Seit vier Wochen durchkämmte Ask wie ein ausgehungertes Tier die Stadt. Er stand vor Dreck und das helle Blond seiner Haare war nun mehr ein stumpfes grau. Seine Klamotten stanken nach Straße und das machte ihn äußerst aggressiv. Sein Magen knurrte laut, seit Tagen hatte er nichts ordentliches mehr zwischen die Zähne bekommen und beobachtete nun aus einer Seitengasse heraus die Leute in der Mall, ob ein potentielles Opfer zum beklauen dabei war.

Pain vergrub die Hände noch ein wenig tiefer in seinen Hosentaschen, während er durch die Mall lief. Seine roten Haare standen in alle Richtungen ab, durch die der seltsame Violetton seiner Augen stark betont wurde. Seine Klamotten waren recht schlabbrig und sahen doch etwas abgetragen aus, aber zumindest waren sie sauber. In einer der hinteren Hosentaschen steckte deutlich erkennbar ein Portemonnaie.

Ask hatte sich unter die Masse gemischt. Machte sich die Anonymität der Menge zu nutzen. Er war mittlerweile ein sehr geschickter Taschendieb und bediente sich hier und da. Sein Augemerk fiel schließlich auf die prallgefüllte Arschtasche. Er fluchte laut, stolperte und fiel seinem Opfer gegen den Rücken.

Erschrocken stolperte Pain ein paar Schritte nach vorne, bevor er das Gleichgewicht nicht mehr halten konnte. Zumindest schaffte er es im Fallen sich so zu drehen, dass er auf dem Hintern landete. Schmerzvoll verzog der Junge das Gesicht.
"Scheiße. Kannst du nicht aufpassen?" fuhr er Ask an. Sofort fühlte er mit einer Hand nach der Brieftasche.

"Was kann ich denn dafür, wenn der blöde Typ mich schubst", fauchte Ask zurück. Die Brieftasche war noch da.

Pain schnaubte gereizt und rappelte sich erst mal wieder auf. Die ganze Zeit behielt er Ask im Auge, doch spürte bereits die neugierigen Blick von einigen Leuten im Rücken.
"Ach, egal ... Vergiss es", brummte er plötzlich und sah sich kurz nach dem Geschäft um, in das er wollte.

Ask zeigte ihm seinen Mittelfinger.
"Fuck you!„, meinte er, stieß ihm im laufen mit der Schulter gegen die Seite, während er mit der anderen Hand die Brieftasche aus der Arschtasche zog und dann losrannte.

"Wa-", Pain sah nur noch etwas schwarzes in Asks Hand und rannte hinter ihm her. "Du blöder Arsch!" brüllte er und versuchte den anderen einzuholen.

Ask schlug Haken in der Menge, versuchte sich in der Masse zu verstecken. Er war ganz schön schnell, dafür das er aussah als wäre gerade frisch aus einem KZ entkommen.

Pain dagegen keuchte bereits ziemlich, doch noch hielt er Schritt. Die Erinnerung an das, was ihn erwarten würde, wenn er die Kohle nicht wieder bekam trieb ihn an sogar noch etwas schneller zu rennen.

Ask bog in eine Seitengasse ab. Das hohle 'Bong' stammte von dem Müllcontainer, auf den er geklettert war. Die Brieftasche zwischen den Zähne, hangelte sich an der Feuerleiter nach oben und nahm immer zwei Stufen auf einmal.

Für einen Moment blieb Pain keuchend am Eingang der Gasse stehen, doch Ask machte genug Krach, um ihn erst mal leicht wieder zu finden. Mit Hängen und Würgen kam er den Container hoch und schaffte es auch auf die Feuerleiter. Seine Seiten stachen mittlerweile ziemlich, aber aufgeben wollte er ganz bestimmt nicht.

Ask schnaufte. Der war ganz schön anhänglich. Auf dem Dach angekommen, strebte er den Ausgang an, riss die Tür auf und rannte die Treppen wieder nach unten, übersprang meist die Hälfte, was seine schmerzenden Knöchel gar nicht befürworteten.

Pain wischte sich den Schweiß von der Stirn, während er Ask die Treppe hinunter folgte. So wie der andere aussah hatte er ihm eine solche Kondition gar nicht zugetraut.

Ask riss die Tür zu einem Floor auf und rannte dort die überraschten Leute um. Irgendwie schien das ein Bürogebäude zu sein. Zumindest sahen die Leute gepflegt und irgendwie beschäftigt aus. Ask fand keine weiteren Notausgang. "Scheiße.." fluchte er.
Dann stürmte er auf den Fahrstuhl zu und schlug den Knopf fast ein.
"Komm schon!" er trampelte von einem Bein aufs andere.

