Für einen winzigen Moment sah Lucius etwas in Xiaos Augen aufblitzen, was er leider nicht erfassen konnte. Dann verschloss der Chinese sich erneut und wandte sich ab.
„So schnell explodiere ich nicht„, meinte er schlicht, um sich wieder in den Überwachungsraum zurück zu ziehen.
"Soll ich dir ma was sagen? Du stirbst mal jung und vor allem allein, weil kein Schwein dir ne Träne nachweint. Sogar Bodenfrost vermisst man eher als dich." Lucius schnaufte abfällig und knallte die Tür hinter sich zu, stampfte in den Trainingsraum und warf dort das erst beste was er fand, mit aller Wucht die er besaß, gegen die Wand...es war ein Hartgummigeschoss. Er prallte zurück und gegen Lucius' Schienbein, der aufjaulte und dreckig fluchend, auf einem Bein durch den Raum hüpfte, sich das andere haltend.
„Das ist es doch, was ich damit erreichen will„, wisperte Xiao nur, schloss diesmal die Tür hinter sich und zog beide Beine an, als er sich wieder auf den Sessel niedergelassen hatte. Erneut starrte er stumm auf den Bildschirm.
Von allen unbemerkt war Jurian mittlerweile wieder aufgewacht und humpelte gerade aus seinem Zimmer.
Alexei hatte den Lärm bemerkt, da allerdings keine Schüsse fielen, legte er es als uninteressant ad akta. Er säuberte weiter seine Waffe, mit äußerster Präzision und Hingabe. Noah hingegen tat nichts weiter. Er saß auf seinem Stuhl, rauchte und ließ die Hundemarke vor seinen Augen baumeln, starrte sie unentwegt an.
Unterdessen humpelte Jurian weiter den Flur entlang. Er musste dringend auf die Toilette, aber das machte es nicht leichter eben diese zu finden. Zudem brummte sein Schädel und das Fieber sorgte dafür, dass er seine Umgebung durch eine Art Schleier sah. Plötzlich kam er ins Stolpern und berührte mit der Hand einen Schalter, als er sich irgendwie an der Wand abfangen wollte. Mit einem kleinen „Uff„ fiel er Noah direkt vor die Füße.
Noah ließ seine Hand sinken, in der er die Hundemarke hielt. "Sehnsucht Kleiner?", fragte er und packte ihn am Kragen, zog ihn hoch, dass er wie eine Katze im Genick haltend, halb in der Luft hing und setzte ihn hin. Er legte seine Hand auf dessen Stirn. "Etwas besser...", meinte er.
„Noah?„ Jurian musste erst mal seine Wahrnehmung ordnen, während auf dem Gang schnelle Schritte ertönten. Xiao stockte, als er sah, wie Noah kurz die Stirn des Jungen befühlte und betrat dann erst den Raum. „Was machst du hier, du sollst doch im Bett bleiben„, sprach er Jurian an und wirkte dabei sogar ein wenig besorgt, entgegen seinem sonstigen Verhalten.
"Ja", brummte Noah nur und sah auf, er klopfte dann Jurian auf den Rücken. "Er spricht er wahres Wort..." und nickte kurz zu Xiao. Noah erhob sich und zog Jurian am Kragen hoch, ließ ihn gegen sich sinken und hielt ihn dann an der Taille fest, indem er seine Finger in den Stoff der Hose grub.
Jurians Stirn lag an Noahs Brust, der Junge hatte für einen Moment die Augen geschlossen. „Ich muss aufs Klo„, klagte er dann ganz leise. Xiao konnte sich gerade noch davon abhalten die Augen zu verdrehen.
"Dann sollten wir dich dahin bringen, bevor ein Unglück passiert." Noah sah zu Xiao, fragend zog er die blonden Brauen nach oben, Jurian festhaltend, das der ihm nicht entglitt und sich noch die Stirn zu Brei schlug oder sich in die Hosen machte, beides nicht sehr vorteilhaft.
