Florian wurde durch ein penetrantes Piepen aus seinen Träumen gerissen. Missmutig stellte er seinen Wecker aus und drehte sich auf die Seite. Doch keine Sekunde später war er putzmunter und sprang regelrecht aus seinem Bett.„Das kann doch nicht..."
Etwas ungläubig sah er auf die deutlichen Ergüsse seiner Träume und dann an sich runter. Mit einem Kopfschütteln ging er ins Bad, wo er die Sachen gleich in den Korb für Schmutzwäsche tat und dann unter die Dusche trat. Einer seeehr kalten Dusche.Nach etwa zehn Minuten verließ er frisch geduscht und wieder halbwegs Herr seiner Sinne die Dusche und ging in sein Zimmer, wo er sich eine einfache Jeans und ein T-Shirt anzog und dann seinen Rucksack für die Uni packte. Schnell zog er sich noch Jacke und Schuhe über und verließ eiligen Schrittes das Haus.
In der Uni angekommen, ließ er sich auf einen Platz weiter hinten im Saal nieder und wartete mit den anderen Kommilitonen auf den Professor, während er versuchte, seine Gedanken nicht wieder zu Ramiel schweifen zu lassen... was aber nicht wirklich gelang.
Ramiel war auch schon munter und zog gerade seinen Trainingsanzug an, um wie eigentlich jeden Morgen am Wochenende zu joggen.Aber in Gedanken war er ganz wo anders, was er dann wohl auch merkte, als er aus der Wohnung gehen wollte, dies aber nicht konnte, weil er sich gleich langlegte.Vor sich hinfluchend, sah Ramiel auf seine Schuhe, hob fragend eine Augenbraue und begann dann, schallend über sich selbst zu lachen.
Er war vorhin in Gedanken bei Flo gewesen und hatte sich dadurch die Schuhe falsch zugebunden, nämlich einen Schnürsenkel des rechen Schuhs mit dem einem vom linken.Als er dieses Malheur bereinigt hatte, betrat er immer noch kopfschüttelnd das Treppenhaus.
Florian wäre beinahe in der Vorlesung eingeschlafen. Es gab nichts Langweiligeres als ´Kartalogisierung`, besonders wenn der Prof die schlimmste Schlaftablette der Uni war. Doch irgendwie konnte er sich doch zusammenreißen und wurde dann endlich durch die Schulglocke erlöst.
Seufzend packte er seinen Rucksack zusammen und verließ mit den anderen den Saal. Draußen steckte er sich erstmal eine Zigarette an und inhalierte genüsslich den Rauch, bevor er ihn wieder ausstieß. Mit den Gedanken immer noch bei Ramiel, wie schon den ganzen Morgen und wohl auch der letzten Nacht, machte er sich auf den Weg nach Hause, wo er sich erstmal umzog und sich etwas zu essen machte.
/Das ist mir auch lange nicht mehr passiert... feuchte Träume... Ob er sich meldet?/Während er seinen Kaffee genoss, konnte er nur den Kopf über seine Gedanken schütteln, die er aber nicht wirklich abstellen konnte noch wollte.
Ramiel war gerade mit seinem Mittagessen fertig, als er nach seinem Handy angelte, dass weiter hinten auf dem Esstisch lag.
Mit dem Handy schlenderte er ins Wohnzimmer, wo sein schnurloses Telefon in der Ladestation hing.Er schnappte sich das Telefon und suchte im Handyregister nach Flos Nummer. /Ich hoffe, er ist schon fertig…/ Wieder in der Küche angekommen, tippte er die Nummer in das Schnurlose und drückte auf die grüne Taste. Nebenbei fing er an, das benutzte Geschirr in die Spülmaschine zu packen. Es tutete…/Komm schon, geh ran…/
Flo schreckte von seinem PC auf, als sein Handy auf einmal neben ihm schellte. Kurz sah er aufs Display, konnte die angegeben Nummer aber nicht zuordnen. Schnell drückte er auf die grüne Taste.„Ja? Schneider hier", meldete er sich immer noch leicht verwundert./Vielleicht ist es ja Ramiel... Hoffentlich!/
Endlich ging jemand ran. Ramiel seufzte innerlich auf.„Flo? Ich bin's, Ramiel. Na, den bisherigen Tag gut überstanden??"Man konnte ein Lachen in seiner Stimme ausmachen, er freute sich, Flos Stimme zu hören. Zum Glück konnte Flo nicht sehen, wie seine Hände zitterten. Nervös spielte Ramiel mit dem Zigarillo-Etui, welches noch auf der Spülmaschine lag.
Florian wäre vor Freude glatt aufgesprungen, unterließ es dann aber doch./Du benimmst dich wirklich wie ein verliebter Teenie!/„Hi! Schön, dass du dich meldest. Na ja, in der Vorlesung wäre ich wirklich beinahe eingeschlafen. Aber ansonsten gings. Und wie war dein Tag bisher?"Er freute sich wirklich, die Stimme des anderen zu hören und trommelte nervös mit seinen Fingern auf die Tischplatte vor sich./Er ruft mich wirklich an... er hats nicht vergessen./ freute er sich innerlich riesig.
Ramiel musste lächeln, er konnte eine kindliche Freude in Flos Stimme hören.„Du meinst, bis auf das ich mir heute Morgen die Schuhe falsch zugeschnürt habe und mich im Flur langgelegt hebe?? Ich war Joggen und habe gerade mein Mittagessen vertilgt… also eigentlich nichts aufregendes."Er musste immer noch über sich selber grinsen…/Wie kann man nur so in Gedanken sein??/
Florian musste sich ein lautes Lachen verkneifen, konnte aber ein Kichern nicht unterdrücken. „Du hast dich wirklich langgelegt? Wie hast du das denn geschafft? Musst wohl ziemlich in Gedanken gewesen sein, was?!"Mit einem breiten Grinsen drehte er sich auf seinem Bürostuhl einmal im Kreis./Wie kann man nur so kindisch sein?!/ Aber er freute sich wirklich, endlich mal wieder mit jemanden so zu reden und zu lachen./Du bist kurz davor, dich zu verlieben... Pass bloß auf!/ mahnte er sich aber dennoch in Gedanken.
