Avery hörte sich das alles an, nach außen ruhig, innerlich fragte er sich allerdings, wie ein Vater seinem Sohn so etwas antun konnte. Was veranlasste Menschen zu solchen Dingen? Da war er mit seiner Sucht ja noch harmlos, er zerstörte sich nur selbst, nicht auch noch andere. "Es ist schon gut.....wenn du nicht allein sein willst, dann bleib doch heute Nacht einfach hier. Vielleicht kann ich dann auch schlafen. Und das mit den Schlafmitteln für machen lassen wir lieber. Dann hätte ich dir Kur gar nicht erst antreten müssen. Ich muss das schaffen...irgendwann werde ich so müde sein, das ich schlafe....weil es nicht mehr anders geht."

Jetzt wußte Ives überhaupt nicht mehr wohin mit sich, aber das hatte er doch gewollt oder? zwar ganz und gar nciht mit sich im Reinen aber dafür dennoch froh rückte er näher an die Wand heran und hob die Decke an damit Avery darunter kriechen konnte. "Es ist Baldrian," sagte er dann, "zwar homöopathisch aber es wirkt ganz schön..." erklärte er noch weil er nicht wußte was er sagen oder tun sollte. Immer noch hatte er Angst und dann wurde ihm plötzlich klar das er doch schlafen mußte und das machte ihm Angst.

Avery kroch unter die Decke, legte sich auf die Seite und sah Ives an. "Also schön.....wie wäre es, wenn ich in dein Zimmer gehe, den baldrian hole und wir uns beide etwas davon gönnen? Und dann versuchen wir zu schlafen....und wenn du irgendwelche Träume hast, dann weck ich dich. Oder wir reden einfach noch ein bisschen....das lenkt auch ab."

"Das ist... warte ich hol es selbst." Ives hatte keines Lust jetzt noch zu erklären wo genau sich der baldrian in seiner privaten Apotheke befand, er kletterte Über Avery hinweg, tappte kurz in sein Zimmer und kehrte kurz darauf mit dem Baldrian zurück, stieg wieder über den Blonden und reichte ihm dann zwei Baldrian Kapseln er selbst behielt sich ebenfalls zwei, die er gleich darauf mit etwas Tee herunter spülte. Dann mummelte er sich wieder warm ein. eine Frage drängte sich auf und er mußte sie stellen: "Was tun wir hier eigentlcih?"

Avery nickte und sah Ives nach, fragte sich, ob der Braunhaarige wohl wiederkommen würde und ob er, falls er nicht wiederkam, erneut ins Internetcafe schleichen sollte. Die Entscheidung wurde hinfällig, als Ives wiederkam, ihm den Baldrian reichte und sich neben ihn legte. Der Dunkelblonde schluckte die Kapsel herunter und spülte mit Tee nach, dann sah er Ives nachdenklich an. "Ich habe keine Ahnung....was wir hier tun.....was das ganze hier eigentlich soll. Was denkst du denn darüber?" fragte er nach.

"Ich weiß es nciht..." gestand er dann und stellte fest daß er unglaublich froh war darüber reden zu können. "Wir sind beide erwachsen, wir sind beide krank, wir haben beiden mehr als genug Probeme für eine Person... Menschen brauchen trost und wollen nciht allein sein, den Trost geben wir uns aber..." er schluckte und drehte den Kopf etwas um den Dunkelblonden besser sehen zu können, "Wir sind beide schwul und nciht glücklich vergeben... ich meine.. also... ähm..." jetzt geriet er ins stocken, die Situation wurde unangenehm, "Ich frage mich ob ich ehrlich zu mir bin mit dieser Erklärung... du... du weißt was ich meine?"

Avery legte den Kopf auf seinen Arm und überlegte. "Die Tatsachen, die du aufzeigst sind nicht von der hand zu weisen." meinte er dann ruhig. "Und ich will nicht verleugnen das du ein sehr attraktiver Mann bist....und vor allem, ein toller Gesprächspartner. Und was sonst wird...das können wir doch auch auf uns zukommen lassen, meinst du nicht auch? Vorerst sollten wir erst einmal versuchen zu schlafen...das brauchen wir beide und vielleicht können wir uns auch beide gegenseitig dabei helfen."

Ives nickte, seufzte und schloss die Augen, "Danke..." er wusste nicht genau für was er sich bedankte oder warum, wahrscheinlich für alles, die Gesellschaft, die Akzeptanz, die Nähe was auch immer. Sich noch enger an die Wand drückend - das bett war nicht gerade für zwei Erwachsene gemacht, hob er zögerlich den Arm, als stumme Einladung sich anzulehnen, gewagt das zu sagen hätte er wohl nie.

„Nichts zu danken..“ sagte Avery. „Sieh es einfach als einen Teil der Kur an, wenn dir das hilft, es besser zu verstehen. Ich verlange nichts von dir....keine Eifersuchtdramen, keine Liebe....einfach nur ein gutes Gespräch und Trost. Und vielleicht können wir beide wirklich schlafen, aber nicht, wenn du dich so gegen die Wand drückst. Ich beiße dich nicht und ich werde dich nicht anfassen, wenn du nicht willst.“ Der Dunkelblonde rückte näher, lehnte sich an Ives an und schloss die Augen.

