“Oma? Jetzt grinste Niki fies. "Gruß an die Frau Großmutter." spöttelte er frech ins Handy. "Und was seid ihr doch für Heiden? Keine Kirche, kein Gebet? Nur Spiel, Spaß und Suff? Ich bin entsetzt mein lieber Matthias?" Er hatte zuviel von dem guten Wein getrunken. Seine Zunge saß wieder furchtbar locker.


„Gruß von Nikolai an dich, Oma....er ist mein Mitbewohner....nein, NUR Mitbewohner.“ Matthias sah seiner Oma nach, die ins Wohnzimmer zurückging und wahrscheinlich gleich von einem möglichen Freund berichtete.„Nun...wir haben Benedikt...der betet für uns mit, da langt das.“ Sagte Matze dann trocken zu Nikolai. „Ich hoffe, du kannst deswegen trotzdem noch mit mir unter einem Dach schlafen.“

In Passau hing Nikolai lachenderweise am Handy und räusperte sich dann gleich wieder artig. "Ich werde es mir überlegen." meinte er ernsthaft. "Aber vielleicht könnten gemeinsame Abendgebete nicht schaden."

„Darf ich zusammen mit dir in deinem Bett beten?“ kam es von Matthias und gleich darauf biss er sich auf die Zunge...er sollte es lassen, nach zwei Kognaks zu telefonieren.....da kam nur Blödsinn dabei raus.

"Klar." Nikolai kicherte. "Da sind wir doch noch näher bei ihm." Gott, was war er albern. Wie gut, dass Matthias ganz offensichtlich schon besoffen war. Sonst war es bald aus mit der lustigen WG.

„Ich werde dich beim Wort nehmen...“ sagte Matthias und es war ihm ernst...so besoffen war er nun auch wieder nicht. „Aber nicht kneifen, wenn’s soweit ist. Ich bin auch ganz artig...nur beten, kuscheln und dann schlafen..“ setzte er hinzu.

Die Vorstellung allein war schon so absurd, dass Nikolai Matthias einfach nicht ernst nehmen konnte. Und sehen konnte er ihn ja nicht. "Okay Du Sünder. Dann werde ich mir was Passendes überlegen." feixte er weiter.

„Muss ich Buße tun? Oder wie stellst du dir das vor?“ Matthias sprach ganz ruhig und gelassen....je mehr Nikolai feixte, desto ruhiger wurde der Braunhaarige. Er wusste noch ganz gut, was er redetet, auch wenn in diesem Zustand der Mund schneller war als das Gehirn. „Ich knie aber nicht auf dem harten Boden...vergiss es.“

"Lass Dich überraschen." erwiderte Nikolai immer belustigter. Matthias war ja wirklich sturzbetrunken. Und das erheiterte ihn, weil er ihn so nicht kannte. "Und mein Bett ist alles andere als hart. Also red von was, was Du nicht kennst."

„Na dann hoffe ich, das ich es bald kennen lerne.“ Matthias schmunzelte und fragte sich, wie angetrunken Niki wohl sein musste, um solche Versprechungen zu machen. Und der Braunhaarige hatte vor, ihn in Freiburg auch daran zu erinnern. „Aber hab ich da nicht Probleme? Ich meine von der Höhe der decke? Nicht, das ich mit den Kopf anstoße, wenn ich hinter...äh ich meine neben dir knie..“ Der Versprecher war die pure Absicht gewesen

"Du wärst überrascht, wie viel Platz da oben noch ist." Inzwischen wischte Nikolai sich bereits die Lachtränen aus den Augenwinkeln. Zu schade dass er Matthias nicht mit seinen Versprechen und Versprechern konfrontieren konnte. Das Gesicht hätte er wirklich gern gesehen.

„Gut.. dann freu ich mich umso mehr auf deine Rückkehr. Ich hoffe, du gewährst mir dann eine Führung durch dein Bett, nicht das ich mich da noch verlaufe, wenn du soviel Platz da oben hast..“ sagte Matthias trocken und ein breites Grinsen zierte seine Gesicht.

"Es ist genau richtig, Herzchen." Matze war eh besoffen, morgen würde der sich nicht mehr an das Gespräch oder an den Kosenamen erinnern. "Du kannst Dich gar nicht verlaufen. Und wenn doch, finde ich Dich schon."

Herzchen? Wow, Nikolai musste mindesten zwei Promille haben...so was hatte Matze jetzt ja nun nicht erwartet. „Ich würde mich auch sehr gern von dir finden lassen...und nur von dir..“ sagte er dann leise, aber bestimmt. „Und das möglichst ohne Klamotten, damit ich deinen ganzen Körper streicheln kann.“

"Schätzchen. Ich schlafe nackt." Was für ein Teufel ritt ihn da bloß? Nur der Alkohol konnte es nicht sein. Niki schämte sich fast für seine verbale Anmachen, tröstete sich aber mit dem Alkoholpegels seines Mitbewohners.

„So ein Ärger....was mir da bisher alles entgangen ist, wenn ich zum Wecken nur an deine Tür geklopft habe, statt reinzukommen.“ Matthias seufzte theatralisch. „Das kannst du gar nicht wieder gut machen Süßer....wenn ich das vorher gewusst hätte. Zumindest steht dem Streicheln nichts mehr im Wege....“

Nikolai grinste breit und biss sich dann auf die Lippen. Nur kurz meldete sich sein Verstand. Sehr kurz. "Ach ich bin sehr phantasievoll. Ich glaube ich kann mein Vergehen schon wieder irgendwie gutmachen. Du brauchst nur ganz brav daliegen und Dich fallen lassen." Natürlich hatte er jetzt seine Stimme gesenkt. Das musste ja wirklich keiner mitbekommen.