"Bleib stehen, verdammt!" schrie Pain hinter ihm her und hastete den Flur hinunter. Gerade als die Fahrstuhltüren sich öffneten erreichte er Ask.

Ask betrachtete seinen Verfolger und die öffnenden Fahrstuhltüren. Er zwängte sich durch die Öffnung, durch die Leute und schob sie von hinten an, schubste sie gegen Pain.

Überrumpelt versuchte Pain auszuweichen, doch schaffte es nicht mehr ganz. Er sah nur noch wie sich die Türen vor ihm schlossen, während er versuchte sich von einer Frau im Kostüm zu befreien.
Wäre er nicht so außer Atem gewesen hätte er wohl lauthals Verwünschungen hinter Ask her gebrüllt.

Ask lehnte sich nach Luft schnappend gegen die Fahrstuhlwand und sank erst mal auf den Hosenboden. Er durchwühlte die Brieftasche und zog das Geld heraus.
Knapp 700 Dollar lachten ihm daraus entgegen.

Pain hatte es derweil geschafft sich vom Acker zu machen und trabte die Treppen hinunter. Ihm war wirklich elend zumute.
"Ich bin so tot ...„, murmelte er, während er schließlich durch einen Notausgang das Gebäude verlassen hatte. Krampfhaft überlegte er, was er jetzt machen sollte.

Ask nahm den Bündel Geldscheine und staunte nicht schlecht.
"Wow..." davon konnte er sich ein Zimmer und was zu essen leisten.

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Pain ächzte leise, als er sich an die Hauswand lehnte. Sein ganzer Körper schmerzte und wenn er nur halb so schlimm aussah, wie er sich fühlte ... Vorsichtig tastete er sein linkes Auge ab und zischte. Na super ... Und alles hatte er nur diesem Arsch zu verdanken. Er stieß sich wieder von der Wand ab und humpelte weiter. Wie sollte er denn bitte schön in diesem Zustand das Geld zusammen kriegen, was sie von ihm wollten? Aber das interessierte ja keinen.

Ask fühlte sich seit Wochen das erste Mal wieder einigermaßen wohl. Er war geduscht, hatte saubere Kleidung an und er hatte in einem ordentlichen Bett geschlafen.
Noch durchaus Geld übrig, das es galt in Lebensmittel umzusetzen; bekam er eine Art regelrechten Freßwahn, jetzt wo er sich Nahrung leisten konnte. Ein schlechtes Gewissen hatte er allerdings nicht, warum auch...

Derweil schleppte Pain sich weiter und bekam nur nebenbei jemanden mit, der im vage bekannt vorkam. Er hob den Blick und sah in diese Richtung. "Du!" fauchte er, als er Ask erkannte, doch er war sich ziemlich sicher, dass er sowieso nichts erreichen konnte. So funkelte er den anderen nur wütend an.

"Ich." bemerkte Ask und blieb stehen, musterte den andern.
"Siehst ziemlich scheiße aus. Kenn wir uns?"

"Denk mal ganz scharf nach, Arschloch." fuhr Pain ihn an und lehnte sich dabei leicht an die Wand. Das tat weniger weh, als seinen Fuß zu belasten. "Wie zum Beispiel an das Geld, von dem du dir wohl gestern den Bauch vollgeschlagen hast."

Ask tippte sich mit dem Finger ans Kinn, sinnierte.
"Ach ja, der ziemlich penetrante Verfolger." er nickte. "Siehst trotzdem scheiße aus. Wasn passiert?"

"Das interessiert dich doch eh nich ..." grollte Pain leise und fixierte Ask aus seinen violetten Augen. Sie waren ziemlich rot und er musste immer wieder leicht blinzeln.

"Hast Recht." Ask zog einen Kaugummi hervor und schob ihn sich in den Mund. "So, und nun? Willst du mich ausrauben?" Er grinste, seufzte dann aber. "Hey, das sollte sich echt mal einer ansehen." bemerkte er und deutete auf das Auge, das kannte er nur zu gut.

Pain schnaubte, doch man konnte sehen, dass er Schmerzen hatte.
"Und dann darf ich mir von den scheiß Streetworkern ne Predigt anhören... Ne, danke.„, brummte er. "Übrigens hab ich die Scheiße dir zu verdanken. Schließlich bist du hier der, der Leute ausraubt."

"Irgendwie muß ich auch überleben. So wie du aussiehst, müßtest du eigentlich wissen, wies läuft."