Erst mal ziemlich über fahren und sprachlos ließ der Dunkelhaarige zögerlich den Arm wieder sinken, schloss ihn damit um Averys Schulter, rutschte etwas näher an ihn heran, so sollten beide genug Platz haben. "Ich...." machte er und es klang fast schon verzweifelt, Ives schalt sich einen Narren für sein unsinniges benehmen. "Wir werden versuchen zu schlafen... vielleicht klappt es ja so.“ sagte er dann schließlich und es klang schrecklich lahm. Als er die Augen schloss und sich niederlegte fand er seine Nase in dunkelblonden, strubbligen Haaren wieder, zuerst erschrak er über diese Vertrautheit, aber er fand es auch angenehm und beschloss so zu verharren und zu hoffen dass er am nächsten Morgen oder früher nicht dafür büßen musste.

Avery murmelte nur etwas, er wollte nicht reden.. es nicht zerreden. Angenehm, mal wieder mit jemandem im Bett zu liegen, ohne Verpflichtungen und einfach nur so...wann hatte er dass das letzte mal gehabt? Er vermochte es nicht zu sagen...in seiner halblebigen Beziehung schien sich außer Sex und nebeneinander herleben nichts weiter zu tun...außer das sein Freund manches mal ziemlich gewalttätig werden konnte....verbal. Der Dunkelblonde spürte, wie er ruhiger wurde und ob das nun am Baldrian lag oder nicht, das konnte er nicht sagen...das kristallisierte sich nicht heraus für ihn. Aber es war auch nicht wichtig. Irgendwann schaffte er es tatsächlich.. er schlief ein, ohne es richtig zu merken.

Der Körper vor ihm atmete langsamer und ruhiger, Ives konnte es hören und fühlen und es steckte an. Es war so herrlich simpel, keine komplizierten Gespräche, bei denen es letztendlich um Geld ging und er konnte hoffen vielleicht sogar noch jemanden im Arm zu haben wenn er aufwachte. zumindest hoffte er das - andererseits sorgte er sich darum was wohl morgen nacht sein würde.. und was wenn die Kur zu ende war? Der Gedanke war gerade schrecklich und instinktiv zog er den Blonden näher an sich. /Nicht darüber nach denken! Nicht darüber nachdenken!/ tatsächlich gingen die Zweifel irgendwann und die Wärme und der gleichmäßige Atemrhythmus lullten ihn dann doch in den Schlaf. Traumlosen Schlaf, keine Altträume und keine Gespenster seiner Vergangenheit nur tiefe Schwärze.
Avery erwachte am nächsten Morgen....sah sich irritiert um. Es war warm im Bett. So warm wie nicht einmal zu Hause und als er klarer sah, erkannte er, das er an Ives geschmiegt dalag, der noch zu schlafen schien.. und das ziemlich friedlich. Der Dunkelblonde war verwundert...er, der so gut wie nie richtig schlafen konnte, hatte es geschafft einzuschlafen. .und das ohne Tabletten. Nur ein wenig Baldrian und ein wenig Nähe hatten genügt. Wenn das nur immer so wäre, auch zu Hause so wäre.....das Leben würde um vieles einfacher sein. Vorsichtig, um Ives nicht zu wecken, bettete er sich neu und betrachtete den Dunkelhaarigen.

Von diesen Gedanken ahnten der Braunhaarige nicht einmal, er schlief so gut und tief wie schon lange nicht mehr und sein Körper nutzte die Gelegenheit und hielt regelrecht verbissen am Schlaf fest als wolle er einen Vorrat für schlechtere Zeiten - die unumstößlich kommen würden - schaffen. Doch als die Matratze zu schwanken begann öffnete Ives dann doch die Augen,. blinzelte verwundert obwohl er eigentlich noch kaum etwas sah. Instinktiv schlang er die arme um den schlanken Körper und hielt ihn im Bet, er murmelte etwas unverständliches und küsste den weichen Nacken. Nach dem ruhigen tiefen Schlaf und dem angenehmen Erwachen wähnte sich Ives in der guten Zeit, zusammen mit Fane, in ihrem Bett.

Avery war schon wieder hibbelig....er war es nicht gewöhnt, still zu liegen, nichts zu tun zu haben.. und vor allem nicht zu kuscheln, denn Brett, sein Freund, war nun wirklich nicht derjenige, der kuschelte und hatte es Avery nach und nach abgewöhnt. Also versuchte er, sich vorsichtig zu lösen und aufzustehen, als sich nach einer halben Stunde nichts getan hatte....doch dazu kam er nicht mehr. Der Dunkelblonde fühlte sich festgehalten und in den Nacken geküsst und blieb nun vor lauter Erstaunen liegen. „Ives?“ fragte er dann leise nach. „Bist du wach?“

Das war nicht Fanes Stimme.... das war nicht Fane! Ives schreckte hoch, riss die Augen auf und sah sich um, dabei ließ er auch Avery los als hätte er sich an ihm verbrannt. "Äh..." machte er verstört, "Es.. es tut mir leid... ich wollte .. ich meine ich dachte..." seufzend nahm er sich zusammen, "für einen Augenblick dachte ich du wärst Fane und es war wieder so wie früher... es tut mir leid." er setzte sich auf die Bettkante und rieb sich die Augen. "bitte sei mir nicht böse." damit ging er in sein eigenes Zimmer um zu duschen und sich anzuziehen und er hoffte inständig das der Blonde noch mit ihm reden würde in Zukunft.