Ramiel stimmte in Flos Lachen ein.„Ich weiß auch nicht… ich glaube, ich war noch nicht ganz wach oder so. Aber ich freue mich, dich damit erheitern zu können."Sich eine Zigarillo aus dem Etui nehmend, setzte er sich auf einen der Küchenstühle und zündete das Rillo an.„Sag mal, hast du heute schon was vor?? Ich muss noch in die Stadt, mein Vater hat nächste Woche Geburtstag und ich muss noch ein Geschenk besorgen. Was ist?? Hast Lust, einen Kindskopf wie mich, der sich nicht mal die Schuhe richtig zubinden kann, zu begleiten?"/Vorsicht Ram, du flirtest wieder, halt dich zurück!!/
„Na ja, endlich passiert mal jemanden anderem so ne Sachen, über die man lachen kann. Ansonsten bin ich für die Peinlichkeiten zuständig", meinte er mit einem leisen Lachen.Ihn verwunderte jedoch Ramiels nächste Frage schon. /Mich hat noch niemand dazu eingeladen... Was wird das, wohin führt mich nur dieser Zusammenstoß von gestern Morgen?/Nervös begann er, mit dem Ohrring in seinem rechten Ohr zu spielen, zog immer wieder sanft am Ohrläppchen, dass es etwas kribbelte.„Wenn du mit nem Stubenhocker deine Zeit verbringen möchtest, hätte ich nichts dagegen", nahm er aber dennoch das Angebot an.
Ramiel hätte beinahe gejubelt vor Freude, dass Flo mitkommen wollte, am Telefon hingegen blieb er recht ruhig.„Na, dass mit dem Stubenhocker kann man ja ändern oder?? Wie siehts aus?? Haste ein Motorrad??? Wäre besser in der Stadt nen Parke zu finden… wenn du keins hast, kann ich dich mit dem Auto abholen…"/Was rede ich da eigentlich für wirres Zeug?? Der Kerl bringt mich ja schon fast alleine durch seine Stimme auf dumme Gedanken./
Florian hielt sein Handy kurz vor seine Augen und sah es etwas dümmlich an./Wieso hab ich das Gefühl, dass er mit mir flirtet? Vielleicht dreh ich jetzt ganz durch. Wirre Fantasie oder so.../„Nein, ich hab kein Motorrad. Aber du musst dir auch nicht die Mühe machen und mich abholen. Ich kann mit dem Bus in die Stadt fahren. Ich will dir keine Umstände bereiten", sagte er dann etwas verlegen. Er wollte niemanden zur Last fallen.
Ihm zur Last fallen?? Wie kam Florian denn auf so was?? Wenn er Ramiel zur Last fallen würde, würde er ihn doch gar nicht erst fragen, ob er mitkommen wollte.„Du würdest mir keine Umstände machen oder traust du meinen Fahrkünsten nicht, weil ich jünger bin als du???" Der zweite Teil des Satzes wurde von einem Lachen begleitet.„Gib mir mal die genaue Adresse, dann komm ich schnell rum und hole dich ab."Ramiel ging schon mal wieder ins Wohnzimmer, um seinen Autoschlüssel aus dem Regal dort zu nehmen. Abwartend lauschte er auf das, was Flo sagen würde.
Langsam glaubte sich Florian doch in etwa in so etwas wie in einem Himmel. So jemanden wie Ramiel hatte er echt noch nicht kennen gelernt. Und dabei kannten sie sich erst einen Tag!„Na ja, wenn du deinen Führerschein hast, musst du ja fahren können. Außerdem übertrumpft niemand den Fahrstil meines Vaters. Da lernt man das Beten, das kann ich dir sagen", meinte er mit einem leisen Lachen, bevor er dem Schwarzhaarigen die Adresse durchgab.„Und wann soll ich startklar sein?"
„Du, das kommt darauf an, wie schnell du fertig bist, ich fahre jetzt los und wäre in spätestens 10min bei dir vor der Tür."Ramiel sah sich noch mal schnell prüfend im Spiegel an, er hatte heute eine schwarze Stoffhose an, ein weißes langärmeliges Hemd und drüber seine schwarze Weste.
„Kein Problem, dann bin ich bestimmt fertig. Dann sehen wir uns gleich."Damit schaltete er nach einem kurzen Gruß das Handy aus und musste sich beherrschen, nicht einen Freudenschrei auszustoßen. Stattdessen warf er seine Klamotten von sich und kramte in seinem Schrank nach einer blauen Jeans und einem weinroten T-Shirt. Schnell brachte er noch mal seine Frisur halbwegs in Form, was aber nicht viel half. Er hatte nun mal keine wirkliche Frisur. Schnell griff er noch seine Geldbörse, Schlüssel und Handy, bevor er sich seine Turnschuhe zuband und die Jeansjacke überwarf. Nervös stand er vor der Tür und wartete darauf, dass der andere kam./Du benimmst dich echt albern./ grinste er breit.
Etwa 10 Minuten später fuhr ein dunkelblauer Jeep die Einfahrt des Hauses, in dem Flo wohnte, hoch.Ramiel lugte neugierig aus dem geöffneten Autofenster, Flo schien schon auf ihn zu warten.„Hey Flo, hallo erstmal. Komm, steige ein."Die Musik im Auto leiser drehend, wartete Ramiel darauf, dass Florian einstieg. Auch Ramiel war nervös… /Nun reiß dich am Riemen, du benimmst dich wie jemand, der sein erstes Date hat./
Noch mal kurz durchatmend, schloss Florian hinter sich die Tür und schloss ab, bevor er zum Jeep ging und auf der Beifahrerseite einstieg.„Netter Wagen", lächelte er den anderen an.Irgendwie war er total hibbelig und spielte wieder etwas an dem Ohrring in seinem rechten Ohr.
Ramiel zuckte nur mit den Schultern, erwiderte aber das Lächeln.„Den habe ich zu meinem achtzehnten Geburtstag bekommen, wenn ich bedenke, dass mein Vater hätte davon zwei kaufen müssen!"Grinsend bei den Worten aber innerlich traurig, was man ihm auch ansehen konnte, denn seine Augen verdunkelten sich plötzlich für einen Augenblick, fuhr er los./In zehn Minuten müssten wir auch dann in der Stadt sein… denn lange werde ich diese Nähe nicht aushalten können…/Ramiel bemerkte, dass Flo an seinem Ohr spielte und sah ihn zwischendurch fragend an.„Alles in Ordnung?" fragte er, sich nebenbei in den Verkehr einfädelnd.
Florian stutzte etwas, als Ramiel etwas von zwei Wagen bemerkte und er konnte auch erkennen, dass sich eine Art Schatten über dessen Gesicht legte, der aber schnell wieder verschwand./Ob er noch Geschwister hatte?/ Aber er ersparte sich die Frage, da er sie zu indiskret hielt. Stattdessen sah er weiter nach vorne, während er immer noch an seinem Ohr spielte.Auf die Frage von Ramiel sah er diesen nur kurz stutzend an.„Alles in Ordnung, wieso?"Je länger sie fuhren, desto mehr genoss er die Nähe des anderen, die ein leichtes Kribbeln in seinem Bauch auslöste.