"Schon klar. Ich geh auch nicht davon aus jemals was von der Kohle wieder zu sehen." schnaufte Pain und stieß sich von der Wand ab. "Sieh bloß zu, dass du Land gewinnst ..." Er humpelte einfach weiter.

"Und sonst? Du bist doch kaum in der Lage zu laufen." Ask zuckte die Schultern. "Dann verreck doch..." was konnte er für die Probleme des andern.

"Wenn Brian dich in die Finger kriegt siehst du auch bald so aus. Wenn nicht schlimmer ...", brummte Pain und biss dann die Zähne zusammen, während er weiter humpelte.

Ask zuckte erneut die Schultern. Er kam zu ihm und steckte ihm dreihundert Dollar in den Ausschnitt. "Mehr hab ich nicht mehr..." damit wandte er sich um und lief weiter.

Kurz sah Pain ihm verwundert hinterher und sank dann wieder gegen die Hauswand. Mit einem Seufzen rutschte er daran hinunter und schloss die Augen.

Ask blieb stehen und sah zurück. Okay, er hatte ihn beklaut aber das passierte tagtäglich Menschen. "Ach verdammt..." fluchte er und lief zurück. "Hey...„, meinte er zu ihm.

Verwundert hob Pain den Blick und sah Ask an.
"Du bist noch da?„, fragte er leise und ein wenig ungläubig.

"Hm ja. Komm mit.„, meinte Ask und versuchte Pain aufzuhelfen.

Der zischte leise, als Ask ihn berührte, doch ließ sich gern helfen. Er war sich nicht sicher, ob er allein überhaupt hoch gekommen wäre.

Ask brachte ihn zu seinem Zimmer. Er hatte für eine Woche bezahlt. Solange blieb ihm ein Dach über den Kopf. Er setzte Pain auf das bett und holte erst einmal Wasser und einen Lappen.

Pain ließ sich vorsichtig auf den Rücken fallen und ächzte leise. Nebenbei machte er eine kurze Bestandsaufnahme seines Körpers:
Der Knöchel pochte verräterisch, er konnte kaum aus dem linken Auge gucken, was sowieso egal war, da seine Augen fürchterlich brannten. Ansonsten jede Menge blaue Flecken und Blutergüsse. Alles in allem ziemlich scheiße...

Ask versuchte erst einmal den Schuh von diesem geschwollenen Fuß zu bekommen. Derweil fand der kühle Lappen seinen Weg auf das geschwollene Auge.

Pain biss die Zähne zusammen, bis Ask endlich den Turnschuh von seinem Fuß hatte und atmete dann erleichtert durch. "Hast du vielleicht irgendwo nen kleinen Behälter, wo man Wasser reinfüllen könnte?„, fragte er plötzlich.

"Wieso? Musst du pinkeln?„, fragte Ask nach und zog die Socke noch herunter. Er wickelte ein Handtuch darum und stand wieder auf.

"Ne ... die scheiß Kontaktlinsen sind schon viel zu lange drin.„, murmelte Pain und stützte sich auf seine Unterarme, stemmte sich so in eine halb aufrechte Haltung.

Ask kam mit einem Beutel und einem Wasserglas wieder. "
Reicht das?„, fragte er und reichte es Pain, legte dann den Eisbeutel auf seinen Knöchel.

Pain zischte erst mal und verzog das Gesicht, doch dann nickte er.
"Ja, geht schon." Geübt holte er beide Linsen heraus und ließ sie ins Wasser fallen. Dahinter kamen ein paar tiefblaue Augen zum Vorschein.

Ask deckte ihn etwas zu. "Ich besorg erst mal was zu beißen."

"Ok ...„, meinte Pain nur und schloss die Augen. Er seufzte tief.

Ask war über eine Stunde weg, bis er wieder auftauchte und seine Beute auf den Tisch fallen ließ. Es war eine Menge Dosenfutter darunter, aber auch ein bisschen Obst und Brot.

Pain öffnete die Augen, als er das Geräusch hörte und starrte für einen Moment an die Decke, bevor er sich aufrichtete und Ask ansah.

Ask zog seine Jacke aus und setzte sich an den Tisch, besah sich das Ergebnis seines Einkaufs und griff sich eine Büchse Mandarinen.
"Hey ..." ertönte es leise vom Bett. Man hörte Pain an, dass er sich beschissen fühlte.

Ask zog den Deckel auf und schlürfte ein bisschen Saft ab, reagierte nicht. Er futterte die ersten paar und wandte sich dann doch einmal um. "Hm?"