Avery war völlig perplex von dem plötzlichen Stimmungswechsel und konnte gar nicht so schnell reagieren, wie Ives abgehauen war, „Macht doch nichts....ich fand es nicht schlimm...“ sagte er, allerdings zur Tür, denn der Dunkelhaarige war schon verschwunden. Seufzend verließ Avery das Bett und ging sich duschen und anziehen......man würde sich ja zum Frühstück sehen und er hoffte dort das alles klarstellen zu können.

Sehr lange stand Ives unter der Dusche, oder besser gesagt verbrachte er in der Duschkabine. Er haderte mit sich selbst und wusste nicht was er jetzt tun sollte, es wahr ihm peinlich, aber nicht unangenehm gewesen und von Daniel hatte er noch nie geglaubt er sei Fane... war das jetzt ein gutes Zeichen? oder ein schlechtes? Oder sollte er endlich die Inschrift am Tor zu seinem Leben beherzigen und alle Hoffnung fahren lassen?
Als der Dunkelhaarige den Speisesaal betracht spielten seine Finger unsicher und seine Augen huschten nervös hin und her. Schließlich nahm er sich zusammen und ging zu 'ihrem' Tisch, setzte sich und spielte mit der Kerze. "Ich.. ich wollte dich nicht bedrängen oder so... ich dachte nur... ich habe mir eingebildet das alles wäre nicht passiert..." er lächelte traurig, "ich habe dich für meinen toten Verlobten gehalten... ich hoffe du nimmst mir das nicht übel.. in welcher Hinsicht auch immer." jetzt war es raus und er schloss die Augen, bereitete sich auf eine mentale Ohrfeige vor.

Avery war schon bei der zweiten Tasse Kräutertee, die er statt des Kaffees trinken musste und von der er beileibe nicht ruhiger wurde.....allerdings sollte es seinem Magen gut tun, als Ives den Raum betrat. Der Dunkelblonde bemerkte gleich dessen Unsicherheit und seufzte leise vor sich hin....es war schließlich kein Weltuntergang gewesen.
Als sich der Dunkelhaarige gesetzt und sein Sprüchlein aufgesagt hatte, sah ihn Avery eine Weile an. „Was denkst du, soll ich jetzt sagen? Ich empfand es nicht als schlimm oder unangenehm, sonst wäre ich sicher nicht eine halbe Stunde neben dir gelegen, wach und fit, sondern viel früher geflüchtet. Denk nicht drüber nach Ives...ich sag, wenn mir was nicht passt.“

Gegen seinen Willen kam ein erleichtertes Seufzen über Ives Lippen. Es fühlte sich an als sei eine schwere Last von seinen Schultern gehoben worden. Unschlüssig was er sagen oder tun sollte nickte er einfach nur und starrte eine Weile auf seine Hände. Es war nicht gerade leicht nicht darüber nachzudenken und schon gar nicht darüber wie es weiter gehen sollte. "Soll... sollen wir versuchen uns gegenseitig zu helfen?" fragte er dann vorsichtig wieder geistig in Deckung gehend.

Avery nippte an seinem Tee und verzog angeekelt das Gesicht, als er die Tasse wieder zurückstellte....kalt schmeckte das Zeug noch viel widerlicher. „Nun, Ives.. ich dachte das sei klar. Ich habe heute geschlafen, verstehst du? Das erste Mal ohne Tabletten und mehr als zwei Stunden...ich möchte das eigentlich nicht so schnell aufgeben.“

"Uhmm... ok." eigentlich hatte Ives es gar nicht darauf angelegt ob und wer in welchem Bett schlafen würde, sondern überhaupt. "Die... die Kur wird nicht ewig dauern..." meinte er dann mit gewissem Bedauernd wie er feststellte. "Meine hört in zehn Tagen auf."

Avery seufzte leise und sah Ives an. „Ja leider.....ich bin noch drei Wochen hier. Aber bis du gehst, können wir das doch so machen...und wenn es dir nichts ausmacht, gebe ich dir meine Telefonnummer. Vielleicht können wir uns danach ja auch noch mal treffen...oder so..“ sagte der Dunkelhaarige dann etwas verlegen. Er lächelte glücklich, als Ives nickte und widmete sich dann wieder seinem Frühstück...welches immer noch nicht besser war als zuvor.
Da sie sich so geeinigt hatten, vergingen die 10 Tage leider viel zu schnell. Avery sah nun schon wesentlich besser aus, der Schlaf hatte ihm gut getan und er war auch nicht mehr ganz so zappelig wie zuvor.
„Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll, bis ich gehen kann..“ stellte er fest, als sie das letzte Mal zusammen beim Frühstück saßen.