An der Einfahrt zum Parkhaus sah er zu Flo rüber.„Na ja, ich dachte nur… weil du die ganze Zeit an deinem Ohr rumspielst."Ramiel war Flo dankbar, als er nicht weiter nachgehakt hatte, als ihm der Kommentar mit dem zweiten Wagen rausgerutscht war.Er hatte bei dem Autounfall vor 14 Jahren nicht nur seine Mutter verloren sondern auch seinen Zwillingsbruder, obwohl es schon solange her war, tat es immer noch verdammt weh.Endlich auf einem Parkplatz stehend, stieg Ramiel aus und streckte sich mal wieder, wobei er immer Ähnlichkeit mit einer Katze hatte, zumindest hatte sein Vater das mal gesagt.
„Oh, das." Auch Florian stieg aus und sah Ramiel dabei zu, wie er sich streckte, wobei seine Gedanken mal wieder abschweiften.„Wenn... wenn ich nervös bin, dann... spiele ich immer an meinem Ohrring", gab er leise zu und hoffte, dass Ramiel jetzt nicht sonste was von ihm dachte.Schnell ging er um den Wagen rum und trat neben den Schwarzhaarigen.„Und wohin gehts jetzt? Beim Geschenkeaussuchen kann ich dir aber leider nicht helfen. Dabei bin ich ne Niete", lächelte er leicht verlegen.
Ram musste bei Flos Worten leicht auflachen. „Ich hoffe, dass ich nicht der Grund für deine Nervosität bin, denn wenn doch, wird dir irgendwann dein Ohr abfallen, denn ich habe vor, mit dir länger befreundet zu sein." Der Fahrstuhl des Parkhauses war übermäßig voll, nichts desto trotz schob Ramiel Flo einfach in den Fahrstuhl, drehte sich selbst mit dem Rücken zu ihm. Alles andere wäre absolut tödlich für Ramiel gewesen./Ist so schon schlimm genug… er ist mir so verdammt nah… ich kann ihn spüren… was passiert wäre, wenn ich so, wie ich war, stehen geblieben wäre? Ramiel, Schluss jetzt!!!…/
/Doch, genau du bist der Grund, warum ich mich so dämlich aufführe!/ dachte Florian etwas verbittert in Gedanken. Er wusste, wenn er diese Freundschaft erhalten wollte, musste er diese Gedanken vertreiben. Ansonsten konnte er für nichts garantieren.
Als Ramiel ihn in den Aufzug bugsierte und sich mit dem Rücken zu ihm stellte, musste er schlucken./Ramiel, was tust du mit mir? Das darf doch nicht wahr sein!/Er konnte genau Ramiels Hintern an seinem Becken spüren und musste sich wirklich zusammen reißen, nicht leise aufzukeuchen. Dennoch konnte er es sich nicht verkneifen, sich noch etwas weiter vorzulehnen und gegen den Nacken des Schwarzhaarigen zu flüstern: „Es wäre schön, wenn wir länger Freunde bleiben könnten."Dann lehnte er sich wieder etwas zurück, nicht aber ohne vorher den Geruch des anderen tief einzuatmen./Er riecht so gut, er fühlt sich gut an... Ob seine Haut wohl so weich ist, wie sie aussieht? Florian, aus, Schluss, Ende!!! Reiß dich zusammen!!!!!/
Ramiel schluckte hart, als er spürte, wie Flo sich zu ihm vorbeugte und er seinen Atem an seinem Nacken spürte. /Ganz ruhig, er denkt sich bestimmt nichts weiter dabei…/Die nur geflüsterten Worte jedoch verstand er genau. Seinen Kopf zu Flo drehend, lächelte er ihn an. /Er fühlt sich gut an, er scheint etwas mehr Muskeln zu haben als ich… Madre de Dios!!/Wieder nach vorne sehend, holte er tief Luft, Florians Geruch schien ihn umgarnen zu wollen./Was tue ich nur??? Am liebsten würde ich ihm hier und jetzt die Klamotten von Leib reißen…/Sein Blut schien zu Kochen, gerade noch rechtzeitig öffnete sich die Tür wieder und Ramieltrat erleichtert aus dem Fahrstuhl. „Mal sehen, mein Vater hatte mal eine Taschenuhr, die ist aber vor zwei Monaten kaputt gegangen. Ich glaube, wir sollten mal die Juweliere durchstöbern."Den Kopf schief legend, sah er Florian an, hob dabei die eine Augenbraue mit dem Piercing fragend an. Er hatte es die letzten Tage nicht getragen, weil es sich entzündet hatte.
Zaghaft hatte Florian das Lächeln erwidert, mit dem Ramiel ihm im Aufzug bedacht hatte. Irgendwie hatte er das Gefühl gehabt, als hätte sich die Luft zwischen ihnen elektrisiert. /Kann aber auch nur Einbildung gewesen sein... Ach was, war garantiert nur Einbildung!/Erleichtert, dass der Fahrstuhl endlich hielt und sie aussteigen konnten, trat er neben den Schwarzhaarigen./Lange hätte ich das nicht mehr ausgehalten./Auf Ramiels Frage hin nickte er nur.„Können wir machen, du bist hier der Experte was deinen Vater betrifft." Erstaunt bemerkte er erst jetzt das Piercing in der einen Augenbraue. „Seit wann trägst du denn das?" fragte er neugierig, während er mit einem Finger an die Augenbraue tippte und das kalte Metall kurz berührte.
Ramiel schielte zu der Stelle, wo Flo ihn berührt hatte, welche jetzt kribbelte. Dann grinste er frech. „Das Piercing? Das habe ich schon seit ich 16 bin, mein Vater ist schier ausgetickt und hätte mich beinahe übers Knie gelegt, wenn ich nicht da schon größer als er gewesen wäre." Sich langsam in Bewegung setzend, erinnerte er sich dran und fing unvermittelt an, zu lachen.Sich beim Laufen wieder Florian zuwendend, musste er immer noch schmunzeln.„Du hättest dabei sein sollen, er war mal wieder zwei Monate nicht da gewesen… und als er wieder kam, hatte ich das da." Und zeigte damit auf das Piercing.
Florian musste auch schmunzeln, als er den anderen so lachen hörte und sah. Er mochte es, wenn Ramiel lachte, denn irgendwie verstärkte das immer noch das Kribbeln in seinem Bauch, welches seit der Autofahrt nicht mehr weichen wollte.„Ja, das kenne ich auch. Meine Eltern waren auch mal längere Zeit wieder nicht da gewesen und als sie wieder kamen, hab ich sie mit ner Tätowierung überrascht. Meine Mutter wäre fast in Ohnmacht gefallen und mein Vater brauchte erstmal nen Cognac."Auch Florian musste über die Erinnerung leise lachen, während er mit Ramiel einen Juwelier ansteuerte.„Das Piercing steht dir aber", meinte er noch schmunzelnd.
