"Lucius, was tust du da?" Der junge Mann zuckte zusammen und hielt die Finger vor sein Mikro. "Verdirb nicht den Spaß, Agent", meinte er nur und beobachtete die Neuankömmlinge auf seinem Monitor. "Ich will bloß wissen, was für Spacken mir diesmal vor die Nase gesetzt werden...was sie drauf haben." Die Frau in dem grauen Anzug zog Lucius am Ohr. "Wehe du machst was kaputt."
Xiao seufzte leise, während sein Blick kurz über den Eingang des Gebäudes glitt. Zumindest war er nicht zu spät ... Dieser und noch einige weniger erfreuliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf, als er eintrat und sich kurz umsah, bevor er auf den Fahrstuhl zuging. Was hatten sie gesagt? Zweites Untergeschoss. Na, mal sehen. Unruhig wanderte der Blick des schlanken Chinesen durch den Raum, als er schließlich darauf wartete, dass sich die Türen öffneten.
Lucius schnaufte nur, und siehe da, das erste Opfer. Neben seinem Kamerabild ploppte ein Fenster auf, in dem alle Daten von dem neuen gelistet waren. Werdegang, Vergangenheit...Lucius könnte es sogar schaffen, herauszufinden mit welcher Geburtsmethode Xiao auf die Welt gekommen war. Nicht umsonst trug er seinen Spitznamen: Brain. Die Fahrstuhltüren öffneten sich für den Chinesen.
Sofort betrat Xiao den Fahrstuhl und sah sich kurz in der Kabine um, bevor er das besagtes Stockwerk auswählte. Er straffte sich leicht, doch in seinem Gesicht war nichts von seiner Anspannung zu sehen, während er darauf wartete, dass die Türen sich wieder öffneten.
Die Türen schlossen sich, aber mehr tat sich nicht. Bis sich plötzlich das Licht dimmte. "Hallo und herzlich willkommen", ertönte Lucius Stimme. "Sie betreten nun eine Welt in der Nichts mehr so ist wie sie es kannten. Machen sie sich gefasst auf eine atemberaubende Tour." Lucius liebte es theatralisch zu werden.
Doch damit rief er nur ein leichtes Schmunzeln auf dem Gesicht des Chinesen hervor. Derartige Ankündigungen kannte er nur zur Genüge, schließlich war er nicht umsonst im Zirkus aufgewachsen. Sein Blick heftete sich auf die Anzeige des Stockwerks, während er die Hände erstmal in den Taschen seines halblangen Mantels vergrub.
Lucius schmollte ein wenig. Er löschte alles im Lift bis auf die kleine Lampe direkt über dem Chinesen. "Wollen wir mal sehen was du drauf hast", murmelte er, tippte auf seiner Tastatur herum. Die Türen öffneten sich und vor Xiao erstreckte sich ein runder langer Gang, an dem aller halber Meter ein Halogenstrahler angebracht war.
Langsam, fast schon vorsichtig, trat der Asiat nun aus dem Fahrstuhl, doch blieb erstmal am Anfang des Ganges stehen. Aufmerksam suchten die schwarzen Augen den Gang ab und blieben immer wieder an den Halogenstrahlern hängen. "Ein Test also ...", murmelte er kaum hörbar und machte einen Schritt vorwärts.
Auf Xiaos Schuh brach sich rotes Licht. Er hatte einen Laserstrahl durchschritten, an den Seiten öffneten sich Luken und zwei netze wurden auf den Chinesen geschossen, die mit Elektroden besetzt waren.
Doch mit etwas in der Art hatte er bereits gerechnet und rollte sich blitzschnell nach vorne ab. Nun hieß es wohl schnell sein, denn er konnte sich denken, dass er bereits die zweite oder auch dritte Sperre durchbrochen hatte.
Die Netzte krachten bratzelnd gegeneinander, jetzt öffneten sich weitere Luken aus den einen regnete es schwarze Kugeln aus denen Rauch austrat, aus der dritten Luke schossen jeweils fünf Pfeile hervor.
Sofort hielt Xiao erstmal die Luft an und versuchte den Pfeilen auszuweichen, so gut es ging. /Den Mantel kann ich danach wohl wegschmeißen./schoss es ihm durch den Kopf und er machte weiter Tempo.
