Dalien schloss die Augen und seufzte. War ja klar gewesen, dass er sich nicht um die Antwort würde drücken können.
"Kann ich sagen, ich weiß es nicht?", fragte er ohne viel Hoffnung, machte aber aber gleichzeitig eine auffordernde Handbewegung um Nicolae zu bedeuten ins Wasser zu kommen. Er blieb allerdings an den Rand gelehnt, den Oberkörper nach vorne gebeugt, sodass seine Haarspitzen im Wasser hingen. Seine Augen waren geschlossen und er genoss das Gefühl des warmen Wassers um sich herum, versuchte das Badezimmer auszublenden. Das mit dem Rückenwaschen war zwar verlockend, vor allem Dingen, da dort natürlich alle Muskeln furchtbar verspannt waren, aber es erinnerte ihn im Moment zu sehr an den Traum und der brachte ihm gerade wirklich schon genug Schwierigkeiten. 'Das und die Tatsache, dass du ja ungedingt noch einmal nachfragen musstest...'
"Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht ganz sicher.", fing er irgendwann an und hob den Kopf, um Nicolae anzusehen. Seine Hand fuhr durch das Wasser, erzeugte kleine Bahnen und brachte Blätter, die sich von ihm gelöst hatten, zum kentern. "Ich will nicht, dass wir Vater und Sohn sind oder etwas dergleichen. Frag mich nicht warum, aber es ist so. Und ansonsten..." Er zuckte hilflos die Schultern und richtete sich nun ganz auf, um mit dem andern auf Augenhöhe zu sein. Die Farbe war immer noch äussert faszinierend, anziehend, auch wenn Nicolae ihn nicht gerade hypnotisierte. 'Kann er das eigentlich noch? Jetzt, wo ich ein Vampir bin?' "Freunde, ja...auch wenn du der erste wärst, der mit einem Seher befreundet ist...obwohl ich ja eigentlich nicht mehr dazu zähle. Vielleicht auch..." Er hörte auf und betrachte wieder das Gesicht des anderen. Eingehend und darauf lauschend, was er wollte. Wie üblich kam ihm seine Gabe dazwischen. Dieses Mal jedoch, indem er auf einmal wieder den Seher hören konnte, der von innen auf ihn einschrie und dessen Wissen nun wieder so nah war. Viel zu nah. Viel, viel zu nah.
Dalien stöhnte und vergrub den Kopf zwischen den Armen.

Hätte er das besser nicht gesagt… Es sah schon wieder so aus als hätte der Blonde Schmerzen, wenn auch keine Körperlichen. ‚Vielleicht hat er bloß Angst, schließlich wäre es bei seinem Lebenswandel nicht verwunderlich wenn ich der erste wäre der ihm anbietet den Rücken zu waschen.’ Irgendetwas anderes würde er nicht tun, nicht weil ihm der Blonde nicht gefiel sondern weil er wollte daß sie beide Ruhe fanden und danach vielleicht andere Dinge.
Zuerst kam Nicolae ohnehin erst einmal gerne der Einladung ins Wasser nach – Gott tat das gut…
Einige Augenblicke brauchte er um wahrzunehmen wie gut sich sein Körper nun anfühlte, wie weich er wurde, und warm. Ein leises angenehmes Seufzen kam ihm über die Lippen und er schloß kurz die Augen, sollte sich Dalien ruhig Zeit mit der Antwort lassen, er wollte ihn nicht mit dem Rücken an die Wand stellen. Kein Vater und Sohn… das war gut so… den Augenkontakt erwidernd wartete er langmütig darauf das Dalien weiter sprach, dann lächelte er, „Ich will nicht mit einem Seher befreundet sein… sondern mit dir…“ klang das schon bescheuert? „Freunde also, gut… nun was…“ weiter kam er nicht mehr, Schmerz verzog das nahe Gesicht des jungen Vampirs. War das ein Anfall? Was hat er denn?