„Ja?“ Auch Matthias sprach jetzt leiser, seine Stimme war fast nur noch ein Schnurren. „Da bin ich gespannt.....meine und deine Phantasien zusammen, das gibt bestimmt ne verdammt geile Mischung.“ Er lächelte und ein warmes kribbeln breitete sich in ihm aus. „Ich vermiss dich jetzt schon....“

"Ich vermiss Dich auch schon, Schätzchen." knurrte Nikolai leise zurück und grinste dann einfältig. Schade. Jammerschade. "Bis ich nach Hause gekommen bin, könnte mein Geschenk für Dich schon da sein." stellte er dann grinsend fest. "Vielleicht kannst Dich bis dahin ja noch inspirieren lassen."

„Ich werde warten bist du kommst, Engelchen...und dann packen wir das gemeinsam aus. Unter Umständen können wir uns ja beide davon inspirieren lassen...“ Matthias seufzte leise.....die Flirterei gefiel ihm.. zu schade, das sich Nikolai wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern würde, wenn sie sich wieder sahen...zuviel Glühwein vermutlich.

„Und ich werde ungeduldig warten.“Nikolai lachte leise. "Okay. Ich pack ja gern aus." Nein, er konnte es einfach nicht lassen. Er war viel zu gut aufgelegt. Leider piepste jetzt sein Handy. Scheißding. Der Akku verabschiedete sich langsam aber sicher. "Du .. ich muss Schluss machen ... mein Akku geht grad ein. Ich hab mich echt gefreut, dass Du angerufen hast."

„Okay....dann wünsch ich dir noch ne schöne Zeit, Engelchen....und ich freu mich, wenn du wieder kommst. Lass dir die Zeit nicht lang werden und meld dich, wann ich dich abholen soll.“ Matthias hatte das Piepsen auch gehört....verdammte Handys. Immer grade dann, wenn’s interessant wurde. „Hab mich sehr gefreut, deine Stimme zu hören. Grüß Nils von mir..

"Danke Schätzchen. Ich ruf an, wenn ich abgeschleppt .... ähm abgeholt werden will." Nikolai lachte frech. Jetzt hatte er sich absichtlich versprochen. "Feier noch schön." Mist, jetzt war die Verbindung weg.

„Das lässt sich arrangieren..“ sagte Matthias, aber leider kam aus dem Hörer bloß noch ein nervtötendes Getute. Der Braunhaarige legte auf und seufzte, dann schüttelte er grinsend den Kopf und begab sich wieder ins Wohnzimmer, wo er dann nochmal lang und breit erklären musste. Das Niki nicht sein Freund, sondern nur sein Mitbewohner war......leider....irgendwie.

Das Gespräch mit Matthias war echt geil gewesen. Und er hatte sich wirklich gefreut, dass sein Mitbewohner wirklich angerufen hatte. Niki ließ sein Handy wieder im Sakko verschwinden, strich sich durch die Haare und ging dann wieder raus ins Wohnzimmer. Nils lief eben an ihm vorbei und brachte die verschmutzten Gläser in die Küche. „Grüße von Matthias soll ich ausrichten. Er hat grad angerufen.“

Nils grinste. „Danke.“

Als Nils im Speisezimmer verschwunden war, trat Franziska Parits an Nikolais Seite und drückte ihrem Sohn einen Becher Glühwein in die Hand. So richtig zum Tratschen waren sie ja noch nicht gekommen. „Du hast Deine Geschenke noch gar nicht ausgepackt.“ sagte sie leise und lächelnd zu ihm.

„Danke.“ Niki nippte an dem heißen Wein und sah dann wieder zum Baum. Da lagen wirklich noch ein paar Päckchen drinnen. Ogott. Hoffentlich kein Pyjama oder so was. Pyjama trug er doch seit Ewigkeiten nicht mehr. „Für mich? Ich dachte ....“ Er unterbrach sich und sah in seiner Sakkoinnentasche nach. Drei Kuverte. Von den Großvätern und eines von seinem Vater.
„Ja für Dich. Schau doch mal nach.“ forderte sie ihn sanft auf und gab Niki einen kleinen Schubbs.

Eher widerwillig setzte Nikolai sich in Bewegung und hockte sich dann zu den Päckchen. Was würden sich darin wieder für Albträume verbergen. Eigentlich wollte er es gar nicht wissen. Aber da seine Mutter so auffordern drein sah, zog er sich ein unförmiges Päckchen her und zog das Papier runter. Oh. Seine Augen weiteten sich überrascht. Ein neuer Rucksack kam zum Vorschein. Mit extra breiten, gepolsterten Trägern. Seine Mutter hatte ja immer schon den Hang zum Praktischen gehabt und das konnte er echt gut gebrauchen.

Das nächste Päckchen war groß und weich. /Lass es keinen Pyjama sein./ Und Niki wurde wieder überrascht. Er zog eine Barbourjacke heraus. Schlammgrün mit kuscheligem Innenfell. Dabei lagen auch noch eine Mütze, ein Schal und Handschuhe.

„Ich dachte, das wäre doch keine dumme Idee.“ Franziska ging neben Niki in die Hocke und legte ihren Arm um die Schultern ihres Sohnes. Nils hatte ihr erzählt, dass Nikolai noch immer mit der alten, schäbigen Jacke rumlief. Das war ja wirklich nicht notwendig.„Danke Mama.“ Niki lächelte seine Mutter warm an und umarmte sie leicht – wie es eben in der Position ging. Dann fiel sein Blick auf ein letztes Päckchen. „Noch eins für mich?“ Womit hatte er das denn verdient?