Vor ihm schossen plötzlich Nylonfäden hervor, die ein dichtes Gewebe bildeten, an dem kein durchkommen zu sein schien. Der Gang war versiegelt, das Tor nur noch wenige Schritte entfernt, doch der Rauch wurde immer dichter...Tränengas.
Grollend blies Xiao für einen Moment die Wangen auf, bevor ihm eine Idee kam und er sein Zippo zückte. Mit der Flamme versuchte er dem Gewebe zuleibe zu rücken und kniff dabei die Augen zusammen.
Das Nylon gab nach einer Weile zischend auf und hing nur noch lose an der Decke. Wieder erklang Lucius´ Stimme. "Bevor sich dieses Türlein öffnet, musst du mir erst ein Rätsel beantworten...", flötete er.
Xiao stieß die angehaltene Luft durch die Nasenlöcher aus. "Dann leg endlich los", grollte er und versuchte dabei nach Möglichkeit nicht zu husten.
"Spielverderber...", brummte Lucius "'Es kommt vom Leben, hat kein Leben und muss doch Leben tragen.'...Sobald die Antwort richtig ist, mach ich die Tür auf..."
Xiao rollte leicht die Augen, doch überlegte dann lieber, als sich aufzuregen. Mit jeder Sekunde, die er brauchte wurde es schlimmer.
"Auu...", jaulte es plötzlich auf und eine tiefe akzentreiche Stimme erklang. „Mach das Tor auf!" Brummen konnte Xiao vernehmen, und das Tor öffnete sich, gleichzeitig wurden Lüfter aktiviert, die das Gas binnen weniger Momente abzogen.
Sofort trat Xiao durch das Tor und atmete erstmal tief durch. Mit dem Ärmel rieb er sich über seine brennenden Augen und sah sich dann erstmal um. "Ok ... wo ist dieses miese ..." Der Rest war undeutliches Gemurmel.
Alexei hatte Lucius am Ohr gezogen. "Lucius unterzieht jeden Neuankömmling diesen kleinen Parcours", erklärte der Russe. Lucius saß hinter seinem Laptop und grinste, mit dem Mikro am Ohr Xiao fröhlich an. "Hi auch."
Wenn Blicke töten könnten, wäre Lucius wohl gerade in Flammen aufgegangen, doch dann wandte Xiao sich mit einem Lächeln an den Russen. "Ah, verstehe. Aber ich denke nicht, dass er sich damit viele Freunde macht, oder?"
Alexei zuckte nur die Schultern. Lucius schob schmollend die Unterlippe vor. "Spielverderber...wegen dem bisschen Tränengas..." Er klappte de Laptop zu und sprang auf. "Ich brauch nen Kaffee...." brummte er, den Laptop unterm Arm und lief zur Küche.
"Muss ich mir jetzt Sorgen machen oder hat er so was öfter?", fragte Xiao den Russen, während er Lucius nachsah. Eigentlich hatte er den Anderen ja nur ein wenig ärgern wollen.
Alexei sah dem Kleineren nach und betrachtete dann Xiao. "Er ist Hacker." Als würde das alles erklären. Ein starker russischer Akzent mischte sich in sein Englisch. "Alexei Babajev", stellte er sich vor. Er trug ein zweiseitiges Holster in dem zwei Beretta 9-mm steckte.
"Sun, Xiao", antwortete dieser und sah zu Alexei hinauf. Noch immer waren seine Augen leicht gerötet und auf den ersten Blick schien er unbewaffnet zu sein.
"Ich zeige dir wo du dir die Augen auswaschen kannst." Damit wandte er sich um und führte ihn durch zwei Gänge hindurch, zeigte ihm einen Waschraum.
"Danke", lächelte Xiao und drehte erstmal das kalte Wasser auf. "Und was genau meintest du damit, als du sagtest er wäre Hacker? Muss er dann solche Sachen veranstalten, oder wie?"
Als keine Antwort kam, bemerkte Xiao das Alexei schon gar nicht mehr da war. Der war zurück in die Meldezentrale gegangen und beobachtete den Monitor, der über ihm hing und sämtliche Satteliten anzeigte, die die Erde umkreisten. "Fehlt noch einer", meinte Lucius, mit einem Lolli im Mund, schwang sich auf den Schreibtisch, neben dem Russen.