Xiao nickte ihm zu und ließ Noah zum ersten Mal den Raum verlassen, wobei er ihn allerdings sehr gut im Auge behielt. „Warum versuchst du eigentlich nicht abzuhauen?„, fragte er mehr nebenbei, während Jurian sich einfach nur erschöpf anschmiegte.
Noah schleifte Jurian eher neben sich her. "Wo?", fragte er knapp und meinte die Toilette. Auf Xiaos Frage zuckte er nur die Schultern. Auf seinem Hinterkopf, jetzt im Licht erst zu sehen war ein Drachen abgebildet.
Xiao zeigte ihm den Raum und betrachtete Noah ausgiebig. Schließlich zuckte er mit den Schultern. „Schweigen ist keine schlechte Methode…„, murmelte er noch. Jurian ließ sich unterdessen absetzen und schloss den beiden Männern die Tür vor der Nase.
Noah hatte gehofft, das er das noch allein hinbekam. Er lehnte sich wartend an die Wand neben der Tür und verschränkte die Arme vor der Brust.
Xiao blieb bei ihm stehen und musterte ihn weiter schweigend. Diese Situation kam ihm mehr als merkwürdig vor. „Was würdest du sagen, wenn ich behaupten würde, wir stehen nicht mal auf unterschiedlichen Seiten?„, fragte er plötzlich, wobei er sich selbst wunderte, dass er plötzlich so mitteilungsbedürftig war.
"Ich würde sagen: 'Ach ja?'." Noah wandte ihm den Kopf zu und musterte Xiao. "Ihr seid mir keine bekannte Gruppierung, habt teilweise Akzent und seid gut ausgerüstet. Alles in allem, deutet das auf mich daraufhin, dass ihr Ausländer seid und einen guten Arbeitgeber habt."
Xiao musste leicht schmunzeln und erwiderte Noahs Blick. „Nun, wir arbeiten beide für eine Regierung„, antwortete er eher vage.
Noah nickte leicht. "Und was wollt ihr dann von mir?", fragte er nach.
„Wie gesagt, es war mehr Zufall, dass wir dich mitgenommen haben. Ob nun glücklich oder nicht sei dir überlassen zu urteilen.„ Xiao lehnte sich nun ebenfalls locker gegen die Wand. „Im Grunde ging es uns nur um den Jungen und das, was er bei sich hat.„
"Ich weiß...", meinte Noah nur, und begab sich in Ausgangsposition zurück. Er holte erneut Tabak hervor und drehte sich eine Kippe.
"Die Frage ist, ob du mit uns zusammenarbeiten willst. Wie sieht es bei deiner alten Gruppe aus? Ich kann dir nur sagen, dass von eurem Versteck nichts mehr übrig ist und wir haben die Bombe nicht gelegt."
"Der Empfang ist sehr schlecht. Ich kann nicht sagen, was von meinen Leuten noch übrig ist, außer ihr lasst es mich herausfinden", antwortete Noah, umging den Rest erst einmal.
Xiao nickte. „Unser Hacker und Techniker hat das komplette Gebäude abgeschirmt. Auch wenn er sich eher aufführt wie ein verzogenes Balg ist er wirklich ein Ass„, meinte Xiao. „Du müsstest mit ihm reden, wenn es darum geht. Aber im Moment ist er ganz schön überreizt.„
Noah zog eine Braue hoch, schwieg sich dazu aber aus.
Noch ehe Xiao etwas sagen konnte öffnete sich die Badtür und Jurian stolperte in den Flur. Der Chinese fing ihn sacht auf und musterte das leicht gerötete Gesicht.
Noah packte ihn gleich wieder am Kragen, zog ihn zu sich und hielt ihn erneut fest. "Ich schaff den Kleinen mal ins Bett. Wo?", fragte er nach.