„Natürlich.“ Franziska zog es heran und gab es Niki. Der öffnete es und grinste schief. „Seit wann kennst Du Dich denn mit Computern aus?“ fragte er dann und lachte leise. Es war eine externe Festplatte. Bislang war er zu geizig gewesen sich eine weitere zu leisten, auch wenn er sie schon lange mal gebraucht hätte. „Danke Mum.“ Wieder umarmte er sie und lächelte dann zu seinem Vater, der eben mit Onkel Conrad sprach. Seine Eltern waren echt lieb zu ihm. Dabei kostete er ihnen eh schon Geld genug.

„Hauptsache Du freust Dich.“ entgegnete Franziska und stand dann wieder auf. Sie musste sich ja auch um die anderen kümmern.

Niki packte die Sachen zusammen und schob sie wieder hinter den Baum. Er würde sie später in sein Zimmer bringen. Oder morgen dann. Er sah auf die Uhr und ächzte. In einer Stunde würden sie alle zusammen in die Kirche gehen. Aber wenigstens löste sich dann die Versammlung auf und durfte dann schlafen gehen. Er war von der Fahrt wirklich ziemlich müde und die anstrengenden Praktika saßen ihm eben in den Knochen.„Kommst Du mit Eine rauchen?“ Nils war neben Nikolai aufgetaucht und berührte ihn leicht an der Schulter.

Da sich seine Cousine Charlotte näherte, stimmte Niki sofort zu und zog seinen Bruder aus dem Wohnzimmer. Rauchen durften sie ja in der Wohnung ihrer Großeltern nicht. Zu diesem Zwecke verzogen sich die Brüder auf den Balkon in der Wohnung ihrer Eltern.

„Ich hab Dir noch gar nicht mein Geschenk gegeben.“ Nils grinste und gab Niki ein kleines, leichtes Päckchen.

Niki rauchte sich eben die Zigarette an und nahm das Päckchen entgegen. Dabei sah er ziemlich erstaunt drein. Niki schüttelte es.

„Schau rein.“

Die Kippe im Mundwinkel fummelte Niki ein wenig umständlich an dem Päckchen rum. Sein Bruder war ja ein richtiger Verpackungskünstler. Als das Papier ab war, runzelte Niki die Stirn und wurde auch ein wenig rot. Er hielt eine Packung Kondome mit Erdbeergeschmack in Händen. „Wie kommst Du denn darauf?“ fragte Niki verwundert und grinste schief. Glaubte sein Bruder, dass Kondome ihm unbekannt waren? Für ihn waren sie lebensnotwendig. Ohne ging nichts. „Ich .... ähm ... Also eigentlich hab ich noch nicht an Nachwuchs gedacht.“ versuchte er dann zu scherzen und ließ die Schachtel in seiner Sakkotasche verschwinden. Nils hatte ja wirklich einen merkwürdigen Humor.
Erst grinste Nils, dann wurde er ernst. „Das glaube ich Dir auch sofort.“ Er hatte sich auch eine Zigarette angeraucht und aschte ab.

Nikolai guckte dumm drein und spielte sich mit seiner Zigarette. „Ich weiß aber schon, wo man die Dinger kriegt.“

„Das hoffe ich, Nikolai.“

Irghs. Nils nannte ihn nur Nikolai, wenn er was ernst meinte. Nur was?

„Wann wolltest Du es uns sagen, Niki?“ fragte Nils mit etwas weicherer Stimme.

„Wollte ich euch was sagen?“ Niki runzelte die Stirn und sah zu seinem Bruder hoch.

Entweder Niki wusste wirklich nicht wovon er sprach, oder er stellte sich absichtlich blöd. „Ich hab Deine .... DVD’s gesehen.“ bekannte er dann und sah dabei aber keineswegs zerknirscht drein. Er hatte ja nicht geschnüffelt. Nikolai hatte ihn ja auch dazu aufgefordert einen Film rauszusuchen. Was war er auch so blöd und ließ seine Pornos dabei liegen?
Es dauerte ein paar Augenblicke bis Nikolai kapierte was Nils meinte. „Oh.“ Von einem Augenblick auf den anderen lief er hochrot an und sah zu Boden. Jetzt wusste er worauf Nils anspielte und es war ihm peinlich.
„Ich hätte es schon irgendwann mal gesagt.“ murmelte er dann kaum verständlich.

„Hey, Niki .....“ Nils legte seine Hand auf die Wange seines Bruders und zwang ihn damit ihn anzusehen. „Es ist okay. Ja?“

„Ist es das?“ Seine Wangen brannten richtig vor Scham. Ogott. Ausgerechnet die Schwulenfilme hatten ihn verraten. Und es waren ja keine normalen Filme sondern eben richtige Pornos. Mit irgendwas musste er sich ja auch bei Laune halten.

Nils nickte und lächelte leicht. „Ja das ist es.“ Zumindest war es das für ihn. Mit seinen Eltern hatte er ja nicht darüber gesprochen. Er fand ja, dass das Niki schon selbst machen musste. Aber zumindest hatte er mal vorgefühlt und seine Eltern waren ja sehr tolerant.Nikolai ächzte und quälte sich ein Lächeln ins Gesicht. „Ich will mich aber nicht ausgerechnet zu Weihnachten outen. Das haben Mama und Papa sich nicht verdient ....“ Plötzlich keimte Panik auf. „Was mach ich, wenn sie mich vor die Tür setzen, Nils? Ich mein ... mit der Bafög kann ich mir kein Bein ausreißen und neben dem Studium kann ich nicht voll arbeiten. Ich mein, ich leb eh sehr sparsam und gönn mir fast nix und ich geb auch Nachhilfe.“

„Hey ... Hallo .....“ Nils schüttelte den Kopf und legte seine Hand über Nikolais Mund. Immer wenn sein Bruder nervös wurde, begann er wie ein Wasserfall zu quatschen und stellte die schrägsten Theorien auf. „Jetzt komm mal wieder runter. Solange Du in der Zeit bist, Deine Prüfungen bestehst und Deine Scheine einkassierst, wird gar nichts passieren.“