Verwundert sah Xiao sich um, doch zuckte dann leicht mit den Schultern. Er vergrub beide Hände in den Jackentaschen und lief zu dem Raum zurück, in dem er die beiden anderen vermutete.
Müde streckte Kjarr sich bevor er direkt auf den Fahrstuhl zuging. Er grüßte nur kurz den Wachmann und drückte dann auf den Knopf. Als er schließlich im Fahrtsuhl war wählte er dasselbe Stockwerk wie Xiao und lehnte sich locker neben der Schalttafel an die Wand.
Lucius jauchzte auf. "Opfer! Opfer!", jubelte er, stöpselte sich das Mikro ins Ohr und Kjarr widerfuhr dasselbe Schicksal wie Xiao.
Xiao verdrehte leicht die Augen, doch musste dann schmunzeln. "Es ist doch immer wieder schön zu sehen, dass Menschen ihre Arbeit auch manchmal Spaß macht.„
Derweil beäugte Kjarr erstmal den oberen Teil des Fahrstuhls, als das Licht gedimmt wurde. "Also Humor haben sie schon mal ...", brummte er, bei Lucius Ankündigung.
Lucius ließ sich nicht ablenken, knackte die Finger und ließ die Türen sich öffnen.
Auch Kjarr beäugte nun den Gang ein wenig kritisch. "Ok, Leute ... was soll der Quatsch?", fragte er schließlich laut und sichtlich skeptisch. Er hatte nun wirklich keine Lust in irgendeine Falle zu tappen.
"Bah, den kann ich nicht leiden", maulte Lucius und Alexei betrachtete den Monitor, schweigend.
Xiao sah zwischen den beiden hindurch und runzelte leicht die Stirn. Mal sehen, was das jetzt wieder gab.
Nur Kjarr schien nicht wirklich erbaut von seiner Situation. Noch immer wanderte sein Blick durch den Gang, ohne dass er einen Schritt getan hatte. Als er es dann schließlich doch tat trat er vorsichtig eine Schritt vor.
Kurz zurrte der rote Laserstrahl gefährlich vor seiner Schuhspitze auf.
Sofort zog Kjarr seinen Fuß zurück, bevor er darüber stieg, innerlich hoffend, dass das die einzige Schranke dieser Art war, die ihn am Anfang erwartete.
Jede einzelne Falle war mit einem Laserstrahl verknüpft und es nützte nichts, sie waren in unterschiedlichen Höhen angebracht. Eine Falle würde er definitiv mitnehmen.
Plötzlich zog Kjarr eine Beretta aus dem Halfter unter seiner Jacke und schoss auf den ersten Halogenstrahler. Mal sehen, ob seine Vermutung richtig war...
Lucius quietschte auf. Alexei riss ihm das Mikro aus dem Ohr. "Hör auf damit!"
Kjarr sicherte die Waffe wieder und grollte leise. "Ich hasse es nun mal Meerschweinchen zu sein. Also lasst mich hier raus." Selbst Xiao hatte die Augenbrauen zusammengezogen. "Ein wenig jähzornig, der Gute.", murmelte er.
Alexei knurrte und tippte Lucius gegen die Schulter. "Mach schon." Lucius tippte unwillig auf seiner Tastatur herum und öffnete dann das Tor.
Aufatmend brachte Kjarr den Rest des Ganges hinter sich und sah sich dann den Anderen gegenüber. Ohne ein Wort zu sagen musterte er die drei mit eisigem Blick.
Alexei sah ihm entgegen, würdigte ihm dann keines Blickes mehr. Lucius tat so als wäre er gar nicht gemeint, und spielte an seinem Laptop ein Computerspiel.
"Wer ist der Witzbold, der meint hier Spielchen spielen zu müssen?", grollte Kjarr, als er auch von Xiao mehr oder weniger ignoriert wurde.
Lucius rührte sich nicht. Alexei beobachtete weiter den Monitor und runzelte die Brauen. "Nun sind sie ja vollständig meine Herren." Eine Frau mittleren Alters betrat den Raum und lächelte freundlich. "Agent."