Er kassierte einen merkwürdigen Blick von Xiao bevor er in die richtige Richtung gelenkt wurde. Langsam bekam Xiao fast den Eindruck Noah lag etwas an dem Jungen. Ob man das Verhalten allerdings als Beschützerinstinkt oder Besitzanspruch einzustufen hatte blieb dahin gestellt. Zumindest schien Jurian sich dabei momentan nicht unwohl zu fühlen, denn er hinkte einfach mit Noah mit, auch wenn er es kaum schaffte Schritt zu halten und so erneut mehr geschleift wurde. Man konnte sogar fast sagen, der Junge hatte einen regelrechten Narren an seinem ehemaligen Entführer gefressen.
Noah schnaufte und blieb stehen, er nahm schließlich Jurian auf die Arme und trug ihn zum Bett zurück. Ein wenig unsanft legte er ihn schon ab und zog die Decke über ihn, nahm allerdings die Fieberwickel auf und machte ihm Neue. Er sprach dabei kein Wort mit ihm, sondern vertat sich stumm und ohne ihn anzusehen.
Dabei wurde er äußerst aufmerksam von Xiao betrachtet. Jurian hatte bereits wieder die Augen geschlossen und war dabei einzuschlafen. Die Ruhe hatte er auch bitter nötig.
„Hunger?„, fragte Xiao schließlich Noah leise, nachdem dieser damit fertig war Jurian zu umsorgen.
Noah betrachtete Jurian einen Moment bevor er sich erhob und Xiao zunickte. Sein Magen brüllte seit einiger Zeit nach fester Nahrung. Er nahm sich seine gedrehte Kippe, die er hinter sein Ohr geklemmt hatte und steckte sie sich in den Mundwinkel.
Xiao bedeutete ihm mitzukommen und schloss noch kurz die Tür zu Jurians Zimmer. In der Küche sah Kjarr reichlich überrascht und auch etwas misstrauisch auf. „Was wird das, wenn’s fertig ist?„ Er hatte gerade eine Pizza vor sich liegen. Die andere, die eigentlich für Lucius war lag noch im Ofen, damit sie nicht so schnell kalt wurde.
Noah nahm sich einfach einen Stuhl, drehte ihn herum und setzte sich verkehrt herum darauf. Sein Arm lag auf der Rückenlehne, während er das Feuerzeug an seiner Hose entzündete, indem er den Feuerstein über den Stoff zog und zündete sich die Kippe an. "Ich bekomme etwas zu essen", meinte er nur und blies den blauen Dunst aus.
Kjarr musterte Xiao einen Moment lang reichlich irritiert, zuckte dann mit den Schultern und holte die Pizza heraus. Dann machte er sich auch schon auf den Weg, um Lucius zu suchen, wobei er beide Teller mitnahm. Äußerlich vollkommen gelassen widmete Xiao sich nun dem Kühlfach. „Pizza, Nudeln, Fertiggerichte aller Art… du hast die Qual der Wahl„, bemerkte er trocken.
"Frostige Umgebung...", bemerkte Noah kurz und zuckte die Schultern. „Schieb mir irgendwas in die Mikro, was schnell geht. Bin nicht so anspruchsvoll…"
Kjarr konnte Lucius noch immer wie ein Rumpelstilzchen fluchen hören, im Trainingsraum.
Xiao nickte lediglich, um ihm dann irgendein Fertiggericht in den Ofen zu schieben. „Zehn Minuten„, meinte er dann nur und setzte sich Noah gegenüber an den Tisch.
An der Tür zum Trainingsraum balancierte Kjarr derweil kurz die Teller und trat dann ein. „Du wirst nicht glauben, was hier los ist„, war das erste, was zu Lucius sagte, während er das Essen zur Seite stellte.
Noah betrachtete Xiao und fiel mit ins Schweigen. Der andere schien nicht gerade kommunikationsfreudig zu sein, aber das sollte ihn ganz und gar nicht stören. So kam er wenigstens nicht in die Verlegenheit unangenehme Fragen beantworten zu müssen.