Ramiel wurde bei dem Wort Tätowierung hellhörig. Und Flos Kompliment ließ ihn glatt ein wenig rot werden, so dass er erstmal auf den Boden schaute.„Danke…" /Scheiße, mierda, shit… Was macht der Kerl mit mir?/Während Ramiel die Tür zu einem Juwelier öffnete, drehte er den Kopf zu Flo.„Was denn für ein Tattoo??? Und wo?? ... Ups, sorry… wollte dir nicht zu nahe treten."/Wenn ich mir selbst in den Hintern beißen könnte, würde ich es jetzt glatt tun… Ramiel schalt dein Hirn wieder ein und zwar das in deinem Kopf!!/Etwas verlegen sah er zu Flo und wusste nicht, was er noch sagen sollte. Wenn Ram verlegen wurde, fing er immer an, mit seiner weißen Haarsträhne zu spielen, indem er sie immer um den Finger wickelte, so wie er es gerade tat.
Florians Lächeln vertiefte sich noch, als er sah, wie der andere leicht errötete./Er sieht richtig niedlich aus./„Du trittst mir nicht zu nahe und wenn, dann sag ich es. Es ist ein Feuer speiender Drache und ich trag ihn auf der rechten Schulter. Ich mag Drachen und konnte es gar nicht abwarten, als ich das Tattoo bekam. Der Stecher hätte es beinahe dadurch versiebt, aber es ist zum Glück gut gegangen."Neugierig sah er Ramiel dabei zu, wie er mit seiner weißen Haarsträhne, die ihn irgendwie noch geheimnisvoller aussehen ließ, spielte.
/Ob ich seine Geheimnisse rausbekommen könnte? Himmel, Herr, Gott, was denkst du hier schon wieder! Argh!!!!!/ Am liebsten hätte sich Florian eine runter gehauen, ließ es aber dann doch bleiben. Wäre wohl etwas zu auffällig inmitten eines Juweliers gewesen.„So, wies aussieht, hast du aber auch so ne kleine Macke oder?" Damit deutete er lächelnd auf die Finger, die mit der Haarsträhne spielten.
Ramiel hielt in der Handbewegung inne und wurde dabei noch ne Spur röter im Gesicht.Erst auf seine Haarsträhne schauend dann wieder zu Flo, schlich sich langsam ein Lächeln auf seine Lippen und er fing schließlich an, zu lachen.„Ja, die habe ich wohl… die Strähne habe ich jetzt seit über 14 Jahren", sinnierte Ramiel.Sein Blick schien sich für einen Moment zu verlieren, kurz war er in Gedanken an den Tag des Unfalls zurückgekehrt.Sich von seinen Gedanke losreißend und auch zu Flo nichts mehr sagend, ging Ramiel auf eine Vitrine mit Taschenuhren zu. /Rahmiris… Mutter… in zwei Monaten sind es 14 Jahre.../Ramiels Augen hatten die Farbe von dunklem Rauchsilber angenommen.
Florian musste kein Hellseher sein, um zu sehen, dass etwas in Ramiel vorging, was ihn nicht gerade fröhlich stimmte. /Ein Lachen steht ihm viel besser./Mit diesem Gedanken trat er von hinten an den anderen ran und legte seine Hände auf dessen Schultern.„Ich will dir nicht zu nahe treten, Ramiel, aber... ich weiß, dass wir uns erst seit gestern kennen, aber wenn du reden willst, dann... dann bin ich für dich da", versuchte er dem Schwarzhaarigen etwas Trost zu spenden, was immer ihn auch gerade belastete. Er wusste, wie schlimm es werden konnte, wenn man seinen Ärger und Schmerz in sich hineinfraß./Schließlich sind wir Freunde und ich werd auch alles tun, damit wir es bleiben./
Ramiel musste sich zurückhalten, um nicht loszuheulen wie ein kleines Kind, besonders als er Florians Worte hörte und dieser ihn berührte. /Wenn ich mich doch an ihn lehnen könnte… nur einen kleinen Augenblick…/Er konnte diesem Drang nicht widerstehen und lehnte sich an Floh.„Verzeih mir… ich… ich werde es dir später erzählen… aber bitte nicht hier… das würde ich nicht schaffen… aber … danke."Ramiel schüttelte auf einmal energisch mit dem Kopf, um die trüben Gedanken zu vertreiben und raffte sich wieder auf. Er versuchte sich in einem Lächeln, was unter Garantie total misslang.„Es geht schon wieder!"Ramiel hatte sich noch rechtzeitig gefangen, denn der Juwelier kam zu ihnen.„Kann ich ihnen vielleicht helfen?"
Florian seufzte leise auf, als sich Ramiel an ihn lehnte. Am liebsten hätte er jetzt seine Arme um ihn gelegt und ihn festgehalten, nur für einen Augenblick. Aber er konnte es sich gerade so verkneifen./Nicht hier, das wäre auch zu offensichtlich, oder?/Als der Juwelier sie ansprach, löste er sich schnell von dem Schwarzhaarigen und lächelte etwas zaghaft./Vielleicht sollte ich es ihm doch sagen... Er hat die Wahrheit verdient... Und wenn er dann nicht mehr mit mir redet... ist er auch kein richtiger Freund gewesen.../Florian schmerzten diese Gedanken, aber er nahm es sich vor. Er wollte wissen, ob diese Freundschaft wenigstens eine Zukunft hatte oder ob es wieder so enden würde wie auf seiner Schule./Er soll es nicht durch Zufall erfahren. Ich werds ihm sagen, aber später, wenn der richtige Zeitpunkt ist./„Ich zwinge dich zu nichts, aber es erleichtert, wenn man mit jemanden über seine Probleme und Sorgen spricht, glaub mir", meinte er noch leise, bevor er sich dem Juwelier zu wand.