Sofort wandte Xiao sich ihr zu und stellte sich freundlich vor und auch Kjarr nickte ihr zu, doch begann dann wieder Lucius mit Blicken zu durchbohren.
"Da sie sich ja schon kennen, brauche ich das nicht noch zu tun. Mein Name ist Agent Baumann und ich bin ihre Einsatzleiterin...Lucius, mach den Computer aus", mahnte sie und der andere gehorchte brummend, klappte zumindest den Bildschirm nach unten. "Ich glaube dass der nächste Auftrag nicht lange dauern wird, doch sollte sie die nächsten Tage nutzen einander kennen zu lernen, schließlich sind sie ab jetzt ein Team."
Nun warf Kjarr einen Blick in die Runde, doch behielt seinen Kommentar für sich, während Xiao ihr ein freundliches Lächeln schenkte. Sowieso schien der Asiat des Öfteren dieses nichts sagende Lächeln aufzusetzen.
"Bei weiteren Fragen bin ich zu erreichen." Sie nickte ihnen zu und verließ die Zentrale auch schon wieder. Alexei sah in die Runde. "Man sollte erst einmal in Erfahrung bringen, über welche Fähigkeiten ihr verfügt."
Xiao nickte leicht und sah kurz in die Runde. "Nun, ich bin seit frühester Kindheit im Turnen und in der Kampfkunst unterrichtet worden", gab er bereitwillig Auskunft.
"Ich kann mich in jedes System einhacken, Bomben entschärfen und andere nette Spielsachen basteln", meinte Lucius.
"Abgeschlossene Polizeiausbildung, passabler Schütze mit Handfeuerwaffen", schloss Kjarr sich knapp an und musterte dann Alexei.
"Pilot und Scharfschütze sowie Taucher." Alexei sprach nicht gern über seine Vergangenheit bei der russischen Armee.
"Klingt doch sogar nach ne brauchbare Truppe", stellte Kjarr fest und ließ dann seine brummige Miene fallen. Langsam hatte er sich wieder abgeregt und er rang sich sogar ein leichtes Lächeln ab. "Sorry, wegen eben. Aber auf so was reagier' ich wirklich allergisch."
"Spielverderber…", murmelte Lucius wieder und bekam einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf von Alexei.
"Vielleicht sollten wir dich ja mal da durch jagen", grinste Kjarr und musterte Lucius dabei aufmerksam.
Lucius streckte ihm die Zunge raus. "Das ist mein Parcours...damit würdest du mich nicht mal kratzen...", brummte er.
"Ah ja ... Na dann", schmunzelte Kjarr und warf einen Blick in die Runde. "Und was genau machen wir jetzt?" Dabei warf er auch einen Blick auf den Chinesen, der ein wenig unbeteiligt zugesehen hatte.
Alexei brummte. "Ich geh was essen..." Damit wandte er sich ab und lief Richtung Küche. Lucius packte den Laptop zusammen. "Warte...ich hab auch Hunger."
Wortlos schloss auch Xiao sich den beiden an, während Kjarr vorerst allein stehen blieb.
"Na ganz toll ...", brummte er. "So viel zum Thema 'kennen lernen' und 'zusammen arbeiten' ..."
"Hey, Brummbär kommst auch?" Lucius hatte sich umgewandt, lief rückwärts und winkte dem Großen zu, um dann über seine eigenen Füße zu stolpern und sich auf den Hintern zu setzen. im Fallen umklammerte er seinen Laptop als würde sein Leben daran hängen. "Auwaaa..."
Schmunzelnd hatte Kjarr ihn beobachtet und griff Lucius nun unter die Achseln, um ihm auf die Beine zu helfen. "Klar. Und du solltest ein bisschen vorsichtiger sein." Er zog Lucius einfach hoch und stellte ihn wieder hin, als würde der andere kaum etwas wiegen. "Deine goldene Kuh, hm?", fragte er noch und deutete dabei auf den Computer.
Lucius ächzte leise und rieb sich den Po. "Kalb...", murmelte er. „Danke." Er seufzte und untersuchte den Computer nach irgendwelchen Schäden. "Gott sei Dank...hey, ohne den wärt ihr aufgeschmissen." Lucius streichelte liebevoll über das Gehäuse.