Zwangsweise verstummte Nikolai und schob die Hand seines Bruders von seinem Mund weg. „Was soll ich jetzt nur machen, Nils?“ fragte er schließlich in dem Tonfall eines kleinen Kindes. „Ich ... ich war mir ja nicht sicher ... aber ... jetzt weiß ich es eben.“
Nils hatte sich ja immer gewundert, wieso Nikolai nie eine Freundin gehabt hatte. Sein Bruder war ja ein hübscher Kerl und die Mädchen auf der Schule hatten das immer bestätigt. Nicht nur eine hatte bei ihm angefragt ob Niki nicht noch zu haben wäre. Selbst jetzt fragten noch immer Schulkolleginnen nach ihm. „Du musst Dich nicht rechtfertigen.“ beschwichtigte Nils seinen kleinen Bruder. „Und Du musst Dich ja auch nicht vor der ganzen Verwandtschaft outen. Aber irgendwann solltest Du mitMama und Papa drüber reden. Sie
sollten es nicht von jemand Fremden erfahren.“

„Ich weiß.“ Nikolai seufzte und zog an seiner Zigarette. „Ich weiß nur nicht wie ... Hallo ... ich bin jetzt schwul und ihr seid die ersten die es erfahren ...“

„Ruhig, sachlich ... bestimmt. So wie Du immer Deine Sachen durchgezogen hast.“ Nils lächelte leicht. „Ich glaube sowieso, dass sie nur mehr drauf warten ... dass Du was sagst.“

Nikolai erblasste. „Wie bitte? Du hast ihnen doch nichts gesagt ... oder?“ Für so eine Tratsche hielt er Nils ja wirklich nicht.
Der ältere Parits schüttelte den Kopf und dämpfte seine Zigarette aus. „Nein. Kein Wort, aber ... vor ein paar Wochen hab ich gehört, wie Oma Papa gefragt hat, ob Du diesmal eine Freundin mitbringen würdest ... zu Weihnachten. Und Papa hat spöttisch gegrinst und gesagt, dass er mit vielem rechnet, aber damit ganz bestimmt nicht.“

„Das sind doch nur wilde Vermutungen.“ erwiderte Nikolai mürrisch.

„Ich weiß es aber, Niki.“ Nils lächelte flüchtig. „Mach Dir nicht in die Hose. Hast Du ihn schon jemals gegen Schwule was sagen hören?“

„Nein, aber wenn der eigene Sohne schwul ist, dann ist das doch was anderes.“

„Aber nicht bei unserem Vater.“

Vielleicht war das so, vielleicht auch nicht. Nikolai wollte es aber auch nicht drauf ankommen lassen.“ Ich werd mit ihm reden. Aber nicht jetzt ... und auch heuer nicht mehr. Okay?“
Nils nickte. „Wie Du willst, aber schieb es nicht zu lange raus, ja? Sie haben Dich sehr lieb und sie sind auch stolz auf Dich.“

Seufzend nickte Nikolai und schnippte die Zigarette über das Balkongeländer. „Gehen wir wieder runter. Sonst kriegen wir keine Kekse mehr.“ feixte er spöttisch und zog Nils dann vom Balkon in die Wohnung rein und runter in die Wohnung der Großeltern.

Na die Angst hatte Nils ja nicht. Ihre Mutter hatte ziemlich viel gebacken und auch die Tanten hatten was mitgebracht. Ihnen würde eher schlecht werden von den vielen Keksen.

Die Brüder waren schon vermisst worden. Oma Schopp war, was den Kirchgang betraf, sehr streng und hatte sich schon Sorgen gemacht, dass Nils und Niki geflüchtet waren. Lachend und schwatzend brachen sie schließlich auf - Niki in seine neue, warme Jacke gehüllt.

Und gut war es gewesen. In der Kirche war es wirklich eiskalt gewesen und nach der Weihnachtsmette hatte sich der Familienverband zum Glück aufgelöst. Gemeinsam mit seinen Eltern, Nils und den Großeltern war er zurück nach Hause gegangen und sich dann bald schon in sein Bett verzogen.
Eigentlich hatte er sich ja auf seine Familie gefreut, aber es war dann doch so, dass er seine WG und Freiburg vermisste. Irgendwie war das schon abartig. Erst ein halbes Jahr in Freiburg und er hatte sich schon so akklimatisiert. Und er vermisste Matthias. Auch wenn er meinte, dass sein Mitbewohner ja sturzbetrunken mit ihm geflirtet hatte. Geil war es trotzdem gewesen. Sonntag hielt er tapfer durch. Allerdings teilte er seinen Eltern dann am Abend doch mit, dass er schon am Montag zurück nach Freiburg fahren würde.

„Wirst Du denn schon erwartet?“ fragte sein Vater ihn am nächsten Morgen am Bahnhof, während sie auf den Zug warteten. Nils war unterwegs gewesen und schlief noch seinen seligen Schlaf. Also hatte Papa ihn zum Bahnhof gebracht. Nikolai war ihm auch dankbar dafür. Wie erwartet fuhr er mit mehr Gepäck zurück als er gekommen war. So wie es aussah, brauchten Matze und er die nächste Tage nicht einkaufen.

„Außer meinem Mitbewohner niemand.“ gab Nikolai ein wenig verschlafen zurück und grinste dann verschmitzt. „Der wird sicher glauben, ich hab in der Tasche ein halbes Schwein.“

Viel Zeit zum Reden hatten sie ja nicht gehabt. Gut über das Studium hatte Nikolai erzählt, aber über sein Privatleben geschwiegen. Alexander Parits war extra ein wenig früher zum Bahnhof gefahren um noch ein wenig mit Niki plaudern zu können. „Und wie sieht es mit Freunden aus? Hast Du schon Freundschaften geschlossen?“ fragte er freundlich und interessiert nach.
Nikolai schüttelte den Kopf. Es war zu früh am Morgen, als dass er mitbekam was das nun werden würde. „Du hast doch selbst Medizin studiert, Dad. Hast Du soviel Zeit im Nachtleben verbracht?“ fragte er grinsend.