"Was genau wird das hier eigentlich?„, fragte Pain leise und musterte Ask ein wenig misstrauisch.

Ask schluckte das Obst hinunter und sah Pain an. "Ich werde dein Zuhälter, der dich dann auf den Strich gehen lässt, während ich die Kohle deiner Freier einstreiche. Was glaubst du wohl was das wird?„, fragte er kopfschüttelnd und futterte weiter, mit den Fingern wohlbemerkt.

Pain schmunzelte. "Da darfst du dich aber vorher mit Brian anlegen ..." Plötzlich stutzte er und schloss ächzend die Augen. "Ich bin so tot ..."

"Warum? Ist er dein Zuhälter?" Ask musterte Pain.

"Was meinst du wohl?" seufzte Pain und betastete sein linkes Auge.
"Scheiße ..."

"Du bistn Stricher??" Ask stöhnte auf. "Na schöne Scheiße." er schlug mit der Faust auf den Tisch. "Ich hab ne Hure beklaut..." er schlug sich die Hand vors Gesicht.

Pain seufzte tief und schwieg dazu lieber.

"Zumindest kannst du so in nächster Zeit keine Kunden empfangen, hat doch auch was für sich." Ask widmete sich weiter seinem Obst.

"Hast du ne Ahnung ..." brummte Pain und zog leicht die Beine an, wobei er den Schmerz in seinem Fuß ignorierte.

"Na ja, ne Papiertüte tuts auch." Ask schluckte und zog ein Bein auf die Sitzfläche.

Pain schwieg wieder und drehte den Kopf von Ask weg. "Du meinst, um das rein zu tun, was von mir übrig bleibt, wenn ich mit mickrigen 300 Dollar ankomme?" wisperte er dann nach einer Weile.

"Oder so, viel fehlt ja nicht mehr."

"Scheiße ...„, murmelte Pain wieder. In seinem Kopf arbeitete es, aber ihm wollte einfach nicht einfallen, wie er sich da wieder rauswinden könnte.

"Ja, sagtest du schon...öfters." Ask leerte die Dose und griff nach dem Brot.

"Schön, wie du mir zuhörst ..." ätzte Pain nun. "Und kannst du mir verraten, was ich jetzt machen soll?"

"Woher soll ich das wissen. Ist ehrlich gesagt auch nicht mein Problem. Was legst dir nen Zuhälter zu." er zuckte die Schulter und knabberte nun an einer Scheibe Brot.

"Von zulegen kann nicht die Rede sein." seufzte Pain. "Ich hatte keine Wahl ..."

"Ach? echt nicht? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen." Ask zog die Rinde vom weichen Brot ab und knabberte die zuerst.

"Denk was du willst ..."

"Sowieso..." Ask schluckte und sah ihn an. "Aber dann nöhl mich nicht von der Seite an."

Pain schnaubte. "Ok ... wie du willst." Er rutschte an die Bettkante und versuchte aufzustehen.

Ask beobachtete ihn erstaunt, und wettete mit sich selbst, wie weit es der andere wohl schaffen würde.

Ohne ihn zu beachten humpelte Pain Richtung Bad. Er schaffte es sogar die Tür hinter sich zu schließen und ließ sich erst mal ächzend auf den Klodeckel fallen.

Ask schmunzelte und legte nun seine Füße auf den anderen Stuhl, kaute und blickte auf den Tisch, was er noch da hatte.

Pain erleichterte sich und betrachtete dann im Spiegel sein Gesicht. Er fragte sich noch immer, was Ask jetzt eigentlich von ihm wollte, aber das würde er noch früh genug heraus bekommen.

Vollgefressen wie er jetzt war, warf er sich bäuchlings aufs Bett und knuddelte sein Kissen. Ein weiches Bett, wie herrlich das doch war. Ask schlief und aß eigentlich den lieben langen Tag nur, zwischendurch duschte oder badete er, musste schließlich alles nachholen. An Pain dachte er eigentlich gerade gar nicht.

Der kam nach kurzer Zeit wieder ins Zimmer und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Aufmerksam betrachtete er Ask und runzelte leicht die Stirn.

"Wasn?" machte Ask nach einer Weile, nachdem er den Blick in seinem Nacken spürte.

"Nichts." Pain lehnte sich zurück und sah aus dem Fenster.

"Auch auf die Gefahr hin erneut in Asche verwandelt zu werden, kein wunder das du ne Nutte bist." bemerkte er und setzte sich in den Schneidersitz.

"Ach, und warum?" schnaufte Pain, doch sah Ask nicht an.