„Dalien?!“ er schüttelte ihn an der Schulter - wie war das gewesen, beim letzten Anfall? „Dalien…“ jetzt war seine Stimme sanft, hatte aber die Kante der Eindringlichkeit die die Hypnose verriet, seine Hände legten sich um sein Gesicht und hielten ihn. „Schau mich an… schau mich bitte an…“ er wartete bis sich die hellen, lindgrünen Augen auf ihn fixierten. Was sollte er tun um ihm zu helfen, so einen Gewaltakt wie das letzte Mal wollte er nicht mehr aufziehen. „Das Wasser um dich ist herrlich warm, es riecht nach Waldblüten, es weicht dich ein, deine Muskeln sind ganz weich… merkst du das warme Wasser, komm zu mir ins warme Wasser.“ ‚Und jetzt?’ keiner gab Nicolae darauf eine Antwort. Er streichelte mit dem Daumenballen über ein Jochbein, in dem hübschen Gesicht das von Linien des Schmerzen entstellt wurde. „Du bist jetzt ein Vampir Dalien… wehr dich… du kannst es, das grausame Joch des Menschseins hast du hinter dir. Lehn dich dagegen auf, dein Körper ist tot, er hat dir nichts mehr zu sagen… du bist außerhalb des Rades… lasst ihn das wissen….“ Er wusste nicht ob es die richtigen Worte waren, aber was auch immer, er musste helfen und da konnte er vorher nicht noch fragen welche Formulierung denn angenehm war.
Alles was zählte war daß es half.

'Ich hab mich wirklich sehr geirrt...das ist weniger als ein Kind, so unwissend ist er. Was nützt einem ewiges Leben, wenn man am Ende so dasteht?' 'Was nützt es einem, wenn man sich nur den Tod ersehnt?' 'Mann kann sich den Zeitpunkt aussuchen. In deinem Fall...in UNSEREM Fall...nicht unebdingt schlecht ist, nicht wahr? Ja, ich denke das ist etwas, für das wir ihm dankbar sein müssen...du zumindest...ich spüre den Schmerz ja nicht...aber da wir immer noch eins sind' '...spüre ICH den Schmerz, wenn du mir so nahe bist!' Es fiel ihm nicht einmal besonders schwer, sich gleichzeitig auf den Seher und auf Nicolae zu konzentrieren, darauf, was er sagte und die Berührung in seinem Gesicht. Was ihm hingegen schwer fiel war, zu entscheiden, was er tun sollte. Der Vampir schien es teilweise nicht zu begreifen. Dass er sich nicht gegen sich selbst wehren konnte. Er und der Seher waren mittlerweile durchaus von einander zu unterscheiden, aber ursprünglich waren sie eins gewesen. Der Seher war nichts anderes als das Kind, das er einmal gewesen war. Selbst wenn er die Macht dazu gehabt hätte, er hätte ihn nicht einfach wegschneiden oder vollkommen ignorieren können. Mit dem Schmerz lebte er schon so lange. Seit Anbeginn der Zeit...seit Anbeginn der Drehungen des Rades. Seit er ein Vampir war, hatte er ihn kaum gefühlt und wenn er wieder kam, gemeinsam mit dem Seher, gelang es ihm schnell, beides wieder zurück zu drängen. Auch, wenn er sich immer noch nicht sicher war, ob es richtig war. Aber wie sollte er das dem Vampir erklären? 'Er hat mich krankes Ding genannt, Dalien...wir wissen beide, dass Unrecht hat. Warum bin ich krank? Weil du es bist und ich die Folgen für dich dagegen abschirme.' 'Vielleicht...ist das nicht mehr nötig? Vielleicht...weil ich jetzt ein Vampir bin...' 'Das Wissen ist nicht verschwunden, Narr! Du hörst es doch! Dass du ein Vampir bist bedeutet noch gar nichts...möglicherweise findest du dadurch einen Weg, der uns beide erlöst, aber bis dahin bin ich ich von Nöten. Und bis dahin wirst du ihm nicht erklären können, dass wir eins sind. Zumindest nicht so, dass er es verstehen würde. So wie es ist und nun vielleicht immer sein wird, wenn du weiterhin so am Leben hängst.' Dalien schob den Seher wieder zurück, samt seines Wissens hinter die Mauern, die in ihm waren, seit der Vampir von ihm getrungen hatte. Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißperlen und er biss sich auf die Lippe. Der Seher wehrte sich diesmal. Er kam nicht gegen Dalien an, warum auch immer, aber es war anstrengend, ihn zurück zu drängen. Als es wieder still in seinem Kopf war, sah er dem anderen Vampir in die Augen, überlegte, was er ihm sagen sollte. Ihm fielen nicht die richtigen Worte ein. Nicolae wollte ihm helfen und vielleicht brauchte er diese Hilfe auch, aber zumindest in der nächsten Zeit würde er sie ablehnen müssen. Auf die eine oder andere Weise. Und er fand die Worte nicht, um auszudrücken, was der andere verstehen musste. "Ach, Nicolae..." Er schloss die Augen und lehnte seine Stirn gegen die des Anderen. Es war aussichtslos. Ihm fehlte die Erfahrung darin, Hilfe abzuschlagen. Alles was ihm blieb war zu rätseln was wohl hinter Daliens Stirn vorging, strich ihm das klamme Haar aus dem Gesicht. 'Oh Dalien was soll ich nur mich dir machen...' Bald spürte er daß seine Hynose nicht mehr von Nöten war, dennoch fühlte er sich nach wie vor hilflos. Seufzens schloss er die Augen, die stirn des Blonden fühlte sich heiß und feucht an an seiner, irgendwie nicht gesund. 2Wassoll ich mit dir machen...?" fragte er schließlich, "Ich will dir helfen aber ich weiß nicht wie." er seufzte schon wieder und fürchtete es würde zur Dauertätigkeit werden. "Ich... ich will nicht wie ein Idiot erscheinen... und auch nciht wie eine Glucke... ich habe nur keine Ahung wie ich mich verhalten soll." das war die wahrheit... einerseits fühlte sich der Braunhaarige unzulänglich andererseits verspürte er eine gewisse Wut gegenüber diesem Ding das Dalien Schmerzen bereitete, er hatte angenommen es sei besiegt... oder zumindest geschwächt und nicht daß es schoin wieder kam, nicht so bald - nun wenigstens war der Anfall nicht so schlimm gewesen wie der letzte. "Mir ist aber nicht zu helfen." Die Worte kamen energischer, als er gewollt hatte und beinahe hätte er sie zurückgenommen, aber er biss sich wieder auf die Lippe und ließ sie so wie sie waren. Es musste ja irgendwann einmal gesagt werden, so schwer es ihm auf fiel. "Manchmal kann man jemandem nicht helfen. Es ehrt dich, dass du es so sehr versuchst, aber es gibt nun mal nicht wirklich viele Möglichkeiten. Wenn es neben dem Tod überhaupt welche gibt." Er sah auf und lächelte schwach, strich dem andern eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Augen wanderten über die Züge, denen man eigentlich das Vampirsein beinahe ansehen konnte. Sie wirkten irgendwie...aristokratisch. "Ich denke bestimmt nicht, dass du ein Idiot bist, aber du nimmst dir da im Moment ein wenig zu viel vor. Als Vampir geht es mir um einiges besser -die meiste Zeit zumindest- und ich hab all die Jahre davor sehr gut durchgehalten. Ich hab sogar den einen oder anderen Moment richtig genossen, wenn kurz Stille eingekehrt ist. Mein Leben ist nach menschlichen Maßstäben oft nicht lebenswert gewesen, aber ich bin mit Abstand der Seher, dem es am besten geht. Von allen die es gab und die es je geben wird." Seine Augen wanderten zu ein wenig Erde, die sich von seinem Körper gelöst hatte und nun auf dem Grund der Wanne vor sich hin moderte. Jetzt wusste er wieder, warum er Badewannen gewöhnlich nicht ausstehen konnte. Man lag irgendwann in seinem eigenen Dreck. Das war schlimmer, als ihn noch am Körper zu haben. Das war ein Schlag gewesen.. mitten in Nicolaes Gesicht, für eine sekunde sah man es ihm förmlich