"Dann sollte ich wohl besser auf euch beide aufpassen", grinste Kjarr und folgte nun Alexei und Xiao in die Küche.
"Das macht schon Alexei...aber wenn du unbedingt willst." Lucius lächelte und flitzte dann an dem Chinesen vorbei, um zu dem Russen aufzuholen.
Xiao hob leicht die Augenbrauen, bei Lucius' Verhalten, doch musste dann etwas schmunzeln. Ihm war noch nie jemand begegnet, der so aufgekratzt durch die Gegend rannte.
Lucius sah sich in der Küche grübelnd um. Er hatte doch...unter dem Küchentisch fand er seine Tasche für den Schleppi, tütete ihn ein und hängte ihn sich um. Dann setzte er sich brav an seinen Platz und wartete, lächelnd. Alexei seufzte schwer. Wortlos legte er dem Jüngeren sein Besteck vor die Nase. "Heute gibt’s Pizza", meinte er und legte damit fest was es zu essen gab. Er zog die Tiefkühlplatten raus und schmiss den Ofen an, derweil goss er sich noch einen Kaffee ein.
Xiao setzte sich zu Lucius und beobachtete Alexei, während Kjarr sich auf einem der freien Plätze niederließ. "Wie lange arbeitet ihr eigentlich schon zusammen?", fragte er einfach mal in den Raum.
"Im Mai werden ’s vier Jahre...", strahlte Lucius Kjarr an, Alexei nippte nur schweigend an seinem Kaffee.
"Hui, dann müsst ihr drei ja ein echt gut eingespieltes Team sein", meinte Kjarr, bevor er sich noch mal erhob und sich auch am Kaffee bediente.
"Nein, nur die beiden. Ich bin auch seit heute neu", meldete sich nun Xiao und folgte mit seinem Blick Kjarr. Irgendwie wirkte er permanent ein wenig angespannt.
"Ja und er hat mir wenigstens meinen Spaß gelassen", brummte Lucius.
Kjarr zog leicht die Augenbrauen hoch, während Xiao kaum merklich in sich hinein grinste. "Darauf wirst du noch die nächsten paar Jahre rum reiten, oder wie?", erkundigte Kjarr sich bei Lucius.
"Solange bis du den Parcours gemacht hast, noch keinem ist das erspart geblieben." Lucius blies die Backen auf.
"Wir werden sehen", meinte Kjarr nur und trank einen Schluck Kaffee.
Lucius schob schmollend die Unterlippe vor. "Und wie wir das sehen werden...", murmelte er düster.
"Hey, lass dich doch nicht so leicht ärgern", grinste Kjarr nun und wuschelte Lucius leicht durchs Haar. Der Kleine war wirklich zu süß, wenn er schmollte.
Lucius schnaufte und pustete sich eine seiner schwarzen Strähne aus dem Gesicht die Kjarr dahin gewuschelt hatte.
"Och ... böse?", fragte Kjarr neckend und legte den Kopf etwas schief. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er sich doch besser mit Lucius verstehen könnte, als am Anfang gedacht.
Lucius ignorierte ihn einfach und starrte stur auf den Ofen, das Besteck in Händen. Alexei schlürfte seinen Kaffee und sah Xiao fragend an.
Xiao erwiderte den Blick ebenso fragend. Noch immer sah er nicht so aus, als würde er sich wirklich wohl fühlen.
Alexei seufzte. "Tee? Kaffee?"
Nun zeigte sich wieder dieses nichts sagende Lächeln auf Xiaos Gesicht. "Ein Tee wäre schön." Kjarr hatte derweil seine Aufmerksamkeit von Lucius auf die beiden anderen verlagert.
Alexei steckte den Wasserkocher an. "Ach Mann...", plautzte Lucius nun wieder raus. „Ihr seid doch alle totale Spaßbremsen...wir sind ein Team nicht vier Aussätzige", brummte er. Lucius konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn man sich anschwieg oder versuchte einen auf Einzelgänger zu machen, weshalb er permanent an Alexeis Fersen hing.
Xiao sah ihn einen Moment lang groß an, doch lächelte dann wieder leicht. "Was meinst du?", fragte er ruhig, während Kjarr Lucius nur zustimmen konnte. "Ist viel zu ruhig hier. Wenn wir schon zusammen arbeiten sollten wir auch mit einander reden."