"Erstens: Nicht sehr gesprächig bzw. irgendwie, naja.." er winkte ab "Und zweitens kannst du dich nicht wehren."

"Ich will dich mal sehen, wenn zwei Kerle, die ... ach egal.„, murmelte Pain und sah weiter hinaus. "Und wär's dir lieber, wenn ich dich vollheulen würde?"

"EY sag mal was bistn du für ne Schwuchtel?" Ask schüttelte den Kopf. Irgendwie regte ihn dieser Typ gerade auf.

Pain schnaufte und wandte sich Ask nun wieder zu.
"Was geht's dich an. Als abgehalfterter Straßendieb sollte man's Maul nicht so weit aufreißen."

"Wenigstens lass ich mir den Arsch nicht wundficken.„, meinte Ask dazu.

"Aber beklaust Leute und bringst sie dadurch in Schwierigkeiten, bravo. Denk bloß nicht du wärst was Besseres." fauchte Pain zurück.

"Hab ich gesagt das ich besser bin, du Nulpe. Aber ich kann wenigstens sagen das ich mich von keinem widerlichen Typen gegen meinen Willen nageln lassen muß. Und das du nen Zuhälter hast, dafür kann ich ja nix, das ist deine ganz private Scheiße."

Pain holte tief Luft, doch ließ sie dann zischend durch seine zusammengebissenen Zähne entweichen.
"Ach, vergiß es. Du hast doch eh keine Ahnung."

"Ja und weißt warum. Weil du dein Maul nicht aufkriegst, aber ich werd auch nicht nachfragen, also erspar deine Kommis von wegen ich hätte keine Ahnung. Bist nicht grad ne Leuchte, hm?"

"Ja, sicher ..." brummte Pain.

Ask nickte verstehend. "Tja, dann ist das wohl das einzigste was de machen kannst. Beneid ich dich echt nicht, ne..."

"Hast du noch Eltern?„, fragte Pain plötzlich.

"Erzeuger...ja." nickte Ask.

"Tja ... Ich hab keine Ahnung, ob meine Mum noch lebt und wer mein Erzeuger ist weiß ich nicht mal ..."

"Was, bistn Heimkind?„, fragte er nach, stützte sein Kinn in eine Hand und zupfte an der Bettdecke.

"Schön wär's ... Offiziell existiere ich nicht und meine Alte hat mich verkauft als ich zehn war. Crack-Hure ... ich war ihr ziemlich egal."

"Verkauft...aha." Ask zog ne Braue nach oben.#

"Jap. Sie hatte ihren nächsten Schuss und ich bin da gelandet, wo ich jetzt noch festsitze."

"Und du willst mir echt erzählen du bist nie auf den Gedanken gekommen, abzuhauen?" Ask schüttelte den Kopf.

"Klar ... Ich weiß schon nicht mehr, wie oft ich's versucht hab ..."

"Wie blöd hast du dich angestellt?„, fragte Ask und verzog das Gesicht.

"Ziemlich, schätze ich. Weiß auch nicht genau woran's lag ..." seufzte Pain und legte den Kopf zurück.

"Oh Mann. Wer hat dich eigentlich verkloppt?„, fragte Ask nun doch nach. Naja, er war eben neugierig und es war erfrischend zu hören, das es andern ebenso scheiße ging wie einem selbst.

"Brian und Sam ...„, murmelte Pain und schloss die Augen.
"Beide ungefähr das doppelte von dir, Springerstiefel und nicht grad zimperlich, wenn man ohne Kohle ankommt."

Ask seufzte. "Ja schön, ich kenn die nich. Was sind denn das für Typen?"

"Brian ist mein Zuhälter und Sam gehört auch irgendwie dazu ... Ich weiß auch nicht viel."

Ask runzelte die Brauen. "Hm..." machte er.

"Ich weiß nur, dass beide extreme Arschlöcher sind und nur nach nem Vorwand suchen, um irgendwen zusammenzuprügeln."

"Also nur ne Menge Luft im Hirn." Ask nickte.

"Ja, so ungefähr ..."stimmte Pain leise zu und fragte sich, warum er das Ask überhaupt erzählte.

Sein halblangen rotblonden Haare fielen ihm ins Gesicht, er strich sie wieder zurück.
"Wenn de Hunger hast...bedien dich." er stand wieder auf und wanderte im Zimmer herum. Seine Jeans hatte durchgesessene Schlitze am Hintern aber auch an den Knien, die Säume waren ebenfalls zerschlissen und der schwarze Pulli hatte auch schon bessere tage gesehen.

