne Erinnerungen bei mir.“ Er grinste, als er Raoul ächzen hörte. „Ja....wir werden nie wieder saufen gehen...zumindest die nächsten Wochen nicht..“

„Bestimmt nicht.“ Und das klang wie ein Versprechen. Raoul selbst konnte sich für Deko und solche Sachen nicht aufraffen. Aber er schaute es sich gerne an. Im Moment allerdings, guckte er lieber Christian an. „Meine Mutter macht das auch immer.“ sagte er schließlich und kam sich ein wenig blöd vor. Wieso war er jetzt bloß so unsicher und gehemmt? Dummfug. „Meine Eltern haben ein Haus ein wenig außerhalb von München. Wenn man durchs Tor geht, dann wird man schon von einer Lichterkette begrüßt.“

„Das ist bestimmt schön....meine Mutter kann dem Ganzen nicht so sehr viel abgewinnen wie ich. Sie meint, ich schlage in der Hinsicht völlig aus der Art.“ Christian rührte in seiner Tasse und pustete sich eine Locke aus der Stirn. „Ich steh vielleicht deswegen so drauf, weil ich das zu Hause so nicht kenne....meine Mutter ist ein sehr nüchterner rationeller Mensch. Und mein letzter Freund hat mich ausgelacht deswegen....“ Er sah Raoul an und lächelte dann wieder. „Aber ich lass mir das nicht vermiesen.“

Raoul lächelte verständnisvoll. „Ich lach nicht drüber.“ versicherte er dem Blondschopf. „Ich finde es sogar irgendwie niedlich. Vielleicht weil ich selbst da eher unromantisch bin ... sorry.“

Christian wurde rot. Verdammt er kannte sich selber nicht mehr....seit Raoul ihn geküsst hatte, reagierte er so ganz anders wie sonst. „Danke...“ meinte er dann mit einem verlegenen Lächeln. „Der Typ hat mich nicht nur ausgelacht, sondern mich auch noch nach Strich und Faden betrogen......ich bin ausgezogen und hab mich gleich darauf hier beworben.....also hab ich sogar noch meinen Nutzen draus gezogen. Auch wenn ich zu dieser Zeit des Jahres ab und an empfindlich bin....kuschelsüchtig und niemand zum Schmusen da, das kann ganz schön frusten. Also sieh mir nach, wenn ich komisch reagiere...“ Christian grinste über beide Backen und sah Raoul an.

„Klar doch.“ Raoul stellte die Tasse ab, erhob sich und setzte sich dann prompt neben Christian. „Na komm schon her.“ Geschickt zog er Christian in seine Arme und legte seinen Arm um die Schultern. „So besser?“

Christian konnte ein Schnurren nicht unterdrücken. „Viel besser...“ meinte er leise und lehnte sich in die Umarmung. „Da könnt ich mich dran gewöhnen.“ Der Blonde legte den Kopf in den Nacken, um Raoul ansehen zu können.

„Freut mich.“ Er ließ es offen, was genau er damit meinte und zog Christian noch enger zu sich. Lächelnd sah er runter zu ihm und seine Lippen berührten die von Christian. „Ich könnte mich jedenfalls daran gewöhnen.“

Christian lächelte nur und begann, Raoul zu küssen, stupste mit der Zungenspitze gegen die Lippen des Dunkelhaarigen, bat um Einlass. Seine Hände wanderten nach oben und legten sich um den Nacken des Mulatten, strichen sanft darüber.

Knurrig öffnete er seinen Mund und lockte mit seiner Zunge die von Christian. Er umschmeichelte sie gekonnt und lockte sie weiter. Das Streicheln in seinem Nacken fühlte sich gut an und er ließ sich ganz fallen.

Christian umschmeichelte Raouls Zunge mit seiner eigenen, spielte mit ihr, lockte sie nach einer Weile zu sich. Seine Fingerspitzen kosten die weich Haut im Nacken des Dunkelhaarigen. Es fühlte sich gut an....zu lange hatte er so etwas nicht mehr gefühlt. Chris unterbrach den Kuss, als seine Lungen nach Luft ächzten und sah Raoul schwer atmend an, öffnete den Mund und schloss ihn dann wieder. Worte waren überflüssig.

„Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich Dich schon viel früher geküsst.“ blinzelte Raoul vergnügt und machte keine Anstalten Christian loszulassen.