Die 10 Tage vergingen viel zu schnell nach Ives Ansicht und es war der erholsamste Kuraufenthalt den er seit langem gehabt hatte, auch wenn er zweifelte dass dies an der Behandlung lag.
Nun wie auch immer, jetzt war es vorbei und ein dumpfes Gefühl breitete sich in ihm aus, so als müsse er jetzt aus einem schönen Traum aufwachen oder in eine zähnestarrendes Maul laufen.
Nach diesem Frühstück musste er gehen, das Taxi war bereits gerufen. Betreten sah er auf seinen Frühstücksteller. "Alles was ich dir sage kann wäre letztendlich ein dumme Phrase, von wegen 'alles wird gut' und 'du schaffst das schon'." Seufzend sah er auf. "Pass bitte gut auf dich auf, wir können telefonieren wenn du hier draußen bist." das klang so schrecklich lahm in seinen Ohren aber mehr viel ihm leider nicht ein.
„Ich werde es versuchen. Und sobald ich zu hause bin, rufe ich dich an. Das ist ein versprechen, Ives..“ Der Dunkelblonde sah sein gegenüber ernst an. „Bitte pass auch du auf dich auf und überanstrenge dich nicht, ja? Avery lächelte leicht, es fiel ihm schwer, Worte zu finden.....er hoffte nur, das wenigstens sein Freund Ives gut behandelte.. also gut im Sinne von seelischer Grausamkeit.

Ives konnte nur nicken und ein verunglücktes, trauriges Lächeln lächeln. Schließlich stand er auf, es fiel ihm sehr schwer. "begleitest du mich mit nach draußen?"

„Aber sicher....“ Avery erhob sich und begleitete seinen Freund....ja mittlerweile war er ein Freund, ein genauso seelisch kranker Mann wie er selbst. „Es ist verdammt schade, das du weg musst. Ich werde ganz schön allein sein hier..“ murmelte er dann, half Ives, den Koffer im Taxi zu verstauen. „Du hast meine Handynummer? Ja?“ fragte er nochmal nach, bevor er den anderen linkisch umarmte. „Sei vorsichtig...“

"Ja hab ich..." Ives hatte schon bestimmt selbst zwanzig mal nach gesehen wenn er sich unbeobachtet glaubte, "und du hast meine." erst erschrak er als Avery ihm in den Arm nahm aber dann legte er ihm die Arme um die Schultern, ebenso unsicher und umständlich. Einmal war alles so leicht gewesen, aber das schien soweit weg wie in einem anderen Leben. Schon jetzt plagten ihn Zweifel ob er den Blonden je wieder sehen würde.
Eine kleine qualvolle Ewigkeit später ließ er ihn los sah ihm in die Augen und wollte etwas sagen, doch er wusste nicht was. So war ein Nicken und ein trauriger blick auch alles an Abschied bevor er in den Wagen stieg. kaum saß er setzte sich das Taxi in Bewegung, knirschte über den Kies in Ives sah noch lange zurück, auch schon als die Kuranlage schon lange hinter ihm lag.

„Habe ich.. ich hab sie mir in meinen Kalender notiert..“ sagte Avery und ließ Ives wieder los, sah ihn einsteigen und winkte ihm hinterher, blieb so lange stehen, bis das Taxi außer Sichtweite war. Nun kamen Ihm Zweifel, ob er nicht zuviel versprochen hatte...oder ob der andere überhaupt wollte, das er sich meldete. Immerhin hatten sie jeder ihr Leben....ihren Partner, an dem sie mehr oder minder irgendwie hingen...wenn es auch bei Avery eher minder war. Der Dunkelblonde schlich zurück ins Kurhaus...er hatte Anwendungen und würde sich heute Nacht wohl wieder die Zeit um Internetcafe um die Ohren schlagen. Schlafen konnte er eh nicht...das wusste er jetzt schon.