Alexander lachte auf. „Der Punkt geht an Dich. Aber da hab ich ja Deine Mutter schon gekannt und gehabt.“

„Richtig. Deine Sandkastenliebe.“ spöttelte Niki gutmütig.

„Ja.“ Alexander hatte den gleichen Schlafzimmerblick wie Nikolai drauf. Auch wenn er ihn schon lange nicht mehr anwendete. „Sie war meine erste und meine einzige Liebe. Und ich bereue keinen Tag mit ihr. Sie hat mir zwei wundervolle Söhne geschenkt, auf die ich sehr stolz bin.“

Niki’s Spott verschwand und er lächelte seinen Vater warm an. „Ich weiß. Ihr seid echt zu beneiden.“ gab er zu.

„Keine Liebe in Sicht?“ wagte sich Alexander nun ein wenig nach vor.

„Nein.“ Das kam schnell ... vielleicht zu schnell. „Ich meine ... ich suche nicht ... ich habe keine Zeit dafür.“ Schwule hatten keine langen Beziehungen. Er selbst hatte nur Ones.
Alexander lächelte leicht und berührte Nikolai sacht an der Schulter. „Das kommt schon noch. Glaub mir.“

Niki spannte sich ein wenig an. „Ich ... glaube nicht. Es ist nicht so einfach.“ Das war schön zwanglos und ungezwungen. Hoffte er halt.

Seine Menschenkenntnis trog ihn nur selten. Alexander seufzte leicht und verstärkte den Druck auf Nikolais Schulter. „Irgendwann triffst Du den Richtigen und dann passt es.“ Ohja, er lehnte sich weit aus dem Fenster und das Eis auf dem er stand hörte er auch schon knacken.

„Ähm ...“ Jetzt fehlten ihm die Worte. Zur Widerrede war es zu spät und Niki sah seinen Vater nur schockiert und hochrot an. „Wo-wo-woher ...w-w-eisst Du das?“ stotterte er überrumpelt.

„Ein Vater weiß das eben. Er macht sich Gedanken um seine Kinder.“ Alexander zog Niki leicht an sich. „Und Du bist mein Sohn. Ich war immer stolz auf das was Du erreicht hast ... und ich weiß, dass Du Deine Ziele ehrgeizig verfolgst. Das liegt Dir im Blut. Du kannst gar nicht anders. Und was nun ... Deine Vorlieben betrifft ... es ist okay. Ich will nur, dass Du vorsichtig bist und glücklich bist.“ Ernst sah er seinen Sohn an. „Ich will, dass Du Dich vierteljährig testen lässt, okay?“
Ogott. Wo war das Loch das ihn verschlucken wollte? Er hatte mit einem Wutausbruch gerechnet. Mit eisiger Ablehnung, aber nicht mit Verständnis und guten Ratschlägen. Er schämte sich für seine schlechten Gedanken und er spürte wie eine Träne über seine Wange lief.
„Und Mama?“ fragte er heiser.

Dr. Parits lächelte leicht. „Sie weiß es auch. Wir haben lange darüber gesprochen und sie sieht das genauso wie ich. Wir wollen Dich nicht verlieren und wir können damit leben.“ Sie waren doch aufgeklärte Menschen. „Aber bitte tu was ich Dir gesagt hab, ja?“ Ein wenig verschämt kramte er in seiner Jackentasche herum und stopfte Niki zwei Päckchen in die Tasche der Barbourjacke.

Mit großen Augen verfolgte Nikolai das Tun seines Vaters. Sein Vater steckte ihm Kondome zu? Wie peinlich wurde das denn noch? Aber es war auch rührend. Und die nächste Träne lief ihm über die Wange. „Ich liebe euch ... sag Mama das bitte auch.“ Er wollte doch nicht heulen und doch schlang er seine Arme um den Hals seines Vaters.

„Schon gut. Denk nur an das was ich Dir gesagt habe, ja?“

Niki wischte sich die Träne weg und nickte ernsthaft. „Ich geh noch diese Woche. Versprochen.“ Aber er war ja nur safe unterwegs. Selbst beim Oralverkehr. Es war doch eben gut, einen Arzt zum Vater zu haben.

Mehr konnten sie nicht besprechen, denn der Zug fuhr ein. Alexander umarmte seinen Sohn noch einmal und half ihm dann das Gepäck in den Zug zu wuchten. „Gute Reise ... und ruf an ....“


Matthias hatte noch einen schönen Abend bei seiner Familie verbracht, hatte seinem Bruder bei seinem Spiel geholfen, bis dieser vor Übermüdung neben ihm auf dem Boden eingeschlafen war. Er hatte Markus ins Bett gebracht, und war dann noch eine Stunde bei seinen Eltern gesessen, dann auch in Bett verschwunden.Am ersten Weihnachtsfeiertag nach dem Mittagessen hatte sich der Braunhaarige wieder verabschiedet. So schön die Familie war, aber nun zog es ihn wieder nach Freiburg, in sein Wohnung und sein eigenes Bett. War zwar noch einsam und leer dort ohne Nikolai, aber der würde ja auch bald wieder kommen.