„So hättest du.....“ Christian grinste und kuschelte sich an Raouls Brust zurecht. „Wer weiß, ob es früher so passend gewesen wäre.. wahrscheinlich hats die Zeit gebraucht. Zumindest weißt du jetzt, das du es jederzeit tun kannst.....wenn wir nicht gerade im Speisesaal mit allen anderen zusammen sitzen.“

Raoul lachte und schüttelte den Kopf. „Vielleicht keine gute Idee. Aber andererseits hättest Du dann Deine lästigen Verehrerinnen los.“

„Und unter Umständen meinen Job. Die Eltern würden Amok laufen, wenn sie das erfahren würden.“ Christian runzelte die Stirn. „Das gäbe einen Skandal, der sich gewaschen hat. Wir leben hier in einem Dorf...mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Wenn man schwul ist, tut man besser daran, sich bedeckt zu halten...“ Er legte den Kopf in den Nacken und sah Raoul an. „oder meinst du nicht?“

„Es war doch nur ein blöder Scherz.“ beschwichtigte Raoul den Blondschopf. „Tschuldigung ... Natürlich ist das keine gute Idee und dann hat Deutschland zwei Arbeitslose mehr. Das geht vielleicht in einer aufgeschlosseneren Umgebung ... aber hier bestimmt nicht.“

„Ich weiß schon, das du einen Scherz gemacht hast......ganz so doof bin ich nicht..“ lächelte Chris. „Es war nur einfach ne schöne Vorstellung.........sich völlig ungeniert so geben zu können, wie man ist und keiner stört sich dran.“ Er zog die Beine an und rutschte ein Stück hinunter, so das er jetzt mit dem Kopf auf Raouls Schoß lag. „Und vor allem wäre ich dann endlich sicher vor Elvira und ihren peinlichen Annäherungsversuchen.“

„Mhm ....“ Er lächelte zu Christian hinunter und streichelte ihm die Locken aus dem Kopf. „Vielleicht solltest Du trotzdem mit Edith reden und Dich outen. Damit hättest Du eine Rückversicherung ... für den Fall, dass es nicht nur bei den Annäherungsversuchen bleibt ... Was meinst Du?“

„Mit Frau Müller reden?“ Christian sah Raoul in die Augen. „Ich hab so das Gefühl, als würde sich mich nicht mal die Schwelle zu ihrem Zimmer überschreiten lassen. Das Problem ist, ich hab keine Angst, das zu tun, ich hab nur Angst das der Schuss nach hinten los geht und sie dann noch fieser zu mir ist.“ Der Blonde legte eine Hand ins Raouls Nacken und kraulte ihn dort. „Was soll Ellie schon tun? Ich achte darauf, nie mit ihr allein in geschlossenen Räumen zu sein..“

„Keine Ahnung.“ Raoul lachte leise. „Ich habe keine Ahnung wie die Phantasien von kleinen Mädchen aussehen. Aber man muss einfach aufpassen, damit sie einen doch nicht rumkriegen. Deswegen auch kein Nachhilfeunterricht usw. Ich habe keine Lust mich da in die Nesseln zu setzen. Es gibt genug andere hier, die Nachhilfe in Deutsch und Geschichte anbieten.“

„Hm...bei Elvira ist eh Hopfen und Malz verloren.....glaubst du, ich würde der freiwillig Nachhilfe geben? Lieber bring ich einer Kuh das Fliegen bei....in meiner Freizeit kann ich mir schönere Dinge vorstellen, sollen sich andere mit ihr in Englisch plagen.“ Christian verdrehte die Augen. „Neulich erklärte sie mir, das sie vorhat, in England zu studieren.....ich frag mich wie. Sie kann sich ja nicht mal ein einfaches frühstück bestellen.....sie wird dort definitiv verhungern..“ Er grinste etwas gemein. „Von Musik nun gar nicht zu reden.....jede Katze singt schöner als sie.“

Der Dunkelhaarige grinste spöttisch. „Jetzt bist Du aber gemein mein Lieber. So hätte ich Dich gar nicht eingeschätzt. Du musst einfach cooler werden. Tu so als würde Dich das alles nichts angehen. Bei mir hat das funktioniert. Je unnachgiebiger und kühler ich war, desto eher herrscht wieder Ruhe in dem Hühnerstall.“

„Entschuldige...“ Chris wurde rot. „Ich bin sonst wirklich nicht so, aber sie treibt mich echt manchmal in den Wahnsinn. Und so cool wie du wird ich niemals werden.....aber ich werds versuchen.“ Er lächelte und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht....etwas, was er oft tat, wenn er verlegen war.