Endlich daheim angekommen.
Ives stand mit den Koffern vor der Tür seine Apartments. Schon im Aufzug hatte er dumpfen Krach gehört und gehofft der würde nicht durch seine Tür hindurch schallen, doch er hatte sich geirrt. Kaum hatte er aufgeschlossen, traft ihn dieser Lärm der sich wohl Hip-Hop nannte mit voller Wucht. In seinem Flur stand ein Pärchen und knutschte wild herum. Der Gestank von Alkohol lag in der Luft, gemischt mit dem von alten Socken und verrauchter Partyluft. Wie paralysiert ging er durch seine eigene Wohnung die er kaum wiedererkannt, die Möbel waren umgestellt worden, sein Wohnzimmertisch war verschunden und wurde von einem hässlichen Edelstahlteil ersetzt. Auf den Sofas gammelten weitere Gestalten und starrten ihn an, er konnte sich nicht erinnern jemals einen davon zuvor gesehen zu haben und wenn dem so gewesen wäre hätte er sie sicher nicht mit in die Wohnung geschleift.
"Hey was bist denn du?" eine Tequilafahne erreichte im gleichen Moment seine Nase wie sich eine Hand auf seine Schulter legte und zudrückte. Der braunhaarige drehte sich herum. "Ich bin das was man gemeinhin als Besitzer dieser Wohnung bezeichnet." gab er scharf zurück. So eine Frechheit musste er sich nun wirklich nicht gefallen lassen. Zwei aufgetakelte Tussis erhoben sich von der Couch und glitten mehr auf ihn zu als das sie liefen, "Wunderbar Süßer, Hände mit künstlichen Fingernägeln krochen über seine Brust, "wenn du dir diesen Schuppen leisten kannst dann kannst du sicherlich auch uns bezahlen." flöteten sie fast im Chor. "Wer seid denn ihr?" er war so perplex dass er das Offensichtliche übersah. "Wir sind die Elfen vom Weihnachtsmann, und wir wollen unser Gehalt." - "Äh... was kriegt ihr?" in den japanischen Comics die Fane immer gelesen hatte wäre jetzt ein dicker Schweißtropfen neben seinem Kopf erschienen. "Also das wäre einmal Gruppensex," die eine Nutte begann an ihren Finger aufzuzählen was sie hier die letzten Tage alles gemacht hatten und die andere korrigierte sie gelegentlich. schließlich wechselte ein fast vierstelliger Betrag in Form eines Scheck den Besitzer. Ives konnte es einfach nicht fassen, der Typ der ihn so freundlich begrüßt hatte klebte immer noch an ihm und so langsam fürchtete er um sein körperliches Wohlergehen. In der Küche fand er schließlich Daniel, koksend mit einigen Freunden, die Küche war genauso verwüstet und dreckig wie der Rest der Wohnung.
Ives räusperte sich und erntete endlich Aufmerksamkeit als er schon einige Minuten im Türrahmen gestanden war. "Oh hallo, du bist schon zurück?2 fragte Daniel und klang nicht einmal beschämt." - "Ja bin ich, du hast es ja kaum erwarten können mich wieder zu sehen..." Ives wusste gar nicht mehr was er danken oder fühlen konnte, einerseits hatte er es gewusst oder zumindest geahnt andererseits war es immer noch schlimmer wenn es wirklich passierte andererseits war er vorbereitet gewesen. "Daniel, wer ist dieses Arschloch?" fragte einer, der Blick stier vom Kokainkonsum. "Das.. äh.. das ist Ives..." machte Daniel wenig intelligent. "Und was will der Wichser hier." - "Der Wichser wohnt hier!" so langsam wurde der Braunhaarige wütend. "Daniel, ich will das diese Leute hier verschwinden und zwar umgehend." - "Ach sei doch nicht so ein Spielverderber..." sein Freund versuchte die hab-mich-lieb-Blick Nummer - was nun wohl der Höhepunkt der Frechheit war. "Daniel ich will hier in fünf Minuten keinen mehr sehen." Ives Stimme war ganz ruhig, die kritische masse seines Gemüts war überschritten. "Ach leck mich du dummer Krüppel." Daniel machte sich eine weitere Line und Ives wurde einfach ignoriert, nach einer halben Stunde gab er auf, fuhr in ein Hotel und heulte sich erst mal in den Schlaf am nächsten Tag rief er die Polizei und ließ seine eigene Wohnung räumen.





Avery verbrachte die restliche Zeit in der Kurklinik beinahe schlaflos, was ihn auch nicht sonderlich wunderte, es war vorauszusehen gewesen. Die Nächte schlug er sich regelmäßig im Internetcafe um die Ohren und er war Ives dankbar, das dieser ihm das Cafe gezeigt hatte. Er hatte mehrere Mails an seinen Boss geschrieben, des gleichen auch an seinen Freund, den er Brett nannte....weil der Name Daniel ihm einfach zu langweilig war....und der Nick, unter dem er ihn kennen gelernt hatte, auch Brett war.
Leider kam von seinem Boss nur die Mitteilung, er solle sich ausruhen....und von Brett außer ein paar Gehässigkeiten gar nichts.
So war der Dunkelblonde froh, als die Kur beendet war und er nach Hause konnte, wo ihn sein Handy, sein Laptop und ein erstaunlich unberührte Wohnung erwartete....sein Freund schien rauschende Partys gefeiert zu haben, dem Aussehen nach und trotzdem war in der Wohnung nichts davon zu sehen. Hatte er wahrscheinlich bei sich gefeiert...Brett hatte seine eigene Bude ja noch nicht aufgegeben.
Nach einer kurzen, sehr kurzen Begrüßung Averys setzte sich dieser vor seinen Laptop und vergaß völlig die Zeit....er machte durch, bis er am nächsten Morgen ins Büro musste. Brett hatte die ganze Zeit nichts weiter zu tun gehabt, als ihn, wie immer emotional fertig zu machen, von wegen, er würde jetzt extra seine Bude aufgeben, nur um bei ihm sein zu können und wie wurde ihm das gedankt...und die ganze Litanei eben, die dann immer damit endete, das Avery aufs Übelste beschimpft wurde, was für ein wertloses Stück er doch sei...und Brett Kokain schnupfte. Der Dunkelblonde fragte sich, warum er das eigentlich alles noch mitmachte....und trotz allem er hatte ein schlechtes Gewissen.. schließlich tat er wirklich nichts weiter, als an seinem Laptop oder Handy zu hängen. Avery dachte darüber nach, als er mit der Bahn zur Arbeit fuhr. Zuvor hatte er sich einige Tabletten eingeworfen...gegen die Müdigkeit und gegen seine Zweifel, was Brett betraf.