"Na ja, man kommt sich vor als wäre man hier auf ner Trauerfeier...ey, Leute, euer Leben liegt mal in meinen Händen...ich will schließlich wissen, was ich rette." Lucius stützte schmollend eine Wange in seine Hand und spielte mit seinem Essbesteck.
"Und worüber möchtest du dich unterhalten?", wollte Xiao nun wissen.
"Was weiß ich...welchen Film du gestern angeguckt hast..." Lucius zuckte die Schultern und sah Xiao aus dem Augenwinkel an.
"Ich war trainieren ...", murmelte Xiao und wirkte schon etwas befremdet.
"Trainieren? Mit was?" es war schon mal ein Ansatz.
"Ach, allgemein ... Ausdauer, Kung Fu mit und ohne Waffen ...", winkte Xiao ab. "Nichts Besonderes ..."
Lucius schnaubte. "Dann eben nicht...", brummte er beleidigt. Er warf Alexei ein etwa Cent großes Stück zu. "Ruf mich wenn die Pizza durch ist...ich versuch mal was über den Franzosen rauszukriegen." Alexei fing es auf und steckte sich das Elektronikteilchen in seine Brusttasche. Lucius stampfte zurück in die Schaltzentrale, dabei immer was vor sich hinbrummelnd.
Verwundert sah Xiao ihm nach, doch zog sich dann wieder zurück. Kjarr schnaubte, bevor er aufmerkte. "Franzose?", fragte er Alexei.
"Der Franzose ist ein Phantom. Er schiebt Waffen und organisiert Menschenschmuggel...keiner kennt sein Gesicht. Das einzige was wir bisher herausfinden konnten, das sich sein Hauptaugenmerk auf Frankreich richtet." Alexei setzte Xiao seinen Tee vor die Nase.
Xiao bedankte sich mit einem Lächeln und trank dann erstmal einen Schluck. Kjarr nickte nur leicht sinnend. "Und der steht auf der Liste, ja?"
"Ja, aber weiter unten, solange wir keine Informationen haben, können wir nichts tun und eigentlich ist das noch ein Kavaliersdelikt..."
"Ach so, verstehe ... Aber zumindest kann man hier auch wirklich aktiv was gegen solche Schweine tun ...", brummte Kjarr.
"Sehr aktiv", bestätigte Alexei.
Kjarr nickte nur leicht und warf einen Blick auf den Ofen. "Das dauert wohl noch n bisschen ... Ich seh' mal nach dem Kleinen", murmelte er schließlich und ließ Alexei und Xiao allein sitzen.
Alexei runzelte die Brauen und sah Kjarr nach. Er blieb aber bei Xiao zurück. Lucius saß auf dem Schreibtisch im Schneidersitz, Mikro im Ohr und starrte in seinen Laptop.
Kjarr machte sich bemerkbar, als er den Raum betrat und musterte Lucius kurz. "Wer steht eigentlich momentan als erstes auf unserer Liste", fragte er den Jüngeren und ließ seinen Blick kurz über den Bildschirm des Laptops gleiten. Xiao verkroch sich noch immer etwas hinter seinem Tee.
Auf Lucius Laptop befanden sich Akten des Französischen Sicherheitsdiensts. "Toshiba Kurai...einer der größten Macher von Terroristenanschlägen..."
"Hm ... Japaner?", fragte Kjarr auf gut Glück und musterte die Daten einen Moment.
"Yo, sitzt aber auch in Frankreich...zumindest sagte mir das mein kleiner elektronischer Freund letztens.„ Aufgelistete waren einige Bilder von Ministern...
"Hm ... Also muss man den auch erstmal finden. Und der Franzose ist und bleibt Phantom?"
"Ach finden ist kein Problem, nur das rankommen...und jab, der hinterlässt nirgends auch nur Ansätze einer Spur...als würde er nicht existieren..."
"Schwierig ... Und was genau ist das Problem mit dem Rankommen, bei unserem Japsen?"