Raoul fand diese Geste niedlich und küsste Christian leicht auf die Nase. „Aber ja doch. Einfach gucken und nachmachen ... Dann kann nichts passieren.“ Der Mulatte blinzelte unschuldig. „Ich habe das auch nicht gleich gekonnt. Ich dachte, ich müsste immer der tolle, fürsorgliche und freundlich Lehrer sein ... Eher noch ein Kumpel. Aber wenn Du so bist, dann pinkeln sie Dir gegen das Bein ... und Du merkst es selbst nicht mal.“

„Ahhh sooo......und ich wunderte mich immer schon, warum meine Hosenbeine nach 8 Stunden Unterricht so feucht sind...“ neckte Chris und fuhr durch Raouls Haare. „Ich versteh schon....ich werd mir Mühe geben. Allzu locker bin ich ja nicht....aber doch nicht so cool wie du.“

„Du bist ja noch jung.“ entgegnete Raoul belustigt. „Und jetzt lass uns von etwas anderem reden. Die Schule kriegt uns morgen früh genug wieder. Und es ist schon Sonntag Nachmittag. Das heisst, Wochenende mehr oder weniger vorbei.“

Christian musste lachen. „Du klingst als wärst du 20 Jahre älter als ich...dabei sind das nur schlappe drei Jahre. So ein junger Hüpfer bin ich ja nun auch nicht mehr.“ Er zog Raoul zu sich herunter und küsste ihn sanft. „Über was willst du denn reden?“ fragte er dann leise. „Besondere Wünsche?“

„Manchmal fühle ich mich auch 20 Jahre älter. Das kannst Du mir glauben.“ murmelte Raoul nachdem sie den Kuss wieder gebrochen hatten. „Nein eigentlich, nicht. Ich muss auch nicht reden. Ich könnte Dich sowieso den ganzen Tag nur ansehen.“ gestand er grinsend.

„Wer nicht, Raoul...aber bald haben wir ja Ferien....und müssen uns nur mit den Programm für die Kids beschäftigen..“ Chris seufzte und sah Raoul an. „Meinst du das ernst?“ fragte er dann etwas verlegen. Solche Art von Komplimenten war er nicht gewöhnt, aber es freute ihn ungemein. „ Schön, wenn du so was sagst....aber ich weiß gar nicht, wie ich da drauf antworten soll.“ Der Blonde schloss für einen Moment die Augen, sah den Dunkelhaarigen dann wieder an. „Ich finde dich ausgesprochen anziehend.....hatte ich das schon mal erwähnt? Und sehr, sehr nett...“

„Du musst auch nichts sagen.“ Raoul war es ja selber peinlich, dass er das gesagt hatte. „Findest Du mich nicht ... zu exotisch?“ fragte er dann grinsend.

„Zu Exotisch?“ Christian gluckste leise. „Du lieber Himmel....das bist du...und anders könntest du gar nicht sein. Ich hab dich schon immer ausgesprochen attraktiv gefunden, aber das Aussehen spielt bei mir nicht die Hauptrolle. Du warst von Anfang an nett zu mir und ein guter Freund. Ich mag dich einfach...“ Der Blonde strich durch Raouls Haare und seufzte zufrieden.

„Manchen bin ich auch etwas zu dunkel“ erwiderte der Mulatte und grinste schief. Dass er schon öfters wegen seiner Hautfarbe Schwierigkeiten hatte, brauchte er nicht zu erwähnen. Das konnte Christian sich auch denken. „Du warst unser Baby ... Einer musste ja nett sein zu Dir.“ meinte er nicht ernst. „Und damals war eben ich an der Reihe.“

„Baby....“ kicherte Chris. „Da hab ich aber wirklich Glück gehabt, das du dich meiner angenommen hast...und nicht Robert. Sonst würde ich vielleicht mittlerweile genauso eine graue Maus sein...und völlig in der Masse untergehen.“ Neckte der Blonde und räkelte sich vergnügt auf Raouls Schoß.

Robert war wirklich eine graue Maus. Aber das war er auch schon vorher gewesen. „Das bezweifle ich.“ meinte er trocken. „Bei Robert hätte nur mehr eine Schönheitsoperation und ein Abo beim Psychologen geholfen ... Ach ja ... und man hätte ihm neue Klamotten kaufen können.“

„Nun ja, Physiklehrer sind im allgemeinen verstaubt. „ schmunzelte Chris. „Aber das mit dem Abo ist eine gute Idee....vielleicht sollten wir mal zusammenlegen, dann würde er sich von den Schülern vielleicht nicht mehr so auf der Nase rumtanzen lassen.“ Er lachte leise: „Zum Glück gibt es solche Exoten wie dich und blondgelockte Jünglinge wie mich....ansonsten wäre der Schulalltag wirklich fade...“ spöttelte er.