Mit einem Nicken zeigte Ramiel an, dass er verstanden hätte und schaffte es wieder auch so, dass es die Augen erreichte, zu lächeln.„Ja, sie können mir höchstwahrscheinlich helfen! Ich suche für meinen Vater eine Taschenuhr. Und zwar zum 50sten Geburtstag."Ramiel stellte jetzt um, von dem manchmal kindischen jungen Mann auf geschäftsmäßig.Es dauerte nicht lange, bis Ramiel die passende Uhr für seinen Vater gefunden hatte.Als sie endlich wieder außerhalb des Ladens standen, war Ramiel wieder ganz der Alte. Ein quirliger junger Mann, der
uch schon wieder mit Florian rumflachste.„Mir knurrt der Magen, Flo… Gehen wir noch wo essen, ja??"Ramiel sah Florian fast flehend an. /Ich benehme mich kindisch… Aber ich habe das Gefühl, dass es ihn nicht stört, im Gegenteil er scheint es sogar zu mögen… Ob er mich mag?/
Erstaunt sah Florian Ramiel zu, wie dieser zu einem regelrechten Geschäftsmann mutierte und konnte darüber nur den Kopf schütteln, musste aber leise lachen. Schnell hatten sie das richtige Geschenk gefunden und standen nun wieder vor dem Juwelier, wo Ramiel erneut ´mutierte`, zu dem aufgeweckten jungen Mann, in den er sich verknallt hatte./Komm wieder auf den Boden, Junge und bleib Realist!/ schollt er sich innerlich etwas.„Klar können wir noch was essen, mir hängt der Magen auch schon in den Kniekehlen. Auf was hast du denn Hunger?" fragte er leicht lächelnd.
Den Zeigefinger an die Lippen legend, stand Ramiel einen Moment überlegend da.„Ich habs… ich will zum Chinesen… und zwar schnell, me muero del hambre!" (ich sterbe vor Hunger)Lachend zog er Flo in die Richtung, wo der Chinese war.Beim Chinesen angekommen, bestellte sich Ramiel eine extragroße Portion gebratene Nudeln und war wieder zu seiner ausgelassenen Fröhlichkeit zurückgekehrt.„Und was isst du??"
Leise lachend, ließ sich Florian einfach mitziehen und dann im Restaurant ihm gegenüber auf einen Stuhl fallen. „Ich nehm das gebratene Hähnchen mit Reis. Ne Leibspeise von mir", meinte er immer noch leicht lächelnd./Ob ich das dämliche Grinsen und Lächeln je wieder loswerde?/ Kurz sah er musternd zu Ramiel./Wohl eher nicht./ beantwortete er sich seine Frage selber.
Ramiel verzog leicht das Gesicht, als er hörte, was Florian sich bestellte. Ihm wurde immer leicht übel, wenn er Fleisch auch nur riechen musste. Aber er wollte Flo nicht den Appetit verderben und sagte nichts dazu.Als das Essen kam, stürzte sich Ramiel auf seine Portion, die normalerweise für eine dreiköpfige Familie gereicht hätte. Und putzte alles weg. Ramiel staunte selber immer wieder, wo er das alles lassen konnte, ohne auseinander zu gehen. Gesättigt lehnte er sich zurück und sah Flo noch beim Essen zu.„Stört es dich, wenn ich eine Rillo rauche??"/Dann kann ich wenigstens den Fleischgeruch etwas dämpfen…/
Florian staunte auch nicht schlecht, wo Ramiel seine Portion nur hin steckte. Er selber hatte immer etwas an diesen großen Portionen zu kauen.Auf Ramiels Frage hin meinte er nur: „Ist schon ok, mich störts nicht. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass der Schwarzhaarige manchmal sein Gesicht etwas verzog.„Entschuldige, wenn ich so blöd frage, aber... hast du was gegen Fleisch? Du hast das Gesicht immer so komisch verzogen..."Neugierig sah er den anderen an, während er aufaß und selber nach seiner Zigarettenschachtel kramte, um sich eine anzustecken.
Ramiel fühlte sich ertappt und spielte aus reiner Gewohnheit mit der Haarsträhne. In der anderen Hand drehte er das silberne Etui zwischen den Fingern.„Nun ja, mir wird immer übel, wenn ich Fleisch rieche… aber ich wollte dir den Appetit nicht verderben oder so, weil es ja auch deinen Leibspeise ist."Damit ließ er von der Strähne ab und entnahm dem kleinen Kästchen in der anderen Hand eine Rillo, welche er auch gleich anzündete. Ramiel verzog entschuldigend das Gesicht./Shit, er hat es bemerkt… hoffentlich habe ich ihn nicht beleidigt… Dios! Was ist denn heute nur los mit mir?? Liegt es an Flo, daran, dass er mich so durcheinander bringt?/
„Oh, das hab ich nicht gewusst. Du hättest ruhig was sagen können. Meine Mutter ist auch Vegetarierin. Aber das nächste Mal weiß ich ja Bescheid", lächelte Florian den anderen an, bevor er sich seine eigene Zigarette ansteckte und den Rauch genüsslich inhalierte./Ich hoffe doch, es wird ein nächstes Mal geben.../„Und was hast du noch den Tag so vor? Irgendwie hab ich keine große Lust, wieder in das leere Haus zurückzukehren..."/Ich hoffe, das war nicht zu offensiv... Oh Mann, der Kerl bringt mich voll aus dem Konzept!/
Überrascht blickte Ramiel auf, wollte erst seinen Ohren nicht trauen, als Flo ihn so offensichtlich fragte, ob sie den Rest des Tages auch noch was zusammen unternehmen wollten. Die Sonne schien in seinem Gesicht aufzugehen und er lächelte wieder.„Ich habe nichts weiter vor. Ich…" Wieder verlegen werdend, spielte er erneut mit seinen Haaren. „Ich hatte gedacht, wir verbringen den ganzen Tag zusammen… wenn du magst… können wir auch schwimmen gehen, warm genug wäre es ja… dazu müssten wir allerdings dann doch kurz nach Hause…"Fragend sah er sein Gegenüber an und hoffte inständig, dass er nicht wieder mit der Tür ins Haus gefallen war./Eigentlich ... Ram, war das gerade eine saublöde Idee… Flo in Badehose… Schnauze Ram!/
Florian dachte einen Moment über die Idee des anderen nach./Ramiel in Badehose ist bestimmt ein Erlebnis... Nur was passiert, wenn ich mich nicht bremsen kann? Ob das Wasser dafür noch kalt genug ist?/Dennoch nickte er leicht und lächelte den Schwarzhaarigen an.„Klingt gut, ich war schon lange nicht mehr schwimmen gewesen. Dann sollten wir erstmal zu dir und dann zu mir und dann auf ins Schwimmbad", grinste Florian breit übers ganze Gesicht.