an, doch die nächsten Worte machten es besser... er folgte daliens Blick und stieg wieder aus dem Pool heraus, die marmor Fliesen waren warm genug, breitete eine Handtuch auf einer Bank aus. "Komm ich wasch dir den Rücken..." lockte er dann, und hielt Dalien die hand hin um ihm aus der Wanne zu helfen. Dalien folgte ihm mit den Augen. Er hatte kurz diesen Ausdruck auf dem Gesicht, der es ihm schwer machte, seine Worte nicht augenblicklich wieder zurückzunehmen. Das Problem war, dass er es nun einmal wirklich nicht konnte. Es gab nun einmal keine Möglichkeit, ihm zu helfen. Zumindest keine, von der er wüsste. Allerdings hatte er trotzdem ein leicht schlechtes Gewissen und so ließ er sich aus der Wanne helfen, was ihm beinah ein wenig peinlich war und setzte sich kommentarlos vor Nicolae, versuchte dabei jedoch, kein allzu trauriges Gesicht zu machen. "Es wird schon...." sagte Nicolae der zwar nicht genau wußte was der blonde dachte, aber es sah nicht glücklich aus... Er nahm einen Waschlappen, suchte sich eine Schale und füllte sie mit warmen Wasser, dannging er zu dem Bord mit den Ölen und Seifen. "Nach was möchtest du riechen? Wir haben... Mandel, Eukalyptus, was ist das..." er schnupperte, "Waldblüten und dann noch Rosen... Erdbeer?" er hob zweifelnd die Brauen, "Pfirsich..." fragend sah er zu dalien herüber. "Pfirsich...?" er nahm sich trotzdem gleich das Pfirsichöl mit und begann zuerst dem Blonden den Rücken zu waschen, begann bei den Schultern und arbeitete sich langsam und gründlich abwärts. dabei achtete er sehr genau darauf wie der andere reagierte, er wollte ihm weder zu nahe treten noch ihn in die Enge treiben. "So.. ich denke dein Rücken ist jetzt sauber..." der Lappen und die Schale wurden jetzt nicht mehr gebraucht und wanderten auf den Boden. Hmmm... wie sagte er das jetzt? Wie wäre es mit direkt? "Wenn du eine Rückenmasage willst leg dich einfach hin.... ja?" Wenn er ehrlich war, hätte ihm Eukalyptus am besten gefallen, aber er sagte es nicht. Pfirsich erinnerte sie beide wohl irgendwie an den Traum und als er wieder Nicolaes Hände auf seinem Rücken spürte und den Geruch in die Nase bekam, schloss er die Augen. Vor sich sah er wieder das Fenster und draußen den Schnee und das zugefrorene Meer. 'So eine Erinnerung hätte ich in der Anstalt gebrauchen können, hier ist sie beinahe ein wenig unnütz. Obowohl...der Schnee kam mir wenigstens real vor...und man musste nicht die begründete Angst hegen, dass auf einmal irgendeine Abscheulichkeit hinter der nächsten Ecke auftauchte. Als Nicolae dann jedoch nach der Rückenmassage fragte, wurde ihm die Erinnerung ein wenig zu genau. Die Massage hatte ihm damals gefallen, aber es wurde ihm schon langsam etwas unangenehm, wenn der Andere ihm erst aus der Wanne half, dann den Rücken wusch und jetzt auch noch massierte. Ganz davon abgesehen, dass er sich ohnehin etwas unwohl bei dem Gedanken fühlte. Was antwortete man in so einem Moment? Zu seinem Glück -mehr oder weniger- klingelte ganz in ihrer Nähe ein Glöckchen. Dalien sah den Vampir kurz über die Schulter an. Als es abermals klingelte, trockneten sich beide schnell ab und schlüpften zumindst in ihre Hosen. Draußen, vor ihrem neuen Wohnzimmer auf Zeit stand Erik und hatte gerade die Hand erhoben, um ein weiteres Mal an der dünnen Klingelstrippe zu ziehen. "Ah." Seine Lippen kräuselten sich etwas. "Es tut mir Leid, bei einem Bad zu stören, aber die Prinzessin wünscht ihre beiden neuen...Diener zu sehen. Wenn ich also darum bitten dürfte, sich etwas angemessener zu kleiden?"