Matze fuhr eine gute dreiviertel Stunde nach Hause, nahm alle Sachen, die seine Mutter ihm mitgegeben hatte und verstaute sie in Vorrats- und Kühlschrank. Dann setzte er sich Kaffee auf und warf sich aufs Sofa, zappte durch die Glotze. Am späten Nachmittag telefonierte er kurz mit Ben, der sich immer noch sehr fröhlich anhörte. Trotz Besuch bei den Schwiegereltern. Gegen Abend piepte sein Handy nochmal und der Braunhaarige las die SMS....sie war von Nikolai und er würde schon morgen kommen....mit Uhrzeit.

Matthias freute sich....und er fragte sich, wie zum Teufel man sich so schnell so sehr an einen Menschen gewöhnen konnte, das man ihn schon nach einem halben Tag vermisste.Nun stand der Braunhaarige also am Bahnhof und trat von einem Bein auf das andere....Nikis Zug hatte etwas Verspätung und ihm war kalt.


Natürlich war der Zug überfüllt gewesen. Alle Züge waren überfüllt gewesen und die letzte Stunde hatte Niki auf dem Gang neben dem Klo verbracht. Mit Sack und Pack und entnervt. Na so schnell würde er nicht mehr mit dem Zug fahren. Zumindest nicht ohne Platzkarten.

Endlich hielt der Zug in Freiburg und er hatte eben den Vorteil als Erster aussteigen zu können. Mit der großen, zusätzlichen Tasche war das auch ein wenig .. mühsam und er hörte hinter sich jemanden schimpfen. "Ja ja ... " murrte er genervt zurück. "Sie werden schon nicht weiterfahren." Bah ... Was hasste er die Reisezeit. Endlich fand er sich auf dem Bahnsteig wieder und sah sich dann suchend um. Ein Lächeln umspielte seine Lippen als er den großgewachsenen Matthias entdeckte. "Hi Du." begrüßte er ihn lächelnd als er sich zu ihm durchgekämpft hatte.

Matthias betrachtete missmutig die Leute, die auf ihn zukamen und hoffte nur, das er auch groß genug war, das die einen Bogen um ihn machten und nicht umrannten, das konnte er grade noch brauchen.Allerdings änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig, als er Nikoali erkannte. Ein Stück kam er ihm entgegen und blieb dann stehen, sah ihn an. „Hi,....Engelchen..“ sagte er leise und lächelte, er war versucht, den anderen zu umarmen....und tat es dann einfach kurz. „Willkommen zu Hause....du siehst genervt aus. Lass uns von hier verschwinden.“ Er griff nach Nikis Tasche und ächzte. „Gott....was haben sie dir mit gegeben....eine Tasche voller Schweinsbraten und Semmelknödel?“ neckte der Braunhaarige dann und betrachtete Niki genauer. „Hast eine neue Jacke....sieht gut aus..“

Seine Laune verbesserte sich auch schlagartig. "Japp ein Geschenk von meiner Mum. Ich glaube, Nils hat ihr gepetzt dass die alte Jacke schon so schleißig ist." Natürlich half er Matthias die Tasche zu tragen. Jeder einen Henkel und es ging schon. Engelchen. Ein warmes Kribbeln machte sich in seinem Bauch breit. "Also Herzchen ..." scherzte Nikolai grinsend ... "Aufstriche, Kekse, ein Kuchen ... Nudelsalat und anderer Kram. Mama hat mir net geglaubt, dass wir uns mit dem Kochen abwechseln." Natürlich hatte sie ihm gesagt, dass er viel zu dünn war. Ha. Als wusste er das nicht selbst.

„Dein Bruder ist klasse, der denkt wenigstens mit.“ Matze lächelte Nikolai an, das Herzchen gefiel ihm....auch wenn es für einen Mann seiner Größe nicht so ganz treffend war. Aber so wie Niki das sagte, klang es einfach toll und es verursachte ein warmes Gefühl in seinem Bauch.Langsam kämpften sie sich auf den Ausgang zu. „Meine Mutter hat unsere Vorratskammer auch aufgefüllt....wir werden bis Silvester nicht verhungern.“ Matthias grinste Niki an und zuckte die Schultern. „Das können Mütter einfach nicht lassen, glaube ich...“

"Na ja ... die armen Kinder könnten doch verhungern ... bei dem schweren Studium kommen sie ja zu nichts." feixte Nikolai fröhlich. "Aber ist mir nur recht, wenn wir nicht einkaufen müssen. Die nächsten Tage ist sicher die Hölle los." Suchend sah er sich um, als sie das Bahnhofsgebäude verlassen hatten. "Ich hoffe, Du bist mit dem Auto da ... Herzchen." zog er Matthias auf. Er hatte ihm das Herzchen ja nicht verboten.

„Stimmt auch wieder...“ sagte Matthias, als er die Treppe vom
Bahnhofsgebäude hinunterlief. „Nein, Engelchen....ich bin nicht mit dem Auto da. Ich habe so was befürchtet und einen Hubschrauber ausgeliehen...“ meinte er trocken und grinste dann. „Da drüben...ein bisschen weiter weg, es war schon so verdammt voll hier..“ sagte er dann und setzte sich in Bewegung.

Tsk. Nikolai zog ein gespielt beleidigtes Gesicht. "Und ich dachte, Du holst mich romantischerweise mit einem Pferdeschlitten ab." Niki schüttelte den Kopf. "Auch kein Verlass mehr auf Dich." Da wirklich Gott und die Welt unterwegs war, dauerte es ein wenig bis sie Matzes Auto erreicht hatten. "Bin ich froh, wenn wir zu Hause sind." stellte er dann ächzend fest und ließ sich in den Beifahrersitz fallen - nachdem sie sein Gepäck im Kofferraum verstaut hatten.