Lucius fuhr herum, bemerkte die Pizza erst einmal nicht. "Doch! Das dieser irre Chinese nicht mehr auf allen Deppen läuft!"
„Nicht ganz„, berichtigte Kjarr und schmunzelte. „Er sitzt grad mit unserem unfreiwilligen Gast in der Küche und macht ihm was zu essen.„ Das breite Grinsen konnte er sich dabei nicht verkneifen. „Was hast eigentlich zu Xiao gesagt?„
Lucius fiel die Kinnlade nach unten. "Das ist doch...soll ich uns alle gleich in die Luft jagen, ja? Ist doch viel einfacher!" ereiferte sich Lucius wieder. "Ich hab ihm gesagt, dass man Bodenfrost eher vermisst als ihn und er mal allein und jung sterben wird, weil kein Schwein ihn vermisst!"
„Autsch„, war das erste, was Kjarr dazu einfiel. Doch dann zuckte er mit den Schultern. „Sah eher danach aus, als wäre da so was, wie Waffenstillstand. Frag mich nicht, ich steig auch nicht mehr durch. Pizza?„
"Was denn? Ist doch so! Der ist vollkommen sozial verstümmelt, einfach sozialtechnisch unhaltbar." Lucius stampfte näher, ließ auf die Matte fallen und nahm einen Teller, hielt ihn wie ein Raubvogel mit seinem Arm abgeschirmt und biss in das erste Stück. Aufjaulend hielt er sich den Mund und krachte den Teller auf die Matte. "Scheiße!" nuschelte er wütend.
Kjarr ließ sich neben ihm nieder und widmete sich ebenfalls seinem Essen. „Hast du dich auch schon mal schlau gemacht warum?„, fragte er mehr nebenbei und überging Lucius’ Ungeschick.
Lucius hechelte die Luft ein und nahm sich das Miststück von Pizza erneut vor. "Ist mir scheißegal wieso, erzählen tut ers doch eh nich...ich brauch ihn nicht und er brauch mich nich. Ignorieren hat schon immer funktioniert. Ich reg mich nich mehr auf, über den...ne!"
„Lucius, wir sind ein Team„, versuchte Kjarr ihm dennoch ins Gewissen zu reden. „Und wenn wir als Team überleben wollen müssen wir uns miteinander engagieren. Ignorieren ist definitiv keine Option.„
Mittlerweile hatte Noah eine Portion Hühnerfrikassee vor seiner Nase stehen und auf der anderen Seite des Tisches einen Chinesen, der gemütlich Kaffee trank.
"Pah!" Lucius winkte ab. "Ich weiß das! Aber er nicht! Wenn er meint seinen Scheißtrip durchziehen zu müssen, soll’s er tun, ich renn ihm net hinterher!" Wütend biss er in seine Pizza. "Sag’s ihm!", meinte er mit vollem Mund zu Kjarr. "Und ich hätte mit Sicherheit nichts dagegen, wenn wir nur wir drei ein Team bilden würden!" Zumal Alexei dann endlich aufhören würde um Xiao herumzuscharwenzeln.
„Mal sehen, ob du immer noch so denkst, wenn er dir irgendwann mal den Arsch retten sollte„, brummte Kjarr nun etwas ungnädig. Bei derartigen Dingen verstand er keinen Spaß. „Hör besser auf über Menschen zu urteilen, die du nicht kennst, Kleiner.„
Lucius schnaufte, warf Kjarr den Teller vor die Füße, entschied sich jedoch die Pizza mitzunehmen. "Küss ihm doch den Arsch!", fauchte er und verließ fluchtartig den Trainingsraum, stürzte in sein Zimmer und schloss die Tür ab. Waren doch alles Idioten!
Kjarr seufzte lediglich. Irgendwie hatte er das Gefühl mit Alexei reden zu müssen. So ließ er die Teller vorerst stehen und machte sich auf die Suche nach dem Russen, während er an seiner Pizza knabberte.