Der pikierte Gesichtsausdruck des Herolds zauberte ein schelmisches Grinsen auf Nicolaes Lippen... was der wohl gedacht haben mag… „Wenn ich also darum bitten dürfte…“ äffte er ihn leise, mehr für sich als für seine Umwelt, nach. Er schüttelte den Kopf über seine albernen Gedanken und tappte wieder zu seinen vorgerichteten Kleidern und ließ sich Zeit beim anziehen. Es fühlte sich an als hätte er eine Ewigkeit keine anständigen Klamotten mehr angehabt und was er sich da herausgesucht hatte war in seinen Augen genau das Richtige. Schließlich betrachtete er sich kritisch aber gleichzeitig auch zufrieden in dem großen Spiegel, schräg gegenüber des Bettes, zupfte die Rüschen an Ärmeln und Kragen zu recht und fand dann in einer Kommode noch ein schwarzes Samtband mit dem er seine haare im Nacken locker zusammen band, die Strähnen die ihm sonst immer ins Gesicht fielen und die er sich immer wieder vergeblich hinter die Ohren gestrichen hatten fielen auch jetzt in sein Gesicht – das musste er jetzt feststellen. Seinem Spiegelbild nach einem letzten Blick die Zunge herausstreckend war Nicolae dann soweit fertig. Was die Prinzessin wohl von ihnen wollte? Hoffentlich ihnen nicht mitteilen, daß es sich um einen Irrtum handelte und sie umgehen wieder gehen sollten oder sie in die Küche jagen zum Kartoffeln schälen … ‚Sei nicht albern…’

Dalien grinste etwas, als Nicolae den Herold nachäffte, schlüpfte dann jedoch ebenfalls in seine Kleider. Bei einem Blick in den Spiegel zog er kurz die Augenbrauen zusammen. Irgendetwas fehlte noch...auch wenn es ihm eigentlich vollkommen egal war, wie er aussah, wollte er nicht, dass derjenige, der darüber zu entscheiden hatte, wie lange sie hier bleiben konnten, einen schlechten Eindruck von ihm bekam. Nach einigen Sekunden zog er sich eine zu der Hose passende Weste aus dem Schrank und knöpfte sie zu, eher er wieder in den Gehrock schlüpfte, auch diesen verschloss und zusammen mit Nicolae wieder zu dem Herold zurückging. "Weißt du, was mir noch weniger gefällt?", flüsterte er auf Latein, da er hoffte, der Vampir verstünde es, der Herold aber nicht. "Ein Herold ist ein viel beschäftigte beschäftigter Mann...gab es nicht die Möglichkeit, einen Diener zu schicken, um uns zu holen?"

Nicolae verstand die lateinischen Worte.. allerdings nicht gerade ganz flüssig, warum war ihm natürlich ein Rätsel, er hatte es irgendwann gelernt – soviel war offensichtlich – warum oder zu welchen Zweck blieb tief verschlossen. Schulterzuckend antwortete er: „Entweder wir sind wichtiger als wir glauben, oder hier stimmt auch das nicht… es gibt ja auch keine Blutflecken an der Decke, Wände bluten nicht… weißt du was ich meine?“
Es war recht offensichtlich daß Erik sie nicht verstand, aber er wirkte ein wenig beleidigt, was nun so gar nicht zu seiner Funktion passte. Aber auch das musste ja keinen sinnvollen Grund haben.
Jedenfalls wurden sie wieder durch hallte schöne Gänge geführt, der Herold schwieg und machte auch keine Anstalten sich um sie zu sorgen, er lief einfach eleganten Schrittes voraus.
Plötzlich blieb er stehen und sah sie an, „Ich muss mich noch um etwas anderes kümmern, am Ende des Ganges findet ihr die Prinzessin.“ Erklärte er, machte kehrt und bog bald in einen Nebenkorridor ab. Verdattert sah ihm der Braunhaarige hinterher. Was sollte denn das bitteschön?! Ratlos suchte er Daliens Blick… „Ich glaube immer fester dass es hier auch seltsam ist…“ bemerkte er dann trocken und setzte sich nach kurzem, unschlüssigen Zögern dann wieder in Bewegung. Ende des Ganges… soweit konnte das ja nicht sein. War es auch nicht… aber…
…aber der Gang endete in einer T-Kreuzung mit mehreren Türen. Viel weniger präzise hätte die Beschreibung kaum sein können. Nun da half nur probieren. An der erstbesten Tür klopfte der Braunhaarige, keine Antwort, fragend sah er wieder zu Dalien, dann drückte er die Klinke und öffnete die Tür einfach. „Prinzessin, wir…“ der Satz blieb ihm im Halse stecken, auf einem weißen Himmelbett wanden… nein, waren zwei Männer in inniger Umarmung gefangen, seufzten leise und waren so auf den jeweils anderen fixiert daß sie den verdatterten Vampir gar nicht wahrnahmen.