„Du bist ein kleiner Fiesling.“ stellte Raoul trocken fest und beugte sich wieder zu Chris hinunter. „Ich will gar nicht wissen, was Du über mich so erzählst.“ Seine Zunge leckte leicht über Chris’ Lippen und zwang sich dann in dessen Mund. Verlockende Wärme und Feuchte empfing sie. Genüsslich erkundete er die Mundhöhle und ließ dabei auch seine Hand auf Wanderschaft gehen. Seine langen schlanken Finger strichen über Chris’ flachen Bauch und kraulte Chris durch den Stoff des Shirts.

Chris seufzte genießend in den Kuss, Raouls Hände jagten ihm einen Schauer nach dem anderen über den Körper . „Ich bin gar nicht fies...nur ehrlich...“ keuchte der Blonde etwas atemlos, als er sich von Raoul löste, um Luft zu schnappen. „Und über dich erzähle ich sowieso nur das Beste.....immer.“ setzte er dann bekräftigend hinzu.

Raoul lachte leise und sah Chris spöttelnd an. „Na wers glaubt.“ setzte er nicht besonders ernsthaft hinzu. „Vielleicht bezichtigst Du mich ja auch ... eines sexuellen Übergriffs, mein Lieber.“ Inzwischen hatte seine Hand das Shirt aus Chris’s Hose gezogen und seine Fingerspitzen tanzten leicht über die warme Haut des Mannes.

Chris sah Raoul etwas verblüfft an, lachte dann aber leise. „Hm...vielleicht kommt das noch...bis vor kurzem wusste ich schließlich nicht mal, das du schwul bist, mein Lieber..“ neckte er und schnurrte leise ob der Berührungen des Mulatten. „Ist das dann auch ein Kündigungsgrund? Wenn ein Lehrer einen Lehrer verführt?“ Der Blonde begann nun seinerseits, Raoul das Shirt aus der Hose zu zupfen und mit seinen Fingerspitzen die weiche Haut darunter zu liebkosen.

„Von der Minderjährigkeit bist Du weit entfernt mein Lieber.“ spottete Raoul und zog Chris’ Shirt weiter nach oben. Dabei streifte er wie unabsichtlich dessen Brustwarzen. Grinsend wiederholte er das, weil er feststellte, dass sie sich ein wenig verhärtet hatten. „Darf ich Dich denn verführen?“ fragte er mit unschuldigen Augenaufschlag.

Christian wurde wieder ernst. „Ich weiß es nicht....mein Körper schreit ja und mein Verstand sagt eindeutig nein. Wir sind Freunde, Raoul....was sind wir danach?“ Der Blonde seufzte leise und reckte sich der streichelnden Hand entgegen. „Ich will dich als Freund behalten...du bist der einzige hier, dem ich uneingeschränkt vertraue...“

„Du bist kein Spieler.“ stellte Raoul fest und zog seine Hand zurück. Chris musste es wollen. Was war schon die größte Lust, wenn sie danach einen bitteren Nachgeschmack hatte.

„Nein, bin ich nicht...“ Chris war enttäuscht und das merkte man ihm auch an. Gleichzeitig hätte er sich in den Hintern treten können....warum hielt er nicht einfach seine Klappe und genoss? Aber das war schon immer Chris Manko gewesen.....er mochte Raoul viel zu gern, um in ihm einen One Night zu sehen, das funktionierte bei dem Blonden nur, wenn er die Person kaum kannte. „Entschuldige.....ich habs versaut.“

Raoul lächelte schief. „Hey ... kein Problem. Aber mach, dass Du runter kommst von mir. Sonst vergess ich mich vielleicht doch noch.“ Er blinzelte unschuldig.

Christian gab nur äußerst ungern seinen Platz auf, doch er erhob sich ohne ein weiteres Wort. Er hatte es versaut, definitiv. Der Blonde setzte sich, zog die Beine an und schlang seine Arme darum...am liebsten hätte er sich in Luft aufgelöst. Er mochte Raoul und dessen Nähe, er hätte auch nichts dagegen, mit dem Mulatten zu schlafen.....aber Chris hatte wirklich Sorge, was danach sein würde.....ob er danach einfach wieder so zur Tagesordnung übergehen konnte. Das war ihm nach dem ersten Kuss schon schwergefallen. „Magst du was trinken? Dann hol ich uns kurz was...“ Chris sah Raoul an, bemühte sich, die Stimmung zwischen ihnen wieder einigermaßen zu normalisieren.