„Wer war Tavi?„, fragt Xiao plötzlich in die eingetretene Stille in der Küche.
Alexei setzte gerade sein Gewehr wieder zusammen, polierte den Lauf nochmals und stellte sie ein. Er hob den Kopf als er Kjarr im Türrahmen stehen sah. "Hm?" machte er nur fragend, polierte weiter.
Noah hatte bereits aufgegessen, innerhalb weniger Minuten war der Teller leer gewesen. Fast wie ein verhungerter Hund der in sich hineinschaufelte. Er sah auf und wischte sich über den Mund. "Mein Second", antwortete er.
„Xiao sitzt mit dem Herithär in der Küche und Lucius schmollt in seinem Zimmer, nachdem ich ihm gesagt habe, er solle nicht über Menschen urteilen, die er nicht kennt. Er scheint grad eine ziemliche Wut auf unseren kleinen Eisklotz aufzubauen.„, berichtete Kjarr und zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern. „Irgendwie geht hier grad alles drunter und drüber.
Xiao nickte lediglich und sah dann wieder nachdenklich in seinen Kaffee.
"Aha", meinte Alexei dazu nur, den das alles kalt zu lassen schien. "Was hat er denn gegen Xiao?", fragte er schließlich, ohne den Blick zu heben und schraubte das Gewehr auseinander.
Kjarr ließ sich neben ihn auf den Boden nieder. „Er bezeichnet ihn als tickende Zeitbombe. Jemanden, der jederzeit durchdrehen und uns alle abknallen könnte. Und das war noch mit das freundlichste, was er von sich gegeben hat„, brummte er dann. „Andererseits mutmaßte Lucius aber auch, dass Xiao uns vermutlich alle eiskalt abknallen würde, wenn er den Befehl dazu bekäme.„
"Mhm...", machte Alexei, hielt schließlich kurz inne und warf Kjarr einen Blick zu. "Was meinst du dazu?" Er sortierte die Einzelteile in seinen Koffer ein.
„Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich stufe Xiao als verdammt gefährlich ein, aber nicht für mich persönlich. Ich bezweifle auch, dass er einen von uns angreifen würde, wenn nicht ein triftiger Grund bestünde, sonst hätte er nicht so ruhig auf Lucius’ Provokationen reagiert„, fasste Kjarr zusammen. „Aber ich kenne ihn nicht gut genug, um beurteilen zu können, ob ich mit meiner Einschätzung richtig liege.„
"Und wie kommt Lucius darauf?", fragte Alexei weiter, schloss den Koffer und erhob sich um ihn wegzuräumen. Er kannte 'Brain' ziemlich gut und wusste wie der Kleine tickte.
„Vermutlich wegen der Sache mit diesem Herithär. Lucius meinte, er fände ihn interessant und es wäre Schwachsinn ihn zu beseitigen.„
"Aha." Alexei wandte sich um und bot aus Reflex Kjarr eine Kippe an. "Ich habe wohl einiges verpasst", meinte er, während er sich eine Zigarette anzündete.
„Sieht so aus„, stimmte Kjarr zu und nahm die Kippe dankbar an. „Vor allem ne Menge Mickey Mouse Scheiße. Lucius regt sich auf und Xiao schweigt ihn an, um dann wieder dafür zu sorgen, dass seine Umgebung sich blöd vorkommt.„
Alexei spuckte etwas losen Tabak aus, da er prinzipiell filterlos rauchte. "Weißt du, was Lucius` Problem ist?" er lehnte sich zurück.
Kjarr schüttelte den Kopf. „Wie auch? Im Grunde weiß ich nichts über ihn.„
"Er prallt an Xiao ab. Egal was er tut oder versucht, Xiao schmettert ihn ab und Lucius hasst es abgewiesen zu werden. Er war fünfzehn Jahre allein und versucht mit allem und jeden warm zu werden und sein Freund zu sein. Na ja, Xiao macht es ihm nicht gerade leicht."