"Danke ..." Pain schnappte sich eine Scheibe Brot, um ein wenig darauf herumzukauen. Dabei rutschte sein Ärmel ein wenig hinauf und Ask konnte einige blaue Flecken und auch ein paar Narben auf dem Unterarm erkennen.
"Sag mal wie alt bist du eigentlich?„, fragte er und blieb stehen, die Hände in den Hosentaschen.

"15, wieso?„, fragte Pain gegen und sah zu Ask hinüber.

"Nur so..." er drehte sich wieder zum Fenster und sah auf die Straße. Irgendwie holten ihn gerade unangenehme Erinnerungen ein.

Verwundert betrachtete Pain ihn einen Moment, doch widmete sich dann wieder dem Essen auf dem Tisch. Wer zu viele Fragen stellte bekam nur welche aufs Maul, das hatte er schnell gelernt.

"Wenn du willst, kannst hier erst mal pennen, ich glaube kaum das dein Zuhälter dich hier finden wird.„, meinte er und kam zum Tisch, schnappte sich eine Scheibe Brot und biss hinein.

"Vermutlich nicht ...", stimmte Pain zu und musterte Ask immer noch.
"Wie heißt du eigentlich?"

Ask überlegte eine Weile. "Fire...„, meinte er und sah Pain dann an.

"Ich bin Pain ..."

Ask nickte. "Wenn du schlafen willst, dann leg dich hin. Ich mach mich noch mal auf den Weg, was erledigen."

Kurz zog Pain ein wenig misstrauisch die Augenbrauen zusammen, doch nickte dann leicht. "Ok ...„, murmelte er und humpelte zum Bett hinüber, ließ sich darauf fallen.

Ask betrachtete ihn und verließ dann das Zimmer. Er schlug den Kragen seiner alten Windjacke hoch und steckte die Hände in die Taschen. Nach einer Weile kam er an dem baufälligen Gebäude an. Er lief die Steintreppe nach oben und trat in den Clubraum ein. Er ignorierte die Anwesenden und suchte nach Zane.

Er fand ihn schließlich auf der Couch, mit einer Zigarette im Mundwinkel. "Was gibt's?„, fragte Zane und musterte Ask kurz.

"Ich brauch ein paar Informationen. Du weißt ja sonst immer über alles Bescheid.„, meinte Ask und blieb stehen. Als er Zane kennen gelernt hatte, hatte der ihn für einen von den Dragons gehalten, was für ihn mit einer Kugel im Bein geendet hatte und das er sich in ein Mitglied der Lost Angels verliebt hatte.

"Aha. Und um was geht's?„, fragte Zane weiter, behielt Ask dabei genau im Auge.

"Ein Zuhälter, namens Brian. Groß, dumm, gewalttätig. Weißt du was über ihn?" Ask hielt die Hände in den Manteltaschen.

"Ach, der ... Halt dich besser fern. Auch wenn er ein Idiot ist, glaube ich, dass da mehr hinter steckt. Wirklich viel weiß ich aber auch nicht drüber, nur dass er auch mitn paar Dealern zutun hat."

Ask runzelte die Stirn. "Hat der viele Nutten unter seiner Hand? So'n großer Fisch kann der doch gar nicht sein."

"Naja, sind doch so einige. Aber ich glaub, er ist nur so was, wie der Aufpasser. Abzukassieren scheint wer anders."

"Also keine besondere Leuchte, aber genug Mittelsmänner die rumschnüffeln können?„, fragte Ask nach.

Zane nickte. "Kann man so sagen, ja."

Ask seufzte. "Okay, danke." damit wandte er sich wieder um.

Zane zog kurz die Augenbrauen zusammen, doch lehnte sich dann einfach wieder zurück und zündete sich eine neue Zigarette an.

Ask verschwand aus dem Quartier, wunderte sich das Zane keine Bezahlung verlangte und machte sich aus dem Staub. Besser war, falls der es sich anders überlegte. So ging er wieder zurück zu seinem Zimmer.

Paine hatte sich derweil auf dem Bett zusammen gerollt und schien wirklich zu schlafen.

Ask legte die Windjacke über dem Stuhl ab und betrachtete den Jungen. "Fünfzehn...„, murmelte er.

Pain rührte sich leicht und hob etwas den Kopf. Aus kleinen Augen sah er Ask an und gab einen fragenden, verschlafenen Laut von sich.

"Schlaf weiter.„, meinte Ask leise und zog die Vorhänge zu, das es noch etwas dunkler im Zimmer wurde und verzog sich ins Bad.