Innerlich atmete Ramiel erleichtert auf. /Ok, soweit so gut… mal sehen, wie voll der Fahrstuhl diesmal im Parkhaus ist… RAMIEL!/Ramiel bezahlte für sie beide das Essen und gemeinsam gingen sie zurück zum Parkhaus.Und wie Ramiel teils gehofft, teils gefürchtet hatte, war der Fahrstuhl wieder so voll wie vorhin. „Auf ins Gedränge." Womit er Florian wieder als erstes in den Fahrstuhl schob./Was tust du da eigentlich gerade Ramiel, sind bei dir jetzt alle Sicherungen durchgeknallt?/
Etwas unbehaglich sah Florian, wie Ramiel für sie bezahlte.„Das nächste Mal bezahle ich aber, hörst du."Damit folgte er Ramiel zum Parkhaus und ließ sich in den Aufzug bugsieren./Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das war geplant.../Mit einem Grinsen legte er seine Hände an die Hüfte von Ramiel und zog ihn noch etwas mehr an sich ran, auch wenn er wusste, dass er so mit dem Feuer spielte./Reiß dich am Riemen, du kannst es ihm immer noch sagen, aber nicht hier und jetzt./Damit nahm er seine Hände wieder zu sich und versuchte, so zu tun, als wenn nichts gewesen wäre.
Als Ramiel Florians Hände an seine Hüfte bemerkte, die ihn näher an den begehrten Körper heranzogen, holte er zischend Luft. /Okay… was war das? Habe ich jetzt Hallos??/Da kam Ramiel auf eine Idee… /Was auch immer das eben war… ich verbrenne innerlich, wenn er das noch mal tut./Er tat so, als wäre er näher zu Florian geschoben worden und lehnte nun mit dem Rücken an Flos Brust. /Ramiel… dieses Feuer ist selbst für dich zu heiß… übertreib es nicht./Zum Glück öffnete sich gerade die Tür wieder und er trat heraus, um zum Auto zu gehen, wobei er sich nicht traute, ihn anzusehen. Erst, als sie beim Auto waren, hatte sich Ramiel wieder im Griff und lächelte Florian fröhlich an.
Mit einem leisen Seufzen spürte Florian, wie sich der andere wirklich noch etwas mehr an ihn lehnte und langsam spann sich in seinem Kopf die verrückte Idee, dass Ramiel ihm vielleicht doch nicht ganz abgeneigt war./Das wäre wirklich zu schön, um wahr zu sein!/Als sich die Fahrstuhltüren öffneten, fand er es fast ein bisschen schade, da er den begehrten Körper nicht mehr so nahe fühlte./Andererseits, länger hätte ich das auch nicht ausgehalten.../Er folgte dem Schwarzhaarigen zu dessen Auto und erwiderte das Lächeln, welches dieser ihm schenkte, bevor er selber in den Wagen stieg, nachdem Ramiel aufgeschlossen hatte.
Ramiel fuhr gar nicht erst in die Garage, parkte am Bordstein und stieg aus. Unterwegs hatten beide nicht viel gesagt. Ramiel redete eh nicht viel beim Autofahren, dazu war er ein zu aufmerksamer und vorsichtiger Fahrer, auch wenn er sich hier und dort nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielt.Beim Aussteigen sah er an dem Haus hoch, bemerkte aber nicht die Gewitterwolken, welche aus der anderen Richtung kamen. Wenn es eins gab, wovor er Angst hatte, dann das!„Wir sind da, ganz oben, das Penthouse, das ist meine Wohnung."Den Schlüssel aus der Hosentasche holend, ging er auf die Eingangstür zu und schloss auf.In der Wohnung legte er erstmal den Schlüssel auf die Flurgarderobe.„Komm rein und fühl dich wie zu Hause", grinste er Florian an.Ramiels Wohnung war sehr hell, wirkte richtig warm, auch wenn hier eine Sauberkeit herrschte, von der sich noch mancher eine Scheibe abschneiden könnte, so wirkte es nicht steril. Der Boden war komplett mit Laminat ausgelegt.
Neugierig sah sich Florian in der Wohnung um. Sie machte einen fast familiären Eindruck auf ihn, obwohl Ramiel anscheinend alleine wohnte./Aber schöner als das große Haus bei uns.../„Ist wirklich schön hier", meinte er mit einem Lächeln, als plötzlich ein lauter Donner erklang, der fast die Scheiben zum Klirren brachte. Gleich darauf fing es auch schon leicht an, zu regnen und die ersten Blitze zuckten über den sich verdunkelten Himmel.„Schade, dabei hab ich mich so sehr auf etwas Schwimmen gefreut", schmollte Florian leicht ob des plötzlichen Wetterumschwungs.
Plötzlich donnerte es und Ramiel schrie erschrocken auf und zuckte ziemlich dolle zusammen. Fast ängstlich sah er sich nach Florian um./Ich hasse Gewitter!! Ich habe bei so nem Wetter immer ne scheiß Angst… Was Flo wohl über mich denken mag… der haut doch gleich auf Nimmerwiedersehen ab, wenn er sieht, wie ich bei Gewitter drauf bin…/Ramiel fing am ganzen Körper an, zu zittern, sah sich hilfesuchend um./Scheiße… madre de dios!!... Was soll ich machen?/Ramiel war völlig verstört.
Leicht verwundert sah Florian zu Ramiel, als der auf einmal etwas aufschrie und dann am ganzen Körper zitternd da stand. Er zog nur eine Augenbraue nach oben, bevor er neben den Schwarzhaarigen trat.„Ähm, hast... hast du etwa Angst vor Gewitter?" fragte er vorsichtig nach, während er einen Arm um dessen Schultern legte und ihn etwas an sich ran zog.
Ramiel zitterte noch immer, als er Florians Arm um seine Schultern fühlte. Er reagierte eine ganze Weile zu spät auf Flos Frage.„Ja… ich … ich … habe ne … scheiß… ne scheiß Angst vor Gewitter", brachte er dann mit klappernden Zähnen über die Lippen und krallte sich regelrecht an Florian fest./Verdammt, warum ausgerechnet jetzt, ausgerechnet dann, wenn Flo hier ist? Der hält mich doch jetzt bestimmt für total bescheuert!!/Es donnerte wieder und Ramiel zuckte wieder derbe zusammen.
Mit einem warmen Lächeln zog Florian den anderen noch etwas mehr in seine Arme.„Keine Angst, dann beschütze ich dich eben vor dem Gewitter. Du musst dich nicht schämen. Jeder hat Angst vor etwas."Damit trat er hinter Ramiel und schlang seine Arme um dessen Hüfte, zog ihn nah an sich ran, während er genüsslich den Duft des anderen einatmete./Meine Güte, der raubt mir noch das letzte bisschen Verstand! Und er fühlt sich gut an.../
/Verdammt, es ist mir trotzdem peinlich…/Ramiel wurde schlagartig ruhiger, als Flo ihn von hinten umarmte, ihn näher an sich zog.Er zitterte zwar immer noch, aber nicht mehr ganz so heftig.Ram fühlte sich geborgen, beschützt… Verwundert kusche
te er sich tiefer in die Arme./Wie kann das sein? … Nicht mal mein Vater hat es je geschafft, dass ich ruhiger werde bei einem Gewitter… Oh Florian… was tust du??/„Ich… ich… möchte… gerne… ins Wohnzimmer, Flo…"Ramiel brachte diese Worte nur sehr langsam und stockend heraus und sehr leise.„Bitte..."