Matthias lächelte und pokte Nikolai auf die Nasenspitze. „Dann hätte das Engelchen im Himmel bei Frau Holle anklopfen und für Schnee sorgen sollen...dann hätte ich das gemacht..“ sagte er leise und sah Niki in die Augen, setzte sich dann in Bewegung, auf sein Auto zu. Er musste diese Blicke unterlassen, er hatte dabei immer so ein Gefühl im Magen, das sich nicht beschreiben ließ. Als er endlich den Motor starten und den Parkplatz, allerdings nur im Schritt-Tempo, verlassen konnte, atmete er tief ein. „Ja...da bin ich auch froh. Es ist schön warm und ich hab Kaffee hingestellt....mit Zeitschaltuhr. Der wird grade fertig, wenn wir ankommen.“

Niki lehnte sich zurück und schloß für einen Moment die Augen. "Du bist wirklich ein Engel. Seit dem Frühstück hab ich nur ein dürres Brötchen gegessen. Ich war zu faul um in der großen Tasche zu kramen. Und da ich die meiste Zeit am Gang war, wollte ich das erst recht nicht." Träge öffnete Nikolai die Augen und sah zu Matthias rüber - betrachtete dessen Profil. "Ich glaub, den Kaffee nehm ich heute auf dem Sofa zu mir ... wenn's dem Herrn recht ist"

„Mir ist alles recht, Nikolai...so lange du in Griffweite bist..“ Matthias warf Niki einen kurzen Seitenblick zu und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. „Kekse, Kuchen...ich hab sogar Sahne. Wir werden leben wir die Fürsten....immerhin ist heute ja noch Weihnachten. Und irgendeine Schmonzette im Fernsehen.“ Der Braunhaarige zählte auf, was er sich grade so unter einem gelungenen Nachmittag vorstellte.

"Das klingt gut." stimmte Nikolai lächelnd zu und behielt Matthias weiter im Auge. Wie durfte jemand so unverschämt gut aussehen, in unmittelbarer Nähe sein und doch so weit weg. Jammerschade. "Ich brauche Kaffee. Stark und mit viel Zucker." Normalerweise mochte er keinen Zucker, aber den brauchte er heute zum Aufputschen. "Hast Du morgen eigentlich schon was vor?" fragte er dann weiter.

„Kaffee mit Zucker? Na, wie mein Engelchen wünscht..“ Matthias grinste und sah Niki an, bog dann um die nächste Straßenecke. Nicht mehr lange und sie würden zu Hause sein.„Hm...ich hab etwas vor......gehabt..“ sagte er dann. „Ich wollte meinen Mitbewohner vom Bahnhof abholen, aber da er sich entschieden hat, heute zu kommen, bin ich sozusagen frei. Warum fragst du?“

Jetzt wurde Nikolai ein wenig rot und verlegen. "Ich dachte daran, Dich vielleicht als Modeberater zu missbrauchen. Da ich jetzt wieder flüssig bin, wollte ich natürlich in meine Garderobe investieren. Oder ... wir holen uns von der Videothek ein paar Filme und machen uns einen faulen Tag." Für morgen hatte er ja keinen Lernstoff eingeplant gehabt.

„Von mir aus gern. Erst das eine, dann das andere. Wenn wir morgen früh rechtzeitig losgehen, sind wir gegen zwei, drei wieder da. Und dann hauen wir uns aufs Sofa und schauen uns ein paar Filme an.“ Matthias überlegte, rechnete und wäre fast an ihrem Haus vorbeigefahren, obwohl direkt davor ein Parkplatz war. „Na sieh mal einer an...da müssen wir gar nicht so weit schleppen..“ grinste der Braunhaarige und parkte ein, stellte den Motor ab.

Unverhohlen zeigte Nikolai seine Freude darüber und grinste breit. "Was man nicht im Kopf hat, hat man sonst in den Beinen." Der Parkplatz war gut und die Aussicht den schweren Kram nicht so weit schleppen zu müssen, erfreute einen doch.
Gemeinsam schleppten sie die Tasche nach oben. "Ich geh mich mal schnell duschen, ja?" Niki schnüffelte an sich. "Ich kann mich selbst nicht riechen. "Und die Tasche pack ich dann gleich aus."

Matthias sollte sich keine Mühe damit machen.„Okay...“ Matthias hängte seine Jacke im Flur aus und schlüpfte aus den Schuhen. „Ich stell die Tasche derweil in die Küche.“ Er lächelte dem Schwarzhaarigen zu und nahm die Tasche auf, ächzte und verschwand damit in der Küche.In einem Anflug von weihnachtlichem Wahnsinn hatte er diese dekoriert....ein Tannengesteck stand auf dem Tisch und er hatte kleine Engelsfigürchen aufgestellt. Dazu noch ein paar weihnachtliche Teelichter.

Matze nahm den Kaffee aus der Maschine und goss ihn in eine Thermoskanne, stellte Milch, Zucker und Tassen auf den Tisch und richtete einen Teller mit Keksen.

"Okay, dank Dir." Niki warf noch einen letzten Blick auf Matthias' Hintern. Seufzend betrat er sein Zimmer und stellte seine Sachen ab. Träge entledigte er sich seiner Sachen und griff sich eine frische Unterhose und Jeans. Die meiste Zeit hatte er in den verrauchten Gängen rumgelungert und jetzt grauste ihm vor sich selbst.
Niki lief ins Badezimmer und duschte sie ausgiebig. Ah, das tat gut. Mit feuchten, verwuschelten Haaren verließ er das Badezimmer und trabte wieder sein Zimmer rüber. Die schon etwas ältere, hellgraue Cordjeans saß ziemlich tief und Niki zog sich ein dünnes Langarmshirt darüber.
"Hmm ... Die Frau Mama hat wohl geglaubt, dass Du hier verhungerst." stellte Niki frech fest, als er in die Küche kam und den Teller mit den Keksen sah. Und er sah sich auch gleich staunend um. "Du hast dekoriert." stellte er fest.