„Ja bitte. Egal was.“ Als Chris ihm den Rücken zudrehte, ließ Raoul seinen Kopf ein Stück zurücksinken. Innerlich aufseufzend versuchte er sich wieder zu beruhigen. Sein Schwanz drückte schmerzhaft gegen die Hose. Entschlossen drückte er ihn zurück und drapierte sein Shirt ein wenig darüber. Und er schlug seine langen Beine übereinander. Vielleicht war es auch besser so. Sex unter Kollegen war immer etwas problematisch. Er musste sich einfach mal wieder irgendwo abreagieren.

Chris lächelte Raoul leicht zu und ging in die Küche, kramte im Kühlschrank und gab sich sämtliche Schimpfnamen in allen möglichen Sprachen. Sein Unterleib kribbelte und seine Hose schien 4 Nummern zu klein zu sein......und in seiner Phantasie waren sie schon viel, viel weiter......warum konnte er im entscheidenden Moment nicht einfach das Maul halten? Warum dachte er immer soviel nach?
Chris schlug mit den Händen auf die Arbeitsplatte und senkte den Kopf....Raoul würde bestimmt nichts mehr in dieser Richtung versuchen wollen. Und dabei sehnte sich der Blonde nach Zuwendung....und vor allem wieder mal nach Sex.
Einige Minuten später hatte er sich wieder gesammelt und kam zurück, in jeder Hand eine Flasche Bier. „Hier...“ meinte er und reichte eine dem Mulatten.

Raoul griff nach dem Bier und nahm einen tiefen Schluck. „Danke.“ Ohne davon zu wissen, gab er Chris in Gedanken recht. Er würde keinen weiteren Versuch machen. Dabei hatte er sich so angefühlt, als würde er Lust auf Sex haben. Aber jeder war eben nicht so einfach gestrickt wie er selbst.

Chris seufzte leise vor sich hin....die Stimmung zwischen ihnen war befangen und das merkte selbst ein Blinder. Und der Blonde hatte keine Ahnung, wie er das wieder ändern konnte. Er selbst konnte ja nicht über Raoul herfallen....irgendwie wäre das etwas unsinnig. Insgeheim beschloss er, mal wieder ein Wochenende auszugehen...vielleicht fand sich ein One Night und er wurde das komische Gefühl los....und den Druck.
„Es ist nicht so, das du mich nicht angemacht hast...“ begann Chris nach der halben Flasche Bier und drehte sie in den Händen. „Ich wollte mit dir vögeln. Ich denke nur einfach zuviel ans Hinterher...“

„Das ist auch Dein gutes Recht.“ versuchte er Chris zu beruhigen. „Vielleicht wäre es ja auch ein Fehler.“ Ja, die Stimmung war auf den Nullpunkt gesackt. Und diesmal fühlte Raoul sich nicht schuldig. Christian war ein ziemlich sensibler Charakter. Dachte viel nach. Raoul selbst war der impulsive. Und er war One-Night-Stands nie abgeneigt. Er ahnte schon, dass für Chris da auch ein wenig mehr dahinter sein musste. „Das ist nicht das Ende der Welt. Es ist doch auch toll, wenn man gute Freunde ist.“

„Ja sicher.....das ist echt toll..“ Christian grinste etwas schief und versuchte den Sarkasmus zu verbergen, der an die Oberfläche drängte. Toll.....sie waren wieder soweit wie zuvor, als sie beide noch gedacht hatten, der jeweils andere wäre hetero. Eigentlich sollte Chris sich darüber freuen.....das würde es alles nicht so kompliziert machen. Das er es nicht tat, war beängstigend....für ihn. Raoul zu küssen, seine Berührungen zu fühlen, hatte dem Blonden gefallen und er wollte mehr davon, aber er wollte nicht nur ein One Night sein....ein Freund, den man einmal gevögelt hat. Das konnte er nicht, nicht mit dem Mulatten.

Raoul seufzte. Mehr konnte er Christian auch nicht anbieten. Freunde waren sie ja auch schon vorher gewesen. Christian musste wirklich alles verkomplizieren. Er hatte genug schwule Freunde, mit denen er einmal im Bett gewesen war. Und trotzdem hatte die Freundschaft gehalten. Er nahm noch mal einen tiefen Schluck und ließ dann die Flasche kreisen. „Schwamm drüber, Chris und hör auf, Dir Gedanken drüber zu machen, ok?“