Seufzend vergrub Pain sein Gesicht wieder im Kissen döste weiter vor sich hin. Würde Ask genau hinsehen könnte er ein paar kleine, frische Blutflecken neben der Badewanne auf dem Boden ausmachen.

Ask seufzte und wischte sie weg, dann zog er sich aus und ließ die Dusche an. Eine große Narbe zog sich quer über seine Brust, begann unterhalb des Schlüsselbeins, dazu kamen feine kleine weiße Linien sowie die sternenförmige Narbe auf seinem Oberschenkel, die von der Kugel stammte. Sein Körper erinnerte ihn an die Dinge die er vergessen wollte, aber scheinbar durfte er das nicht. Er stieg unter das Wasser und versuchte für wenigstens fünf Minuten nicht mehr zu denken.

Pain knurrte derweil genervt und schlug die Augen wieder auf. So wie er sich hingelegt hatte übte er einen unangenehmen Druck auf sein Veilchen aus. Träge rollte er sich auf die andere Seite und starrte ins Zimmer.
Da es Ask erst seit zwei Tagen beherbergte, konnte Pain auch nichts sonderlich privates ausmachen. Alles was Ask besaß trug er bei sich, an seinem Körper.

Das wollte Pain auch gar nicht. Seufzend zog er die Decke ein wenig höher und zog die Beine leicht an. Noch immer fragte er sich, warum Ask das überhaupt tat und wie er es vermeiden konnte Brian wieder über den Weg zulaufen.
Vermutlich würde er ein weiteres Zusammentreffen dieser Art nicht ohne bleibende Schäden überstehen, wenn er es überhaupt überstand.

Nach einer ganzen Weile erst verstummte das Rauschen aus dem Bad und Ask kam wieder. War wieder angezogen nur seine Haare waren noch feucht. Er betrachtete Pain. "Warum schläfst du nicht?"

"Weiß ich auch nicht. Irgendwie kann ich nicht wieder einschlafen ...„, murmelte Pain und sah ihn an.

Ask setzte sich an den Bettrand. "Woher stammt das Blut?„, fragte er.

"Blut?" Pain sah ihn für einen Moment irritiert an, doch dann fiel es ihm wieder ein. "Ach das ... Nur ein Kratzer. Hat schon wieder aufgehört ...„, murmelte er.

"Wo?„, fragte Ask nach. Er war ungewöhnlich ruhig und seine Stimme war irgendwie fast sanft.

Pain wandte den Blick ab und sah auf den Boden. "Ist das denn wichtig?„, fragte er leise.

"Ja...ist es.„, meinte Ask ruhig.

"Mein Hintern...„, murmelte Pain und sah Ask noch immer nicht an. Er wollte nicht darüber reden. Eigentlich nicht mal daran denken.

Ask reichte ihm eine Tube, wo nicht mehr viel enthalten war. "Hier. Creme dich damit ein, es nimmt den Schmerz etwas und fördert die Wundheilung." so was dachte er sich schon.

Pain hob den Blick langsam wieder und nahm die Tube. "Danke„, murmelte er und konnte Ask noch immer nicht in die Augen sehen. Er zischte leise, als er seinen Fuß auf den Boden stellte, nachdem er sich aufgesetzt hatte.

"Den solltest du eigentlich auch weiter kühlen.„, meinte Ask und betrachtete dann den schwammigen Beutel, der eigentlich fast nur noch Wasser enthielt.

"Das geht vorbei. Ist ne Quetschung.„, murmelte Pain und stand ein wenig unsicher auf. "Sowas hatte ich schon öfter."

Ask zog nur Brauen zusammen und zuckte dann die Schultern.

Pain humpelte derweil Richtung Bad und schloss die Tür hinter sich, bevor umständlich seine Hose auszog und etwas von der Salbe nahm. Es war zwar umständlich, aber es funktionierte.

Ask sah ihm nach, zog sich aus und krabbelte unter die angewärmte Decke. Er seufzte leise und robbte an die andere Seite, drehte sich auf die Seite.

Nach einer Weile konnte er hören, wie Pain wieder ins Zimmer humpelte. Vorsichtig setzte er sich auf den Bettrand und warf seine Hose auf den Boden, bevor er sich in Unterhose und Shirt ins Bett kuschelte. Er machte sich so klein, dass er Ask nicht berührte und schloss die Augen.

Ask bemerkte das, sagte aber nichts dazu. Er schloss ebenfalls die Augen und versuchte zu schlafen.

Auch Pain versuchte wieder zu schlafen und rollte sich dabei noch etwas mehr zusammen.