Lucius schloss die Seite mit den Akten und klickte ein anderes Programm auf. Vor Kjarr öffnete sich ein 3D-programm, das ein riesiges Anwesen zeigte. "Überall wo du rote Punkte siehst, ist eine Alarmanlage, mit allem drum und dran was du dir nur vorstellen kannst. Ich arbeite seit Monaten daran das Ding zu knacken…"
"Uh, Shit ... man da von außen überhaupt dran? Ich meine, meistens muss man da mindestens direkt ans Grundstück und sich da einklinken... Zumindest nach allem, was ich gehört habe."
Lucius zog eine Schnute. "Beleidige mich nicht...", brummte er. „Mein kleiner Freund hier" Er deutete auf einen kleinen grünen Punkt, inmitten dieser vielen roten, fiel er gar nicht wirklich auf, "übermittelt mir immer ein paar Updates die sich tun...um mich mindestens vier Wochen Arbeit zurückzuwerfen", seufzte er frustriert.
"Uh,... Das ist natürlich bitter ...", murmelte Kjarr. "Aber zumindest haben wir dadurch genug Zeit uns an einander zu gewöhnen und uns ein wenig kennen zulernen ..."
"Denkt man zumindest...", meinte Lucius und schloss das Proggi wieder. Er konnte es nicht mehr ersehen.
"Was genau meinst du damit?", wollte Kjarr nun wissen und sah Lucius dabei direkt in die Augen.
Lucius hatte rehbraune Augen, mit schwarzen Sprenkeln um die Pupille. "Na ja, wer weiß was uns morgen für ein Auftrag erwartet und dann..." Er zog den Zeigefinger quer über seine Kehle, zog dann eine Augenbraue hoch. „Aye?"
"Hast du wohl schon öfter erlebt", mutmaßte Kjarr und zuckte dann leicht mit den Schultern. "Na ja, irgendwann geht jeder drauf. Mal sehen, ob ich die dreißig noch erlebe."
"Nö, nicht wirklich...ein, zwei mal, ja...ich darf erst seit vier Jahren offiziell arbeiten und Leute umbringen." Lucius zuckte die Schultern.
"Ach, doch so jung", lächelte Kjarr und seufzte dann leise. "Aber dass wer drauf geht ist nichts Ungewöhnliches in unserem Beruf ... Muss man halt mit leben."
"Hab ich was anderes behauptet? Wasn dummes Geschwätz..." Lucius seufzte.
"Stimmt, man sollte sich nicht so viele Gedanken drum machen, ob wer draufgehen könnte. Ob die Pizza schon fertig ist? Was meinst?"
"Nö, dann wüsste ich das bereits. Wohnst weit weg vom Centre?", fragte Lucius nach.
"Geht. So ne viertel Stunde mit dem Auto Richtung Innenstadt. Und du?"
Lucius nickte. "Bei uns auch...wir wohnen auf der Westend..."
"Ihr? Das heißt du wohnst mit Alexei zusammen?", fragte Kjarr nun und schnappte sich nebenbei einen der Stühle, auf den er sich fallen ließ.
"Jab." Lucius’ Augen strahlten. "Ich mit ihm zusammen."
"Na dann", schmunzelte Kjarr. "Hast ihn wohl ziemlich gern, hm?"
"Er braucht jemanden der auf ihn aufpasst, sonst verlernt er noch das reden und so", lächelte Lucius. "Ja, ich mag ihn sehr."
"Ah ja. Da bist du bestimmt genau der Richtige, um es ihm wieder beizubringen", schmunzelte Kjarr. "Und was weißt du so über den Kleinen?"
"Über den Kleinen?" Lucius blinzelte verwirrt.
"Na, der Asiat. Ich kann mir den Namen irgendwie nicht merken."
"Xiao?", fragte Lucius und tippte ein bisschen was auf der Tastatur ein. Er zog eine Schnute. "Zirkusakrobat, seit zwei Jahren in Amerika...24 Jahre alt, geboren in Nanking...und mehr geht uns nichts an." Lucius löschte die Datei.
"Nanking? China, oder?" Kjarr zuckte leicht mit den Schultern.
"Jab, China...Ostküste."
"Na ja, mal sehen, was das wird ... Wo kommst du eigentlich her? Bei mir ist es Norwegen, aber das weißt du vermutlich schon."