Florian konnte nur immer noch lächeln, als er den anderen los ließ und dessen Hand nahm.„Ich werd dich nicht daran hindern", meinte er leise gegen das Ohr des anderen, bevor er ihn einfach mit sich zog, da er das Wohnzimmer hinter einer geöffneten Tür schon ausgemacht hatte, als er sich umgesehen hatte./Junge, was tust du? Du flirtest und das ist nicht gut... wirklich nicht... zumindest nicht jetzt.../
Plötzlich seines Schutzes beraubt, fing Ramiel wieder stärker an, zu zittern. Im Wohnzimmer angekommen, donnerte es schon wieder, diesmal so heftig, dass die Scheiben zu vibrieren schienen. Sofort Klammerte sich Ramiel an Florians Hals und versuchte regelrecht, sich in dessen Armen zu verstecken.„Es… tut mir… leid, Flo… ich führe… mich auf… wie… ein kleines Kind."Unvermittelt fing er an, zu weinen. „Wenn es dir zuviel wird, sag es bitte… dann… werde… ich... ich mich… ins... Schlaf… Schlafzimmer verziehen… Und du… kannst ja solange bleiben, bis es aufgehört... hat.
Florian konnte gar nicht so schnell gucken, wie der andere an seinem Hals klebte. Schnell schlang er seine Arme um Ramiel, damit er ihm nicht weglaufen konnte.„Nun hör aber auf. Ich lass dich doch deswegen nicht allein."Beruhigend strich er ihm über den Rücken und wiegte ihn etwas hin und her. Vorsichtig strich er Ramiel mit seinem Daumen über die Wange, um ihm die Tränen wegzuwischen.„Du musst doch nicht weinen. Ich bleib hier, bis das Gewitter vorbei ist. Du musst keine Angst haben."Beruhigend sprach er auf Ramiel ein und streichelte ihm weiterhin über den Rücken und die Arme.„Tränen stehen dir nicht", murmelte er leise, während er die Nähe des anderen mehr als nur genoss.
/Ach ja? Und warum hat mein Ex deswegen mit mir Schluss gemacht?/ dachte er verbittert.Aber Florians Berührungen fingen langsam an, ihn zu beruhigen und seine Stimme spendete ihm Trost.Er genoss das sanfte Schaukeln. Mittlerweile wurde das Donnern leiser… Was Ramiel aber gar nicht mitbekam, so sehr ließ er sich von den Berührungen gefangen nehmen…Florian roch gut… es war für Ramiel sehr angenehm, so gehalten zu werden.Erst jetzt fiel ihm auf, dass Flo seine Arme so rasch um ihn geschlungen hatte, als hätte er Angst, Ramiel würde ihm weglaufen…/Hör auf, Ramiel… hör auf, dir Hoffnungen zu machen… Aber warum nicht? Florian hat offensichtlich kein Problem damit, hier mit mir in den Armen zu stehen und mich auch noch zu streicheln…/Ramiel fing an, zu beten, dass Flo ihn nie mehr loslassen würde.Das Zittern hatte jetzt fast völlig aufgehört und die Tränen waren versiegt. Trotzdem hielt er sich weiterhin an Flo fest.
Nach einem kurzen Blick aus dem Fenster stellte Florian fest, dass das Gewitter langsam abzog, aber es goss immer noch in Strömen. Dennoch ließ er Ramiel nicht gleich los, sondern wiegte ihn noch etwas hin und her.Leise seufzend löste er sich dann aber doch nach einiger Zeit von dem anderen und hielt ihn nur an seinen Armen fest, während er ihn leicht lächelnd ansah.„Wieder gut?" fragte er leise. „Wenns dir nichts ausmachen würde, könnte ich noch etwas hier bleiben? Zumindest, bis der Regen nachgelassen hat?/Vielleicht sollte ich es ihm jetzt sagen... wobei... er hatte erst so ne Angst vor dem Gewitter gehabt und dann vielleicht noch der Schock? Das erspar ich ihm lieber. Am besten, ich genieß die Zeit mit ihm noch so lange, wie es mir möglich ist./Äußerlich ließ er sich von seinem Konflikt aber nichts anmerken.
Ramiel fühlte ein tiefes Bedauern, als Florian ihn von sich weg schob. Er kam sich mit einem mal so nackt vor. Ramiel nickte fast schüchtern auf Florians Fragen und versuchte sogar ein Lächeln.„Es geht wieder… und natürlich kannst du bleiben, bis es aufgehört hat, zu regnen…"Damit löste er sich komplett von Flo.„Ich gehe mal eben in die Küche… Möchtest du vielleicht einen Kaffee??"
Florian in die Augen zu schauen, wagte er nicht, er hatte Angst vor eventueller Zurückweisung./Alleine, dass er mich von sich weg geschoben hat, sagt doch alles… ich weiß, ich werde unfair./Ram wartete gar nicht erst auf eine Antwort von Flo, sondern ging gleich in die Küche…Er wusste nicht mehr, was mit ihm war… Ramiel war so durcheinander, dass er die Keramikdose, in der sich der Kaffee befand, fallen ließ. Resigniert kniete er sich neben die Scherben und versuchte, sie einzusammeln./Ich glaube, ich sollte mich hinlegen... müde.../
Verwundert schaute Florian dem anderen nach. Irrte er sich oder wich Ramiel ihm wirklich aus?/Du hättest ihn nicht wie ein kleines Kind behandeln sollen. Klar, dass ihm das peinlich ist.../Mit einem Seufzen folgte er dem anderen in die Küche und sah gerade noch, wie dieser eine Dose fallen ließ, die mit einem Scheppern zerbrach.Schnell war er neben dem Schwarzhaarigen und half, die Scherben aufzusammeln.„Alles in Ordnung, Ramiel? Du siehst irgendwie müde aus", meinte er leicht besorgt und strich ihm ein paar Haarsträhnen aus der Stirn.
Die besorgte Stimme und das Raustreichen einiger seiner Haarsträhnen aus der Stirn ließ ihn wieder zu sich kommen. Das letzte, was er wollte, war, dass Flo sich seinetwegen Sorgen machte. Und erst recht nicht, nur weil er sich wie ein Kind aufführte.„Ich bin auch ein wenig müde… bin ich immer nach so einem Gewitter… das ist normal. Bitte mach dir keine Sorgen!"