Zwei Tage nach der Räumungsaktion hatte Ives es geschafft sein Appartement wieder in den Zustand zu bringen in dem er es verlassen hatte, bis auf seinen geliebten Wohnzimmertisch, der wahr wohl zu Bruch gegangen. Gerade lag er in der Badewanne und versuchte sich von dem ganzen Stress zu erholen da hörte er wie Tür. Was sollte das denn jetzt, hatte er sich nicht deutlich genug ausgedrückt? hatte der Daniel nicht die Schlüssel abgenommen? Nun der hatte sich wohl ein Reservepaar machen lassen. der Dunkelhaarige blieb einfach liegen hegte den verzweifelten Wunsch das sein 'Freund' gehen würde wenn er ihn nur ignorierte und so tat als gäbe es ihn nicht.
Fehlanzeige. Ives war solange in der Badewanne geblieben wie er es ertragen hatte und bis seine Haut völlig ausgedörrt und verschrumpelt war. dann wickelte er sich seufzend in seinen Hausmantel und trat ins Wohnzimmer, dort saß Daniel auf der Couch und sah fern, drehte sich nicht einmal zu ihm um als er hereinkam. "Daniel, ich dachte wir hätten darüber geredet, oder..." begann er genervt. "Als hätte ich das ernst genommen." gab Daniel zurück ohne ihn auch nur anzusehen. "Nun ich habe es sehr ernst gemeint." in einer defensiven Geste verschränkte Ives die Arme vor der Brust und lehnte am Türrahmen. "Du hast hier nichts mehr verloren, lass das Paar Schlüssel da und verschwinde und zwar so schnell wie du kannst ansonsten werde ich die Polizei rufen." - "mach dich nicht lächerlich." Daniel wechselte das Programm. "Ich meine es ernst." - "Ja ja..." wieder wurde weiter gezappt. Ives nahm das Telefon aus der Ladestation und wählte. Etwas traf ihn an der Schulter und klirrte dann zu Boden - der Schlüssel. "Das wirst du noch bereuen," fauchte Daniel, "Das denke ich nicht... mein Konto wird sich erholen und die Anlage wird nicht mehr mit dieser grässliche Musik missbraucht." gab Ives trocken zurück. "Du erbärmliches Stück Scheiße, glaubst du jemals du findest wieder einen Kerl der so dumm ist sich das Gejammer von einem in Selbstmitleid ersaufenden Krüppel anhört, jeden Tag?!" sein Ex fauchte wie ein wütendes Tier, seine Augen schienen zu leuchten - Koks. "Es gibt bestimmt genug charakterlose Affen wie du die denken mein Geld ist ein guter Ausgleich dafür..." er blieb völlig ruhig, sah Daniel herablassend an wie ein ekelerregendes Insekt. Der schnaubte und schlug die Tür hinter sich zu. Und Ives sank in sich zusammen es war nicht schwer seinen ´wunden Punkt zu treffen und diese Worte hatte weh getan wie Peitschenhiebe.

Avery wurde im Büro relativ kühl begrüßt, was auch noch verwunderlich war, er hatte dort kaum Freunde, da er sich kaum an gemeinsamen Aktivitäten beteiligte. Der Dunkelblonde ging ins seiner Arbeit auf, er liebte es Überstunden zu machen...musste er schon nicht zu hause rumsitzen und sich Bretts Genörgel anhören....und war auch sonst wenig zugänglich. So auch heute, er blieb, als alle anderen Mittag essen gingen und er blieb auch noch nach Feierabend.
Am nächsten Tag kam Avery wieder pünktlichst ins Büro, der Abend zuvor war schon gewesen....Brett war nicht gekommen und der Dunkelblonde hatte ihn nicht vermisst. Er setze sich an seinen Schreibtisch und stutzte.....er war nicht mehr so, wie er ihn am Abend verlassen hatte. Die Schublade, die er abgeschlossen hatte war auf...und er wusste hundertprozentig, das er sie geschlossen hatte. Misstrauisch sah Avery sich um, aber niemand schien Notiz von ihm zu nehmen.
Am nächsten tag das gleiche.....immer nur Kleinigkeiten, die manch einer übersehen würde...aber der Dunkelblonde übersah sie nicht. Man wollte ihn fertig machen, ihn verunsichern....ihn überwachen? Nun verschloss sich Avery noch mehr, er antwortete kaum und es schlichen sich immer mehr Fehler ins seine Arbeit ein, so das er eines Morgens zu seinem Chef gerufen wurde, der ihm dringend riet, erst einmal einen längeren Urlaub zu machen. Der Dunkelblonde verstand nicht...er versuchte zu erklären, das man ihm alle Schuld in die Schuhe schob und das er unschuldig sei......schließlich fing er an zu zittern und hatten kurz darauf einen totalen Zusammenbruch.....direkt im Büro seines Chefs.
Als Avery im Krankenhaus wieder einigermaßen zu sich kam, erwartete ihn bereits der Arzt...der ihm dringend riet, sich einer psychiatrischen Behandlung zu unterziehen, er leide unter einer schweren traumatischen Störung und solle, wenn möglich, nicht allein zu Hause bleiben und er wurde gefragt, ob er denn jemanden hätte.
Avery nickte und versuchte gleich darauf, Brett zu erreichen, was ihm auch gelang...dieser jedoch lachte nur und meinte, er hätte es ja immer gewusst und er solle ihn mit diesem Mist in Ruhe lassen, schließlich sei er kein Babysitter.
Der Dunkelblonde nickte nur, verzog keine Miene und der Arzt entschied spontan, das er dann eben in eine Psychiatrische Klinik müsse.....ansonsten wäre sein Gesundheitszustand in akuter Gefahr...allein schon wegen seiner Tablettensucht. „So....nun ist es also soweit..“ redete Avery mit sich selbst und sah zum Fenster hinaus. „jetzt sperren sie dich ein und lassen dich lange zeit nicht mehr raus“ Der Dunkelblonde hatte Angst....vor allem, wie er es dort wohl aushalten solle....ohne seine Suchtmittel.