„Meine Mutter meint, mich mästen zu müssen, dabei sollte sie als Frau eines Kurarztes doch wissen, was falsche Ernährung alles anrichten kann..! Matthias sah auf, als Nikolai die Küche betrat und musterte ihn kurz, zwang sich, nicht allzu sehr zu starren. Auf die Dekoration angesprochen, wurde der Braunhaarige verlegen. „Na ja, nur ein wenig...immerhin sollen wir merken, das Weihnachten ist....noch.“ Matze deutete auf die Kaffeekanne. „Setz dich.....und nimm dir Kaffee. Er ist schön heiß.“

"Ahja. Man könnte meinen unsere Mütter haben telefoniert." bemerkte Nikolai trocken und lümmelte sich auf die Bank. Er zog seine Beine hoch und nahm sich einen Keks. "Mhmm lecker." Er nahm sich einen weiteren und griff sich dann die Kanne um Kaffee für sich und Matthias einzuschenken. "Ich bin froh, wieder da zu sein." gestand er lächelnd und gab einen Schluck flüssige Sahne in den Kaffee. Er konnte es sich ja leisten.

„Na wer weiß? Vielleicht haben sie einen heißen Draht zueinander, von dem wir nichts wissen, Engelchen..“ bemerkte Matthias trocken und bedankte sich fürs einschenken. Er sah auf und nickte, ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. „Ich bin auch froh....da du wieder hier bist. Die Wohnung ist so ruhig ohne dich.. das kann man gar nicht beschreiben. Ich soll dich übrigens von Ben grüßen, ich hab gestern mit ihm telefoniert.“

Niki errötete ganz leicht und nippte an seinem heißen Kaffee. "Ahja? Wirklich? Wie geht es ihm denn mit den Schwiegereltern." Ja er lenkte gern von sich ab und Ben war ja immer ein dankbares Opfer über das sie herziehen konnten.

„So wie es scheint sehr gut...er wirkte am Telefon richtig ausgelassen, aber das will ja nichts heißen. Vielleicht haben sie ihm Drogen gegeben...eine Überdosis Weihnachtskekse oder so.“ Matthias lachte leise und nahm sich ein Vanillekipferl, knabberte daran herum. „Und wie ist es dir so ergangen zu Hause....nachdem wir telefoniert haben?“Lächelnd hatte er Matthias zugehört und wurde dann aber wieder ernst.

"Es war ... okay." meinte er leise. "Zum Glück hat sich die Verwandtschaft nach der Christmette verzogen. Davor ... hat mich aber mein Bruder in die Mangel genommen."

„Meine Oma war nicht von der fixen Idee abzubringen, das du mein fester Freund bist...“ sagte Matthias lächeln, runzelte dann aber die Stirn. „Dein Bruder hat dich in die Mangel genommen? Aber der schien doch so nett.....und ihr zwei versteht euch doch so gut.“ Sagte er und sah den Schwarzhaarigen fragend an.

Normalerweise hätte Niki der Kommentar über Matthias' Oma zum Lachen gebracht, aber heute nicht. Ihm ging noch immer soviel durch den Kopf.
"Er hat mir auf den Kopf zugesagt, dass er weiss ... dass ich schwul bin." sagte er ein wenig leiser und strich sich durch die feuchten Haare. "Aber er war cool."

„Verstehe...“ Matthias sah Nikolai ruhig an. „Aber das ist doch in Ordnung...ich meine wenn er so cool reagiert hat. Oder bist du dir immer noch nicht sicher, was du bist?“ fragte er dann nach. „Und grübelst jetzt deswegen nach?“

"Doch .. ich weiß wer und was ich bin. Und ich ... ich bin erleichtert, dass ich es endlich weiß." Niki seufzte und sah Matthias für einen Augenblick in die Augen. "Mein Vater weiß es auch ... ich glaube ... alle wissen es ... Mit dem Kondomvorrat mit dem sie mich zurückgeschickt haben, könnte ich mich tagelang durch Freiburg vögeln." meinte er ein wenig sarkastisch.

„Und? Wirst du das auch tun?“ fragte Matthias mit einem Zwinkern in den Augen, das zeigte, das er es nicht im Ernst meinte. „Es ist gut, wenn das Outing so verläuft...auch wenn in deinem Fall du anscheinend der letzte warst, der es wusste.“ Der Braunhaarige lächelte und nahm sich einen zweiten Keks. „Dein Vater scheint ein toller Mann zu sein...und umsichtig. Kondome kann man nie genug haben..“ stellte er dann fest.

"Keine Ahnung." Nikolai fühlte sich ein wenig mit der Situation überfordert. Mit soviel Verständnis und Liebe hatte er eben nicht gerechnet. "Er will, dass ich mich regelmäßig testen lass. Gibt es hier was ... Anonymes?" fragte Nikolai und sah Matthias wieder an. Ein unangenehmes Ziehen machte sich kurz in seinem Bauch breit und unwillkürlich erinnerte er sich an ihr Telefonat am Heiligen Abend.

„Klug...“ sagte Matthias und nickte zustimmend. „Auch wenn du immer safe unterwegs bist, sicher ist sicher.“ Er sah Nikolai in die Augen und seufzte innerlich....zu gern hätte er das fortgesetzt, was sie mit ihrem Telefonat begonnen hatten. Aber Niki war da ja nicht mehr ganz nüchtern gewesen und erinnerte sich wahrscheinlich nicht mal mehr an alles. „Es gibt hier am Klinikum eine Stelle, wo du das testen lassen kannst...ohne viel trara. Ich geb dir die Adresse, oder noch besser, ich zeigs dir einfach mal.“ Matze leckte sich die Krümel von den Lippen und lächelte. „Mach nicht so ein Gesicht, Engelchen.....du bist schwul, deine Eltern wissen davon und lieben dich trotzdem. Das ist doch klasse.“