Kjarr nickte langsam und fuhr sich mit einer Hand über die Augen, während er gleichzeitig etwas Rauch ausstieß. „Also wird das nichts, ehe Xiao sich auch nur ein klein wenig öffnet. Und bis dahin wird Lucius ihn als absolutes Hassobjekt sehen, sehe ich das richtig?„
"Vielleicht", meinte Alexei. "Was unseren Gast angeht...ungewöhnliches Verhalten für Datura." Er drückte die Kippe aus.
„Er verhält sich heute eh schon den ganzen Tag ungewöhnlich„, bemerkte Kjarr und zog noch ein letztes Mal. „Mich hat bereits gewundert, dass er dem Kerl nicht gleich das Genick gebrochen hat.„
Alexei erhob sich. "Mal sehen, ob er es nachgeholt hat." Er verließ die Waffenkammer und betrat die Küche. "Noch Kaffee da?", fragte er und Noah wandte sich um. Das erste Mal das er Alexei zu Gesicht bekam. Er begann breit zu grinsen. "Dóbrij djén...", begrüßte er den Russen, der ihn nun im Gegensatz fixierte.
Auch Xiao hatte aufgesehen und sah für einen Moment zwischen den beiden Männern hin und her. „Eine Tasse müsste noch da sein„, antwortete er dann schlicht.
Alexei sah Noah noch immer an. Er kannte ihn also. Einen kurzen Moment zog er in Erwägung ihn einfach abzuknallen doch dann nahm er sich eine Tasse und goss sich Kaffee ein. Noah schmunzelte und zündete sich erneut eine Zigarette an.
Xiao musterte Noah kalt. Die Sache gefiel ihm nicht und das hier schien alles andere, als ein freudiges Wiedersehen zu sein. „Der Junge ist vorhin aufgewacht und wohl aus Versehen unserem Freund hier in die Arme gelaufen„, berichtete er Alexei noch ungefragt. „Scheinbar geht es ihm besser.„
"Gute Nachrichten", sagte Alexei. Noah hielt sich zurück, er lächelte nur freundlich und rauchte schweigend. Der Russe lehnte sich an die Arbeitsplatte und trank seinen Kaffee schwarz, musterte Noah über den Rand der Tasse weiterhin.
Nach einem weiteren Blick der zwischen den Männern hin und her ging lehnte Xiao sich dann ebenfalls wieder zurück und zog es vor zu beobachten.
In der Zwischenzeit stattete Kjarr Lucius einen Besuch ab und klopfte an seine Tür.
Kjarr bekam keine Reaktion, auch kein Laut drang zu ihm durch. wahrscheinlich hatte Lucius Kopfhörer auf. Alexei trank seinen Kaffee nur schweigend, die Spannung in der Luft war zum schneiden.
Kjarr seufzte genervt, um dann Alexei in die Küche zu folgen. Xiao beobachtete noch immer, wie Alexei versuchte Noah nieder zu starren.
Alexei sah auf als Kjarr die Küche betrat, stellte seine mittlerweile leere Tasse ab und verließ die Küche gleich wieder. Sein Weg führte ihn in den Trainingsraum, in dem ein penetranter Pizzaduft hing. Noah hingegen sah Xiao fragend an.
„Was ist denn jetzt schon wieder los?„, wollte Kjarr laut wissen und warf Noah einen Blick zu. Xiao schien ebenfalls keine Antwort zu wissen. „Ihr kennt euch?„, fragte er Noah daher schlicht.
Noah schüttelte den Kopf. "Ich kenne ihn. Er ist ein bekanntes Gesicht. Jeder Soldat kennt sein Gesicht...", antwortete er nur.
„Aha?„ Xiao wirkte reichlich skeptisch. „Und warum?„
Noah zog eine Braue hoch. "Ihr wisst es nicht?", fragte er nach und begann dann zu lachen. "Ihr wisst es tatsächlich nicht." Er fand es amüsant, das die Leute die mit dem Russen zusammenlebten, nicht mal wussten, das sie einen Terroristen an Bord hatten.