Mit allem hatte er gerechnet aber damit nicht!
Völligperplex stand Nicolae in der Tür, seine Augen lieferten Informationen, mehr gescha einige Sekunden lang nicht: Der Mann obenauf hatte kurzes, dunkles Haar und war schlecht rasiert, der darunter war fahlblond, hatte lange Locken…. und seine Hautfarbe glich der von den beiden Vampiren sehr. Als sich ihre Lippen in einem weltvergessenen Kuss vereinten kam wieder Leben in den erstarrten Nicolae. Er machte große Augen, schlug eine Hand vor den Mund und schloß hastig, aber fast geräuschlos die Tür.
„Das war nicht die Prinzessin.“ Verkündete er das offensichtliche und wusste nicht ob er grinsen oder rot werden sollte, deswegen tat er beides und ärgerte sich gleichzeitig über diesen Mangel an reife in seinen Augen.
Irgendwie passte das nicht hier herein… nicht das er zwei Männer beim Sex dringen unpassend fand… aber in dieser Umgebung…. Vielleicht waren das auch ‚Gäste’?

Dalien hatte bei dem Anblick lediglich eine Augenbraue nach oben gezogen und ein wenig schief gegrinst. Als er jedoch sah, wie Nicolae reagierte, wurde das Grinsen breiter.
"Tja...ich würde sagen, bei den nächsten Türen sollten wir etwas vorsichtiger sein, sonst bekommen wir noch Probleme mit irgendwem, den wir gerade...bei etwas wichtigem stören." 'Oder den wir mit 'Prinzessin' ansprechen', überlegte er bei dem Gedanken an die zwei Männer. Vermutlich müssten sie dann beide ziemlich die Beine in die Hand nehmen.
Ein wenig vorsichtiger als Nicolae - der das Türen öffnen zumindest fürs erste ihm überließ - ging er die Türen eine nach der anderen ab und klopfte erst ein paar Mal leise, dann noch zwei mal laut. Die Türen, hinter denen keine Antwort erklang, beachtete er nicht weiter.
Die fünfte jedoch wurde von einem Mann geöffnet, ähnlich jung wie Erik, nur mit feuerrotem Haar und einem etwas rundlichem Gesicht. "Ja?" Er blinzelte ein paar Mal, während sein Blick von einem zum andern wanderte. Anscheinend überlegte er, ob er sie kennen sollte und dann, als er erkannte, dass es nicht so war, was sie hier zum Geier noch mal zu suchen hatten. Zumindest wurde sein Gesichtsausdruck um einiges unfreundlicher und er griff nach irgendetwas, das neben der Tür lehnte, außerhalb von Daliens Gesichtsfeld.
"Der Herold, Erik, hat uns die Nachricht überbracht, die Prinzessin wünsche uns zu sehen, aber er hat nur gesagt, ihre Tür befinde sich am Ende des Ganges. Wir sind ein wenig unsicher, welche Tür genau er gemeint haben mag."
Der Arm des Mannes stoppte und er runzelte kurz die Stirn, dann kam seine Hand wieder in Sicht, leer. Er stemmte beide Arme in die Hüften und sah zwar nicht mehr misstrauisch, wohl aber ein wenig gereizt aus. Sein Kopf ruckte in Richtung des Ganges. "Geht den Gang zurück, dritte Tür links von hier aus gesehen. Und hört nie wieder auf eine von Eriks glorreichen Wegbeschreibungen, wenn ihr einen Rat haben wollt."