Florian zulächelnd, erhob er sich wieder, um ein Kehrblech und Handfeger zu holen./Heute ist nicht mein Tag! Ich denke zu viel nach… aber was zum Teufel soll ich machen??/„Ich frage mich, warum ich eigentlich nur immer wieder den schwarzen Peter ziehe, seit ich fünf war…"Ramiel hatte das sehr leise gesagt… mehr zu sich selbst.Sich wieder zu einem Lächeln durchringend, kniete er sich wieder neben Flo, strich die weiße Haarsträhne hinter das Ohr und kehrte das, was vom Kaffee übrig war, zusammen und entsorgte es schließlich im Mülleimer.
Florian sah den anderen nur an, bevor er aufstand und sich gegen die Spüle hinter sich lehnte und die Arme verschränkte. „Ich mach mir aber Sorgen, schließlich sind wir doch Freunde."/Ob ich ihn doch mal fragen sollte? ... Ich mag es nicht, wenn er so traurig guckt.../„Wieso sagst du, du würdest ständig den schwarzen Peter ziehen?" fragte er vorsichtig nach. Er wollte in dem anderen keine schlechten Erinnerungen heraufbeschwören.
Erschrocken sah Ramiel zu Florian, der mit verschränkten Armen an der Spüle lehnte.Mit den Zähnen knirschend, schimpfte er innerlich mit sich selbst./Ich habe wieder mal laut gedacht… na spitze…/Ramiel fuhr sich etwas fahrig durch seine schwarzen Haare und ging näher zu Flo, bis sie vielleicht noch 10cm voneinander entfernt standen.„Sicher sind wir Freunde! Hoffe ich zumindest…" Unsicher schaute er Flo an, aber als er dessen Augen sah, schlich sich langsam wieder ein ehrliches Lächeln in sein Gesicht. „Bevor ich dir erzähle, was ich wie meine, sollten wir uns hinsetzen", verwies damit auf die Stühle am Küchentisch.
Nachdem Ramiel sich gesetzt hatte, überlegte er, wie er das Ganze am besten erklären konnte.„Wo soll ich anfangen…? Vor fast genau 14 Jahren sind meine Mutter und mein Zwillingsbruder bei einem Autounfall ums Leben gekommen… ich saß auch in diesem Auto… Die Ärzte sagen, die weiße Strähne, er nahm die Strähne zwischen die Finger, „käme von einem Schock, den ich erlitten haben muss... Ab da war ich alleine... Mein Vater konnte mir nicht helfen, es verstehen zu lernen, was passiert war, er kann es bis heute nicht fassen, genauso wenig wie ich…"Wieder zu Flo sehend, bat er ihn erneut, sich doch bitte hinzusetzen.
Florian schaute den anderen mit geweiteten Augen an, als er dessen Geschichte hörte, fing sich aber schnell wieder, bevor er sich doch auf einen der Stühle niederließ. „Entschuldige, ich... ich wollte keine alten Wunden wieder aufreißen", meinte er leise mit gesenktem Kopf, bevor er diesen wieder hob und unsicher lächelte. Irgendwie fehlten ihm die Worte. Er wusste nicht, was man in so einer Situation sagen sollte. Er wusste, wie es war, alleine zu sein, aber nicht, wie es war, Mutter und Zwillingsbruder zu verlieren./Hornochse! Du bist genauso sensibel wie ne Dampfwalze!!/ schimpfte er sich in Gedanken.
Ramiel wusste nicht, warum, aber er konnte nicht anders und fing an zu lachen, richtig schallend und herzlich… Er wusste, dass Flo sich jetzt bestimmt verarscht vorkam, weswegen er versuchte, sich so schnell wie möglich zu beruhigen.„Bitte sei jetzt nicht sauer auf mich, Flo, ich lache dich nicht aus… das musst du mir glauben… weißt du, es ist nur so, dass wir es offensichtlich immer wieder schaffen, etwas Dummes zu sagen und uns gegenseitig um Entschuldigung zu bitte… und in dieser Situation, tut mir leid… mierda!! Siehst du, ich tue es schon wieder."
Ramiel stand auf und ging zu Florian, stockte einen Moment, bevor er ihn einfach in den Arm nahm. „Danke, Florian… danke, dass du mein Freund bist!"Leise hatte Ramiel diese Worte in Flos Ohr geflüstert.
Florian kam sich wirklich etwas verarscht vor, als Ramiel einfach so anfing zu lachen. Erst schnallte er nicht wirklich, was der andere meinte, aber dann verstand er langsam, worauf Ramiel hinaus wollte./Anscheinend hat es doch etwas geholfen.../ dachte er leicht aufatmend.Er war froh, den anderen wieder lachen zu sehen und nicht mehr mit dieser Trauermiene. Als Ramiel ihn allerdings umarmte, musste er leicht schlucken, da der andere ihm wieder so verdammt nah war.„Nichts zu danken, ich bin auch froh, dass du mein Freund bist. Das bedeutet mir fiel", lächelte er den Schwarzhaarigen an./Du bedeutest mir sehr viel./ fügte er noch in Gedanken hinzu.
Da es nicht mehr aufhörte, zu regnen an diesem Nachmittag und auch am Abend nicht, bot Ramiel Flo an, bei ihm zu übernachten.
Florian nahm nur dankend an. Er hatte nicht viel Lust, in dem Regen raus zu gehen. /Ist bloß die Frage, wie ich das lebend überstehen soll. Was, wenn ich wieder so ne Träume hab wie letzte Nacht? Das wär ne Katastrophe!/
Vorher wollte er mit Flo noch einpaar DVDs ansehen.Mitten in einem der Filme schlief Ramiel an Flos Schulter gelehnt ein, bekam es aber selber gar nicht wirklich mit. Auch nicht, dass er sich an Florian kuschelte.
Dieser sah nur mit einem Lächeln auf den Haarschopf, der an seiner Schulter lehnte. Vorsichtig, um den anderen nicht zu wecken, langte er nach der Fernbedienung und machte sowohl den Player als auch den Fernseher aus. Dann hob er so vorsichtig wie möglich Ramiel auf seine Arme und brachte ihn ins Schlafzimmer, wo er ihn auf das Bett legte und zudeckte.„Schlaf gut", flüsterte er noch mit einem Lächeln, bevor er selber ins Wohnzimmer zurück ging und es sich auf der Couch gemütlich machte./Eine Nacht mit ihm im selben Bett wäre auch nicht schlecht gewesen, aber wahrscheinlich hätte ich dann nicht schlafen können./Immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen fiel auch Florian bald in einen tiefen Schlaf.