„Im Grunde ist es uninteressant für unsere Arbeit„, stellte Xiao noch immer selenruhig fest. Kjarr ballte derweil beide Hände zu Fäusten und musste sich zusammenreißen Noah nicht eine rein zu hauen.
"Dann will ich dem guten Vasil Zardanov nicht vorgreifen", meinte Noah und bedachte Kjarr mit einem Blick. Er spürte dessen Abneigung, aber was sollte dagegen schon tun. "Ich werde nach Jurian sehen, wenn ihr erlaubt", meinte er.
Xiao erhob sich lediglich, um Alexei zu folgen, doch Kjarr runzelte die Stirn. „Ich lass dich bestimmt nicht mit dem Kleinen allein. Vergiss es„, knurrte er und ging zusammen mit Noah los.
"Bitte..." Noah zuckte die Schultern und betrat Jurians Zimmer wieder, sah nach dem Kleinen.
Alexei verausgabte sich derweil am Sandsack und einem hölzernen Gegner, trainierte seine Abwehr und Reflexe.
Jurian murrte leise, als Noah seine Stirn fühlte und öffnete die Augen einen Spalt. Gleich darauf drehte er sich mit einem unwilligen Brummen auf die Seite. Kjarr betrachtete das ganze von der Tür aus.
Im Trainingsraum lehnte Xiao sich an die Wand und wartete ab, bis Alexei fertig war.
Noah strich ihm die Haare aus der Stirn und drehte ihn wieder herum, hielt ihn eisern fest. "Du musst was trinken", meinte er und hielt ein Glas Wasser in der Hand.
Alexei schlug noch einmal zu und ein Riss sprengte das Leder. "Was ist?" fragte er Xiao, nicht unbedingt freundlich und nahm ein Handtuch, um sich den Schweiß abzuwischen.
Ungnädig musterte Jurian ihn, doch ließ sich dann die klare Flüssigkeit einflößen. Nach den ersten paar Schlucken trank er schon von sich aus gierig und verlangte sogar leise nach mehr. Kjarr war anzusehen, wie sehr ihn die Fürsorglichkeit Noahs überraschte.
Xiao zuckte nicht mal mit der Wimper und sah Alexei weiterhin ruhig an. „Ich dachte, du brauchst vielleicht einen Sparringpartner. Die Geräte halten dich nicht aus.„
Noah goss einhändig mehr Wasser ein, hielt Jurian weiter im Arm und gab ihm mehr. Geistesabwesend streichelte er mit dem Daumen seine Schulter.
Alexei warf Xiao einen Blick zu, ließ das Handtuch fallen und ging zur Waffenwand, er nahm zwei Kampfstäbe ab und warf dem Chinesen einen zu.
Hinter Kjarr schloss sich die Tür, als sich gerade ein kleines Lächeln auf Jurians Lippen zeigte. Der Junge lehnte sich vertrauensvoll an und leerte noch zwei weitere Male das Glas ehe er genug hatte. Aus halbgeschlossenen Augen sah er Noah an.
Xiao fing den Stab geschickt ab und ging in Position. Lauernd umkreiste er Alexei und wartete auf den ersten Angriff.
Noah legte ihn langsam zurück, stellte das Glas ab und deckte ihn nochmals zu. "Wie fühlst du dich?", fragte er nach.
Alexei beobachtete Xiao und mit einem Mal machte er einen Schritt nach vor und schlug mit dem Stab nach seinen Beinen.
„Beschissen„, antwortete Jurian ehrlich, doch noch immer mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. „Aber es wird besser.„
Mit einem schnellen Schritt wich Xiao nach hinten aus, um Alexei nun seinerseits von oben zu attackieren. Dabei zielte er auf die Unterarme.
"Gut." Noah betrachtete ihn noch mal. "Morgen wirst du gewaschen, du stinkst wie eine Kanalratte."