Die Tür schloss sich mit einem leisen Knall und die beiden Vampire standen etwas verdattert und allein gelassen auf dem Flur. Dalien schnalzte missbilligend mit der Zunge. "Freundlicher ist er nicht als der Herold, aber lass uns hoffen, dass seine Wegbeschreibungen besser zutreffen."
Sie machten kehrt und suchten die besagte Tür, die sich ohne weiteres finden ließ, jedoch nicht sonderlich anders aussah, als all die drumherum. Er zögerte einen Moment, ehe er die Hand ausstreckte und ein wenig zaghaft anklopfte. Der Nachhall des dunklen Holzes drang an sein Ohr. Tiefer und besser, als bei den anderen Türen bisher. Diese musste dicker sein. Sicherer.
"Prinzessin? Ihr habt nach uns rufen lassen."

Die Tür wurde geöffnete und man ließ die beiden Vampire ein. Hinter ihnen schlossen die Wachen, in einer ähnlichen rot-weiß gestreiften Tracht wie Erik der Herold. Dazu noch Plattenzeug aus matt glänzendem silbrigen Metal und wohl auch Kettenhemden, auch wenn man diese nicht offen erkennen konnte. Auch dieser Raum war hell und wirkte irgendwie gedämpft, was zu einem Teil sicher auch an dem weichen, dicken Teppich lag der sich um ihre Sohlen schmiegte, aber eben nicht nur.
Die Prinzessin und das war die junge Frau von vielleicht 17 oder 18 Jahren in dem weißen, schlichten Kleid ganz bestimmt, hatte langes schwarzes Haar und graue Augen.. sie sah aus wie… die erwachsene Version von Marie.
Sie erhob sich aus dem Rattanmöbel in dem sie gesessen und gelesen hatte und ging mit gemessenen aber energischen Schritten auf die Beiden zu. „Ihr müsst Dalien und Nicolae sein,“ begann sie mit schöner aber nicht weichlicher Stimme. „Ich habe mich schon gefreut darauf euch hier begrüßen zu dürfen. Ihr glaubt gar nicht wie wichtig eure Anwesendheit für mich ist.“
„Die Freude ist ganz auf unserer Seite.“ Ging es dem Braunhaarigen glatt über die Lippen und erstaunte ihn selbst, ebenso wie die formvollendete Verbeugung und der hauchzarte Handkuss, den eer ihr gab und der das Mädchen doch tatsächlich zum erröten brachte. ‚Ich muß in meinem Leben wohl höfische Etikette beherrscht haben.’ Ging es ihm durch den Kopf dicht gefolgt von der Frage ob er nicht etwas falsches getan hatte.
Gerade wollte er etwas sagen, doch noch bevor er den Mund offen hatte, hatte er es schon wieder vergessen, denn die Prinzessin sprach weiter. „Ihr dürft mich Marie nennen, wenn wir alleine sind… die Wachen zählen in dem Fall nicht, ansonsten euer Hoheit. Jetzt zu wichtigen Dingen…. Das böse ist in mein Königreich eingedrungen… mächtige schwarze Ritter auf Feuerpferden direkt aus dem Höllenschlund. Noch haben sie keinen allzu großen Schaden angerichtet.. aber die Berichte über ihre Sichtungen werden immer häufiger… ich möchte daß ihr beide etwas dagegen unternehmt… bevor ihr jetzt sprecht: ihr müsst nichts überstürzen und auch noch nicht gleich aufbrechen, ich weiß daß ihr eine lange Wanderung hinter euch habt und ihr seit meine Gäste, also erholt euch zu erst… vielleicht in ein paar Tagen oder in einer Woche, werde ich euch mit Pferden, Waffen, Proviant und was ihr sonst noch braucht ausrüsten lassen. Ich erwarte nicht daß ihr alleine einen Kreuzzug führt… fangt erst einmal an zu erkunden… es ist Eile geboten.. aber wir stehen noch lange nicht mit dem Rücken zur Wand.“
Nicolae war erst einmal sprach los… so einen Höllenritter hatten sie schon gesehen und das war nicht so lange her… und das hier sah nicht nur so aus wie Marie es behauptete auch Marie zu sein…. Und sie sollten, wie die fahrenden Helden in Märchen und Sagen ausziehen um die Bedrohung zu bekämpfen…