"Yo, genauso das du Bulle warst bis vor zwei Jahren..." Lucius klappte den Monitor nach unten. "Pizza is fertig..." Er sprang auf, verpackte den Laptop in der Tasche. Wie passend, so konnte er hervorragend der Frage ausweichen. "Alexei ich will ein grooßes Stück", plärrte er durch de Gang.
Schmunzelnd folgte Kjarr ihm. "Vor drei Jahren", korrigierte er dabei ruhig und betrat mit Lucius die Küche. Xiao war derweil schon dabei den Tisch zu decken.
Lucius setzte sich und Alexei schob ihm ein großes dampfendes Stück vor die Nase, stellte dann die Platte auf den Tisch und setzte sich selbst.
Auch Xiao ließ sich, genauso wie Kjarr am Tisch nieder und griff sich ein eher kleines Stück, während der Norweger sich reichlich bediente. „Guten Appetit", wünschte Kjarr noch.
Alexei brummte zustimmend, während Lucius glücklich mampfend nickte. "Treffen wir uns morgen wieder, ein gemeinsames Training wäre nicht schlecht", meinte der Russe schließlich.
"Hört sich gut an", stimmte Kjarr zu und sah kurz zu Xiao hinüber, der zustimmend nickte. "Und was macht ihr sonst noch heute?", fragte der Norweger dann.
"Ist heut nicht Dartabend?", fragend sah Lucius aus und leckte sich das fett vom Mundwinkel. Alexei nickte stumm.
"Hm ... Hört sich gut an. Könnt ihr noch wen gebrauchen?", grinste Kjarr.
"Spielst du gut?", fragte Lucius mit düsterem Blick, ihn absondierend.
"Nicht wirklich. Ich bin ziemlich aus der Übung ...", meinte Kjarr und warf einen Blick zu Lucius hinüber. "Warum?"
"Dann bist du in Alexeis Team..." Und schob sich Pizza nach.
"Lucius hasst es zu verlieren", meinte Alexei ohne von seinem Teller aufzusehen.
"Ich seh schon", grinste Kjarr und warf einen Blick auf Xiao. "Und du?"
Der Asiate sah verwundert auf und dann zwischen den drei anderen hin und her. "Wenn ihr mich dabei haben wollt ..."
"Ja, wir brauchen einen der uns die Pfeile wiederholt...", schnaufte Lucius und grabschte sich ein großes Stück Pizza.
Kurz zuckte eine von Xiaos Augenbrauen, doch dann lächelte er wieder freundlich. "Ich denke, das schafft ihr auch allein, oder?"
Lucius aß schweigend weiter und leckte sich alle Fingerspitzen ab.
Kjarr warf Alexei einen fragenden Blick zu, doch zuckte dann leicht mit den Schultern. "Dann eben nicht ..."
Alexei seufzte. "Ich übersetze mal für Lucius: Ja, wir wollen dich dabei haben."
Kurz heftete sich der Blick des Chinesen auf Lucius, doch dann wandte er sich mit einem Nicken den Anderen zu. "Okay, ich komme mit."
Alexei hatte innerhalb kürzester Zeit fast eine ganze Partypizza allein vertilgt.
Auch Kjarr langte ordentlich zu und spätestens Xiao konnte sehen, wo er blieb, was den Asiaten allerdings weniger zu stören schien.
Lucius fletschte die Zähne als Kjarr nach dem letzten Stück greifen wollte.
Kjarr hob amüsiert die Augenbrauen, schnappte sich einfach ein Messer und teilte es in der Mitte, dann griff er sich die Hälfte auf seiner Seite. "Genehmigt?"
"Du Vielfraß, das letzte Stück gehört immer mir." Lucius´ Unterlippe begann verdächtig zu beben.
"Tut es doch auch", meinte Kjarr und deutete auf das noch vorhandene Stück.
"Aber du hast es geteilt...", schmollte Lucius. "Das ist nur die Hälfte des letzten Stücks."
"Wird das jetzt den ganzen Abend so gehen, wenn ich's ihm nicht gebe?", wandte Kjarr sich an Alexei. Noch immer lag das Stück unberührt auf seinem Teller.
Alexei nickte. "Und noch viel länger..." Lucius starrte auf das Stück das Kjarr in den Fingern hielt, als könnte er es so auf dem Teller festkleben.