Die Wochen vergingen in einem quälend langsamen und eintönigen Trott. Ives war allein und genauso fühlte er sich auch, besonders an den Tagen an denen ihn Daniel belästigte ihn nach der Arbeit erwartete, sich in sein Büro schlich oder seine Mailbox zu spammte. Mal waren es Beleidigungen, mal Entschuldigungen, mal anderes Gewäsch, wahrscheinlich brauchte er Geld.
Was auch immer er versuchte der braunhaarige blieb standhaft, auch wenn er jedes Mal einen Schwall Beleidigungen über sich ergehen lassen musste und nicht mehr wusste wie viel er davon noch ertrug, denn jedes Wort dass über Daniels Lippen kam hinterließ eine blutende Wunde.
Wieder einmal saß er in dem dunklen Appartement und starrte auf sein Handy. Averys Kuraufenthalt war jetzt zu ende, schon seit einigen Wochen und schon seit einigen Wochen rang er mit sich ihn anzurufen. Ives wollte wirklich aber er traute sich nicht, hatte Angst dass ihn der Blonde verspotten würde oder ganz einfach dass das Gespräch peinlich wäre, viel unangenehmes schweigen und danach die stumme Übereinkunft nie wieder miteinander zu telefonieren.
Doch an diesem Abend war er mutig oder wohl eher verzweifelt genug es zu tun. Er wählte die Nummer aus und starrte auf das Aquarium während er dem Wählsignal lauschte.

Avery war zu Hause....seit Tagen schon, er hatte in seinem Briefkasten die Kündigung gefunden, das hatte dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Brett ließ sich nicht mehr blicken, nach der Kündigung so oder so nicht mehr, denn jetzt brauchet Avery seine Ersparnisse für sich und konnte nicht mehr so leichtlebig sein. Am liebsten hätte der Dunkelblonde sich umgebracht, aber dazu war er doch zu feige.....er war stundenlang mit seinem Tablettenröhrchen durch die Wohnung getingelt, hatte es aber nicht fertig gebracht. Und nuns saß er hier quasi auf gepackten Koffern, denn gegen Nachmittag sollte er in die Klinik abgeholt werden.
Als das Handy klingelte, reagierte er erst beim dritten Mal...dann sah er auf das Display....und war erstaunt. Ives? Von dem hatte er angenommen, das dieser ihn längst vergessen hatte. ER hob ab. „Hallo, Ives...“ sagte er dann leise.

"Hi..." machte Ives und freute sich dass sich hinter dieser Nummer immer noch Avery verbarg. Nach einem kurzen Wortwechsel tat der Braunhaarige dass warum er wohl wirklich angerufen hatte, er mußte irgend jemandem erzählen was passiert war, was Daniel für ein Arschloch war und wie schlecht es ihm ging. Er plapperte bestimmt 2 Stunden lang und hörte kaum auf die höflichen Zwischenworte und deren Klang von Avery, und dann fragte er schließlich anstandshalber aber nicht wirklich aus Interesse: "Und wie geht’s dir so?"

Avery hörte geduldig zu, lenkte es ihn doch von seinen eigenen Problemen ab und führte ihm vor Augen, das es dem anderen genauso beschissen ging...wenn nicht so gar beschissener. Als der Dunkelblonde gefragt wurde, wie es ihm denn ging, seufzte er leise und begann dann, von seinen Problemen zu erzählen.

Mit großen Augen starrte Ives das Telefon an. Was war er nur für ein unsensibles Arschloch! Zu glauben den Blonden einfach so als seelischen Mülleimer zu benutzen, wo es ihn die ganze Zeit nicht gekümmert hatte wie es ihm ergangen war. Er musste dringend etwas tun um das wieder gut zu machen, um jetzt Avery zu helfen oder seinen Selbsthass zu beschwichtigen diese Frage schob er beiseite.
"Avery, sag mir deine Adresse und ich hol dich ab, du kannst bei mir wohnen, du musst nicht in die Anstalt." bot er dann an - wenn ihm jetzt erklärt wurde das eine Anstalt eine bessere Alternative wäre als seine Hilfe wäre das ein schmerzhafter Schlag - zu schmerzhaft vielleicht - aber verdient hätte er ihn alle mal.

Avery hielt ungläubig den Hörer vom Ohr und betrachtete ihn.. hatte er jetzt richtig gehört? „Meinst du das ernst? Wenn ja, werde ich gleich meinem Arzt anrufen.. dann kann ich mir die Klinik sparen....ich hab eh ziemlichen Bammel davor..“ sagte der Dunkelblonde ehrlich.

„Toternst." versicherte Ives, das Handy schien auf einmal glitschig zu werden vor Schweiß und er hatte das Gefühl in der Luft zu schwimmen. Bevor er angerufen hatte waren seine Gedanken damit beschäftigt gewesen um sein Selbstmitleid zu kreisen und jetzt kreisten sie darum ob er seine Unzulänglichkeiten wett machen wollte oder ob es ihm wirklich um Avery ging. Aber wie auch immer er war felsenfest entschlossen jetzt keinen Rückzieher zu machen. Die Chance ihm helfen zu können würde er sich nicht durch die Lappen gehen lassen.