Ask glitt schließlich in einen Schlaf über, wie immer, wenn die Erschöpfung sich breit machte und er einfach weg war, ohne sanftes übergleiten in den Schlaf.

Pain dagegen döste noch eine ganze Weile, bevor er richtig einschlief.

Neben Pain begann das Bett zu wackeln. Ask zuckte im Schlaf und wälzte sich unruhig herum. Manchmal wimmerte er kurz auf.

Verschreckt schlug Pain die Augen auf und musste sich erst mal orientieren, wo er war. Dann erst drehte er sich zu Ask um und betrachtete ihn einen Moment. Er wusste selbst nicht, was ihn ritt, als er schließlich eine Hand ausstreckte und Ask sanft an der Schulter berührte.
"Hey, Fire." sprach er ihn leise an.

Schreiend fuhr Ask aus dem Schlaf auf und schlug nach der Hand. Er atmete schnell und war schweißgebadet. Es brauchte etwas bis er Pain erkannte, dann fuhr er sich mit einer Hand übers Gesicht und ließ sich wieder nach hinten fallen.

Erschrocken wich Pain von ihm zurück und merkte zu spät, dass das Bett da schon zuende war. Mit einem leisen Schmerzenslaut landete er auf dem Boden.

Ask nahm die Hand zur Seite und robbte zum Bettrand.
"Hast du dir weh getan?„, fragte er leise.

"Geht schon ...„, brummte Pain leise und blieb einen Moment sitzen.

Ask streckte einen Arm aus und reichte ihm die Hand. Wollte ihm hoch helfen. "Tut mir leid.„, meinte er.

"Schon gut. Nichts passiert.„, murmelte Pain, während er Asks Hand ergriff um wieder ins Bett zu krabbeln.

Ask zog ihn hoch und rutschte wieder auf seine Seite, legte sich auf den Rücken und sah die Decke an.

Pain musterte ihn noch einen Moment, bevor er sich wieder auf die Seite rollte. Es ging ihn doch nichts an, oder?

Ask schloss wieder die Augen und ruhte, schlafen würde er wohl nicht mehr können, nicht richtig zumindest. Ohne Tabletten lief nichts mehr.

Pain jedoch fiel nach kurzer Zeit wieder in einen unruhigen Schlaf. Nach einer Weile krümmte er sich immer mehr zusammen und fing an zu zittern, doch er gab keinen Laut von sich.

Ask sah zu ihm hinüber. Wie Tiger, dachte er und sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen.

Lautlose Tränen lösten sich aus Pains Augen und liefen über seine Wangen, während er die Unterarme vor sein Gesicht zog, als wolle er sich vor etwas schützen.

Ask mußte die seinen verdrücken, die hochstiegen als er an vergangene Tage dachte. Er drehte sich Pain zu, und begann sacht nur mit den Fingerspitzen seinen Rücken zu streicheln.

Er konnte deutlich das Zittern unter seinen Fingern spüren, doch auch, das Pain sich langsam wieder beruhigte.

Das ließ Ask etwas mutiger werden, und seine Hand streichelte nun weiter sacht über seinen Rücken.

Es dauerte ein wenig, aber schließlich entkrampfte sich Pain wieder etwas und er kam ein wenig aus seiner Schutzhaltung heraus.

Ask seufzte leise, machte aber weiter, bis er Krämpfe im Arm bekam. Er zog ihn zurück und beobachtete Pain weiter im Dunkeln.

So, wie er sich zusammengerollt hatte wirkte Pain nur noch klein und verletzlich. Seine Lippen waren leicht geöffnet und seine Züge waren wesentlich weicher, so entspannt wie er da lag, ließen ihn so jung aussehen, wie er war.

Tiger war zwar älter gewesen, aber genauso verletzlich und sensibel, und er würde es sich wohl nie verzeihen könne, zu spät da gewesen zu sein. Er kniff gequält die Augen zusammen.
Eigentlich sollte er den Jungen rauswerfen, er brachte nur Erinnerungen hervor die er lieber vergessen wollte, aber andererseits... vielleicht hatte Tiger ihn ja geschickt.

Plötzlich drehte Pain sich im Schlaf um und kuschelte sich leicht an Ask. Er hatte ziemlich kalte Hände, was nun deutlich zu spüren war.
Ask erstarrte und öffnete die Augen, betrachtete Pain. Das Auge sah übel aus, er schätzte das Pain keine fünf Minuten auf der Straße würde überleben können, ohne einen Zuhälter im Rücken... wahrscheinlich würde er anders gar nicht hinbekommen ohne zu strichen.