„Danke...“ sagte Avery und man hörte ihm an, wie erleichtert er war. „ich werde anrufen.,.. und du mach dich bitte auf den Weg, damit der Arzt auch sieht, das ich ihn nicht anschwindle, ja? Ich stehe in deiner Schuld, Ives....vielen Dank nochmal...“ murmelte er leise, bevor er auflegte und mit seinem Arzt telefonierte.

Ives ließ sich noch die Adresse geben da war er bereits im Gang, und drückte den Fahrstuhlknopf. Immer noch zweifelte er an sich selbst, als er bereits in den Verkehr einfädelte, Ives fuhr weder einen Mercedes, noch einen BMW und schon gar keine englischen Luxuskarossen, er fuhr einen nicht mehr ganz neuen, dunkelblauen Honda Prelude - ein ganz besonderer, persönlicher stiller Protest, ein letztes Aufbegehren gegen die Gesellschaft in der er gefangen war. Nicht dass er im Moment über so etwas nachdachte. er musste sich krampfhaft auf den Verkehr konzentrieren, sein Kopf war so voller Zweifel und Selbstvorwürfen dass er fürchtete noch einen Unfall zu bauen und das war sehr kontraproduktiv. schließlich hatte er Averys Loft erreicht und klingelte. Sein herz schlug ihm bis zum Hals und er fuhr sich durchs Gesicht, was machte er da? Tat er es wirklich ihm zu liebe oder wollte er nur nicht allein sein und holte Avery zu sich wie andere sich ein Haustier anschafften? Dieses Eigentor tat sehr weh und am liebsten wäre er davon gerannt - vor sich selbst - aber er blieb, zwang sich zur Ruhe und ballte die Hände in den Taschen zu Fäusten, so fest dass die Fingernägel schmerzhaft in die Handballen drückten.

Avery hatte einige Mühe, seinen Arzt zu überzeugen, das er wirklich jemanden hatte, der auf ihn aufpasste. Wobei er ja niemanden brauchte, er war einfach nur mit ganz schmutzigen Tricks aus der Firma gedrängt worden, aber das wollte anscheinend niemand sehen. Er war nicht verrückt...und seine Tabletten hatte er im Griff....dachte der Dunkelblonde.
Nun war es so. das er zwar nicht in die Klinik musste, aber er musste mit Ives beim Arzt vorbeifahren und sich dort neue Instruktionen holen....und der Dunkelhaarige würde wohl auch welche kriegen.
Es klingelte...und Avery rannte förmlich zum Türöffner, hoffend das es wirklich Ives war und er nicht nur einem schlechten gemeinen Scherz aufgesessen war. Dann drückte er den Summer.



Ives atmete noch einmal tief durch, dann straffte er sich, öffnete die Tür und rief den Aufzug zu Averys Loft. ihm schien das Teil würde ewig brauchen, und als er endlich oben angekommen kostete es große Überwindung die vergitterte Kabine wieder zu verlassen und der Schritt über die Schwelle fühlte sich an als hätte er damit etwas schreckliches besiegelt, doch er ließ sich nichts anmerken, außer ein gewisses Maß an Nervosität.. das konnte er nun wirklich nicht verbergen. "Hi..." machte der Braunhaarige, versuchte zu lächeln was misslang und kratzte sich verlegen im Nacken.

Avery strahlte über das ganze Gesicht und sah dem Braunhaarigen entgegen. „Hi.....ich dachte schon, ich wäre einem schlechten Scherz aufgesessen....ich bin froh, das du da bist..“ Der Dunkelblonde trat zur Seite und deutete Ives, einzutreten. „Komm herein......magst du was trinken oder lieber wieder gleich gehen?“

"Äh..." machte Ives erst mal, sein Mund war trocken und er fühlte sich gar nicht gut vor Aufregung und vor allem so angestrahlt zu werden als sei er ein Retter oder so etwas feuerte die Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Intension nur noch zusätzlich an. Aber er schaffte es sich zufangen. "Ein Wasser wäre nett." brachte er dann heraus.

„Gut.. setz dich bitte..“ Avery deutete auf das Sofa und schob seinen Koffer ein wenig aus dem Weg. Dann ging er in die Küche, kam mit einer Flasche Mineralwasser und zwei Gläser wieder, schenkte Ives etwas ein und reichte es ihm. Dann ließ sich der Dunkelblonde auf einen Sessel gegenüber fallen und musterte den Braunhaarigen. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht nie wieder etwas von dir zu hören...“ gab er dann zu, während er an seinem Wasser nippte.

Beinahe hätte der braunhaarige sein Glas fallen lassen, das war ein Volltreffer gewesen. "Es... ich..." stotterte er erst einmal und versuchte sich wieder zu fangen, was nach einigen weiteren Fehlstarts dann auch endlich gelang, "Es tut mir leid... ich hätte mich früher melden sollen, aber ich war wohl zu sehr mit meinem Selbstmitleid beschäftigt als mit Sorgen oder wenigstens Gedanken um andere zumachen,.." gestand er schließlich und starrte unglücklich auf die kleinen Bläschen in seinem Wasser.

„Mach dir nichts draus, Ives....ich war zu sehr mit Arbeit beschäftigt.. ich hab mich ja auch nicht gemeldet.“ Avery hatte ruhig gesprochen und fuhr nun ebenso ruhig fort „Aber das ändert sich jetzt ja auch...nachdem man mich entlassen hat, werde ich wohl mehr Zeit für andere Dinge haben.“